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Die Chroniken von Llandy

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Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Hikari am Sa Sep 16 2017, 21:41

Zehn Tage lang folgte der Dämon dem Fluss Than und dem nördlichen Ufer des gleichnamigen Sees nahe der Grenze zu Ardarth. Eine Grenze die für Flüchtlinge geschlossen bleiben würde. Ein Gedanke, der den Verzweifelten Kummer und Hass entlockt, bei dem Dämon jedoch nur auf eine Form des milden Verständnisses stieß. Kein Land würde seine Grenzen offenlassen, wenn der Krieg vor seiner Tür stünde. Niemand würde Flüchtlinge aufnehmen, die von einem Heer verfolgt wurden, dass bereits zwei Länder verwüstet und einen König getötet hatte.
Sich diesem bewusst ging der Blick des Mannes nur ein einziges Mal in die Richtung in welcher er die Grenze vermutete, während er die schweren Stiefel Schritt für Schritt über den Waldboden zog. Mal durch den schlammigen von Regen durchnässten Boden, mal über die Blätter, welche unter dem ersten Frost des nahenden Winters, unter seinen Stiefeln knackten.
Je näher der Winter zu kommen schien, desto unwohler schien sich der Brünette zu fühlen, dennoch löste er in dieser Zeit mehr als nur ein Mal den Pelz von seiner rechten Schulterplatte und reichte ihn der einzigen Frau in der Runde. Eine Frau welche durch einen Handel an ihn gebunden war und ihn dazu zwang bei diesem Sauwetter durch einen Wald zu stapfen, nur damit sie heile in Dunkelfluss ankam.
Noch immer war er nicht überzeugt von der Idee der Fee, doch spätestens, wenn sie in Dunkelfluss ankamen und in Ketten gelegt in irgendeinen Kerker geworfen wurden, würde die Naivität des blonden Prinzeschens vielleicht verblassen. Dennoch… wenn er die Kette seiner Mutter wiederhaben wollte, hatte er keine andere Wahl als sie in die Hafenstadt zu führen. Stehlen, so sehr er es sich an diesen kälter werdenden Tagen und in den eisigen Nächten wünschte, war keine Option. In seiner Kindheit und Jugend hatte er nie erfahren, ob die Kette mit Schutzzaubern belegt wurde und so sehr ihn die Naivität der Fee zur Weißglut brachte, er wollte nicht derjenige sein, der ihr Vertrauen missbrauchte. Wie unmenschlich ihn das doch machen würde. So sorgten die Angst vor möglichen Schutzzaubern und der stumme Wunsch der Welt zu beweisen, dass er kein wortbrechendes Monster war dafür, dass sich der Wolfsdämon missmutig seinem Schicksal ergab.
Zehn Tage lang führte der 27 Sommer alte Mann Helena und Roderik an den Windungen des Than vorbei immer weiter in den Westen des Waldes. Immer weiter weg von der falschen Versprechung der Rettung – der nahen Grenze – und zurück zu den offenen Ebenen des Landes, auf welchen sie ein leichte Ziel für ihren Feind sein würden.
Es war eine Strecke für die sie unter normalen Umständen zwölf Tagesmärsche gebraucht hätten, doch trieb der Dämon sie unerbittlich voran. Die Gefahr schien über ihnen zu schweben, seit er an jenem Morgen vor 10 Tagen erfahren hatte, dass man sie nicht einfach nur zu töten gesuchte. Wie ein Hammerschlag war die Erkenntnis auf ihn niedergefahren, als der sonst so treue, liebenswerte Krieger der einst ein Bauer gewesen war, die Waffe gegen Lucien richtete. Ein Verrat der schwerer gewogen hätte, wenn sich der Mensch nicht mehr als einmal bei ihm entschuldigt hätte. Dass es die Gefangenschaft in den Fängen der Schwarzröcke gewesen war, die ihn zu einer solch irrtümlichen Handlung gebracht hatte. Stillschweigend hatte der Braunhaarige diese Erklärung akzeptiert, doch hatte er das Tempo seiner Handlungen und Gedankengänge beschleunigt. Hatte sie selten Rasten lassen und sie angetrieben bis sie statt 10 Stunden am Tag, eine Strecke von 12 Stunden zurücklegten. Die Gefahr, welche wie ein Omen über ihnen schwebten und die Wahrscheinlichkeit, dass der Feind noch immer in ihrem Nacken war, ließen den Dämon das eine oder andere Mal die Zerbrechlichkeit seiner Gefährten und seine eigenen Schwächen vergessen.
So wiegte die Rüstung schwerer als sonst auf den Schultern, des Mannes welcher sich nur mit Roderik die Nachtwachen geteilt und seine Füße hinterließen ungewöhnlich laute und tiefe Spuren auf dem Waldboden, während er mehr schlurfte als ging und sich immer dann, wenn die Fee abgelenkt zu sein schien an die Seite fasste, welche noch immer von einem nicht verheilten Dolchschlag schmerzte. Tatsächlich machte der nahende Winter es dem Dämon schwerer seine Verletzungen zu heilen und die Last der Rüstung auf seinen Schultern zu tragen, doch erwähnte er das nicht. Mit einem entkräfteten Roderik an seiner Seite und einer Frau die sich weigerte eine Waffe zu führen, war er letztendlich derjenige der für ihr Überleben sorgen musste. Auch wenn er nicht gänzlich wusste wie er das anstellen sollte.
Wenn er sich in seinen Berechnungen nicht irrte, waren sie am westlichen Ende des Waldes angelangt und einige Tagesmärsche im Südwesten von ihnen lag an den Biegungen des Than’s und dort wo er auf den Porthca traf die Hauptstadt Doliene’s, Königswald. Der einstige Sitz des Königs und heute die Basis des Feindes. Der eine Ort, denn sie unter allen Umständen meiden sollten.
Es war der Morgen des zehnten Tages, als etwas die Stille zerriss, dass wie ein Katze in Todesqualen klang und dennoch seltsam vertraut war. Ohne ein Wort zu seinen Gefährten, klaubte der Wolf das Gepäck auf und warf jedem sein Bündel zu, ehe er beseelt von neuer Energie in die Richtung davon stolperte aus der das Katzengejammer zu ihnen drang. Ehe er sich versah stolperte durch das dichte Unterholz auf eine Lichtung zu auf der gerade jemand oder etwas sein Frühstück bereitete. Eine Gestalt die ihm mit seinen gelben Lampen-Augen und den riesigen Ohren ähnlich einer Fledermaus so vertraut war, dass es dem Krieger ein Lächeln entlockte, unmittelbar gefolgt von dem Ausruf eines Namens „Wurmzahn!“ Die Freude auf das Wiedersehen mit dem seit Wochen von ihnen getrennten Goblin ließen alle Fragen zunächst in den Hintergrund rücken.

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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Lleweyllyn am Sa Sep 16 2017, 22:00

Das war alles nicht nach Plan gelaufen, das war einfach alles ganz und gar nicht nach Plan gelaufen.

Er könnte jetzt in der Wachstube sitzen. Zugestanden, er müsste zwar die Zoten und zutiefst langweiligen Geschichten des Leutnants ertragen, aber wenn er nur zielsicher an den passenden Stellen ausreichend laut und doch zurückhaltend genug lachen würde, wäre auch für den folgenden Abend eine warme Suppe, ein Kanten Brot und ein Schlafplatz unter einem festen Dach sicher.

Und jetzt? Es war einfach nicht nach Plan gelaufen! Sein Missgeschick war nicht das erste Mal vorgekommen, also zumindest so ähnlich. Na gut, so direkt jetzt wirklich nicht, aber zumindest so ähnlich, insofern könnte man meinen, dass es nicht so tragisch sei. Thoralf erinnerte sich aber nur zu gut daran, wie es seinen Vorgängern ergangen war. Wachtmeister Lehnhart hatte es dabei noch am besten getroffen. Als – zugestanden verstoßener Bastard – Sohn des Hauptmanns schien man doch noch einen anderen Stellenwert zu haben. Einen Stellenwert, der es ermöglichte, noch im Licht zu wandeln, nicht im Schatten. Er hatte seinen Schaden bezahlen dürfen in absurder Münze, aber er lebte weiter. Irgendwo gewiss, gewiss auch nur irgendwie – aber er lebte.

Thoralf schauderte, als er an Brolas denken musste. Und an Brolas‘ Wimmern und Gurgeln. Und an all das Blut. Bei allen Geistern, das Blut. Der Alchemist, der ab und an ebenfalls in der Stube war, um Bericht zu erstatten, hatte mal erwähnt, dass es bis zu sechs Liter bei einem Menschen sein können. Verflucht, bei Brolas müssen es 100 gewesen sein. Was eine Sauerei. Wäre Brolas nicht eingeschlafen und wäre der Leutnant den Abend nicht so unfassbar betrunken gewesen, das Messer wäre an Brolas‘ Kehle vielleicht vorbei geflogen. So aber hatte Brolas versucht, sein Nickerchen zu verteidigen – was nicht sonderlich zur Befriedung der Situation beitrug. Dann wollte der Leutnant Messerwerfen spielen, wie er es hier und da mal tat. Je besoffener, desto lieber. Eigentlich ging das immer mit dem Schrecken aus. Schließlich mussten die Sklaven ihre Aufgaben erledigen.

Eines musste man dem neuen Hauptmann zu Gute halten: seit er das Kommando hatte, war die Zahl der Sklaven, die auf eher ungeklärte Weise umkamen, rapide gesunken. Es war ganz einfach: starb ein Sklave außerhalb der Arbeit oder der Baracken, füllte eine Soldat den Platz auf. Das Los entschied. Warst du heute noch der Schinder, warst du morgen der Geschundene. Was schlussendlich bedeutete, dass die Schatten sehr schnell über einen kamen. Gleichwohl: der Weg in die Schatten war so düster, dass die Schatten einem wieder wie Licht erscheinen mussten. Wer glaubte, dass man als ehemaliger Soldat vielleicht weniger hart geschunden wurde, der irrte. Das Gegenteil war der Fall. Man musste kein Genie sein, um zu erkennen, dass die ehemaligen Soldaten einfach noch besser bei Kräften waren, als ein Sklave, der seit x Monaten getriezt wurde. So gab es dann regelmäßig Sondereinheiten, die die Soldaten sehr schnell auf das Niveau der Sklaven brachten. Oder darunter. Und das war gut so. Denn auch wenn man bei den Soldaten schlecht stand, bei den Sklaven stand man schlechter. Der arme Gustav…

Thoralf schob die Bilder weit weg, die sich anschickten, seinen Verstand zu verstören. Gustav und Thoralf hatten ein Auskommen miteinander gefunden, sie hielten sich Gegenseitig schadlos und halfen dem anderen, wenn es notwendig war. Bis der Sklave weggelaufen war. Es hätte _jedem_ passieren können! Jedem! Nur weil Gustav da stand, wo der Sklave hinrannte? Er hatte ihn gar niedergestreckt, ohne den Sklaven zu töten. Natürlich war er verletzt, eine Bardike war schließlich kein Zahnstocher. Im Suff las der Leutnant die Geschichte aber so, dass Gustav den Sklaven „ausserhalb des üblichen Betriebs“ verletzt hatte. Gustav? Ausgerechnet? Der arme Tropf! Ein Opfer der Umstände, mehr nicht! Der etwas zu große und ungelenke Sohn eines Bauern, welcher sein Land nicht hatte hergeben wollen. Im Handel schickte der Bauer seinen Sohn Gustav in die Wache, der Bauer hielt sein Land. Und somit wohl das Leben von Gustavs gesamter Familie.
Gustav und Thoralf hatten gesehen, was mit den Soldaten geschah, wenn sie in die Baracken gingen. Und meistens nicht wieder kamen. So auch Gustav nicht. Weil Gustav jedoch wusste, was im blühte, hatte er durchgeschuftet. Vier Tage und fünf Nächte – ohne Pause, bei einem mickrigen Stück Brot und einem halben Krug Wasser am Tag. Irgendwann war seine Sollbruchstelle erreicht, er brach zusammen und kam in die Baracken für die Nacht. Und von dort in die Schatten. Bis dahin waren es nur Gerüchte, dass es Kannibalismus unter den Sklaven gab.

Das Absurde daran war: man fand Gustav - oder eher seine Reste – und übte Vergeltung. Als Abschreckung, wie sie sagten. Was ein Witz! Ab einem Punkt war es den Sklaven einerlei, wann es zu Ende ging. Und dachte man die Logik in aller Perversion zu Ende, dann fehlten nun dreizehn Kräfte in den Arbeitsbataillonen. Aber auf die Rechnung kam keiner, zumindest nicht laut. Schlussendlich hoffte Thoralf, dass Gustav ein schnelles Ende hatte und seine Seele Ruhe finden würde.

Vielleicht war es ja auch Gustavs rastlose Seele, die es Thoralf ermöglicht hatte, in diese missliche Lage zu schliddern. Oder es war das Knacken der Flammen gewesen, die lichterloh aus der Baracke schlugen. Genau der Baracke, die Thoralf verschlossen hatte. Und die er so gewissenhaft es eben nötig war untersucht hatte. Alle Schlösser waren zu, alle Sklaven in Ketten. Kein Sklave kam in Ketten bis an die Tür, so wollte man Hinterhalte vermeiden. Warum brannte die verfluchte Baracke? Thoralf sah die Wachen im Schein des Feuers um die Baracke stehen. Die Nacht war stockfinster, der Himmel war bedeckt, weder Mond- noch Sternenlicht. Im flackernden Licht erkannte er den Leutnant, wie er – höchstwahrscheinlich rotweinschwer - wild fuchtelnd auf drei Wachtmeister einredete.

Die Geschichte machte schon länger die Runde: die Ausfälle in den Arbeitsbataillonen hatten zuletzt stark zugenommen. Natürlich spielte das Wetter in diesem harten, kalten und ungewöhnlich frostreichen Winter eine Rolle, aber man munkelte, dass der Stab des Hauptmanns seit längerem die Verluste dem Leutnant ankreidete. Auch wenn es Sklaven waren, so war man doch auf Ihre Arbeitskraft angewiesen. Schindete man sie zu stark, dezimierte sich das Bataillon zu schnell. Die Arbeit dauerte länger, der Fortschritt verlangsamte sich. Gerüchte gingen um, dass eine Arbeitsstatt gar stillgestanden hatte, weil keine Sklaven mehr da waren. Und Gerüchte, dass man die gesamte Stätte „umgruppiert hatte.“ Vom Schinder zum Geschundenen…

Insofern war Thoralf schnell klar, was ihm blühte, als die drei Wachtmeiser noch in den Tiraden des Leutnants abdrehten und mit dem Rückenwind des wilden Gefuchtels in Richtung von Thoralfs Baracke marschierten. Nicht so tragisch? Er sollte sich sicherheitshalber nicht darauf verlassen - stattdessen musste er jetzt handeln. Schnell und im Idealfall wohlüberlegt. Er langte nach dem nächstbesten Mantel, ergriff sein schangeliges Florett und stürmte hinaus in die klammkalte Nacht. Weg von den Flammen. Weiter hinein in die Dunkelheit. Geduckt, aber hastig und bisweilen kriechend und krauchend zwischen Hütten und Kisten weg von der Stätte. Schnell realisierte er, dass Schuhe hilfreich gewesen wären, aber umzukehren war jetzt keine Option.

Er drehte sich um, um zu sehen, ob man ihn verfolgte. Bisher sah es ganz gut aus, es war niemand in Sicht. Das könnte klappen. Wäre da nicht der Mehlsack gewesen, der sich mit einem brummigen „He“ umdrehte, als Thoralf in geducktem Schritte mit seinem Kopf an des Mehlsacks Hinterteil gerauscht war. Alles was dann kam, ist für Thoralf im Nachhinein nur schwer greifbar. Das Florett, der Adamsapfel des Mehslacks und das leise Gurgeln, als Thoralf die Waffe wieder und wieder in das Blut fahren ließ, während seine Hände zäh-warm bedeckt wurden. Der Mehlsack kippte zusammen und blieb schlussendlich regungslos liegen. Thoralf klaute die Schuhe, zog sie an und huschte weiter. Wohlwissend, dass seine Zeit in der Arbeitsstätte auf Seiten der Schinder wohl beendet war. Es war jetzt einzig an ihm, nicht auf die Seite der Geschundenen geworfen zu werden.

Thoralf, der Meuchelmörder.

Irgendwie war es  einfach nicht nach Plan gelaufen.

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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Steinreis am So Sep 17 2017, 12:54

War alles schlecht und muß gelöscht werden.


Zuletzt von Steinreis am Mo Sep 18 2017, 11:40 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Roderik am So Sep 17 2017, 16:56

Roderik hat sich nach seinem Angriff auf Lucien etwas zurückgezogen. Er ist sich nicht sicher, wie der Wolfsdämon...sein `Freund`...darüber denkt, doch zumindest kann der Mann weiterhin ein Auge auf den Dämonen werfen. Während der ersten zwei drei Tage ritt er sein Pferd, das Einzige der Gruppe, doch als er sich kräftiger fühlte, überlies er es Helena. Helena, die Frau, deretwegen er Lucien viel zu früh angegriffen hatte. Nun, die Sache ist vorbei doch nicht vergessen. Roderik hat ausführlich und glaubhaft versichert, die Gefangenschaft hätte ihn nicht nur körperlich schwer mitgenommen. Doch was wirklich dort in der Burg geschehen ist, behält er für sich.
Während der nächtlichen Wachen hat er oft zu dem `Freund` geschaut, doch dessen Schlaf war und ist einfach zu leicht. Selbst Helena schläft nicht immer so tief, wie er hofft. Nun, seine Zeit...seine Chance..wird kommen. Dessen ist sich Roderik sicher.
Und nun ziehen sie westwärts. Der Dämon führt die Gruppe, während Roderik zeitweise neben Helena und sonst am Ende geht, immer mit etwas Abstand zu Lucien. Oft blickt er zurück, wenn er das Ende bildet. Immer wieder hört er eine Stimme im Kopf und dann hört der Schmerz auf, welchen er oftmals verspürt, wenn er Lucien zu lange ansieht. Helena gegenüber ist er inzwischen völlig zurückhaltend, nur wenn es darum geht, das Pferd...sein Pferd...zu versorgen, geht er ihr zur Hand beziehungsweise übernimmt die Aufgaben alleine. Diesem Tier, so ist sich der Mann sicher, verdankt er seine Flucht und daher ist es auch das einzige Lebewesen, welchem er in der Gruppe bedingungslos vertraut. Ja, er würde auf Manche wie ein Verrückter wirken...ein Traumatisierter...doch das Alleine ist es nicht. auch seine Schwäche ist inzwischen eher nur noch gespielt, um Lucien im Glauben zu lassen, der Mann wäre immer noch keine Gefahr. Doch sobald Lucien während der Rastpausen auf der Jagd ist, zieht sich Roderik in den Wald zurück. Dort....ausserhalb Helenas Sicht..übt er sich im Schwertkampf. Auf dem Rückweg pflückt er stets einige Beeren, Kräuter oder Pilze, um ihr zu erzählen, er wolle das Mahl etwas verfeinern.
Nun, am zehnten Tag, hört auch er das Geräusch. Als ihm Lucien das Bündel zuwirft, reagiert er instinktiv und fängt es problemlos, doch nur einen Sekundenbruchteil später fällt ihm ein, daß Dies ein Fehler gewesen sein könnte. Er lässt es fallen, flucht schmerzerfüllt und reibt sich die Arme und Schultern, ehe er es unter Stöhnen schultert. Er lässt Helena aufsteigen und dann folgt er den Beiden...wie stets mit Abstand.
Er hört Lucien, ehe er den Goblin sieht und stockt. Also lebt dieser Abschaum auch noch. Das könnte seine Rache erschweren, denn Wurmzahn wird im Zweifel zu Lucien stehen. Roderik tritt heran und mustert den Goblin, dessen Geruch ihn die Nase rümpfen lässt, doch er selbst riecht auch nicht gerade nach einer Blumenwiese. Er lässt mit gequältem Stöhnen das Bündel fallen und zwingt sich zu einem schiefen Lächeln.

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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Drachenschmetterling am So Sep 17 2017, 22:10

10 Tage war es her... überlegte die junge Frau müde. Vor 10 Tagen war Roderik zurückgekehrt. Verändert, aber am Leben. Es fiel ihr schwer sich vorzustellen, welche Qualen er erlitten hatte und wie bedrohlich alles auf ihn wirken musste. Der Angriff auf Lucien hatte auch sie überrascht, aber Roderik wirkte gehetzt wie ein Tier und er hatte versucht sie zu beschützen, wie könnte sie ihm da misstrauen.
Lucien ging immer vor ihr, sah nicht zurück, sondern folgte stur seinem Weg. Dennoch waren beide Männer scheinbar besorgt um sie. Lucien legte ihr oft seinen warmen Pelz über die Schultern und jedes Mal, wenn er ihr so nahekam, hielt sie unbewusst die Luft an und bekam kein Wort der Widerrede raus. Es war ein seltsames Gefühl für sie Pelz zu tragen, denn bisher hatte ihr Körper dort geschmerzt wo der Pelz sie berührte, aber nicht so bei diesem. Von einem Lebendem Tier. Von dem Wolf der Lucien sein konnte.
Beim ersten Mal hatte es sie überrascht. Würde sie auf dem Weg erfrieren, könnte er sich die Kette einfach nehmen. Aber überhaupt, dass er auf ihren Handel einging war ihr wie ein Geschenk Gottes erschienen.
Mit den Fingerspitzen berührte sie den fliederfarbenen Edelstein, der an einer feinen Kette um ihren Hals hing. Das Verlangen in Luciens Blick, als der Stein das Sonnenlicht reflektiert hatte und seine Aufmerksamkeit auf sich zog, brachte Helena in ihrer Verzweiflung dazu ihm einen Handel vorzuschlagen. Er würde die Kette bekommen, wenn er sie zum nächsten Hafen führte, von dem aus sie aus dem Land fliehen konnte. Sie wusste nicht, was ihn dazu bewegte sein Versprechen zu halten, aber sie betete, dass er nicht irgendwann seine Meinung änderte, denn das würde ihren sicheren Tod bedeuten.
Die ersten Tage war Roderik noch so schwach, dass er selbst sein Pferd ritt. Am dritten oder vierten Tag überließ er ihr das Tier und half ihr in den Sattel. Sie war ihnen wirklich dankbar, denn beide verzichteten für sie auf diese Dinge. Wenn sie rasteten half sie Holz für ein Feuer zusammen zu tragen und kochte für sie Suppen aus Eicheln und Pilzen und wilden Kräutern. Es war nicht viel, aber sie versuchte zu helfen wo sie konnte. Immer dann, wenn sie rasteten gab Helena den Mantel zurück, doch wenn sie morgens aufwachte lag er wieder über ihrer Schulter. Es brachte sie jedes Mal zum lächeln und sie schloss noch einmal die Augen und genoss diesen kurzen ruhigen und friedlichen Moment.
Sie hatte Lucien gerade den Mantel erneut zurück geben wollen, als sie den schiefen Ton hörte. Er drückte ihr, das Bündel Gepäck in die Hände und Roderik kam um ihr auf das Pferd zu helfen. Sie lächelte ihn sanft an. „Guten Morgen, ich hoffe ihr habt etwas schlaf gefunden die Nacht.“ Kurz mustert sie ihn besorgt. Dann stieg sie auf.
Das Pferd schob sich mit gesenktem Hals langsam durch das Unterholz auf der dünnen Schneise die Lucien hinterließ. Roderik geht hinter ihr her. Sie hört Lucien erfreuten Ausruf. Der Goblin hatte es dank seines schiefen Gesangs geschafft sie wieder zusammen zu führen. Sie war gespannt, wie er auf sie reagieren würde, denn schließlich war er schon vorgereist, als sie zu der Gruppe kam.
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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Jad am Di Sep 19 2017, 10:57

Es war einige Tage her wo Celeblason den Spähtrupp der Schwarzröcke ausgemacht hatte. Sie lagerten unweit des Thanlaufs. Von Königswald aus war ein kräftiger Fußmarsch und auch wenn eine Dohle wohl kein auffälliger Wegbegleiter wäre, so machte der Druide einen großen Bogen um die Stadt. Zu gefährlich wäre eine Entdeckung des Zaubers. Derlei Möglichkeiten waren vielfältig und trotz intensiver Auseinandersetzungen mit dem neuen, bisher unbekannten, Feind konnte Celeb nicht sagen, dass er ihm nun bekannt wäre.
Wer weiß schon welche Magier und Ausgeburten mit einer Begabung für das Aufspüren von Magie hinter den hohen Festungsmauern verborgen waren? Da hielt er sich lieber an einfachere Ziele wie diesen Spähtrupp. Doch das Wetter machte ihm eine Verfolgung nicht einfach. Kälte und Nässe forderten ihren Tribut und so waren die Regenerationspausen deutlich länger als ihm lieb war. Mit Gewalt jedoch etwas zu erzwingen war nie von Erfolg gekrönt, so zumindest die Erfahrungen des fast 200 Jahre alten Waldelfs.

Nun folgte der Mann den Spuren die er ausmachen konnte. Ein Waldläufer wäre hier wahrlich besser aufgestellt, aber das eine oder andere hatte er sich in 198 Jahren abschauen können. Sicherlich bescheiden im Vergleich zu einem ausgebildeten Spurenleser, aber es genügte um die Fährte nicht vollkommen zu verlieren. Viel häufiger nutze er daher nun die Form des Dachs als die der Dohle, war doch dieses Tier wesentlich besser für Fährteesuche geeignet als ein Vogel. An diesem Morgen dachte sich Celeb mit etwas Glück beseelt. Gerade hatte er sein Nachtlager aufgelöst und wollte wieder nach Hinweisen zur verlorenen Fährte suchen, als ganz in der Nähe Bewegungen unnatürlich derer in der Wildnis seine Aufmerksamkeit erhaschten. War es wirklich der Spähtrupp Schwarzröcke, welchen er wiedergefunden hatte? Der Formwandler entschied sich Vorsicht walten zu lassen. Er schloss die Augen und umgriff seinen Stecken fester. Ein bläulicher Schimmer drang aus den kleinen Öffnungen der Rankenkrone und ehe man sich versah verschwanden Waldelf und Stab. An ihre Stelle trat wieder die große Dohle, welche sich krächzend in die Lüfte erhob. Inzwischen waren Bäume häufiger anzutreffen als noch die Tage zuvor. So flog er von Ast zu Ast und Baum zu Baum, immer den Geräuschen nach, bis er schließlich auf die Quelle stieß. Doch zu seinem Verdruss  war es kein Trupp von schwarz gekleideten Spähern. Stattdessen offenbarte sich ein in Lumpen gehüllter Mann mittleren Alters, mit lichter werdendem Haar und unzufriedener Miene. Weit und breit war nichts auszumachen was diesen dort in die Wildnis treiben würde.  So wunderte es Celeb schon was dieser Lump hier zu suchen hatte. Der Dohle war das suspekt. Sie blieb auf einem Ast sitzen wo  eine gute Übersicht garantiert war und beobachtete was geschehen würde.
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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Morth am Di Sep 19 2017, 19:54

Vergnügt summend und Gelegentlich schief pfeifend schlug sich ein kleines, verdrecktes grünes Wesen mit leuchtend gelben Glubschaugen und fledermausartigen Ohren, Durch das Buschwerk des Waldes, mit Hilfe eines großen gekrümmten Dolches, das für ihn wohl fast als Machete durchging.
Es war gehüllt in Lumpen die wohl teilweise nur durch den Dreck zusammengehalten wurden der an ihnen haftete.
Ehe es Breit Grinsend an einer licht und ankam an der es sonst weiter nicht viel zu sehen gab ausser ein Stein gerade in der Perfekten Größe für ihn um darauf zu sitzen.
Scheppernd Legte der dreckige wicht einen prall gefüllten Sack neben den Stein ehe er den Boden nach Ästen und Zweigen absuchte, die er unweit seines Lagerplatzes aufschichtete. Nach kurzem Kramen in seinem Beutesack überschüttete er den Haufen mit einer Flasche Schnaps und entzündete alles mit einem Feuerstein den er auf einen Topf einschlug um ein Paar funken zu erzeugen, ehe er den Rußgeschwärzten Topf direkt auf die Flamme setze und dann scheinbar wahllos irgendwelche dinge aus seinem Sack hinein warf.
„La la la! Tra la la la la ha ha! Wurmzahn brat sich eine Wurst! Danach kriegt er Durst!
Dazu gibt es Speck! Weil ihm so was schmeck... eh.. schmeckt!
Das Ra-ha-heimt sich leider nich .. is aber ganz egal, dazu räuchert man nen Aal!“
Ein ..Gesang.. oder eher unmelodisches, gesangsähnliches Gekreische und Gekrächze drang durch den Wald während
Das Wesen, das sich selbst Wurmzahn nannte völlig neben den Takt mit einem Holzlöffel auf  den verbeulten Topf einschlug. Dabei nahm er schließlich auf dem Stein platz und bald schmorte eine undefinierbare Masse die nach verkohltem Gemüse und gebratenem Fleisch und Fisch roch.
„Na na na na na! Und Tra la la la la ha! Auch Katze ist im Topf es war ein armer Tropf!“
Unterbrach er dann plötzlich den Gesang um einen Schluck aus einer Feldflasche zu nehmen.
Im kurzen Augenblick wo der Krach verstummte, zuckten die übergroßen Ohren kaum merklich auf wobei er die sich nähernden schritte deutlich wahrnahm.
Als er die Flasche wieder absetzte begann er wieder zu trällern und zog seinen Stiefel aus,
scheinbar um zu sehen was dort drin war. Dabei legten sich seine überraschend langen krallenartigen Zehen an den Abzug seiner Armbrust,
die an seinem linken Bein lehnte, wobei nur einem geschulten Auge diese Bewegung auffallen sollte.
Tatsächlich fischte der Goblin einen Käfer aus seinem Stiefel den er einfach in den Topf warf, ehe er eine ihm Wohlbekannte stimme Hörte.
„Die Großen!“ Ruft Wurmzahn Freudig und Lässt den Kochlöffel fallen ehe er langsam heimlich die Zehen wieder vom Abzug der Armbrust nahm. „Wie schön euch wieder zu sehen Herr Zauberkö... ehh.. Lucien!“
Kreischte er schon beinahe und stellte sich auf den Stein um eher auf Augenhöhe mit den anderen zu sein, was ihm trotz allem nicht gelang.

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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Lleweyllyn am Mi Sep 20 2017, 07:56

Müde. Nass. Kalt. Nasskalt. Frühwinternasskalt. Dazu der Hunger. Seitdem Thoralf aus der Arbeitsstätte hatte fliehen müssen, hatte er sich lediglich mit ein paar Beeren, Nüssen und Kräutern über Wasser gehalten. Schlussendlich war er sogar soweit, dass er alles, was irgendwie essbar aussah und nicht zu verdorben roch zu sich nahm – stets beseelt von der Hoffnung, dass man das, was er gerade aß öfter als genau einmal essen konnte. Gleichwohl: es stillte weder den Hunger, noch schien es besonders energiereich zu sein. Wenn er des Nachts durch die Landschaft schlich merkte er, dass er sehr schnell an seine eh schon nicht sonderlich weitläufigen körperlichen Grenzen kam.

Dazu diese verfluchte aufziehende Winterkälte und der einhergehende erste Frost. Wenn der Wachtmeister aD durch die Landschaft schlich, tunlichst darauf bedacht, nicht aufzufallen, kam es ihm vor, als zöge er mit einem umfangreichen Trommlerkorps durchs Land. Der der angefrorene Boden knirschte unfassbar laut unter seinen ausgelatschten Stiefeln und als wäre das noch nicht genug, klapperten seine Zähne ob der Kälte so laut, dass er einfach gehört werden musste. Er war geliefert, so oder so oder so. Oder so. Zusehends formte sich der Wunsch aus, dass es im Zweifelsfall schnell ginge, wenn er vom Licht in den Schatten treten würde.

Langsam wechselte der Horizont seine Farbe von tiefem schwarzblau in ein leichteres blauviolett. Es versprach, ein schöner Tag zu werden. Die Nacht war klar, keine Wolke am Himmel – dafür aber um so kälter. Thoralf hoffte, einen Platz für die Ruhe finden zu können, der gleichermaßen geschützt wie exponiert zur Sonne war. So könnte er sich vielleicht ein wenig wärmen und seine Kleider würden ein wenig von der klammen Kälte abgeben, die sich jede Nacht aufs Neue in die Fasern sog. In der Morgendämmerung spähte Thoralf in der Landschaft umher und sah nicht allzu weit von ihm entfernt eine kleine, unscheinbar wirkende Felsformation.

Hektisch schaute Thoralf sich in seiner Umgebung um. Er kauerte gehockt gegen einen Baum gelehnt und kämpfte gegen die Kälte, die bis auf seine Knochen und wieder zurück gekrochen war. Wobei das wahrlich kein allzu großes Kunststück war. Er war schon zu seiner Zeit in der Arbeitsstätte eher hager gewesen, aber die letzten Tage hatten ihm zusätzlich zugesetzt. Seine Hände sahen mittlerweile aus, als seien sie die eines abgenagten Skeletts. Abgenagtes Skelett? Er musste an Gustav denken, ein Schauer schoss durch seinen Körper und sorgte dafür, dass neben der körperlichen auch die mentale Kälte zunahm. Thoralf schüttelte den Kopf in der Absicht, die Gedanken hinausschleudern zu können, zog sich am Baum hoch und spähte in Richtung der kleinen Felsformation. Die Luft schien rein. Er atmete tief ein und huschte gebückt über die freie Fläche. Der Rauhreif explodierte mit jedem Schritt in einem ohrenbetäubenden Knall unter seinen Schuhen.

Schlussendlich hatte er es geschafft, auf den Feldvorsprung zu gelangen, den er von unten erspäht hatte. Es gab sogar etwas wie eine Kuhle hier oben, in der kaum Nässe war und die ihn vor Blicken schützen sollte – hoffentlich. Als die Sonne langsam über den Horizont stieg uns sein Gesicht erfasst, schmiegte er sich gegen den Fels und seufzte. Ein Lichtblick – irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes. Nur er, die aufgehende Sonne und einige Tiere des Waldes. Er versuchte, das Gefühl der Erleichterung voll in sich aufzunehmen und auszukosten. Ein Gefühl, dass er lange nicht mehr empfunden hatte. Schneller als es Thoralf lieb sein konnte, döste er ein.
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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Jad Gestern um 13:17

Dieser da, er bewegte sich seltsam fand Celeb in der Form der Dohle. Irgendwie trügerisch und verräterisch und doch auch irgendwo verloren. Schließlich jedoch war ein Fakt für Celeblason wichtiger als alle anderen: Er war allein. Seine Absichten waren dem Druiden zwar kein Begriff, aber dennoch wirkte der Reisende hilfebedürftig mit so viel Wildnis um sich herum. Die Sonne strahlte auf die Felsen als er sich niederließ und es passierte... nichts. Gar nichts. Ob er eingeschlafen ist? Celeblason war sich nicht sicher. Es gab jedoch nur einen Weg dies herauszufinden. Er drückte sich von der Astgabel ab in der er saß und glitt im Sinkflug hinüber zu der Felsformation. Kaum dort angekommen ging die Dohle wieder in bläulichem Rauch auf, aus dem ein Waldelf mit Druidenstecken entstieg.

Der Dunkelhaarige atmete einmal tief durch, so als wäre er aus einem modrigen Loch entstiegen und erstmals seit Stunden an die frische Luft gekommen. Ein seichtes Lächeln zog sich über seine Lippen und er setzte seinen Weg zu Fuß fort. Immer weiter auf die Felsformation schritt er bedächtigen Schrittes durch die Gräser. Es wirkte als würde er mit jedem Schritt das neu betretende Stück Natur willkommen heißen wollen. Seine Mine war hell und freundlich. Hier in der Wildnis fühlte sich Celeb wohl, hier war er zu hause. Es dauerte nicht lange bis er den dösenden Mann in Lumpen erreichte. Sein Stab diente ihm dabei als wohlwollender Wanderstab auf dem er sich hin und wieder stützte.

So stellte er sich einfach vor ihm auf und sprach mit ruhiger Stimme: "Guten Tag...", erst etwas leiser, dann erneut in normaler Lautstärke: "Ich sagte guten Tag!" Seinen Stab hielt er dabei normal in der Hand neben sich auf dem Boden aufgesetzt. Sein Erscheinungsbild war offensichtlich gepflegter als sein Gegenüber und es schrie förmig mit jedem Zentimeter "Druide", sofern diese dem Fremden bekannt waren, verstand sich.
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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Steinreis Gestern um 19:50

"Redest du mit mir, Baumficker ?" ertönte da eine ungehaltene Stimme hinter ihm. Als Druide und Gesamtkunstwerk mochte Celeb mit unterschiedlichen Wesen reden, aber diese Stimme war trotzdem anders. Sie hörte sich irgendwie schlecht gelaunt an und so, als ob man einen Eimer Schotter schütteln würde.
Außerdem war da nichts gewesen abgesehen von Felsen, Steinen und natürlich dem schlafenden Mann.

Das dort auch ein ganz spezielles Bröckchen herumlag, konnte man nur wissen, wenn man wußte, wonach man suchte. Das erste Wesen ignorierte der Steinling, da der sich bloß mal kurz auf ihn stützte und sich dann seinen eigenen Platz zum hinlegen suchte. Das fiel Bröckchen recht leicht, da diese Kreatur wie eine ungute Mischung aussah. Als ob sich ein hässlicher Zwerg mit einem fetten Elfen, in einem besonders versoffenen Nacht, auf ein extrem abstoßendes Kind geeinigt hätten.

Aber, als ob das nicht gereicht hätte, es kam auch noch ein richtiger Elf vorbei.
Und der redete.
"Guten Tag..."
Tatsache. Das Spitzohr redete. MIT IHM ! Oder ?
"Ich sagte guten Tag!"
Naja, da mußte Bröckchen doch einfach sichergehen und fragte zurück.

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Re: Die Chroniken von Llandy

Beitrag von Lleweyllyn Heute um 14:53

Die Ruhe, die Thoralf fand, war eher eine Unruhe. Er hatte das schon häufiger erlebt in den vergangenen Nächten, aber auch in zahlreichen Nächten zuvor. Zwar wärmte ihn tatsächlich die Sonne und seine Kleidung sog gierig die Wärme auf, um damit die Feuchtigkeit zu verdrängen - die Gedanken, die den Mörder auf der Flucht heimsuchten, jagten ihm jedoch ein ums andere Mal einen kalten Schauer über den Rücken. Alle Versuche , die Geschehnisse in der Arbeitsstätte nicht zu nah an sich heran zu lassen, blieben genau das: Versuche! Ziemlich jämmerliche sogar. Wieder und wieder suchten ihn seine ehemaligen Weggefährten in seinen Träumen auf, um ihm Vorhaltungen zu machen, warum es sie und nicht ihn getroffen habe. Diese mal allerdings war es besonders merkwürdig: Thoralf steht vor der brennenden Baracke, die er - da war er nach wie vor felsenfest überzeugt - ordnungsgemäß verschlossen und gesichert hatte. Die Flammen schlagen massiv aus dem Dach, es knistert, es knarzt. Die Luft flirrt ob den massiven Hitzeentwicklung. In der Tür erscheint eine knochige Hand, an der teilweise noch Haut und Muskeln hängen. Dann folgt der Unterarm, der Oberam und schließlich stehen die Überreste des lieben Gustav in der Tür. Er öffnet seinen verzerrten Mund und es erklingt ein nahezu gesungenes “Guten Tag…”

Thoralf zuckte zusammen und riss schlagartig die Augen auf. Sehr zu seiner Erleichterung erblickte er keine brennende Hütte, sondern lediglich blanken, schroffen Fels. Erleichterung erfasste ihn und er blinzelte mehrmals, um seinem Kopf die nötige Klarheit zu verschaffen. Da er sich schon seit einiger Zeit nicht mehr so richtig gut gefühlt hatte, konnte er wahrlich nicht sagen, ob er ausreichend Schlaf hatte finden können. Vermutlich nicht. Die kommende Nacht würde wieder hart und lang werden. Das sollte aber seine geringste Sorge sein, wie er schnell realisierte, als hinter ihm ein erneutes “Ich sagte guten Tag” erklang.

Ruckartig drehte Thoralf sich um, langte nach seinem Florett und schob sich auf dem Hosenboden rückwärts, bis der Fels ihn nicht mehr weiter ließ. Er stand auf und musterte seinen gegenüber. “Wer...was…?” stammelte er eher, als das er sprach. Das Florett hielt er hoch dem Fremdling auf das Gesicht gerichtet. Die Erscheinung war ihm sehr fremd, hätte er raten müssen, so hatte Thoralf auf einen Herzog oder Landvogt oder einen Droste getippt. Dafür war die Kleidung aber zu normal. Nein, das traf es nicht. Die ganze Erscheinung war … zu wenig pompös. Genau! Irgendwie fehlten Prunk und Protz, um näher an die hohen Herren zu kommen, die hier und da in der Arbeitsstätte gewesen waren, um sich neue “Bedienstete” auszusuchen.

Thoralf hatte die Besuche der Oberen stets genau verfolgt und beobachtet, um Mimik, Gestik und Duktus der feinen Herren zu verstehen. Instinktiv straffte er die Schultern und hob leicht das Kinn, wodurch er noch deutlicher auf seinen ihm augenscheinlich körperlich unterlegenen Gegenüber herabblicken musste. Er hatte die Füße gerade so unauffällig wie möglich breiter auseinander gestellt, als eine weitere Stimme erklang. Thoralf erschrak, seine Maskerade wackelte einen kurzen Moment, dann fing er sich wieder. Er versuchte einen Blick hinter seinen gegenüber zu werfen, aber er sah… niemanden. Nirgendwo. Außer ihm und dem Gewandmann war niemand zu sehen. Er drehte also durch. Endlich schien sein Körper derart in Mitleidenschaft, dass sich der Verstand ebenfalls nicht mehr erwehren konnte.

Abermals spannte er sich innerlich an und versuchte, mit klarer und fester Stimme zu sprechen, als er aus seinem Fundus der aufgeschnappten Floskeln möglichst hochgestochen anhob: “Wer seid ihr, dass… Ihr es wagt, mich in meiner Ruhe zu stören? Ich bin Tho… also: wer seid Ihr und… was wollt Ihr? Wo ist Euer Geleit? Sprecht rasch, denn… meine Zeit ist... kostbar und… sehr begrenzt!”
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