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Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Umbra am Mo März 20 2017, 22:00

Der Ausblick, der sich hoch über London bot, trotzte jeglichen Beschreibungsversuchen, die Charles spontan in den Sinn kamen. So genoss er das Lichtermeer unter sich, so gut er konnte. Der Doktor schränkte bedauerlicherweise nicht nur sein Wohlbefinden, sondern auch sein Blickfeld ein. Dennoch war es möglich, viel mehr von der Stadt auf einmal zu sehen, als es von jeglicher Position am Boden möglich gewesen wäre. Erstaunlich, wie ein anderer Blickwinkel die Sicht auf das Gesamtbild zu ändern vermochte. London wirkte friedlich, obwohl von dort aus gerade eben noch die Hölle auf die Endeavour hineingebrochen war. Natürlich hatte sich die Stadt in der kurzen Zeit ihrer Abwesenheit nicht geändert. Doch in der Nacht, abseits und weit über Gassen, Doppelmoral, Verbrechen und Elend, konnte man gefilterte, reine Prächtigkeit und Schönheit in allen Winkeln der Hauptstadt erblicken, die am Boden sonst eher auf Parks oder die Regierungs- und Villenviertel beschränkt waren. Hatte jedes Stadtviertel zwar seinen eigenen Charme, der von erhaben bis scheußlichst-schäbig reichte, war davon hier oben nichts zu sehen.
Das Gewicht des Doktors, das auf Charles‘ Schultern lastete, ließ auch seinen Rücken langsam schmerzen. Selbstverständlich wäre ihm Melindas Gesellschaft weitaus lieber gewesen als die des Doktors, doch es handelte sich hierbei um ein notwendiges Übel. Charles bereute es nicht, dem Doktor die Landung damit zu erleichtern, dass er ihm gesunde Beine lieh, weil es schließlich für alle von Nachteil wäre, wenn Tremaine sich am Ende gar nicht mehr würde bewegen können. Etwas Sorge, dass diese ganze Aktion dennoch nicht gut enden würde, war Charles in diesem Augenblick, so sehr er ihn auch genoss, nicht fremd. Es brauchte nur einen weiteren Kugelhagel, Windböen, unnachgiebige Hindernisse, andere unglückliche Landungszonen oder ein unerfreuliches Empfangskomitee am Boden, um den Segen, den die Fallschirme darstellten, null und nichtig zu machen.
Je näher der Boden rückte, desto mehr verfestigte sich der Eindruck, dass man wohl nicht gedachte, die ehemaligen Passagiere des Flugschiffs mit stark beschleunigtem Blei vom Himmel zu holen. Jedoch waren die Schirme der leichten, stechend kalten Brise fast vollkommen ausgeliefert. Zunächst versuchte Charles, dem entgegenzuwirken – er musste allerdings feststellen, dass er durch die Lenkvorrichtung nur leicht anpassen konnte, in welche Richtung der Schirm segelte. Sobald er den Winkel zur Windrichtung zu stark änderte, schwebte man gefühlt eher seitlich, anstatt die Richtung zu ändern. Allerdings stellte sich nach wenigen Minuten heraus, dass der Gepäckschirm glücklicherweise zu einem annehmbaren Landeplatz getragen wurde.
Der Hyde-Park. Ein Schmunzeln schlich sich auf Charles‘ Lippen, als er an andere Nächte dachte, die er hier verbracht hatte; im abgeschiedenen Zwielicht, aber dennoch immer hellhörig, falls eine der Polizeipatrouillen aufmerksam wurde. Einer dieser Nächte hatte er es zu verdanken, dass sein Schmunzeln auf der linken Wange leicht verzerrt wirkte. Und dass man ihn heute „Scarface“ nannte. Gut in Erinnerung war ihm allerdings auch die Weltausstellung im beeindruckenden Kristallpalast, den man eigens für die Ausstellung entworfen und hier errichtet hatte. Schade eigentlich, dass man ihn später wieder abgebaut hatte. Damals waren die Machtverhältnisse in der Hauptstadt noch einigermaßen in Ordnung gewesen. Damals hätte sicher niemand mitten in London zu schwerem Geschütz gegriffen. Zumindest niemand von der Polizei – Charles nahm stark an, dass Hill da seine Finger im Spiel hatte, und nicht die Armee.
Es wurde Zeit, dass sich etwas änderte.



Bruces Schritte schlugen rhythmisch auf die noch vom vergangenen Regen feuchten Pflastersteine, während er gen Westen sprintete und dabei versuchte, die zu Boden gleitenden Passagiere des brennenden Himmelsgefährts nicht aus den Augen zu verlieren. Nur nach wenigen Metern betrat er die breite Regent Street, überquerte sie und hatte damit Soho hinter sich gelassen. Nun befand er sich in Mayfair, einer der teuersten und schicksten Wohnviertel der Stadt. Für alle, die es sich leisten konnten, hier zu leben, sollte Geld eigentlich keine Rolle spielen, könnte man meinen. Doch gerade hier gab es nichts Wichtigeres als das. Geld, Reichtum, Prestige... Irgendwo in diesen Straßen, so wusste Bruce, könnte man wohl auch die niedergebrannten Ruinen von Chief Commissioner Hills Residenz besichtigen. In diesem Moment blieb jedoch nicht genug Muße, um nach diesem Ort Ausschau zu halten.
Gut trainiert, wie er war, fühlte er sich noch alles andere als außer Atem. Die bisherige Strecke war nicht mehr als eine Aufwärmübung gewesen. Er hörte das Klacken der teuren Lederschuhe seines Begleiters noch irgendwo hinter sich. Bruces Vorsprung war schon groß genug, dass er den schweren Atem des Mannes allerdings schon nicht mehr wahrnahm. Dass der Boxer schneller war, war keine Frage. Und dass die Springer in der Nähe landen würden, war auch keine Frage. Bruce konnte die Mauer, von der er wusste, dass sie den Hyde Park umgab, bereits am Ende der Straße erahnen.



Dumpfes Scheppern drang an Mauras Ohren, während sie sich plötzlich in der wohl kritischsten Phase des Fallschirmabsprungs wiederfand. Sie sah unter sich, wie der Schirm des Gepäcknetzes an Spannkraft verlor und an schlaffen Seilen zu Boden glitt, wo er sich sanft über die Koffer legte wie ein leichtes Sommerlaken beim Lüften der Betten. Sie selbst, jedoch, statt sich anmutig dem säuberlich gestutzten Gras des Parks zu nähern, oder aber auch mit einem weniger eleganten Plumps dort zu landen, wie das Gepäcknetz, schoss in diesem Moment deutlich weiter über das Ziel hinaus, als ihr lieb gewesen wäre. Sonderlich wendig war der Schirm auf kurze Distanz nicht gerade – und das fiel ihr auf, als es schon zu spät war, um noch etwas dagegen unternehmen zu können. Die Baumgruppe, in die sie hineinrauschte, war einfach schneller erreicht, als sie erwartet hätte. Blättrige Zweige peitschen gegen ihr Gesicht und ihren Körper, doch der schlussendliche Aufprall am Boden blieb aus: Stattdessen durchfuhr sie ein harter Ruck an den Schultern, der sie in Mark und Bein erschütterte und wieder zurück und wieder ein Stück nach oben wirbelte. Dann schaukelte sie trudelnd hin und her, ohne dass ihre Füße oder ein anderes ihrer Körperteile jemals Boden gesehen hätten. Zwischen diesem und ihren Schuhspitzen lagen momentan im besten Fall noch zwei Yards Luft.[1]



Während Gilbert die Bruchlandung Mauras nur tatenlos mitansehen konnte, musste er sich selbst darauf konzentrieren, sich nicht die Knochen zu brechen. Der erwartete Tod, so hatte er bereits im Anflug auf den Park erkennen müssen, würde ihn wahrscheinlich nicht durch die Landung ereilen... Allerdings hieß das nicht, dass er diese vollkommen heil überstehen würde. Er schien jedenfalls mehr Glück als Maura zu haben, wie er bemerkte, als er der hoffentlich weichen Wiese näherkam als den noch frühlingsgrünen Bäumen, mit denen Maura bereits Bekanntschaft gemacht hatte. Nicht elegant, aber effektiv, schlitterte Gilbert eine geringe Strecke über das Gras, während er sich mit den Hacken abbremsen konnte, und landete am Ende, nicht weit entfernt vom Gepäck, auf dem Hintern.

Bevor er allerdings auch nur die Chance hatte, sich wieder aufzuraffen, drang das heisere, unartikulierte Schreien Oxleys an seine Ohren, den das bevorstehende Landungsmanöver offenbar etwas nervös machte. Der rüstige Butler versuchte, ähnlich wie Gilbert, sich mit den Hacken abzubremsen, was er allerdings etwas zu abrupt gestaltete, sodass er, der Geschwindigkeit verschuldet, vornüberkippte und der Länge nach zu Boden schlug. Schlagartig verstummte sein Schrei, weil ihm einfach der Atem dafür fehlte. Wenige Sekunden später, als sein Stoffschirm sich über Oxley legte, kam jedoch wieder Bewegung in, da er hektisch und schimpfend versuchte, sich von dieser schweren Decke zu befreien.



Melinda konnte in ihrem Landeanflug auf den Hyde-Park beobachten, wie ihre Heimat die anderen auf eher weniger sanfte Weise begrüßte. Sie selbst fand sich jedoch ebenfalls schnell in einer Situation wieder, die sie nicht mehr genießen konnte, so sehr ihr der bisherige Teil des Sprungs aus der Endeavour auch gefallen hatte. Wie Maura, schoss sie über das Gepäck, und auch über Gilbert und Oxley hinweg, allerdings verfehlte Melinda die Bäume – die am Ufer des riesigen, länglichen Serpentine Lake ihre Wurzeln schlugen, wie sie gerade noch realisierte, bevor sie mit einem lauten Platschen ins eiskalte Wasser eintauchte.[2]



Charles konnte sich hauptsächlich nur durch seitliche, nach unten gerichtete Blicke orientieren. Es war nicht einfach, einzusehen, was nicht direkt vor ihm lag. Die dank der nächtlichen Dunkelheit eher blau-gräuliche als grüne Wiese des Hyde-Parks schien ihm ein geeigneter Landeplatz zu sein, auch wenn ihm nicht gefiel, wie ungeschützt sie hier auf der freien Fläche sein würden. Sie mussten so schnell wie möglich von hier verschwinden und untertauchen – am besten, bevor diese unsäglichen Bobbies oder, noch schlimmer, Tingloves, sie entdeckten.
„Halten Sie sich noch einmal sehr gut fest“, sagte Charles Dr. Tremaine.
„Gleich haben wir es hinter uns.“
Der Boden raste ihnen schneller entgegen, als man noch weit über London den Eindruck gehabt hatte. Doch Charles behielt einen möglichst kühlen Kopf. Nun war es wichtig, dass er sich vollkommen konzentrierte, vor allen Dingen, weil seine Sicht eingeschränkt war. Allerdings stellte sich heraus, dass die Landung einfacher war, als er sich das vorgestellt hatte. Aus einem Bauchgefühl heraus winkelte er die Beine etwas an und federte den Aufprall auf dem Boden mit seinen Knien und einigen Schritten ab, sodass er sogar am Ende auf beiden Beinen stand – als hätte er dies schon hunderte Male geübt. Das Gewicht des Doktors war mit einem Mal noch unerträglicher, aber nun war es ja auch endlich möglich, sich dessen zu entledigen. Zufrieden mit sich selbst, erkundigten sich Charles‘ Blicke danach, wie es den anderen ergangen war. Gilbert schien einigermaßen in Ordnung zu sein, genauso wie die Person, die gerade mit ihrem Fallschirm kämpfte, der sich über sie gelegt hatte. Dann jedoch entdeckte Charles die Gestalt, die an ihren Fallschirmseilen (im wahrsten Sinne des Wortes) baumelte, und...
„Melinda.“
Dieser Name kam ihm mit einem entsetzen Hauchen über die Lippen. Plötzlich verfiel Charles selbst in Hektik. Er riss förmlich an den Karabinern, die ihn noch mit dem Doktor und dem Schirm verbanden. Zum Glück waren es nur zwei, sodass er nur wenige Sekunden brauchte, um sich von diesem Ballast zu befreien. Wie von einer Spinne gebissen, drückte sich Charles an Randolph vorbei und hastete über den grasbewachsenen Hügel auf den See zu.
„Geht es Ihnen gut, Mrs. Thomson?“, rief Charles, noch aus einiger Entfernung, zu ihr herüber. Dennoch hatte Melinda erst einmal Priorität. Denn es bestand für sie die ernsthafte Gefahr, zu ertrinken.




1:
1W6 körperliche Belastungspunkte.
2:
Bitte einen Athletikwurf gegen +2, um dich über Wasser zu halten. Das Wasser ist tief genug, dass Melly nicht stehen kann. Unabhängig davon kannst du einen (ersten) Athletikwurf -1 gegen +2 ablegen, um dich aus dem Schirm-Seil-Wirrwarr zu befreien.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Darnamur am Mi März 22 2017, 15:46

Irgendwann wurde Randolph bewusst, dass er nicht sterben würde. Zunächst war es nur ein sehr schwaches, unterschwelliges Gefühl, doch je näher sie dem Erdboden kamen, desto mehr begann es sich in den Vordergrund zu drängen. Das Feuern der Gatling-Gun war verstummt. In seinen Ohren rauschte der Wind und das flatternde Geräusch des Fallschirms. Als er den Kopf zur Seite drehte, konnte er durch die Schutzbrille hindurch die vereinzelten Lichter der Stadt erkennen. London begann zu erwachen. Das knatternde Geräusch der Munitionssalven musste weitläufig hörbar gewesen sein.
Benommen klammerte er sich an Charles Körper fest. Es war eine sehr bizarre Umarmung. Gewiss hatte er nie gehofft dem meistgesuchtestem Mann der Nation derart nahe zu kommen. Aber allgemein konnte man die letzten Tage seines Lebens nur als bizarr beschreiben. Alles war völlig aus den Fugen gerissen worden. Aus einem brennenden Luftschiff zu springen war nur der Höhepunkt dieser wahnwitzigen Odyssee, auf die er sich eingelassen hatte. Und dieses Mal war er sich sicher gewesen, dass es ihr Ende bedeuten würde.
Aber es blieb Ihnen noch etwas Zeit. Wie es aussah würden sie zumindest nicht sofort in die Dunkelheit eingehen. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass sie letzten Endes dem Tod von der Klinge springen würden, wenn sie die Landung überlebten. Der Empfang des Scotland Yard würde gewiss kein herzlicher sein. Randolph erinnerte sich kalt des Revolvers, den er noch immer am Körper trug. Er wollte ihn nicht einsetzen. Aber was würde er tun, wenn der Yard sie attackierte?  Sein eigenes Leben war ihm egal; wenn ihn der Tod ereilen sollte, dann war es nun mal so. Aber Melindas Leben war ihm nicht egal. Und auch die anderen Menschen um ihn herum hatten es nicht verdient erschossen zu werden.

Es war keine sanfte Landung, auch wenn Charles den Fallschirm perfekt zu beherrschen schien und während des gesamten Fluges die Kontrolle behalten hatte. Sie konnten am Boden auf ihren Füßen aufsetzen, doch Randolphs verletztes Bein erwachte unter quälendem Schmerz sofort wieder zum Leben und der Doktor musste die Zähne aufeinander pressen. Beinahe wäre es eingeknickt. Während Charles losrannte, um Melinda zur Hilfe zu eilen, versuchte Randolph sein Gleichgewicht zurückzuerlangen. Der fehlende Halt seines Krückstocks machte sich deutlich bemerkbar. Das Geschenk des Kings würde leider in Flammen und Chaos verenden und so war er ein weiteres Mal auf die Kräfte seines zermürbten, kargen Körpers angewiesen. Er fand einen Baumstamm, an den er sich stützen konnte. Erst dann ließ er seinen Blick durch die Gegend wandern, wobei er als Erstes natürlich nach Melinda und Charles Ausschau hielt. Scheinbar war sie in den See gestürzt. Der Kehlkopf des Arztes verkrampfte sich ein wenig.
Es geht ihr bestimmt gut, redete er sich gedanklich zu, aber die Angst blieb. Wright und Oxley erkannte er in seiner Nähe, Mrs. Thomson schien dagegen hilflos in einem der Bäume festzuhängen. Vom Yard war nichts zu sehen, noch nicht. Randolphs Herz schlug laut. Wenn sie eine Chance haben wollten, mussten sie so schnell wie möglich von diesem Ort verschwinden und untertauchen. Er überließ den unter seinem Fallschirm gefangenen Oxley Mr. Wright und tastete sich langsam in Richtung der festhängenden Mrs. Thomson vor. Recht sicher, wie er von hier unten helfen sollte, war er sich aber auch nicht. Sie hing immerhin ganze zwei Yard über dem Erdboden und den Baum würde er bestimmt nicht hinaufklettern. Er war leider bei Weitem nicht so agil und athletisch wie ein Klammeräffchen.
„Können Sie sich befreien, Mrs. Thomson? Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihnen von hier unten eine gute Hilfe sein kann.“
Wieder wanderte sein Blick über die Umgebung, um Ausschau nach anrückenden Polzistentrupps zu halten. Mit jeder verstreichenden Sekunde, würde es schwieriger für sie werden.
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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Fade am So März 26 2017, 19:13

Obgleich die Aufmerksamkeit des ehemaligen Boxers gerade vor allem den außergewöhnlichen Vögeln am Himmel galt, konnte Bruce nicht verhindern, dass Erinnerungen in ihm aufstiegen, als er die ersten Straßenzüge von Mayfair betrat. Er kannte sich hier besser aus, als man es aktuell noch von ihm erwarten würde, war in vielen der großen Häusern ein und aus gegangen. Besonders bei Feierlichkeiten war er vor einigen Jahren, als sein Name noch Titelseiten schmückte, ein gern gesehener Gast gewesen. Die feinen Damen hatten sich daran ergötzt, seinen ehernen Bizeps zu berühren, während die reichen Herren gerne neben ihm posierten und mit ihm, meist ohne existente Fachkenntnis, über den noch sehr jungen Sport philosophierten, den er mit seinen jungen Jahren zu dominieren schien. Bruce hatten diese Begegnungen damals sogar mit Stolz erfüllt. Nun erfüllten ihn die Gedanken daran mit Zorn. Wie naiv er doch gewesen war. Man hatte ihn vorgeführt, wie ein exotisches Tier, ein Spielzeug, ein Objekt zur allgemeinen Belustigung. Viele der schnippischen Bemerkungen über seinesgleichen, hatte er damals als eigenartigen Humor abgetan, doch tatsächlich sahen sich diese Menschen wirklich als besser und intelligenter an, als der Rest der Menschheit.

Schwer zu sagen, ob nur einer der Geldsäcke hier ihn inzwischen wieder erkennen würde, obgleich er sich nicht wesentlich verändert hatte. Er war eine Kurzzeitsensation gewesen, die von dieser Oberschicht wie eine Marionette gehalten und zur Schau gestellt worden war.

Ein unangenehmer Schauer fuhr dem Schotten über den Rücken. Die Narben saßen tief, wenn sie ihn selbst in so einer einmaligen Situation, wie der heutigen Nacht aufwühlten. Dabei war der Umstand, dass die Springer aus dem Luftschiff offenbar den Park erreichten ein beunruhigendes Zeichen dafür, dass die ganze Aktion vielleicht sehr sorgfältig geplant gewesen war. Dieses fliegende Schiff musste ein Vermögen gekostet haben und die Crew hatte es vielleicht völlig bewusst ins Kreuzfeuer gelenkt um die Ordnungskräfte mit dem abstürzenden Wrack zu beschäftigen. Bruce hätte sich für seine Spekulationen selbst ohrfeigen können. Es gab keine ähnliche Erfahrung, auf die er sich hätte berufen können.
Es zählte nur das hier und jetzt. Die Fremden landeten scheinbar jeden Moment im Hyde Park und abgesehen davon, dass sein tun sowieso absolut Kopflos war, musste er davon ausgehen, dass diese Personen Fremden gegenüber keinesfalls freundlich gesonnen sein würden.

Mit einem flüchtigen Blick nach hinten hatte sich Bruce versichert, dass sein nächtlicher Begleiter noch nicht verschollen war. Dass dieser ihm überhaupt folgte, bestärkte zumindest darin, dass der Schotte mit seinem Impuls nicht völlig auf dem Holzweg lag, denn zumindest hatte der Fremde gewisses Hintergrundwissen vorweisen können, welches ihm selbst noch fehlte.
Der junge Schotte wurde nicht langsamer, als er auf den Park und damit die massive Mauer zusteuerte, die jenen umgab.  Er ließ das Fernglas, welches er immer noch in der Hand hielt im Lauf in die Innentasche seines Mantels gleiten. Als er die Mauer erreichte, drückte er den rechten Fuß in etwa einem halben Meter Höhe gegen die Steinwand, während er sich mit dem linken vom Boden abstieß und mit den Händen den oberen Rand der Mauer griff um sich in einem kräftigen Klimmzug hinauf zu stemmen.
Bruce hatte ähnlich beschaffene Hindernisse schon bei seinem regelmäßigen Training erklommen, wobei es sich dabei zumeist um halb eingestürzte Mauern alter Gebäude gehandelt hatte, da man auf öffentlichen Flächen mit derartigen Übungen nur viel Aufsehen erregt hätte.

Als er auf dem kühlen Stein in gut zwei Metern Höhe in die Hocke kam, hielt er sich für Sekunden still und lauschte. Ihm war so, als hätte er aus dem inneren des Parks einen Ruf vernommen, welcher anscheinend lauter als gewollt erschallt war. Ungeduldig blickte er in die Richtung aus der sein Begleiter mit offenbarer Mühe langsam aufschloss. Es juckte ihn in den Fingern, wie ein wilder Hund weiter nach der unbekannten Beute zu hetzen, doch wäre es ein Fehler gewesen, den Mann, der vermutlich nicht ohne weiteres in den Park gelangt wäre, vielleicht aber wichtige Kenntnisse über die Angelegenheit besaß, wegen ein paar Sekunden zurück zu lassen.

Die Nervosität fühlte sich beinahe wie körperlich Übelkeit an und die Sekunden schienen wie eine Ewigkeit, bis sein Begleiter endlich aufgeschlossen hatte und sichtlich außer Atem seine Hand hinauf reichte. Bruce zog ihn kräftig und ziemlich ungeduldig nach oben und war fast im gleichen Moment, in dem der andere schnaufend über der Mauer hing auch schon zur anderen Seite in den Park hinunter gesprungen und hielt auffordernd die Arme nach oben um dem Mann hinab zu helfen.

Kaum standen beide auf der inneren Seite des Parks, deutete Bruce in die Richtung aus der er den laut vernommen hatte und bewegte sich leicht geduckt in Richtung der Bäume. „Dort entlang.“ Entkam es gedämpft und knapp den Lippen des Exboxers.

Beklommenheit machte sich in der Magengegend des Schottens breit, als er sich nun weiter durch das Dunkel, querfeldein in die vermutete Richtung der Fremden, voran kämpfte. Eile war geboten, denn auf sie würden die Fremden ganz sicher nicht warten und trotzdem konnte es fatal enden, wenn man sie zuerst entdecken würde.

Bruce hatte noch keine rechte Ahnung, was er sich von diesen spektakulären Invasoren zu erfahren erhoffte und ob überhaupt eine Chance bestand, dass sie mit den jüngsten Bewegungen in London zu tun hatten.
Die Optionen waren dennoch relativ simpel. Wenn es seinem Begleiter und ihm gelang, einen der Fremden aufzugreifen, ehe sie sich wieder gruppieren konnten, würden sie ihn rasch verhören und durchsuchen, um die Hintergründe dieser halsbrecherischen Aktion zu erfahren. Wenn die Fremden sich bereits wieder gesammelt hatten, denn Bruce war sich sicher, dass wenigstens drei Schirme dem Park zugesegelt waren, würde es etwas schwieriger. Vielleicht würde man sogleich auf sie schießen, wenn man sie erblickte. Vielleicht half ihnen allerdings der Umstand, dass man sie durchaus als Zivilisten erkennen konnte und die Eindringlinge sicherlich noch mehr unnötigen Lärm liebend gerne vermeiden würden.

Weder Bruce noch sein Begleiter waren bewaffnet und dennoch war dies dem Schotten lieber, als wenn er plötzlich auf Kugeln von beiden Richtungen zu achten hätte. Es gab keinen guten Grund, seinem unerwarteten Partner zu vertrauen und doch hatte dieser ihm zuerst einen Vorschuss eingeräumt, als er ihn aufgefordert hatte, ihn zu begleiten. Das dieser nun überhaupt soweit mit kam, zeugte von einigem an Rückgrat. Der Mann war kein Amateur, ganz gleich was er nun eigentlich war.
Es würde sich wohl sehr bald schon heraus stellen, ob Bruce mit dem nächtlichen Wagnis zu viel riskiert hatte. Selbst wenn sie nun etwas in Erfahrung brachten, stand es auf einem anderen Blatt, damit auch heil wieder von hier fort zu kommen. Lange konnte es nicht dauern, bis auch die öffentlichen Kräfte auf den Plan traten und wenn sie dermaßen gut auf das Luftschiff vorbereitet waren, hatten sie womöglich genug Männer zur Verfügung, den ganzen Park zu umstellen. Wenn sie  es nicht vorher hinaus schafften, winkte im günstigsten Fall wohl wieder der Tower von London.

Bruce fühlte, wie sich kalter Schweiß auf seiner Stirn bildete, dieser war nicht der Anstrengung, sondern der nervenzerreissenden Anspannung geschuldet, welche sich seiner inzwischen bemächtigt hatte.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Thorgrimm am Mo März 27 2017, 01:10

Der Boden kam immer näher und mit jedem Meter, den Gilbert fiel, realisierte er mehr, dass er hier noch nicht sterben würde. Aus irgendeinem Grund hatte man das Geschützfeuer eingestellt und der Fallschirm funktionierte auch ohne große Probleme. Er würde also noch einige Minuten auf dieser elendigen Welt verbringen müssen, bevor alles vorbei war. Wenn der Yard allerdings die Möglichkeit gehabt hatte, Gatling-Guns einzusetzen, dann war das sicherlich noch nicht alles, was die Gruppe um Charles Norly erwarten konnte. Sicherlich wurde der Hyde-Park in diesem Moment von dutzenden Bobbies belagert. Ein Entkommen gab es nicht. Wenn niemand bei dem Sprung aus dem Luftschiff umgekommen war, dann würde der Yard sie kriegen und hängen. Niemand hier durfte noch auf eine Zelle hoffen. Nach dieser Aktion, die bestimmt als Angriff, Terrorakt oder ähnliches angesehen wurde, würden man ihnen keine Gnade mehr zukommen lassen. Das Spiel war vorbei.
Gilbert konnte gerade noch mitansehen, wie Ms. Thomson in eine Baumgruppe raste und wohl dort irgendwo hängen blieb. Lange konnte er sich allerdings nicht mit der Landung der Frau befassen, denn er musste sich auf seine eigene konzentrieren. Er schaffte es mithilfe seiner Hacken abzubremsen, ohne sich dabei groß zu verletzen. Trotzdem landete er etwas unglücklich und schrie vor Aufregung und Schmerzen kurz auf. Einen Moment lang blieb er einfach so sitzen und versuchte, die vergangenen Minuten zu verarbeiten, was allerdings nicht besonders gut funktionierte, da gerade einfach zu viel passierte und auf dem Spiel stand. Hektisch sah sich der Maler um, während er versuchte, sich selbst vom Fallschirm und der Weste zu lösen. Während er an Schlaufen, Bändern und anderen Gerätschaften zog, sah er sich nach dem Rest der Gruppe um.
Von Thomson war immer noch nichts zu sehen, woraus Gilbert schloss, dass sie sich tatsächlich in den Bäumen verheddert hatte. Oxley schien zwar eine etwas unglücklichere Landung als er selbst hingelegt zu haben aber so wie der alte Mann schimpfte und um sich schlug, ging es ihm wohl doch ganz gut. Auch Norly und der Doktor hatten den Sprung gut überstanden. Lediglich Miss Benton konnte er nicht sehen. Doch das musste er auch gar nicht, denn Norly schoss fast direkt nach der Landung auf den See zu. Hoffentlich konnte der Mann sich schnell genug um sie kümmern, bevor sie ertrank. Da sich Norly bereits um Miss Benton kümmerte und es Oxley und dem Doktor soweit gut ging, nahm sich Gilbert vor, erst Oxley und dann Thomson zu helfen - falls sie dann noch Hilfe benötigte.
Nach einigem hin und her schaffte er es schließlich, von dem Fallschirm und der Weste zu befreien. Sein erstes Ziel war Oxley. Der Butler war noch immer unter dem Fallschirm gefangen und so machte sich Gilbert an die Arbeit, den schweren Stoff wegzuziehen. "Sind sie verletzt?" Sein erster Impuls war es gewesen, zu fragen, ob alles in Ordnung war aber das war eine dumme Frage in dieser Situation.
Unsicher und angespannt sah sich Gilbert dabei um. War der Yard bereits auf dem Weg zu ihnen? Konnte er die Silhouetten der Männer bereits sehen oder hatten sie noch etwas Zeit? Eigentlich war es egal. Sie mussten sich beeilen und durften jetzt keine Zeit verlieren. Jede Sekunde zählte, wenn sie das alles heil überstehen wollten. Obwohl er sich in dieser Situation dank der vergangenen Minuten ernsthaft fragte, ob es nicht einfach besser war, stehen zu bleiben, aufzugeben und sich festnehmen zu lassen. Für den Moment entschied sich Gilbert dagegen.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Leo am Mo Apr 03 2017, 20:43

Der Flug (oder Fall?) bekam einen unguten Beigeschmack, als mit einem Mal die Landung näherrückte.
Maura hätte gedacht, dass, nachdem die Schirme erst offen waren, sich das Ganze enorm entschleunigen würde. Doch tatsächlich war ihre Geschwindigkeit immer noch viel zu hoch, als dass sie den dummen Schirm vernünftig hätte lenken können. Wann immer sie an einem der Ringe zog zerrte es sie so stark in eine Richtung, dass sie das Gefühl bekam, waagerecht zu fliegen. Zog sie dagegen schwächer, passierte (gefühlt) gar nichts. Irgendwann gab sie mit einem genervten Seufzen einfach auf, irgendetwas zu tun, und konzentrierte sich stattdessen darauf, nach unten zu sehen und die Lage so gut es ging zu sondieren.
Es war natürlich noch immer Nacht, und das machte die Sicht von hier oben nicht besonders gut. Ihre Angreifer konnte sie nicht ausmachen, aber scheinbar hielten sie es nicht für nötig, die Fallschirme vom Himmel zu holen. Umso besser. Maura meinte, unter sich eine Parkanlage zu erkennen, ziemlich groß. Der Hyde Park? Wahrscheinlich, aber nicht sicher; es gab viele Parks in London. Aber falls es der Hyde Park war, waren sie gar nicht weit weg von ihrem Elternhaus …
Ihr Anflug von Nostalgie wurde unterbrochen, als sie erkannte, worauf sie zusteuerte. Ein See?! Verdammte Scheiße! Mit einem panischen Rucken zerrte sie am rechten Ring und schrie auf, als sie das Gefühl bekam, sich die Schulter auszurenken. Der Boden kam näher, immer schneller, viel zu schnell. Sie zog die Füße an, zog noch einmal, dieses Mal sanfter. Der grün-graue Boden verschwand – und wich dem bläulichen Blätterdach mehrerer Bäume. Verfluchter Mist! Das konnte doch nicht …! In einem sinnlosen Versuch streckte sie die Beine wieder aus, in Richtung Boden neben den Bäumen, doch die Schwerkraft war unerbittlich – und zog sie mitten zwischen das Geäst.
Es war eine schmerzhafte Landung. Zugegeben, es hätte bestimmt schlimmer werden können. Maura ließ alle Vorsicht fallen, schimpfte und fluchte, spuckte dazwischen immer wieder Blätter aus und versuchte, sich irgendwo festzuhalten, doch die Äste entschlüpften ihren Fingern und hinterließen nur holzige Schrammen auf ihren Handflächen. Immer wieder ruckte es, wenn der Fallschirm sich verfing, nur um sich im nächsten Moment loszureißen und den Sturz zu beschleunigen. Dann öffnete sich die Blätterwand unter ihr, Maura atmete tief ein, schloss die Augen in Erwartung eines schmerzhaften Aufprallens – –
Ein letztes Rucken, noch härter als zuvor. Die Weste zerrte an ihr, noch enger und unangenehmer als zuvor. Als Maura die Augen wieder öffnete und nach unten blickte war da immer noch der Boden, aber angekommen war sie nicht, im Gegenteil. Das graue Gras lag mindestens zwei Yard unter ihr, und irgendetwas – der Fallschirm? Die Weste? – hatte sich scheinbar so vehement im Baum verhakt, dass es sie hier oben hielt und sie wie ein Kartoffelsack an einem der Äste hing.
Das Ganze war furchtbar unbequem. Maura fiel es schwer, vernünftig zu atmen, und wenn sich nun irgendwer direkt unter sie begab … nun, freie Sicht war gewährt. Zudem hatte sie beinahe instinktiv begonnen, mit den Beinen zu strampeln, was ihrem Rock geradezu aufbauschte. Die anderen waren mittlerweile gelandet, auch wenn sich Norly nicht lange aufhielt; der Doktor schien ihr Elend allerdings bemerkt zu haben. Sie versuchte, mit den Händen den vermaledeiten Ast zu erreichen, an dem der Fallschirm hing. Nur ein paar Fingerlängen mehr …! „Verdammte Scheiße!“ Nun brauchte sie sich auch nicht mehr verstellen. „Dieser Drecks-Fallschirm hängt fest, und ich erreiche ihn nicht! Bei allen –“ Weitere saftige Flüche folgten. Ihr verzweifelter Schwung reichte nicht, um ihre Beine auf einen der Äste zu bringen, ihre Arme waren zu kurz, und vom Fliegen war ihr alle Kraft ausgegangen. Mit anderen Worten: Wenn ihr keiner hier herunter half, steckte sie fest. Zumindest, bis der dumme Stoffschirm endlich riss …


Spoiler:
Maura nutzt den Szenenaspekt „Eingeklemmt!“ aus, um dafür einen Schicksalspunkt zu bekommen. Ohne Hilfe schafft sie es nicht vom Baum herunter.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Darnamur am Mo Apr 03 2017, 23:35

"Immer mit der Ruhe, Mrs.", versuchte Randolph die tobende Frau zu beruhigen. Die lauten Flüche würden nur dazu beitragen, dass man sie schneller entdeckte. Die Augen des Arztes tasteten wachsam über die Umgebung und spähten in fast schon paranoiden Misstrauen über die schattigen Verstecke, die die teils recht groß gewachsenen Bäume des Parks boten. Die Dunkelheit legte über alles einen düsteren Schleier; eine Einladung sich in ihrem Schutz an die Gruppe heranzupirschen und sie zu überraschen. Der einzige Vorteil, den sie ihrerseits daraus ziehen konnten, war das die Nacht auch ihre eigene Position verbarg. Jedenfalls, wenn Mrs. Thomson aufhörte lautstark auf sie aufmerksam zu machen.
Der Chirurg tastete sich vorsichtig in ihre Richtung vor. Mit der fehlenden Sicherheit des Krückstocks wäre es fatal nun zu stürzen. Mühselig tappte er in quälend langsamen Tempo auf die im Geäst baumelnde Frau zu, wobei er immer wieder zaghaft sein verletztes Bein belastete. Eine Idee war ihm schon gekommen, auch wenn er nicht sicher war, ob sie funktionieren würde.
"Denken Sie, dass Sie sich in irgendeiner Weise freischneiden können? Von hier unten ist das schwer zu beurteilen."
Randolph öffnete die angelegte Weste und zog sein treues, altes Skalpell aus der Manteltasche hervor, das leicht silbrig glänzte, als es auf das Mondlicht traf.
"Ich reiche Ihnen etwas nach oben, auf Ihrer linken Seite. Passen sie darauf auf, dass sie sich nicht an der Klinge schneiden...können Sie es erreichen?"
Er streckte seinen Arm und versuchte möglichst Druck auf das gesunde Bein auszuüben. Sein Rücken protestierte schmerzhaft. Immerhin konnte er den Skalpellgriff bis zur Höhe von Mrs. Thomsons Knie hinauf reichen.
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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Elli am Mo Apr 10 2017, 15:13

Bevor sie überhaupt realisierte was passiert war, krampfte sich ihr Körper aufgrund des kalten Wassers zusammen. Es fühlte sich an, wie tausend kleine Nadelstiche, die ihren kompletten Körper ergriffen und schmerzen ließen. Als das Wasser über ihrem Kopf zusammenschlug, wurde ihr hauptsächlich eine Sache bewusst, nämlich, dass sie nicht dazu in der Lage war zu schwimmen, schon gar nicht mit dem Fallschirm. Sie konnte sich sicherlich einige Augenblick über Wasser halten, aber mehr auch nicht. Wild strampelnd gelange sie mit dem Kopf wieder an die Oberfläche und schnappte panisch nach Luft. Ihre Finger, die bereits durch das eiskalte Wasser wie taub waren, rissen und zogen an den Schnallen die den Fallschirm an ihrem Körper hielten. Sie hatte zwar keine Ahnung wie, aber dennoch schaffte sie es wildstrampelnd die Verschlüsse aufzunesteln. Wild wassertretend schaffte sie es, denn überflüssigen Stoff los zu werden. Das hatte ihr sicherlich einige Augenblick verschafft. Auf der anderen Seite, hatte sie die Aktion bereits viel Anstrengung gekostet und sie ging immer wieder unter. Beim letzten Mal, schluckte sie ordentlich Wasser und kam hustend und spuckten wieder an die Oberfläche. Sie musste sich orientieren und drehte sich, so gut es ging hin und her.
Sie hatte es in der Tat geschafft in der Mitte dieses beschissenen Sees zu landen. Alle Ufer erschienen ihr unerreichbar. Keinsfalls konnte sie soweit schwimmen, derzeit war sie einfach nur froh, sich teilweise über Wasser halten zu können.
Doch die Kälte, ihre Lunge und die Anstrengung forderten ihren Tribut. Ihre Beine wurden schwer und wieder ging sie unter Wasser.
Kraft konnte sie gerade keine finden. Kein Adrenalinschub, der sie nach oben trieb, keine wundersame Erleuchtung wie man schwamm. Tatsächlich war gerade nur eine wunderbare Stille unter Wasser, dunkel konnte sie noch die Wasseroberfläche erkennen, die langsam weiter nach oben rückte, während sie schwerelos im Wasser zu treiben schien, nur dass sie stetig weiter sank. Noch immer berührten ihre Füße keinen Boden, der vielleicht ein Abstoßen möglich gemacht hätte.
Nur Stille. Wasserblasen stiegen an ihr vorbei nach oben, sie schienen die Stille zu stören so das Melinda beschloß sich nicht mehr zu bewegen, die Kälte hatte ihre Gliedmaßen taub werden lassen. Sie blickte noch einmal an die Wasseroberfläche und schloss dann die Augen. Ruhe. Stille.
Nein, Schätzchen, Ruhe wirst du nicht finden. Ich werde dich begleiten bis zum letzten Atemzug. Deinem. Meinem. Unserem. Nun hattest du es fast geschafft, endlich einen Mann gefunden, der dich nicht nur vögeln will, sondern es vielleicht mal ein Jahr mit dir aushält und nun ertrinken wir? Bescheuertes Ende.
Melinda schlug die Augen auf. Sie konnte es doch noch schaffen! Sie wollte nicht sterben! Mit letzter Kraft schlug sie erneut mit den Armen und schafft es ein kleines Stück höher.
Nun machte sich keine Ruhe mehr in ihr breit, sondern Panik.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Umbra am Fr Apr 21 2017, 18:31

Charles hetzte über die weiche Wiese – so schnell er konnte. Seine Beine protestierten und die Narbe an seiner Seite, dort, wo O’Sullivan ihn mit dem Messer erwischt hatte, fühlte sich so an, als würde ihn bei jedem Schritt ein erneuter Stich dort treffen. Verbissen kämpfte Charles dagegen an. Sein Körper dankte es ihm nicht, aber das war für ihn momentan überhaupt nicht von Belang. Auf dem Weg zum See entledigte er sich seines Gewehrs. Er zog die Fallschirmweste aus, dann seinen Mantel. Zum Schluss, als er schon das Ufer erreichte, hielt er kurz inne, um auch noch sein Jackett, seinen Revolver und seine Schuhe loszuwerden. All das würde ihn entweder behindern oder sollte nicht unbedingt nass werden. Eigentlich vermied er es, dass seine Handprothese nass wurde (Geschweige denn, dass er sie in Wasser tauchte), allerdings ließ sich das nun nicht vermeiden.
Charles watete zwischen das Schilf und sprang dann in die Wasserfreifläche. Das grünliche Nass des Sees umfing Charles mit eisiger Umarmung. Er spürte, wie jede Faser seines Körpers darauf zusammenkrampfend reagierte, und er musste im ersten Moment dagegen ankämpfen, um nicht unterzugehen, wie ein Stein. Doch sobald dieser erste Temperaturschock überwunden war und sich seine Lungen wieder mit Sauerstoff füllten, gelang es ihm, sich kontrolliert zu bewegen. Ewigkeiten waren vergangen, seit Charles das letzte Mal geschwommen war. So etwas verlernte man zum Glück nicht. Charles war sich zudem bewusst, dass er nicht untalentiert war, was ihm unter diesen erschwerten Bedingungen entgegenkam – schließlich musste er sich beeilen.
Er machte sich große Sorgen um Melinda. Gefesselt an den Schirm, der sich mit Wasser vollsog, war es sicherlich schwer, sich über Wasser zu halten. Die Kälte war ein tödliches Sahnehäubchen auf dieser Situation. Dass Melinda mit dem See kämpfte, war offensichtlich, aber noch beunruhigender war es, dass sie, kurz nachdem Charles ins unangenehme Nass gesprungen war, ganz von der Oberfläche verschwand. Es trieb Charles zur Eile an, er überwand die stechende Kälte und die Trägheit seines geschundenen Körpers, ließ Trauer, Sorge um Häscher und den Rest der Gruppe für den Moment hinter sich. Die Befürchtung, nun auch noch Melinda zu verlieren, fraß sich in sein Herz wie ein Krebsgeschwür, sodass es ihm schwerfiel, über seiner nun rasant aufkeimenden Panik noch rationale Gedanken zu fassen. Vor seinem inneren Auge sah er sie schon leblos und mit leeren, aufgerissenen Augen im Wasser treiben – eine schreckliche Verzerrung ihrer selbst. Eine Vorstellung, die kaum zu ertragen war. Dennoch: Es stiegen noch Luftblasen auf. Charles bemerkte sie, als er sich rasant Melindas Absturzstelle näherte und dann schließlich selbst abtauchte.
Komplett unter der eiskalten Oberfläche zu sein, steigerte die Unannehmlichkeit der Situation noch einmal, und hier war es nicht nur kalt, sondern auch extrem dunkel. Bestimmt wäre es auch bei Tage nicht einfach gewesen, etwas zu sehen, aber so musste sich Charles ganz auf seine Intuition verlassen und den Luftblasen folgen, die er glaubte, wahrzunehmen. Die Zeit schien davonzurasen, bis Charles vor sich einen Schatten entdeckte und kurzerhand zugriff. Beruhigt, als er feststellte, dass seine Augen ihn nicht getäuscht hatten, und er tatsächlich etwas in den Händen hielt, das nichts anderes sein konnte als Melinda, zog er sie schleunigst mit sich – zurück an die Oberfläche. Die Befürchtung, dass er, trotz aller Bemühungen, zu spät gekommen war, zerschlug sich, als er sie dort nach Luft schnappen hörte.
Vollauf erleichtert und deshalb voller Euphorie spürte Charles in diesem Moment die Kälte nicht mehr allzu sehr.
„Sshhh, Miss, ganz ruhig“, redete er sanft auf sie ein und versuchte, sie so zu beruhigen. „Keine Angst, ich bin bei Ihnen.“
Charles hielt sie behutsam fest, damit sie nicht wieder versank. Es kostete ihn nicht viel zusätzliche Anstrengung, sie bei sich zu behalten, denn hier im Wasser war sie wahrlich ein Fliegengewicht. Trotzdem wäre es nicht gut, wenn sie allzu viel zappelte, immerhin fehlte ihm selbst der Boden unter den Füßen.
Er half ihr vorsichtig, ihr Gesicht von ihren klitschnassen, blonden Haaren zu befreien, und konnte dabei nicht anders als herzlich zu grinsen und ihre Schönheit mit seinen Augen zu verschlingen.
Sie lebte.
Alle hatten den Absprung überlebt.
So hatte er sich die Rückkehr nach London nicht vorgestellt. Seine Endeavour war ein loderndes, sinkendes Wrack in der Ferne. Allerdings schloss sich dieses Ereignis der Kette an üblen Ereignissen an, die ihn förmlich zu verfolgen schienen. Wer wusste schon, was seine Begleiter und ihn noch erwarteten würde?
Dennoch überwog die Freude und sein Körper war voller Adrenalin. Er fühlte sich lebendig – das tröstete ihn über die Rückschläge hinweg und ließ in der Vergessenheit verschwinden, auch wenn es nur für einen kleinen Moment war.
Charles zog Melinda an sich heran, darauf bedacht, sie nicht mit den Beinschlägen zu treffen, mit denen er sie beide über Wasser hielt. Kurz bevor er sie küsste, murmelte er: „Willkommen daheim.“
Er hatte einfach nicht widerstehen können. Doch seine Glieder wurden langsam taub. Es war Zeit, den Serpentine Lake zu verlassen. Leider würde es außerhalb des Wassers nicht unbedingt wärmer sein.
„Ich bringe Sie ans Ufer“, versicherte Charles Melinda, wenige Sekunden nachdem er sich von ihren Lippen gelöst hatte. Er schlug mit den Beinen und begann, rückwärts in die Richtung zu schwimmen, aus der er gekommen war.
„Versuchen Sie, sich zu entspannen. Sind Sie verletzt?“, erkundigte er sich noch.



Das fahle Licht des Mondes, das vom gräsernen Hügel aufgefangen wurde, erlaubte es Gilbert, einen genauen Blick auf Oxley werfen zu können. Er erkannte, dass die Haut des alten Mannes an mehreren sichtbaren Stellen aufgeschürft war, es sich hierbei allerdings nur um oberflächliche Verletzungen zu handeln schien. Der Aufprall hatte zwar unangenehm ausgesehen, war alles in allem jedoch relativ glimpflich abgelaufen. Erst, als Oxley sich von Gilbert beim Aufstehen helfen ließ, schien der Butler etwas zu schwächeln. Im ersten Moment hatte er offenbar Mühe, sich komplett aufzurichten. Er stützte sich mit einer Hand am Maler ab, während er einen Gegenstand aus seinem Hosenbund zog, dessen metallisches Glänzen ihn schnell als Revolver offenbarte.
„Dieses vermaledeite Ding!“, beschwerte sich Oxley schnaufend und mit gepresst klingender Stimme. „Natürlich musste ich ausgerechnet darauf fallen. Ein Segen, dass er nicht auch noch losgegangen ist.“
Recht mürrisch schob er die Waffe tief in seine Manteltasche und ließ Gilbert wieder los. Mühsam begradigte er seinen Rücken und trat ein wenig auf der Stelle – offenbar, um zu testen, wie sehr er sein rechtes Bein belasten konnte. Es schien ihm Schmerzen zu bereiten.
„Es wird schon gehen“, antworte Oxley schließlich auf Gilberts Frage. Leise stöhnend streifte er die Weste ab und klopfte sich etwas steif Dreck von der Kleidung.
„Es muss gehen“, fügte er danach hinzu. „Wir müssen schnell von hier verschwinden. Wir sind hier absolut ungeschützt. Danke, junger Mann. Kommen Sie, helfen Sie mir mit dem Gepäck. Bis die anderen so weit sind...“
Sein Blick verlor sich kritisch oder eher verwundert in die nicht ganz so weit entfernte Ferne, wo Charles gerade in den See watete und nach einem beherzten Sprung ins Wasser zu einem Fallschirm zu kraulen begann, der im Wasser schwamm.
„Herrje.“ Stirnrunzelnd blickte Oxley zurück zu Gilbert. „Sie sind wohlauf, oder? Beeilen wir uns.“
Der Schirm mit dem Gepäcknetz war in der Nähe auf einem Grashügel gelandet. Oxleys Gedanke, die Koffer schon einmal vom Schirm zu befreien, war vermutlich gar nicht verkehrt. Wer von ihnen konnte schon ahnen, wie nah die Polizei bereits war? Noch war es ruhig, aber das änderte sich womöglich eher, als ihnen allen lieb war.



Bruces Begleiter erreichte die Mauer keuchend und mit hochrotem Kopf. Niemandem, der nicht regelmäßig solche Strecken in solchem Tempo hinter sich brachte, wäre es leichtgefallen, wobei es dem Fremden vermutlich sogar hoch anzurechnen war, dass er den Lauf überhaupt geschafft hatte. Als der Mann Bruces Hand nahm, um sich die Mauer hochhelfen zu lassen, merkte der Boxer, dass der Fremde aufgrund der Anstrengung stark zitterte. Dementsprechend verlangte die Kletterei, trotz Hilfe, noch einmal letzte Kraftreserven ab. Etwas ungelenk schaffte er es schließlich, einen Fuß auf die Mauer zu setzen und sich auf die andere Seite zu hieven. Er stolperte leicht, als er wieder am Boden ankam, und blieb dann erst einmal vorgebeugt und mit den Händen auf den Oberschenkeln stehen, um nach Luft zu japsen.
Bruce brach bereits wieder auch, doch der Fremde gönnte sich noch fünf Sekunden Pause.
„Eins...“, hörte der Schotte hinter sich, unterbrochen davon, dass sein Begleiter tief atmete, „muss ich Ihnen lassen... Sie sind wirklich... schnell.“
Dann verfiel der Mann in Schweigen und bewegte sich genauso vorsichtig wie Bruce vorwärts. Zusammen suchten sie die natürliche Deckung, die die Pflanzenwelt des Parks bot, und schlichen sich einen Hügel hinauf, hinter dem Bruce glaubte, Rufe gehört zu haben. Allzu weit dürfte ihr Urheber nicht entfernt sein. Und tatsächlich: Ein Blick hinab auf die andere Seite der Anhöhe offenbarte die Szenerie des offensichtlichen Landeplatzes der Springer. Zwischen Bruce und einem See offenbarte die Aussicht große Stoffschirme, die am Boden lagen, und – unverkennbar zwischen ihnen – zwei Gestalten. Das Haar der Kleineren glänzte, selbst aus dieser Entfernung, schneeweiß im fahlen Mondlicht. Doch auch im Wasser war jemand unterwegs. Dieser jemand schwamm offenbar auf einen Schirm zu, der im See trieb. Der Fremde hinter Bruce schien dies auch gerade bemerkt zu haben.
„Einer von ihnen ist ins Wasser gestürzt“, murmelte er leise. Seine Atmung hatte er fast wieder im Griff. „Fünf Schirme, fünf Personen? Hm, nein, sechs Schirme. Dort, zwischen den Bäumen ist noch jemand.“
Mit einer Geste wies er Bruce die Richtung. Die besagten Bäume bedeckten die Sicht, aber der Schotte erkannte, dass der Mann recht hatte. Einer der Fallschirme hatte sich offenbar in den Ästen verfangen. Dieser wäre von Bruces Position zu erreichen, ohne die Deckung der Pflanzen zu verlassen – wenn er es wagte, sich zu nähern. Sein Begleiter ergriff in dieser Situation nicht die Initiative. Er schien eher beobachten zu wollen.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Fade am Sa Apr 22 2017, 17:22

Bruce war auf dem Hügel mit einem Knie zu Boden gegangen, um sich hinter einen Busch zu decken. Im ersten Moment sah er das Bild einer kleinen Invasion vor sich, was sich jedoch mit jedem Moment weiter zerstörte. Die Schirme waren erstaunlich nah zusammen zu landen gekommen, wobei Bruce keine Ahnung hatte, wie leicht oder schwer dieses Manöver zu bewerkstelligen war und die Überlebenden des Himmelsschiffs schienen dort unten auch noch weitestgehend zusammen versammelt. Der Schirm im Baum und der im Wasser verschafften den Beobachtern etwas Zeit, da die Leute dort unten offensichtlich noch damit beschäftigt waren, einander zu helfen.
Der Schotte zog das Fernglas aus der Manteltasche um die Personen, die sich entdecken ließen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Es waren keine Soldaten. Sie waren gewöhnlich gekleidet und wirkten auch nicht wie eine militärische Einheit. Zumindest größere Waffen trugen sie nicht bei sich und zu allem Überfluss war die Gestalt, die vom hohen Ast des Baumes baumelte offenbar eine Frau. Die Leute waren Bruce nicht bekannt und im Moment bedauerte er seine Entscheidung, seinen ungewöhnlichen Begleiter mitgenommen zu haben.
Wenn es kein Angriff gewesen war, wie rechtfertigte sich dann diese extreme Antwort der Polizei? Konnte es sich um eine tragische Verwechslung handeln?

Ein Himmelsschiff, wie dieses hatte Bruce in seinem Leben noch nicht gesehen und erinnerte sich auch nicht, jemals von so etwas gehört zu haben. Vorstellbar, dass man dieses Wunderwerk der Technik tatsächlich für einen Angriff gehalten hatte, obwohl sein Erbauer damit vielleicht nur spektakulär zu prahlen versuchte. Wieso hatte sein Begleiter Bruce gegenüber dann angedeutet, dass der Einsatz der schweren Abwehrwaffe nicht völlig unerwartet für ihn geschah?
Der Bärtige hatte mehr oder minder überflüssig vor sich hin gesprochen, seitdem Sie sich im Park befanden. Wenn er mehr wusste, so sollte man ihm vielleicht Gelegenheit dazu geben, noch etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. Bruce war versucht, sich den Fremden gegenüber zu erkennen zu geben, doch konnte er nicht abschätzen, wie und ob sein flüchtiger Bekannter ihm dabei in den Rücken fallen würde. „Keine Soldaten.“ Murmelte Bruce ruhig, während er dem Bärtigen das Fernglas zurück reichte. Er sprach nur das offensichtliche aus, da er sich von dem Mann nicht zu tief in die Karten schauen lassen wollte.

Tatsächlich wirkte die Schiffsbesatzung gerade wie Opfer eines groben Missgeschicks und genau dieser Umstand bereitete Bruce ein unangenehmes Gefühl. Wieviel hier geschah gerade nach einem perfiden Meisterplan und wieviel davon waren vielleicht nur Ketten, unglücklicher Umstände?
Der Abschuss des Himmelsschiffs war zweifellos das aufsehenerregendste Ereignis der letzten zehn Jahre in London und würde morgen die Titelblätter aller Zeitungen füllen. Was würde diesmal berichtet werden und was wurde damit bezweckt?
Die Menschen dort unten konnten nur schwerlich die Absicht besessen haben, etwas oder jemanden anzugreifen und waren womöglich nur weitere Figuren in dem dunklen Spiel, welches über London seine Fäden spann. Sein Begleiter würde wohl ähnliche Schlüsse ziehen, nur kannte der vielleicht diese Leute bereits, was wohl über die nächste Minute entscheiden würde.

Es war dabei gerade ein günstiger Moment, die Leute zu stellen. Vielleicht ersuchten sie sogleich Hilfe, vielleicht suchten sie auch ihr Heil in der Flucht, nur konnten sie letzteres dank der Personen im Wasser nicht sofort bewerkstelligen. Jedenfalls würden sich dabei ihre Motive recht schnell entblößen.
Ohne die Absichten seines Begleiters zu kennen, musste Bruce nun jedoch dessen Antwort abwarten, um nicht sofort zwischen die Fronten zu Stolpern. Als Beobachter hatte er in jedem Fall den Vorteil, nicht sofort Partei ergreifen zu müssen, wenn sein Begleiter andere Vorstellungen verfolgte, als er selbst.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Elli am Mi Apr 26 2017, 14:05

Trotz ihrere panischen Versuchen wieder an die Oberfläche zu gelangen, erschien ihr eben diese unerreichbar. Was sollte sie bloß tun? Sie hatte keine Möglichkeit, keine Ideen, keine Überlebenschance. Doch als sie sich darüber bewusst wurde, griff etwas nach ihr und riss sie nach oben. Als ihr Kopf aus dem kalten Wasser herausschnellte, hielt sie noch immer einen Augenblick den Atmen an. Die Kälte war so allumfassend, dass ihre Lungen scheinbar vergessen hatten, was zu tun war. Glücklicherweise schien ihr Körper sich dann jedoch recht schnell wieder zu erinnern und sie schnappte panisch nach Luft.
Erst als jemand zu ihr sprach, wurde ihr bewusst, dass sie nicht wusste wer sie an die Oberfläche zurückgezerrt hatte. War es jemand vom Scotland Yard?
Auch wenn sie Wasser in den Ohren hatte, erkannte sie die Stimme von Charles. Sie entspannte sich augenblicklich, erst recht, als er sie tatsächlich küsste. Sie erwiderte den Kuss, auch wenn sie seine Lippen auf ihren kaum spürte und ihre Lunge schmerzte.
Willkommen daheim. Ja...London hat uns wieder und begrüßte uns wie wir es verdienen. Wie ne Nutte nach dem Fick. Kalt und nass.
Während sie sich an Charles klammerte, der sie zum Ufer zog, musste sie jedoch eine Frage stellen. "Die anderen?"

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Leo am Mi Apr 26 2017, 14:49

Es überraschte Maura, dass ausgerechnet der humpelnde Doktor Benton derjenige war, der ihr zur Hilfe kam. Vielleicht war es auch nur, weil ihr Gefluche womöglich bis zum Hauptquartier des Yard zu hören war. Sie zwang sich, zu entspannen, was gar nicht so leicht war angesichts der Situation, in der sie – im wahrsten Sinne des Wortes – steckte. Sie konnte nicht nach oben, sie konnte nicht nach unten, und zur Seite waren freie Luft und ein paar magere Ästchen.
Leider ging das Ganze nicht so auf, wie es sollte. So sehr sie sich auch bog und streckte (sie spürte, wie die vermaledeite Männer-Weste ihr die Luft nahm), das Messer, das er hochreichte, war stets ein paar brutale Zentimeter von ihren Fingerspitzen entfernt, immer wieder durchschnitt sie die Luft, als sie danach langte. Ständig war es, als spürte sie den Stahl schon an den Fingern, aber es war wohl nur die Londoner Nachtluft, die sich über sie lustig machte.
Maura schnaufte laut aus, bebend von Anspannung. Der Yard konnte jeden Moment hier sein, sie mussten einfach gesehen haben, wo sie gelandet waren. Ihre einzige Hoffnung: Der Hyde-Park war groß. Und dunkel. Sie zwang sich erneut zur Ruhe, schluckte den Fluch hinunter, der ihr die Zunge beschwerte und griff ein letztes Mal nach der Klinge, mit Zeige- und Mittelfinger. Vergeblich.
Überhaupt, eine gute Idee war das nicht. Wenn sie sich einfach freischnitt, würde sie die letzten Yard bis zum Boden stürzen. Das klang nicht sehr einladend. Sie hatte keine Höhenangst, aber die Entfernung unterschätzen, das sollte sie besser auch nicht. Kurz überlegte sie, ihr eigenes Messer zu Hilfe zu nehmen, aber wie töricht wäre das gewesen! Erst verbarg sie die Waffe die ganze Nacht über, und jetzt zeigte sie sie allen, machte klar, dass sie wieder gefährlich war? Nein, auf keinen Fall. Und es würde ohnehin nur zu dem gleichen Ergebnis führen – ein Fall von mehreren Yards.
Von Miss Benton und Charles war nichts zu sehen. „Ich komme nicht dran!“ Sie ächzte. „Verd-“ Gerade noch. Sie biss sich auf die Unterlippe. Eine kurze Pause. „Dr. Benton, wäre es zu viel verlangt, wenn sie –“ Sie stockte. „Andererseits sind sie vielleicht nicht unbedingt der richtige dafür. Mr. Wright – könnten sie …“ Sie stockte erneut und verzog das Gesicht. Zu den nächsten Worten musste sie sich beinahe zwingen. „Nun, sie sind ja jung und dynamisch – könnten sie vielleicht hier heraufkommen und mir helfen? Oder vielleicht, ich weiß nicht … eine Räuberleiter bilden? … Bitte. Ich fürchte, ich schaffe es nicht allein.“ Die nachfolgende Stille war ihr höchst unangenehm, fast so unangenehm, wie zuzugeben, hilflos zu sein. Also setzte sie sofort dazu: „Wenn ich den Mann erwische, der mich in diese Höllenmaschine gejagt hat! Mir scheint, Mr. Norlys Pläne haben einen Hang dazu, in Katastrophen zu münden!“ Ja, viel besser.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Darnamur am Mi Apr 26 2017, 15:32

Randolphs Zähne waren verbissen aufeinander gepresst, als er sich unter ächzenden Schmerzen streckte und Mrs. Thomson sein Skalpell entgegenhielt. Doch ihre Arme waren einfach zu kurz, jedes Mal scheiterten die Versuche knapp. Er wischte sich mit einem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Immer noch trug er die Fliegerbrille, die Ihnen im Luftschiff gegeben wurde.
"Immerhin sind wir noch am Leben. Damit war ja nicht unbedingt zu rechnen."
Der Doktor warf einen nervösen Blick in Richtung des Sees, den er während der Unternehmung mit klopfendem Herzen im Auge behalten hatte. Aber scheinbar hatte Charles es geschafft. Er hatte Melly aus dem Fallschirm befreit und ans Ufer gebracht, wie es aussah. Randolph konnte beobachten, wie sie sich küssten. Es hinterließ ein mulmiges Gefühl in seinem Magen, musste er doch an die Tagebucheinträge denken, die er durchforstet hatte. Andererseits hatte Melinda schon weitaus verkommenere Freier als Charles gehabt. Und sie lebte noch. Das zählte.
Unglaublicherweise lebten sie alle noch. Allerdings konnte es nicht mehr lange dauern, bis der Yard hier auftauchte. Randolph war sich fast sicher, dass jemand von ihrem Absprung Notiz genommen hatte. Vielleicht war der ganze Park auch bereits umstellt. Dabei war es nun besonders fatal, dass Mrs. Thomson festzuhängen schien. Im Moment zählte jede Sekunde. Seine Augen spähten wachsam zwischen den Bäumen hin und her. Ob sich in ihrem Schatten bereits jemand an sie herantastete?
Randolph überlegte kurz Maura Thomson sein Skalpell einfach hoch zu werfen; nachdem er die Klinge eingeklappt hatte, natürlich. Wenn sie es allerdings nicht erwischte, wäre er nicht mehr in der Lage es aufzuheben. Nicht mit seinem Bein, in der jetzigen Situation. Es war wohl wirklich das Beste, wenn sich Wright der Sache annahm. Er würde ihm sein Werkzeug als Hilfsmittel überlassen.
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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Thorgrimm am Fr Mai 05 2017, 15:36

Erleichterung machte sich breit, als Gilbert erkannte, dass Oxley den Sprung ganz gut überstanden hatte. Der alte Mann fluchte noch und das war ein gutes Zeichen. Wenn er jetzt still geblieben wäre und sich ohne großes Gerede davon gemacht hätte, dann wären Sorgen angebracht gewesen. Die Verletzungen des Butlers schienen nur oberflächliche Abschürfungen zu sein, die zwar weh taten aber gegen die man im Moment nichts tun konnte. Er würde es überleben. Oxley war schließlich ein zäher alter Bursche, der sich von so einer Lappalie nicht aufhalten lassen würde.
Zusammen mit dem alten Mann, machte er sich auf den Weg zu den Gepäckstücken, die immer noch unter dem Schirm gefangen waren. Immer wieder warf er einen Blick in den Park hinein aber zum Glück war dieser sehr groß, sodass die Bobbys es noch nicht geschafft hatten, zu ihrem "Landeplatz" vorzudringen. Es konnte sich allerdings nur noch um wenige Minuten - wenn überhaupt - handeln und sie durften nicht zögern. Auf Oxleys Frage antwortete Gil nur mit einem kurzen "Ja... ja, ich glaube schon."
So ganz sicher war er sich da noch immer nicht. Er hatte erwartet bei dem Sprung draufzugehen aber entgegen aller Wahrscheinlichkeiten hatte er diesen sogar recht unbeschadet überstanden. Selbst Miss Benton und Thomson hatte das Schicksal übler mitgespielt als ihm. Mit ihnen tauschen, würde er trotzdem nicht wollen. Lieber wäre er von einer Kugel zerfetzt worden. Doch da er jetzt lebte, wollte er zumindest dafür sorgen, dass die Personen, mit denen er die letzten Tage verbracht hatte, sicher entkommen konnten. Über das, was ihm dabei oder danach geschehen konnte, wollte er gar nicht erst nachdenken. Auf ihn wartete früher oder später sowieso der Tod. Ob nun durch den Strick oder eine Kugel, war da auch egal.
Auf halbem Weg über den Rasen des Hyde-Parks, wurde er überraschend angesprochen. Anscheinend schaffte es der Doktor nicht alleine, Thomson aus dem eisernen Griff des Baumes zu befreien. Eigentlich gar nicht verwunderlich, da der Mann noch immer am Bein verletzt war. Gilbert machte ihm deshalb keinerlei Vorwürfe. Trotzdem kostete sie das nun kostbare Zeit, die sie nicht wirklich hatten. Eine andere Möglichkeit gab es allerdings nicht. Lieber rettete er Thomson, als das Gepäck.
"Entschuldigen sie mich." bat er Oxley. "Fangen sie schon einmal an - ich muss Ms. Thomson aus dem Baum helfen." Mit diesen Worten drehte er sich auch schon um und lief schnellen Schrittes auf den Baum zu, in dem die Frau hing. Dem Doktor kurz zunickend, sah er sich die Lage an, in der die Frau steckte. Da sie keine Zeit verlieren durften, kam der Maler direkt zum Punkt und wurde ernst.
"Reichen sie mir das Skalpell. ich klettere ein Stück hoch und gebe es an Ms. Thomson weiter." Er sah die Frau an. "Sie müssen sich freischneiden. Ich werde wieder runterklettern und sie auffangen." So würde es am schnellsten gehen und außerdem recht sicher sein. Angenehm war es vermutlich weder für sie, noch für ihn aber sie durften in so einer Situation nicht wählerisch sein. Mr. Benton konnte Thomson mit seinem kaputten Bein nicht auffangen - und wenn er es doch tat, dann würde er vielleicht zusammenbrechen. Ohne eine weitere Reaktion abzuwarten, machte er sich daran, den Baum zu erklettern. Zwar war es nur ein kleines Stück, das er hinauf musste aber er war noch nie sehr sportlich gewesen. Zumindest war er sehr entschlossen, diese Sache schnell hinter sich zu bringen und ging voller Elan an die Arbeit.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Umbra am So Mai 07 2017, 16:48

Bruce sah genug von den Fallschirmspringern, um sich sicher zu sein, dass er jedem von ihnen wohl körperlich überlegen wäre, wenn es darauf ankäme – was jedoch nicht von Bedeutung sein würde, wenn sie (gegen allen Anschein) bewaffnet waren. Dass zumindest die Frau im Baum und die Personen im Wasser für den Moment an diesen Ort gebunden waren, war offensichtlich. Es könnte gut sein, dass die Gruppe sich in die Ecke gedrängt fühlen würde, wenn man sie konfrontieren würde. Dennoch konnten sie es sich wahrscheinlich nicht leisten, Lärm zu verursachen. Es bestand daher eine gute Möglichkeit, dass sie einen diplomatischen Weg bevorzugen würden und sogar eher Hilfe suchten als Streit.
Während Bruce sich ein weiteres Bild der Lage machte (die Zivilisten dort unten waren nicht nur dank der misslichen Landung einiger von ihnen in einer schwierigen Lage, sondern auch inmitten des Parks absolut ungeschützt – genauso war es natürlich fast unmöglich, sich ihnen unbemerkt zu nähern), hörte er die Stimme seines Begleiters neben sich, der es sich nicht hatte nehmen lassen, die Szene ebenfalls durch die Linsen seines Fernglases zu betrachten.
„Ohlala“, schien der Fremde das zu kommentieren, was er dort, am Fuß des Hügels, entdeckt hatte, „das ist ziemlich ungeniert. Nicht der passendste Zeitpunkt für ein romantisches Bad.“
Auch wenn dies in einem recht trockenen Tonfall über seine Lippen kam, schlich sich doch ein bübisches Schmunzeln in sein Gesicht. Er spielte ein bisschen am Fokus herum.
„Da hast du dir aber ein junges Ding angelacht.“
Es war wohl mehr oder minder ein Selbstgespräch, bis er nach einigen Sekunden das Fernglas sinken ließ und Bruce mit einem schwer zu deutenden Glitzern in den Augen fixierte.
„Ob Sie’s glauben oder nicht, mein sportlicher Freund“, hauchte er verschwörerisch, „wir haben nicht nur unseren Doktor, sondern auch Scarface gefunden.“
Er ließ das Gesagte nicht lange wirken.
„Nun wird es interessant. Welche Vorgehensweise schlagen Sie vor? Die Polizei ist sicher nicht weit. Ich vermute, Soldaten der Army sind heute Nacht auch unterwegs. Wenn wir ihnen zuvorkommen wollen, könnte dies die einzige Chance sein, die wir haben. Natürlich können wir auch abwarten... den Dingen ihren Lauf lassen...“
Neugierig beobachtete er Bruces Reaktion, klang aber nicht so, als würde er selbst eine Handlungsoption (von denen es sicher noch mehr gab) bevorzugen.



Charles war heilfroh darüber, dass Melinda offenbar wohlauf war – wenn man von der Kälte einmal absah. Nun musste aus einem weiteren Grund Priorität haben, schnellstmöglich von hier zu verschwinden: Ausgekühlt bis auf die Knochen, würden sie vielleicht nicht allzu weit kommen. Sie würden langsam und angreifbar sein – aber mit dem humpelnden Doktor zusammen würden sie ohnehin eingeschränkt sein. Im Park konnten sie auf keinen Fall bleiben. Auf der Straße waren sie auch nicht sicher. Charles suchte innerlich bereits fieberhaft nach möglichen Unterschlupfen in der Nähe. Allerdings war noch nicht klar, welche Fluchtrouten ihnen offenblieben. Er fürchtete bereits, dass dieser Abend noch weitaus hässlicher werden könnte, als er nun schon war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei ihnen auf die Spur kommen würde.
Begleitet von diesen Gedanken, schwamm Charles zurück ans Ufer. Er bewegte sich bedacht und behutsam, damit Melinda nicht wieder untertauchte, auch wenn es ihm schwerfiel, gegen Kälte, gegen die damit einhergehende Taubheit und gegen all die sonstigen Schmerzen, die ihn teils schon Tage begleiteten, anzukämpfen. Noch dazu begannen nun, die Muskeln in seinem linken Arm zu krampfen.
„Soweit ich das auf die Schnelle beurteilen konnte“, schnaufte Charles, um Melinda zu informieren, und versuchte dabei tunlichst, kein Teichwasser in den Mund zu bekommen, „sind alle noch am Leben. Ich hoffe, es hat sich niemand verletzt. Doch das könnte sich schnell ändern. Hier sind wir allem so schutzlos ausgeliefert wie Fische in einem Fass. Wir müssen schleunigst die Straßen verlassen – am besten, bevor wir in eine noch ernstere Bredouille geraten.“
Zum Glück war das Ufer nicht mehr allzu fern. Charles schwamm, bis seine Füße den Boden streiften. Dann suchte er sofort festen Stand und watete die letzten Schritte aus dem Wasser hinaus – nicht, ohne Melinda an sich zu ziehen und sie ans Ufer zu tragen, wo er sie, zitternd und vor Anstrengung keuchend, vorsichtig absetzte. Dr. Tremaine und Mr. Wright waren gerade offenbar damit beschäftigt, Mrs. Thomson aus den Bäumen zu befreien; Oxley befand sich beim Gepäck. Auf mehr Details achtete Charles im Moment nicht, seine Augen suchten stattdessen die Wiese nach seinen Habseligkeiten ab, die er auf dem Weg zum See abgelegt hatte. Leichter Wind schnitt sich eisig durch seine triefend nasse Kleidung.
Charles klaubte das erstbeste trocken gebliebene Stück vom Boden auf (sein Jackett), und legte es Melinda um die Schultern. Er beeilte sich, in gehetzter Manier das gleiche mit seinem Mantel zu tun.
„Versuchen Sie, sich etwas abzutrocknen. Bis wir einen etwas geschützteren Ort aufgesucht haben, müssen wir mit der Kälte leben. Zum Glück ist unsere Wechselkleidung auch sicher gelandet, nicht wahr?“
Charles strich sich die nassen Haare aus der Stirn und versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln, bevor er die Umgebung bibbernd nach Fluchtwegen sondierte.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Fade am So Mai 07 2017, 19:12

Der Schreck, nein Schock, stand dem jungen Mann ins Gesicht geschrieben, als sein Gegenüber das Fernglas senkte und ihm mit einer geradezu absurden Ruhe eröffnete, dass dort unten tatsächlich Scarface mit seiner Bande gelandet war. Legten sie sich jetzt tatsächlich auch noch mit dem Militär an? Wahrhaft ein Husarenstück, doch schier unglaublich in seiner Ausführung.

Bruce schalt sich innerlich einen Idioten, da es nicht abwegig gewesen war, dass ausgerechnet Norly, der eine Schlüsselfigur im dunklen Spiel um London zu sein schien, seinen Ruf um eine weitere Stufe zu erheben trachtete. War dieser Mann wahrhaft verrückt?
Es blieb keine Zeit für einen großen Plan. Gerade jetzt war die Gruppe zweifellos gefährlich, wie ein verletztes Raubtier, doch konnte die offenbare Angreifbarkeit auch eine gute Gelegenheit bieten, sie zu konfrontieren.
Bruce`s Begleiter erschien dem Schotten gerade gefährlicher als je zuvor, da er sich offenbar ganz und gar nicht mehr in die Karten sehen lassen wollte und stattdessen Bruce aufforderte, über die Klinge zu springen. Es war möglich, dass dieser Mann ihm im unpassendsten Moment in den Rücken fallen würde. Vielleicht arbeitete er für die Drahtzieher dieser verrückten Verschwörung, vielleicht war er auch Teil Scarfaces Bande.

Es war wohl zu spät, jetzt noch das Weite zu suchen und im Grunde stand Bruce bereits lang genug zwischen den Fronten. Zeit sein eigenes Bild etwas klarer zu machen. „Bleiben Sie zunächst weit genug zurück, um kein gutes Ziel abzugeben, aber folgen Sie mir.“

Bruce atmete tief aus, als er sich hinter seiner Deckung erhob. Er schritt langsam und von unten gut sichtbar den Hügel hinab. Er war bemüht, alle Gestalten vor sich im Blick zu behalten. Natürlich waren sie bewaffnet. Es waren Scarface Leute und was immer sie planten, mussten sie eine Begegnung mit der Polizei oder dem Militär berücksichtigt haben. Bruce hielt an dem Vorteil fest, dass von ihrer Seite wohl gerade absolut kein Interesse daran bestand, Lärm zu verursachen und sie wohl nicht sofort auf ihn schießen würden, sofern sie ihn als Zivilisten erkannten.
Um diesen Umstand zu unterstützen, hob der Schotte einen Arm mit gut sichtbarer offener Handfläche etwa auf Höhe seines Kopfes, als er sich nah genug wähnte, dass einer der Leute auf ihn aufmerksam werden konnte, obgleich sie noch damit beschäftigt schienen der Frau im Baum zu helfen und ihre Habe zusammen zu suchen.

Das Herz des Schotten schlug wie eine Trommel, als er sich den Fremden langsam näherte. Wenn Norly wirklich verrückt, oder auch nur einig mit den Verschwörern war, dann würde es schwierig werden, die Begegnung zu überleben. Von oben noch hätte er in diesen Leuten niemals eine hartgesottene Verbrecherbande gesehen und irgendetwas essentielles musste ihm einfach noch entgangen sein, denn die Situation erschien einfach so unwirklich. Mit diesen Leuten zu entkommen, erschien nun der einzige Weg, an Antworten zu gelangen, doch was sollte sie abhalten ihn zu töten, wenn der Polizei erst ein Schnäppchen geschlagen war?

Bruce erschien noch immer keines der Gesichter bekannt. Er hätte nicht einmal sagen können, wer der Herren Dr. Tremaine war, an dem sein Begleiter solches Interesse bezeugt hatte. Norly müsste demzufolge der Mann im Wasser sein, den Bruce noch immer nicht klar sehen konnte, da er damit beschäftigt war, Gegenstände vom Boden aufzusammeln. Er empfand eine ungewohnte Furcht dabei, dem berüchtigten Menschen, der nicht einmal vor so etwas hier zurück schreckte, in die Augen zu sehen. „Es bleibt nicht viel Zeit.“ Mit Worten, die nicht überflüssiger sein konnten, machte Bruce auf sich und seinen Begleiter, von dem er nur vermuten konnte, dass er sich ein Stück weit hinter ihm befand, aufmerksam. „Wir sind nicht von der Polizei und werden ihnen helfen.“ Die Stimme des Schottens war fast etwas zaghaft ertönt, gerade laut genug, um vernommen zu werden. Das Bewusstsein, dass jedes laute Geräusch verräterisch werden konnte, sollte nur in aller Anwesenden Köpfe präsent sein.

Bruce blieb stehen, als er sich sicher sein konnte, dass ihre Anwesenheit kein Geheimnis mehr war. Die Luft schien gespannt und das nicht nur wegen der drohenden Nähe von Angehörigen des Yards oder des Militärs. Die letzten Worte hatten sich falsch angefühlt, weil er für seinen Begleiter nur sehr bedingt zu sprechen vermochte. Wenn diese Leute das waren, wofür man sie hielt, musste er auf alles gefasst sein.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Darnamur am Mo Mai 08 2017, 04:28

Die kühle Nachtluft half einen klaren Kopf zu behalten. Es war eine verworrene Situation und gerade im Eifer des Gefechts ließ sich leicht ein Fehler begehen. Für Maura Thomson konnte von seiner Seite aus nichts mehr unternommen werden; Wright würde sich darum kümmern. Er war dazu in der Lage eine tatsächliche Hilfe zu leisten, während er sich selbst mit seinem verkrüppelten Bein ziemlich nutzlos fühlte. Und warum war er so verkrüppelt worden? Weil er die Beherrschung verloren hatte. Und weil er die Verlässlichkeit von Alan anders eingeschätzt hatte. Diese Ratte musste auch noch irgendwo in London ihr Unwesen treiben...
Für den Moment galten andere Sorgen. Die hellen, grauen Augen des Doktors schweiften über die Umgebung, jeden Moment mit bewaffneten Polizisten rechnend, die aus den Schatten der Bäume auf sie zustürzten wie ein Rudel Wölfe. Einer musste die Gegend im Auge behalten. Seine Gefährten waren gerade noch allesamt beschäftigt. Randolph hoffte inständig darauf, dass Thomson sich nun endlich befreien konnte. Mit jeder Sekunde die sie hier verstreichen ließen, tickte ihre eigene Uhr ihrem Ende immer näher.
Wright hatte gerade den Baum erklommen und reichte sein Chirurgen-Skalpell weiter, als Randolph in der Ferne einen Schemen erspähte, der sich nun mit raschen Schritten den Hügel hinab bewegte. Er tastete nach dem Revolver und spürte sogleich wieder den Griff in seiner Hand liegen: „Da kommt etwas auf uns zu.“
Er meinte zu erkennen, dass die fremde Gestalt die Arme wie zum Ergeben erhoben hielt.
„Es könnte eine Falle sein“, teilte er Oxley, Thomson und Wright mit. „Haltet die Augen offen.“
Humpelnd und mit klopfendem Herz setzte sich der Doktor in Bewegung. Selbst seine bedächtigen Schritte fielen ihm schwer. Sie vermittelten ihm das Gefühl, als würde er sich überhaupt nicht von der Stelle rühren, während er mit quälend langsamer Geschwindigkeit der schattenhaften Figur entgegenkam, den Revolverlauf nun auf den Leib der Gestalt gerichtet. Als Worte zu ihrer Gruppe herüberhallten, verharrte Randolph. Seine Augen spähten auch über die umliegenden Bäume. Ein Hinterhalt war nur zu denkbar.
Wir sind nicht von der Polizei und werden ihnen helfen.
Ergab das Sinn? Ihre Gruppe erwartete keine Hilfe. Nun, da die Gestalt näher an ihm dran war, konnte er einen groß gewachsenen, kräftigen Kerl im fahlen Mondlicht identifizieren. Und in seinem Schatten ein kleinerer, drahtiger Mann, den er aber sofort erkannte, als er sich mehr ins Sichtfeld begab. Taylor. Was hatte das zu bedeuten? Randolphs Gedanken rasten. Er dachte an den leeren Brief, sein Gespräch mit Taylor vor der Befragung und vor allem an das, was ihm Charles über den Arzt erzählt hatte.
Er ist ein…alter Bekannter und Weggefährte. jedoch arbeitet er derzeit für Hill und ich kann schlecht einschätzen, was er vorhat – zumal letzte Nacht ein gemeinsamer Freund von uns den Tod fand.
Und:
Ich möchte, dass Sie sich von Andrew Taylor fernhalten.
Und dann war da natürlich auch noch…
Er wird Sie nicht mit offenen Armen empfangen, das kann ich Ihnen versprechen. Mit Glück wird er Ihnen die Nase vor der Tür zuschlagen, mit Pech wird er Sie mit einem Lächeln hineinbitten.
Randolph war sich nicht sicher, wie er reagieren sollte. Sein Blick richtete sich nun primär auf Taylor. Den eher grobschlächtig wirkenden Kerl, den dieser in seiner Begleitung hatte, kannte er nicht. Nichtsdestotrotz senkte Randolph wieder der Lauf seiner Waffe, behielt sie aber in der Hand.
„Doktor“, begrüßte er seine flüchtige Bekanntschaft. „Was machen Sie hier draußen?
Randolph versuchte seine Gedanken zu sammeln.
„Hören Sie. Im Augenblick versuchen wir nur von hier zu verschwinden. Und ich kann Ihnen nur raten, dasselbe zu tun, wenn sie nicht in Schwierigkeiten kommen wollen.“
Er riskierte einen kurzen Blick über seine Schulter, um zu sehen, wie erfolgreich die Befreiung verlief. Dann wandte sich seine Aufmerksamkeit wieder dem Arzt zu. Und dessen hünenhaften Begleiter, der neben diesem aufragte wie ein dunkler Turm.
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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Elli am Di Mai 09 2017, 16:16

Melinda war mehr als dankbar, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, ebenso dankbar war sie, als sie das Jacket um ihre Schultern spürte, was zumindest den schneidenen Wind etwas erträglicher machte. Dennoch konnte sie nicht von der Hand weisen, dass sie mehr als erschöpft war. Sie zitterte so sehr, dass ihre Zähne aufeinanderschlugen und jeder Atemzug brannte wie Feuer in ihrer Lunge. Charles hatte sicherlich recht, sie mussten schleunigst verschwinden. Scotland Yard war sicher bereits unterwegs die brennenden Trümmerteile zu untersuchen und würden rasch feststellen, dass keine Menschen darin befindlich waren. Eine Suche würde unmittelbar gestartet werden, wenn man sie nicht ohnehin schon hatte springen sehen und bereits unterwegs war um die Umgebung zu sondieren. Um sich abtrocknen zu können, waren sie zu steif und ungelenk, als fasste sie den Stoff so gut es ging um sich herum und ging einige Schritte. Das Gehen würden sie hoffentlich warm halten. Zudem mussten sie die anderen finden.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Leo am Mi Mai 17 2017, 16:02

Wright kam tatsächlich zu ihr hoch. Maura kam nicht umhin, ein wenig überrascht zu sein. Bisher hatte sie sich nicht unbedingt von ihrer besten Seite gezeigt, und trotzdem waren alle hilfsbereit. Vielleicht waren diese Menschen doch nicht nur Verbrecher und Gesetzlose. Wobei Mr Wright ihr ohnehin nicht dazuzupassen schien. Sie betrachtete den Schnauzbärtigen von ihrer erhöhten Position aus, während er sich überraschend geschickt zu ihr hochschwang. Was machte der Mann unter diesen Leuten? Sie hatte ihn bisher nicht so recht danach gefragt. Aber Fakt war wohl, dass er Norly nicht so treu ergeben war, wie seine beiden Benton-Freunde. Gut für ihn. Gut für sie, eventuell. Es war immer gut, jemanden mit ähnlichen Meinungen um sich zu wissen.
Ihr Atem war noch immer ungewohnt schwer, blockiert von der Männerweste, die sie nach wie vor trug. Gott, wie gerne würde sie sich das verhasste Ding einfach vom Leib reißen! Maure versuchte erneut, nach dem Ast über ihr zu greifen, aber alles, was sie in die Finger bekam, waren ein paar mickrige Zweige, dünner als ihre Finger, die sofort abrissen, als sie ihr Gewicht daran hing. Fluchend ließ sie das Grünzeug fallen – und erstarrte, als sie die Gestalten sah, die sich vom Hügel her näherten. So eine Scheiße! Ausgerechnet jetzt, da sie auf dem Präsentierteller hing!
Sie wollte gerade rufen, doch der Doktor hatte die zwei ebenfalls bemerkt. Maura runzelte die Stirn. Was zum …? Also bekannte Gesichter? Sie sah nicht sehr viel, nur einen aufgepumpten Blondschopf und einen unauffällig wirkenden Typen neben ihm. Beide hatten keine Waffen in der Hand. Und beide waren offenbar keine Polizisten. War das nun gut oder schlecht?
Sie war nahe daran, etwas Beleidigendes vom Baum herunterzurufen, aber das wäre wahrscheinlich gerade das schlechteste, was sie hätte tun können. Ruhig, Maura. Ganz … ruhig … Aber ihr war schon lange nicht mehr nach ruhig zumute. Die Lage, in der sie sich befand, völlig auf die Hilfe von anderen angewiesen, trieb ihren Blutdruck in die Höhe, so sehr, dass sie es in den Ohren rauschen hörte. Und all das war Norlys Schuld! Nur, weil er nicht auf sie hatte hören wollen, nur, weil er unbedingt Luftfahrtkapitän hatte spielen wollen … Nur deshalb stand da jetzt dieser Blondschopf mit seinem ‚Doktor‘, die sie beide nicht einschätzen konnte.
Aber noch waren die beiden ja ein Stück entfernt. Noch hatten sie Zeit … und Gelegenheit, zu verschwinden. „Schaffen Sie es, Wright?“ Als hätte sie ihm in diesem Augenblick helfen können. Ganz im Gegenteil.
Aber tatsächlich – Wright kam hoch genug, Maura bekam das Skalpell zu greifen und seufzte erleichtert auf. Das Ding war ziemlich klein, aber dafür scharf genug, um die Verbindung zum Fallschirm problemlos zu kappen. Maura biss die Zähne zusammen, reckte sich ein Stück nach oben machte weiter, die Zunge zwischen die Lippen gepresst. Bald … bald kam sie endlich wieder von hier herunter. Und dann konnte Charles Norly was erleben.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Thorgrimm am Di Mai 30 2017, 05:21

Selbst Gilbert war etwas überrascht darüber, wie einfach er den Baum hochgeklettert kam. Er war nie wirklich sportlich oder beweglich gewesen aber trotzdem schaffte er es ohne Probleme, Halt zu finden und die richtigen Stellen zum Klettern auszuwählen. Es war eine völlig untypische Aktion aber es störte ihn im Moment nicht. Er hatte nichts zu verlieren und wollte Ms. Thomson helfen. Es dauerte nur einige Augenblicke, bis er so hochgeklettert war, dass er der Frau das Skalpell reichen konnte. "Ja, hier. Seien sie vorsichtig und warten sie, bis ich wieder unten bin." Sicherlich konnte sie es kaum erwarten, sich endlich aus diesem Baum zu befreien aber sie musste noch etwas warten. Nachdem Thomson das Skalpell gegriffen hatte, machte sich Gilbert auch schon wieder an den Abstieg. Runter ging es sowieso - auch wenn er einen Fehler machte. Doch das passierte nicht und der hatte schon sehr bald wieder festen Boden unter den Füßen, ohne dabei zu Schaden gekommen zu sein. Er war erleichtert und etwas überrascht, dass dies ihm doch so einfach gefallen war. Fast hatte er damit gerechnet, irgendetwas falsch zu machen und sich zum Affen zu machen, indem er beim Klettern vom Baum fiel.
Viel Zeit zum Ausruhen oder Nachdenken gab es allerdings nicht. Kaum hatte sich Gil an den Abstieg gemacht, da warnte Benton sie auch schon über etwas, dass auf sie zukam. Der Maler rechnete schon mit dem Schlimmsten. Doch die Person gab vor, nicht von der Polizei zu sein. Als wäre es damit nicht genug, wollte sie auch noch helfen und Benton schien sie zu kennen. Nein, als sich Gil umdrehte, erkannte er, dass es sich um zwei Personen handelte. Nur eine davon kannte Benton aber aus dem Gespräch und aus der Ferne war nicht auszumachen, wer mit "Doktor" gemeint war. Nur ein seltsamer Zufall? Er glaubte es nicht wirklich. Da steckte mehr dahinter.
Natürlich konnte es sich um eine Falle handeln aber nach der Art, wie sie in London begrüßt worden waren, glaubte Gilbert nicht daran, dass man hier auf eine solch subtile Art vorgehen würde. Wenn sie schon mit Gatlings auf das Schiff geschossen hatten, würde man nicht zwei Personen schicken, um die Überlebenden irgendwie in eine Falle zu locken. Nein. Diese Beiden gehörten nicht zu dem Yard - oder wer auch immer für den Angriff auf das Luftschiff verantwortlich war. Ob man ihnen deshalb vertrauen konnte, war allerdings noch eine ganz andere Sache. Doch was hatten sie für eine Wahl? Sie konnten die Fremden mit einem Schuss in den Kopf begrüßen aber das würde im besten Fall einen Kampf provozieren und im schlimmsten Fall neue Verbündete töten.
Gilberts Kopf rauchte. Er wusste nicht, was zu tun war. Nur eines war klar: Wenn diese Leute ihnen wirklich feindlich gesinnt waren, hätten sie wohl schon lange die Möglichkeit gehabt, sie abzuschießen. Das hatten sie nicht getan und da sie auch nicht zum Yard gehörten und zumindest behaupteten, helfen zu wollen, mussten sie ihnen wohl für den Moment vertrauen. Das Wieso und Weshalb ignorierte Gil für den Moment. Stattdessen entschied er sich, den beiden Männern eine Chance zu geben.
"Wenn sie uns helfen wollen, dann beeilen sie sich. Wir können jetzt jede Hand gebrauchen." rief er ihnen zu. Ob das so richtig war, wusste er noch immer nicht. Auch entschied er damit mehr oder weniger für die Gruppe aber für lange Diskussionen hatten sie jetzt keine Zeit. Jede Sekunde zählte. Er sah zu Ms. Thomson hoch und wartete darauf, dass sie sich freischnitt. "Zählen sie runter, wenn sie sich freischneiden. Ich fange sie auf."

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Umbra am Do Jun 08 2017, 23:13

Charles hoffte, zumindest Melinda Linderung zu verschaffen, indem er ihr, nach seinem Jackett, auch noch seinen Mantel gab. Er konnte gut ahnen, wie kalt ihr in diesem Moment war. Bei den aktuellen, fast winterlichen Temperaturen war es nun wichtig, schnell ins Warme zu kommen und sich umzuziehen. Er selbst zitterte stark und es war schwerer als gedacht, seine restlichen Habseligkeiten wieder einzusammeln und zurück in seine Schuhe zu schlüpfen, die er vor dem Schwimmen am Ufer abgestreift hatte, um sie nicht im See zu verlieren. Nicht nur das unkontrollierte Beben seiner Muskeln war hinderlich, sondern auch die sich ausbreitende Steifheit seiner Glieder. Sein Revolver fand daher recht ungelenk wieder Platz in seinem Hosenbund und als er das Gewehr vom Boden aufklaubte, konnte er gerade noch mit einem Ausfallschritt verhindern, das Gleichgewicht zu verlieren. Fast wäre ihm ein Fluch über die Lippen gerutscht, aber er konnte sich noch zusammenreißen. Das eher unfreiwillige Bad hatte seine Verfassung merklich verschlimmert. Dabei brauchte er nun, in der prekären Situation, in der sie sich alle befanden, einen voll einsatzfähigen Körper und einen klaren Geist. Ein Fluchtweg und ein gutes Versteck mussten gefunden, Hindernisse beseitigt, Gegner notfalls bekämpft werden. Während Charles Melinda in Richtung der anderen führte, überlegte er fieberhaft, welche Route und welcher Unterschlupf am geeignetsten sein könnten... dann jedoch, als ihm mit einem Mal auffiel, dass sich zwei Personen aus der Dunkelheit schälten, hielt er einen Moment inne und spähte, ob er noch weitere Schemen, die im Verborgenen verharren mochten, erkennen konnte. Er hatte sein Gewehr in der Hand, jedoch wäre es aus mehreren Gründen nicht ratsam, es zu benutzen. Einschüchternd mochte es dennoch wirken... zusätzlich zu seinem narbigen Gesicht. Wer auch immer die Neuankömmlinge sein mochte: Eine Konfrontation von Angesicht zu Angesicht war sicherlich besser als eine aus der Ferne. Lärm war zu vermeiden... Zeugen leider auch. Charles stapfte, leicht humpelnd, auf sie zu.
 


Taylor trat neben Bruce, wo er, in gewissem Abstand zu Randolph und dessen Revolver stehenblieb. Dort faltete er seine Hände diplomatisch, fast schon entspannt, vor dem Körper, als wolle er betonen, keine bösen Absichten zu hegen. Seine wachen, braunen Augen musterten sein Gegenüber mit sichtlichem Interesse. Das änderte sich nicht, als sein Arztkollege drohende Schwierigkeiten prophezeite und auch Gilbert im Hintergrund kundgab, helfenden Händen nicht abgeneigt zu sein. Taylor sah allerdings nicht danach aus, als würde er, trotz gebotener Eile, nun die Hektik bevorzugen. Er nahm sich die Zeit, Randolph zu antworten.
„Es stellte sich heraus, dass wir zufällig in der Nähe waren, als es zu... dem kam, in das Sie hineingeraten sind. In der Stadt herrscht Unruhe und ich schätze, dass man Ihnen zu Hunderten an den Kragen will. Sorgen Sie sich also nicht: Wir sind uns des Risikos, hier zu sein, vollkommen bewusst.“
Taylor warf einen kurzen Blick in Mauras und Gilberts Richtung und machte währenddessen eine rhetorische Pause.
„Die Neugier hat gesiegt“, fuhr er dann fort, unterdessen er wieder Randolphs Blick suchte, „schließlich sieht man ein solches Spektakel nicht alle Tage... und, ich gebe es zu, ich hatte gehofft, gerade Sie hier anzutreffen. Sie machen es nicht nur der Polizei schwer, Sie aufzuspüren.“
 


„Weil ich dir gezielt ausweiche“, erklang mit einem Mal eine mürrische Stimme zu Bruces Linken.
Der Mann, der sich ins Gespräch einmischte, trat dazu, als sei seine Anwesenheit eine Selbstverständlichkeit. Bruce mochte ihn schon vor diesen eher missgelaunten Worte im Augenwinkel entdeckt haben, doch nun, als er sich ohne jegliche Scheu dazugesellte, hatte Bruce Gewissheit: Es handelte sich tatsächlich um den Mann auf den Fahndungsplakaten. Die Gesichtszüge und die Narbe auf der linken Wange waren unverkennbar. Um Scarface lag eine bedrohliche Aura, wenn man es zuließ, sich von seinem Ruf beeinflussen zu lassen – trotzdem sein leicht hinkender Gang, seine dunkel umringten Augen und seine triefend nasse Kleidung, die an seinem Körper klebte, von Müdigkeit und Erschöpfung sprachen. An Entschlossenheit schien es ihm jedenfalls nicht zu mangeln, so, wie er das Gewehr hielt, das er bei sich trug. Er richtete es zwar nicht auf Bruce oder seinen Begleiter, schien aber zeigen zu wollen, dass er es im Notfall durchaus einsetzen würde. Scarface hielt offensichtlichen Sicherheitsabstand zu Bruce und seinem Begleiter, während er sich neben dessen Gesprächspartner platzierte.
„Irgendwann musste Fortuna ja mal auf meiner Seite sein“, kommentierte Bruces Begleiter,  bevor den Boxer ansprach, ohne den Blick von Scarface abzuwenden: „Mein Freund, vielleicht helfen Sie dem Gentleman“, er meinte wohl den Mann in der Baumgruppe, „die Dame in Nöten zu befreien, ja?“
Scarface machte betont einen Schritt in den Weg. Bruce bemerkte, dass auch der weißhaarige Alte, der noch immer Abstand gehalten hielt, seinen Revolver entschlossener umfasste.
„Kein Bedarf“, knurrte Scarface. „Verschwinde einfach, Drew, und nimm deinen Schläger mit, wir haben momentan keine Zeit für dich, wie du siehst.“
„Das ist wirklich nicht zu übersehen“, erwiderte dieser trocken, ohne sich auch nur einen Millimeter von der Stelle zu rühren. „Charles Norly hat die Lage im Griff.“

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Fade am Sa Jun 10 2017, 15:52

Der Mann, welcher sich Bruce zuerst mit gezogenen Revolver genähert hatte, humpelte und schien in allgemein schlechtem Zustand zu sein. Im Dunkel konnte der Schotte das Gesicht des Kerls immer noch nicht recht identifizieren, doch er hatte das Gefühl, es in den letzten Tagen bereits gesehen zu haben. Vielleicht in der Zeitung?
Weitaus interessanter wurde es jedoch, als der Mann seinen Begleiter begrüßte und mit Doktor betitelte. Sie kannten sich also und sein nächtlicher Begleiter war also ein Arzt. Ein Kollege von Dr. Tremaine vielleicht?

Bruce versuchte äußerlich möglichst kühl zu wirken, wobei es vielleicht keine große Rolle spielte. Diese Leute wussten, welcher Ruf ihnen voraus eilte und verhielten sich angemessen. Nichts desto trotz wirkten sie nicht wie eine Bande, die der Schotte aus den armen Vierteln der Stadt zu genüge kannte. Die Aufforderung des Mannes, einfach zu verschwinden und die Gruppe in Ruhe zu lassen, erschien Bruce zunächst absurd, jedoch versuchte er vielleicht wirklich, den Bekannten aus diesen gefährlichen Angelegenheiten heraus zu halten. Wäre der Schotte allein hier erschienen, hätte sich die Situation gerade wohl weit weniger entspannt entfaltet.

Als der Doktor neben Bruce trat und mit dem Mann zu reden begann, der sie bedrohte, sorgten die Worte rasch für ein laues Gefühl im Bauch des ehemaligen Boxers. Sein Begleiter schien sich ziemlich sicher mit seinen Äußerungen. Was konnte er über Bruce annehmen, dass er ihn dermaßen ins Vertrauen zog? Er selbst hatte mit keiner Silbe erwähnt, dass er auf der Suche nach Scarface gewesen war, als sie sich trafen. Hatte sein Begleiter einzig aus seinem erscheinen in Dr. Tremaines Haus darauf geschlossen oder wusste er mehr, als es den Anschein hatte? Bruce kamen unweigerlich die Worte des Trunkenboldes mit der Gentlemenwaffe in den Sinn, der ihn in der Gasse fast aufgeschlitzt hätte. Handelte es sich bei dem Kerl womöglich um diesen ominösen Mr. C, von dem im Gegensatz zu Scarface noch niemand etwas in der Zeitung gelesen hatte, der jedoch in Einheit mit ihm zu agieren schien?

Der Schotte kam nicht dazu, seine Gedanken zu ende zu spinnen, denn eine Person, deren Gesicht nicht nur Bruce besser kannte, als das jedes anderen hier, gesellte sich zu ihnen. Tropfnass machte die Gestalt einen beinahe mitleiderregenderen Eindruck, als sein Kumpane mit dem Revolver, doch das Gewehr in Händen und die stechenden Augen straften den körperlichen Zustand Lügen. Charles Norly war äußerst entschlossen und im aktuellen Zustand sicherlich reizbar, wie ein verletztes Raubtier. Bruce hatte sich schon einige male vorgestellt, wie es sein würde, dem gefürchteten Killer gegenüber zu stehen, wie das Bild von dem Mann in den Köpfen des Volkes geformt worden war, doch war die Wirklichkeit nun viel nüchterner und schrecklicher gleichermaßen.

Zum einen sah er einen Menschen wie sich selbst vor sich. Jemanden der sich dagegen wehrte, von anderen herumgeschubst zu werden und der sein Schicksal in die eigenen Hände genommen hatte. Zum anderen waren die Züge des Mannes von Hochmut und Selbstgefälligkeit geprägt, wie man es täglich von den reichen und wohlerzogenen Herrschaften in Londons besseren Vierteln wahrnahm. Kühl wie das Meer ruhten die tiefblauen Augen des Schotten auf Norlys Blick, während er da stand.  Ein Verbündeter? Ein Todfeind? Vielleicht keines von beiden? Die Fragen spukten womöglich nicht nur im Kopf des Schotten umher, während er hoffte, sich seine innere Nervosität nicht anmerken zu lassen.
Der Abstand, welchen Norly zu ihm hielt, zeugte von Erfahrung und zweifelsohne war er ein Mann mit dem man immer rechnen musste. Als Bruce Begleiter ihn aufforderte, den anderen von Norlys Bande mit der Frau im Baum zu helfen, war der Schotte sofort alarmiert. Er traute seinem Gefährten im Moment weniger, als je zuvor und dies wäre wohl die leichteste Gelegenheit für ihn, Bruce ans Messer zu liefern. Soweit er erkennen konnte, hatten sie die Frau ohnehin so gut wie befreit. Scarface persönlich jedoch unterband den Versuch.
Als er sich Bruce in den Weg stellte, verstrich ein günstiger Moment, der Initiative. Im Schritt hätte er den Boxer nicht rechtzeitig anvisieren können und das Zeitfenster hätte für einen schnellen Angriff genügt. Stattdessen atmete Bruce nur ruhig durch. Es war das letzte was er wollte, nun mit diesen Leuten hier zu kämpfen und ungeachtet dem Misstrauen, was Norly seinem Begleiter und damit auch ihm entgegen brachte, würde er sich ganz sicher nicht mehr einfach wegschicken lassen, ehe er nicht in Ruhe mit dem Mann gesprochen hatte, den die Welt Scarface nannte.

Ruhig und langsam, um keine Gewalt zu provozieren, streifte der Boxer seinen Mantel ab und hielt ihn Norly mit ausgestrecktem Arm entgegen. Sein Blick wich nicht von dem Mann ab, den zu finden ihm zweifelsohne eine schicksalhafte Fügung geholfen haben musste. „Zwischen der Paddington Station und Bayswater wird gebaut. Schienenarbeiten. Eine Menge Material und Deckung. Leere Hallen, Schuppen und Häuser. Vielleicht nicht genug für die Nacht, aber für ein paar Stunden.“
Bruce deutete in nordwestliche Richtung. Tatsächlich waren wegen der Verlegearbeiten Teile ganzer Viertel dort, die ohnehin zu den ärmeren Gebieten gehörten, geräumt worden. Bruce hatte dort schon trainiert und geschlafen. Die Gegend war nicht weit vom Hydepark entfernt und darum hoffentlich sicher zu erreichen. Natürlich würde auch dort früher oder später nach ihnen gesucht werden, aber alleine für den Hyde Park, welcher eine Meile breit und fast zwei Meilen lang war, würden Hundert Bobbies leicht die ganze Nacht benötigen und was Londons Häuser betraf, war nicht einmal mit der Hilfe der Armee und uneingeschränkter Kooperation der Bevölkerung eine Durchsuchung der gesamten Stadt denkbar. Bruce war klar, dass Norly sich leicht dazu verlockt sehen mochte, die ausgebrochenen Tumulte zu nutzen, um zwischen den plündernden Gruppen unterzutauchen. Dabei hätte er wohl auch eine Chance, seine unwillkommene Bekanntschaft abzuschütteln und genau dies wollte der Schotte damit verhindern, dem Gejagten eine Alternative zu liefern. „Ich kenne mich dort aus.“
Ohne den Mantel zeichneten sich die Konturen seiner Muskeln unter dem einfachen Hemd des Boxers ab und auch wenn dies gewissermaßen dem Schläger-Klischee entsprach, so war doch schwer zu ignorieren, einem Athleten gegenüber zu stehen, der wohl mehr als nur rohe Gewalt für sich schulte.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Thorgrimm am Do Jun 15 2017, 05:01

Es war nicht ganz einfach, sich in einer so komplizierten und wichtigen Situation auf zwei Dinge zu konzentrieren. Mit einem Ohr hörte Gilbert der sich entfaltenden Auseinandersetzung zu, während er Mrs. Thomson half, endlich von dem Baum runterzukommen. Das Skalpell hatte sie schon vor einer ganzen Weile erhalten und bald musste sie soweit sein, sich komplett loszuschneiden. Gilbert wartete diesen Augenblick ab, während nun auch endlich Norly und Ms. Benton zu der Gruppe stießen. Gut. Damit waren sie alle wieder beisammen und das Einzige, was sie jetzt noch hier hielt, waren diese beiden Fremden.
Gerade als sich der Maler wieder den diskutierenden Männern zuwenden wollte, hörte er Thomson von drei herunterzählen, wie sie es besprochen hatten. Gilbert machte sich bereit, die Frau aufzufangen. Ein letztes Mal versicherte er sich, dass er auch am rechten Ort war und einen festen Stand hatte, bevor er die Arme ausstreckte - diese aber ganz nah am Körper hielt, um nicht durch das Gewicht doch noch umzukippen. Kaum hatte Thomson heruntergezählt, da fingen einige der Äste, die sie gefangen gehalten hatten, verdächtig zu knacken an. Da sie jetzt nicht mehr von dem Fallschirm gehalten wurde, konnten die dünneren Äste ihr Gewicht nicht mehr halten und gaben nach. Begleitet von einem Mordsgetöse fiel Thomson herunter. Gilbert, der darauf vorbereitet war, fing sie auf. Allerdings war er nicht auf die Wucht vorbereitet, mit der die Frau in seine Arme fiel. Er knickte ein, konnte sich aber gerade noch kniend retten, sodass Thomson - zwar mit einem deutlichen Ruck - recht unproblematisch am Boden ankam. Sobald sie einen sicheren Stand gefunden hatte, ließ er sie los und wandte sich etwas beschämt ab.
Ohnehin gab es jetzt wichtigere Dinge zu klären. So wie es aussah, war Norly nicht gewillt, mit den beiden Fremden zu kooperieren. Bei den Worten des kleineren Mannes - der von Norly Drew genannt worden war - konnte sich Gilbert ein gehässiges, kurzes Lachen nicht verkneifen. Ja, Charles Norly hat die Lage im Griff. Das hat er - seitdem Gilbert mit ihm zu tun gehabt hat - immer wieder bewiesen. Sie alle von einer problematischen Situation in die andere getrieben. Die eine schlimmer als die andere. War Gil vorher nur ein Beihelfer bei einem Mord und ein Dieb, so wurde er jetzt wahrscheinlich wegen Hochverrats oder ähnlichem gesucht. Hatte er vorher nur mit ein paar Schlägern und Kriminellen zu tun gehabt, so hatte er jetzt den ganzen Yard als Feind. Je länger er mit Norly und dieser Gruppe zusammenblieb, desto schlimmer wurde seine Situation. Die Frage war nur: Konnte es noch schlimmer werden, als es jetzt war?
Vielleicht. Wenn Norly weiterhin das Kommando hatte und sie alle zu irgendeinem hirnrissigen Plan überredete, würde es Gilbert vermutlich herausfinden. Die Fremden hatten vielleicht irgendetwas geplant. Vielleicht war es eine Falle und vielleicht war es falsch, ihnen zu vertrauen aber sie steckten sowieso schon in der Klemme. Dutzende, hunderte Bobbys waren hinter ihnen her - da konnten es diese zwei ihnen nicht noch viel schwerer machen. Sie brauchten Hilfe, um diese Sache zu überleben. Die Chance war gering aber wenn die Fremden wirklich hier waren, um ihnen zu helfen, dann mussten sie das Risiko eingehen und ihnen vertrauen. In einer Situation wie der ihren, durften sie mögliche Verbündete nicht abweisen.
Anscheinend hatte Norly schon eine längere Bekanntschaft mit diesem Drew. Für ihn interessierte sich Gilbert nicht wirklich. Wenn Norly der Meinung war, dass er eine Gefahr darstellte, dann sollte man ihm vielleicht in dieser einen Angelegenheit - und erst einmal keiner anderen - trauen. Doch der andere Mann - der, den Norly nicht kannte - schien ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Wenn sie jemanden vertrauen sollten, dann ihm. Gilbert trat vor.
"Wir brauchen einen Platz, an dem wir weitere Schritte planen und aus einen Moment ausruhen können." Schließlich hatten sie gerade einen Angriff mit Gatling-Guns und einen Fallschirmabsprung überlebt. "Mit Verlaub, Norly." Er sah den Mann an. "Ihr Plan hat uns erst in diese Situation gebracht. Ich habe nicht das Bedürfnis, in nächster Zeit, ein weiteres Mal einem ihrer tollen Vorschläge zu folgen. Außerdem..." er fasste sich ans Kinn, als würde er nachdenken. "... haben sie noch keinen besseren Vorschlag gemacht." Gilbert zeigte anschließend auf Bruce. "Ich weiß nicht, wer dieser 'Schläger' ist..." Er machte deutlich, dass er die voreingenommene Meinung Norlys nicht guthieß. "... aber wenn er uns hätte Schaden wollen, dann hätte er bereits mehr als genügend Zeit gehabt, während wir beschäftigt waren." Jetzt wandte sich Gilbert an die gesamte Gruppe. "Wir haben nicht viele Möglichkeiten und müssen schnell handeln. Diese ganze Luftschiffsache war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ich für meinen Teil habe es satt." Das hatte er schon länger aber der Abschuss des Luftschiffes hatte das metaphorische Fass zum überlaufen gebracht. Er ging einen, dann noch einen Schritt nach Nordosten, in die Richtung, in die Bruce gezeigt hatte. "Ich werde diesem Mann vertrauen und eine dieser leeren Hallen aufsuchen." Früher oder später würde er sowieso draufgehen. Da konnte man dieses Risiko durchaus eingehen. Im schlimmsten Fall starb er dadurch ein paar Minuten oder Stunden früher und im besten Fall fanden sie tatsächlich einen neuen Verbündeten und einen sicheren Rastplatz.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Darnamur am Sa Jun 17 2017, 14:21

Angespannt folgte Randolph der Konversation. Seit der fremde, kräftig gebaute Mann an Charles herangetreten war, hielt er seinen Revolver auf ihn gerichtet, damit er nicht auf die Idee kam etwas Dummes zu unternehmen.
Er konnte Wrights Argumentation nicht nachvollziehen. Bislang hatte sich den Beiden noch keine Gelegenheit geboten groß etwas gegen die Gruppe zu unternehmen. Und sie hatten keinen Grund diesen fremden Leuten zu vertrauen. Ja, Norly und Taylor kannten sich, aber Randolph hatte die Worte nicht vergessen, mit denen er vor dem Mediziner gewarnt worden war. Unruhig schweiften die grauen Augen des Doktors über Taylor und seinen Begleiter. Während er seine Aufmerksamkeit auf sie richtete, konnte er natürlich nicht die Umgebung im Auge behalten. Mit jeder Sekunde, die sie hier verstreichen ließen, gewann der Yard mehr Zeit sie hier aufzuspüren…
„Seien Sie nicht unvernünftig“, sprach er Wright an und vermied es ihn beim Namen zu nennen. „Und tun Sie nichts, was Sie später bereuen werden.“
Er blickte seinen Arztkollegen kurz an, bevor er wieder den Hünen ins Visier nahm: „Dr. Taylor arbeitet für den Scotland Yard. Das sollte Ihnen bewusst sein.“
Er bemühte sich ruhig zu bleiben, was nicht so einfach war.
„Hier ist nicht der richtige Ort für Diskussionen. Wir sollten verschwinden. Am Besten in zwei verschiedene Richtungen.“
Randolph blickte zu Charles hinüber, um auf ein abschließendes Urteil zu warten.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Leo am Mo Jun 19 2017, 15:40

… Drei!“ Ein sauberer Schnitt, die letzte Verbindung zum verhängnisvollen Fallschirm war gekappt. Maura konnte einen überraschten Aufschrei nicht unterdrücken, als der Ast über ihr unter ihrem Gewicht brach. Ein Rucken, dann war sie frei. In einem Inferno aus Blättern und Astwerk rauschte Maura Thomson gen Boden.
Sie kam unerwartet sanft dort an. Wright hielt sein Wort, und gerade, als sie die Augen zusammenkniff und bereits den sicheren Aufprall erwartete, spürte sie seine Hände um ihrer Hüfte. Ein weiteres Rucken, als der Schnauzbart in die Knie ging und ihre Füße instinktiv nach dem Boden suchten. Sie seufzte erleichtert, als sie ihn schließlich fand.
Haben Sie vielen Dank, Mr. Wright. Norly sollte sich in Sachen Gentleman eine Scheibe von Ihnen abschneiden“, sagte sie noch und lächelte, ehe Wright sich abwandte und Maura damit begann, sich Zweige und Blätter aus den krausen Haaren zu picken. Ein hastiges Abtasten versicherte ihr, dass das Messer noch immer an seinem Platz war; das Skalpell war während ihres Sturzes auf dem Boden gelandet und glitzerte dort harmlos vor sich hin. Sie bückte sich, hob es auf und drehte das kalte Metall nachdenklich in der Hand. So klein, und doch so scharf, so gefährlich. Höchste Zeit, es zurückzugeben.
Sie wischte sich noch einmal über beide Seiten ihres Mantels um das gröbste Grünzeug zu entfernen, dann trat sie ein paar Schritte an den Rest der Gruppe heran, direkt hinter Wright, über dessen Schulter sie zum Glück hinwegblicken konnte. Aus der Nähe betrachtet sahen ihre beiden Besucher harmloser aus, ganz gewöhnliche Menschen eben, wie sie selbst. Der eine war muskulös wie ein Sportler, aber vielleicht war das ja auch ein gutes Zeichen – sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Leute mit dicken Armen meist wenig im Kopf hatten. Aber das blieb abzuwarten. Der andere – offenbar schon wieder ein ‚Doktor‘ – sah ähnlich harmlos aus, aber Maura hatte die Befürchtung, dass dieser Schein trügen mochte, erst recht als sie die Reaktion von Norly bemerkte. Offenbar war Drew ein alter Bekannter, und das nicht nur im Positiven.
Maura verschränkte die Hände, schürzte nachdenklich die Lippen und musterte die beiden erneut, während sie versuchte, die Situation zu durchschauen. Es gelang nicht, und das war kein gutes Gefühl. Sie hasste es, unsicher sein zu müssen. Aber das Beste war es wohl, sich vorerst bedeckt zu halten. „Was meinen Sie, Norly? Sie kennen diesen Mann? Warum weichen Sie ihm dann aus? Mit Verlaub, aber er hat nicht Unrecht. ‚Im Griff‘ war diese Lage das letzte Mal, bevor wie über London geflogen sind.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

Beitrag von Thorgrimm am Do Jun 22 2017, 04:23

"Seien sie nicht unvernünftig und tun sie nichts, was sie später bereuen werden." Der Doktor - ihr Doktor - hatte wirklich gut Reden in dieser Situation. Oh nein. Er tat nichts Unvernünftiges. Zum ersten Mal war er sich sicher, dass er etwas Sinnvolles tat. Jedes Mal, als er in den letzten Tagen Norly vertraut hatte, war er tiefer in diese ganze Scheiße reingerutscht. Dieses Mal würde er Norly nicht noch einmal vertrauen, nur um dann später zu erkennen, dass er es lieber nicht hätte tun sollen. Doch Mr. Benton hatte noch ein anderes Ass im Ärmel. Dieser Taylor arbeitete für den Yard.
"Und Norly ist vielleicht ein gesuchter Serienmörder. Ich weiß nicht, aus welchem Schierlingsbecher ich eher trinken möchte aber ich habe mich entschieden." Er vertraute weder Taylor, noch diesem kräftigen Kerl so wirklich. Gil hielt sich nur an das, was der Kraftprotz gesagt hatte. Das war von allem, was er bisher gehört hatte, noch das sinnvollste gewesen. Wenigstens schien Thomson auf seiner Seite zu sein, auch wenn sie sich noch nicht dazu entschieden hatte, was als nächstes zu tun war. "Wir müssen verschwinden und diese leeren Hallen hören sich gut an. Solange es keinen besseren Vorschlag gibt, haben wir sowieso keine andere Wahl." Jede Sekunde, die sie weiter diskutierten, verloren sie wertvolle Zeit.
Vielleicht war seine Entschlossenheit auch nur den letzten Minuten seit dem Absturz zuzuschreiben. Gilbert war sowieso der Meinung, dass er hätte sterben sollen. Es machte also keinen großen Unterschied, was er jetzt tat. Er wollte im Moment einfach nicht zu viel nachdenken und vor allem nicht Norly vertrauen, nachdem er sie alle fast umgebracht hätte. Für ihn blieb also nur eine Möglichkeit, wenn er sich nicht dem Yard stellen wollte - und so verzweifelt und verrückt war er dann doch noch nicht.

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Re: Götterblut - Kapitel 5: Spiel im Schatten

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