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Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Scáth am Di März 26 2013, 17:07

Entsetzt starrte Johanna Charles an. Sie hätte schwören können das sein Hirn schon bei dem Namen Sofia einen Schalter umlegt. Wieviel Wut konnte man wohl empfinden? Würde man irgendwann explodieren? Würde das Herz überlastet werden und irgendwann einfach aufhören zu schlagen?
Das Charles mit dem Namen Sofia Stead scheinbar nichts anfangen konnte, brachte Johanna letztendlich komplett aus dem Konzept. Das bedeutete nämlich, dass er seine Mutter nicht nur verlassen, sondern auch vergessen hatte. Sie schien nicht von Bedeutung gewesen zu sein, genausowenig, wie ihre Zukunft ihm wohl von Bedeutung war. Sie war wohl einfach nur eine Bettgeschichte gewesen, und Johanna die Folge, das Unglück, das daraus entstand. Sie musste lachen, fast schon aus Verzweiflung. Hätte sie vorher gewusst welches Bild sie nun von ihrem Vater hatte, wäre sie ihm niemals gefolgt und das Interesse ihn überhaupt zu kennen hätte sicher garnicht existiert.
Paradoxer Weise musste Johanna kurz an Melinda denken. Was, wenn sie auf genau die selbe Masche reinfallen würde wie ihre Mutter damals? Und später würde sie alleine da sitzen, vielleicht sogar mit Kind und Charles würde sich einen Dreck darum scheren wie es beiden gehen würde.
"Vielleicht hilft es ja, wenn ich Ihnen das erzähle, was meine Mutter mir über meinen Vater sagen konnte."
Johanna nahm die Gabel auf, die Charles ihr hingelegt hatte und begann wieder, wie Melinda es so treffend ausgedrück hatte, Karotten zu töten.
"Meine Mutter Sofia..", begann sie, und betonte dabei den Namen ihrer Mutter sehr deutlich, "..erzählte mir, dass mein Vater gerne Klavier spielte, allerdings noch lieber ins Theater ging. Shakespear, wenn ich mich recht entsinne, mochte er unglaublich gerne. Lesen war glaube ich auch ein Hobby, dem er sehr gern nachging.", Johanna stoppte kurz und räusperte sich leise. Sie merkte wie ihr die Stimme wegblieb. Sie hatte schon ewig nicht mehr aus Wut geweint und versuchte auch jetzt, es so gut es geht zu vermeiden.
"Ich weiß nicht sonderlich viel von ihm. Das einzige was ich Ihnen noch verraten könnte, wäre das, was ich aus den Nachrichten mitbekommen habe, oder das, was man sich in der Nachbarschaft über meinen Vater erzählt...aber ich bin mir ja nicht sicher, ob das was man so spricht überhaupt der Wahrheit enspricht. Und ich glaube, die Wahrheit wissen eben nur Sie."
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Elli am Di März 26 2013, 19:41

Melinda schnaubte leise durch die Nase. Also doch. Johanna wollte ganz offensichtlich, dass Charles von seiner unverhofften Vaterschaft erfuhr und das sofort. Was sie allerdings nicht verstand, war weshalb das junge Hausmädchen um den heißen Brei tanzte, statt einfach zu sagen, was Sache war. Im ersten Moment hatte Melinda vor gehabt nichts dazu zu sagen, immerhin hatte sie gehofft die Info die sie hatte, aber Charles noch nicht, irgendwann nutzen zu können. Das schien sich nun erledigt zu haben, der Gute sah das Offensichtliche nicht. "Ach Hergott Johanna, was soll denn dieses Puppentheater?" sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Charles, darf ich dir vorstellen? Deine Tochter Johanna Stead. Zumindest behauptet sie deine Tochter zu sein. Also. Daddy - Tochter. Tochter - Daddy." Ein weiterer bissiger Kommentar lag ihr auf der Zunge, aber sie wollte im Grunde niemanden verletzten. Nicht mehr als sie es ohnehin schon getan hatte, das stimmte zwar nur zu Hälfte, denn hauptsächlich ging es Melinda lediglich um ihren eigenen Vorteil, aber sie beendete ihren Gedanken damit. Sie stand auf und ging zum Spülstein um sich ein Wasser zu holen. Ihre hohen Schuhe klackten auf dem harten Boden der Küche. Mit dem gefüllten Glas drehte sie sich um, lehnte sich gegen die Anrichte, wieder einen Blick auf die Schneidmaschine werfend und wand den Blick dann wieder zum Tisch. Das könnte nun sehr spannend werden. Oder sehr...langweilig.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Umbra am Di März 26 2013, 21:44

Charles verstand. Er hatte es verstanden, bevor Johanna geendet hatte und bevor Melinda es mit unbarmherziger Offenheit ausgesprochen hatte.
„Deine Tochter… Tochter – Daddy.“
Dieser Gedanke überwältigte Charles so tiefschürfend, dass es nicht in Worte zu fassen war. Bilder, Erinnerungen, Vorwürfe… Alles flutete auf ihn ein und er wurde von der Welle mitgerissen. Johanna Stead. Stead. Sofia Stead. Wie hatte er das übersehen können? Wie hatte er so begriffsstutzig sein können?
Charles sah Johannas Wut und Hass und spürte, wie sie ihm die Luft zum Atmen nahmen, wie sie sich auf ihn legten wie all die Last der Welt. Er zwang sich, ihrem Blick standzuhalten, denn er hatte ihn verdient. Er hatte es nicht gewusst. Er hatte es nicht gewusst und hatte deswegen alles für sie noch schlimmer gemacht. Jedes Wort, erkannte er, hatte sie vermutlich verletzt wie ein Schlag ins Gesicht. Er hatte keine Familie, dessen war er sich sicher gewesen. Aber was bedeutete dieser Satz für jemanden, der wusste, dass er doch eine hatte und selbst sogar ein Teil davon war, der gerade, wenn auch unbewusst, verleugnet wurde? Er hatte sich immer eine Familie gewünscht, doch dazu war es nie gekommen, weil er seine Chance nicht genutzt hatte. Wie klang das für jemanden, der annahm, verlassen und vergessen worden zu sein?
„Vergangenes ist vergangen. Das ist der Lauf der Dinge. Das Schicksal wollte es so.“
Das waren seine Worte gewesen. Der Schmerz, der nun auf ihn eindrang, war nahezu betäubend.
Was sollte er jetzt nur sagen? Ein immer noch ungläubiges „Sie war schwanger?“ lag ihm auf den Lippen, jedoch war das nur zu offensichtlich. Überflüssig. Er hatte es nicht gewusst. Er hatte es nicht geahnt. Er hatte es beendet, war gegangen und hatte bis zum heutigen Tag nichts mehr von ihr gehört. Zwanzig Jahre waren seitdem vergangen, jedoch erinnerte er sich daran, als wäre es gestern gewesen. Die wunderschöne, gütige Sofia Stead, einst seine Zuflucht vor dem Sturm und sein Licht am Horizont.
„Du siehst aus wie sie“, kam leise und verzweifelt über Charles‘ Lippen. Jetzt erkannte er es. Warum hatte er das zuvor nicht schon erkennen können? Er nahm wahr, dass ihm Tränen in die Augen stiegen und seine Sicht verschleierten.
„Warum hat sie nichts gesagt?“, fragte er erschüttert, fassungslos. Er war kein Vater, kein Daddy. Diese Bezeichnungen verdiente er nicht, denn dazu hatte er keine Chance gehabt. Er hatte es nicht gewusst. Er hatte es nicht geahnt. Wie hätte er damit rechnen können, dass er eine Tochter hatte, und dass er dieser wie durch Zufall in die Arme lief? Und warum gerade jetzt? Warum nicht früher – viel früher?

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Scáth am Di März 26 2013, 22:17

Johanna funkelte Melinda kurz an. Sie hatte nicht ohne Grund nicht sofort gesagt, dass sie die Tochter war. Doch nun war es sowieso zu spät. Charles hatte begriffen, und urplötzlich ist ihm scheinbar wieder bewusst geworden wer Sofia war. Charles Blick wurde glasig, man sah, dass ihm Tränen in die Augen traten, Johanna allerdings rannen sie schon über die Wangen. Ihre Wut war mittlerweile zu groß, als dass sie diese Tränen hätte unterdrücken können. Johanna stand ruckartig von ihrem Stuhl auf , ließ die Gabel auf den Tisch fallen und stämmte sich mit den Händen auf dem Tisch ab.
"Natürlich wusstest du nicht das Mutter Schwanger war! Natürlich hast du uns nicht mit Absicht sitzen lassen!", rief sie mit einem so starken Sarkasmus, dass es nicht zu überhören war.
"Hattest einfach keine Lust auf ein Kind, oder? Das Einzige was du wolltest sind viele Frauen, richtig? Merkt man doch! Bist ja selbst hier dabei dir die nächste zu Angeln!", Johanna nickte mit dem Kopf kurz in Richtung Melinda, um Charles zu zeigen wen sie meinte. Sie wischte sich schnell mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht. Sie ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen, vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und versuchte krampfhaft nicht mehr zu weinen.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Elli am Mi März 27 2013, 09:57

Der böse Blick, den Johann ihr zuwarf, nahm Melinda durchaus wahr, wirklich darum scheren tat sie sich aber nicht. Johanna hatte es drauf angelegt, dass Charles die Wahrheit erfuhr, jetzt brauchte sie nicht so zu tun, als sei es ihr plötzlich doch nicht recht. Ein Blick auf Charles und wieder zu dem Hausmädchen hin, ließ sie den Kopf schütteln. Johanna weinte, was Melinda zu einem Augenverdrehen animierte. Es war nicht schwer zu erkennen, dass es Charles mit der Situation ebenso wenig gut ging, wie Johanna, aber Melinda war wahrlich genervt. Nachdem Johanna auch noch mit einem kurzen Kopfzucken auf die gedeutet hatte, beschloss sie ihre Beobachtungsposition aufzugeben und ging zum Tisch, sie stützte ihre Arme auf. "Pass mal auf Kleine, deine Krokodilstränen in Ehren, aber zu allen Situationen gehören immer zwei. Ich schätze deine in den himmelgelobte Mutter hatte einen Mund zum sprechen. Woher weißt du denn, dass er euch hat sitzen lassen? Du armes, armes Ding, dass ohne Vater aufwachsen musste, es bricht mit doch fast das Herz. Sag, wie ist das, wenn man nach Hause kommt und dort wartet ein Elternteil? Sag mir wie es ist, einen Job zu haben, in einem edlen Herrenhaus, in dem die größte Sorge ist ob der Kronleuchter sauber wird. Sag mir wie es ist nicht der Fußabtreter der Gesellschaft zu sein. Komm', erzähl es mir, denn ich weiß nicht wie es ist. Ich weiß wie es ist ohne Vater aufzuwachsen, ich weiß aber auch wie es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Du armes Lämmchen! Du musstest doch wirklich deine schreckliche Kindheit ohne Vater verbringen. Wenn ich das nächste Mal an einer Kirche vorbeikomme, zünde ich ein Kerzchen für dich an und lege eine Schweigeminute für dich ein."
Melinda wusste wie sarkastisch ihre Worte klangen, aber herumzuheulen, weil man ohne Vater aufgewachsen war und das im heutigen London hielt sie für völlig überzogen. Es mochte sein, dass sie mit ihren Worten Johanna, als auch Charles verschreckte, aber sie war es leid, immer wieder Menschen zuzuhören, die sich über ihr schreckliches Leben beklagten, obwohl sie doch eins hatten, für das sich Melinda den rechten Arm abgehackt hatte. Natürlich wusste sie, dass es auch sie hätte viel schlechter treffen können, aber sie hielt nichts davon deswegen zu weinen oder ein Theater zu veranstalten. London hatte sie zur Hure gemacht, London hatte sie aber auch zu einer Kämpferin gemacht.
"Charles hat mich nicht an der Angel, dazu gehören ebenfalls zwei." Trotz der angespannten Situation schenkte sie dem geschockten Charles ein Lächeln.
"Wir könnten uns nun mal wieder beruhigen. Wenn ihr möchtet, kann ich euch gerne für ein Vater-Tochter-Gespräch alleine lassen." bot sie noch an, bevor sie wieder ihre Position am Spülstein einnahm.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Umbra am Mi März 27 2013, 18:31

Charles war perplex und etwas sprachlos.
„Ja“, brachte er mühsam hervor. „Bitte lassen Sie uns allein.“
Auch wenn er selbst nichts dagegen hätte, wenn Melinda zuhören würde, wusste er, dass Johanna ihre Anwesenheit nicht gutheißen würde. Dann atmete er tief durch und blinzelte die Feuchtigkeit aus seinen Augen.
Johanna hatte es gemerkt, dass sich zwischen ihm und Melinda etwas entwickelt hatte. Natürlich, sie war ein kluges Mädchen, die Eins und Eins zusammenzählen konnte. Doch was hatte Johanna erwartet – dass er zölibatär lebte wie ein Mönch, nur weil er keine Ehefrau an seiner Seite hatte? Die Welt spuckte auf fromme Züchtigkeit. Warum sonst quollen die Waisenhäuser nur so über von ausgesetzten Findelkindern? Warum sonst gab es das Phänomen des ältesten Gewerbes der Menschheit, der Prostitution? Nicht, dass Charles das Treiben dieser verkommenen Welt guthieß, doch er war gezwungen, Teil davon zu sein und es war nur menschlich, seinen Bedürfnissen nachzukommen. Durfte er sich nicht nach Nähe und Zuneigung sehnen? Auch ein vermeintlicher Serienmörder hatte Gefühle. Wie konnte Johanna ihm Melinda zum Vorwurf machen, wenn diese bereit war, ihm etwas Trost zu spenden? Er hatte nicht gewusst, dass er Johannas Mutter geschwängert hatte. Sie hatte es ihm nie mitgeteilt.
Johanna verstand es nicht. Sie verstand ihn nicht. Sie hatte tagtäglich Menschen um sich, die sie mochten und liebten, auch wenn es keine Blutverwandten waren. Charles hatte sie gesehen, die Bakersfields. Gute Menschen, die sich Sorgen gemacht und ehrliche Tränen geweint hatten, als er ihr Dienstmädchen mitgenommen hatte. Johanna kannte das Gefühl nicht, einsam zu sein, weil wirklich niemand mehr übrig war, der ihr Gesellschaft leisten konnte – auch wenn Charles seine Einsamkeit zum Schluss selbst gewählt hatte. Seine Verwandten waren tot, er selbst hatte sich in den letzten Jahren abgekapselt und hatte seine Kontakte ziemlich schleifen lassen. Seine jetzige Situation machte es nicht leichter. Wer würde sich noch zu ihm bekennen, nun, da er Scarface war? Ed hatte es getan, heimlich, und hatte diesen Fehler mit seinem Leben bezahlt. Der alte Kutscher war allein gewesen, nachdem seine Frau verstorben war, denn seine Kinder und Enkelkinder hatten sich seitdem selten bei ihm gemeldet, hatte er erzählt. Bob und Rosie, Gina und Harry – so hießen Eds Sprösslinge. Charles kannte alle vier persönlich, gut sogar… hatte sie früher einmal gekannt. Jahrelang hatte er keinen von ihnen gesehen. Nun hatte er sie um ihren Vater gebracht und ihre Kinder um ihren Großvater. Dieser hatte sich sogar gefreut, ihn nach all der Zeit wiederzusehen… trotz der Umstände. Doch all die anderen, die Charles einst zu seinem Freundeskreis gezählt hatte… Sie waren inzwischen verheiratet, hatten (im Gegensatz zu Ed) teilweise noch sehr kleine Kinder und andere Pflichten. Charles wollte sie nicht vor die Wahl stellen. Im Zweifelsfall würden sie sich nicht für ihn entscheiden, selbst wenn sie an seine Unschuld glaubten, das wusste er. Wie konnte er ihnen das auch verübeln?
Nun war er unverhofft selbst zu einer Tochter gekommen. Er brachte sie in Gefahr, allein dadurch, dass er in ihrer Nähe war. Er konnte sie zwar beschützen, genauso wie er Melinda, Alan und sogar Dr. Tremaine beschützen konnte, doch war es bei Johanna etwas anderes. Sie machte ihn angreifbar und das würde jeder erkennen, der erfuhr, dass sie seine Tochter war. Wusste Hill davon? Vielleicht ja, vielleicht nein, es war nur noch eine Frage der Zeit. Man würde ihre Hintergründe überprüfen und routinemäßig herausfinden wollen, ob sie etwas mit Scarface am Hut hatte, anstatt nur Zufallsopfer zu sein. Sie würden es erfahren und gegen ihn verwenden wollen, wenn sie erfuhren, dass Johanna noch lebte. Bestimmt. Die Frage, wer davon Kenntnis hatte, dass er Johannas Vater war, würde sie nur noch mehr aufwühlen, also stellte er sie nicht.

Charles wusste nicht, was er sagen sollte. Sie weinte und war wütend, hatte ihn angeschrien und ihn indirekt einen Lügner genannt. Es verletzte ihn, dass sie so mit ihm umsprang. Er konnte doch nichts dafür, ihre Vorwürfe stimmten nicht. Auch Melindas Worte waren, harsch, direkt und ehrlich gewesen. Nicht hilfreich also, um Ruhe in die Angelegenheit zu bringen, auch wenn Melinda ihn verteidigt und ihm damit hatte helfen wollen.
Er hatte ihr Lächeln nicht erwidert. Dazu war er nicht fähig gewesen, denn er war noch immer bis aufs Mark erschüttert.
Charles konnte Johannas Reaktion darauf, dass er und Melinda sich näher gekommen waren, trotz alledem verstehen. Würde er an Johannas Stelle nicht auch denken, dass seine Mutter für ihn nur eine Eroberung gewesen war, die er fallen gelassen hatte, um sich mit anderen Frauen vergnügen zu können? Es war nicht so gewesen.
„Und ich glaube, die Wahrheit wissen eben nur Sie“, hatte Johanna vorhin noch gesagt. Ja, er war stets der Einzige gewesen, der alles über sich gewusst hatte. Anderen war er immer ein Geheimnis gewesen und das hatte ihm gefallen. Ihm hatte das Gerede gefallen, das Gemunkel, die Gerüchte. Man hatte ihn für verrückt erklärt, versucht wegzusperren. Amüsant war das gewesen, im Großen und Ganzen, und je bunter es geworden war, desto mehr hatte man – oder eher Frau – sich für ihn interessiert, Charles Norly, den geheimnisvollen, reichen Gentleman mit der Narbe im Gesicht.
Nun, er war in seinem Leben kein Kind von Traurigkeit gewesen, das gestand er sich ein, aber das bedeutete noch lange nicht, dass er ein Schürzenjäger war, der sich Kerben in den Bettpfosten machte. Zwar wusste er, was er wollte, und wusste auch, seinen Charme gekonnt einzusetzen, um sein Ziel zu erreichen, aber so war er noch nie gewesen.
Und, bei Gott, zwanzig Jahre waren seit Sofia Stead vergangen! Er hatte nach der Trennung von ihr sein Leben weitergelebt. Sie war nicht die erste und auch nicht die letzte Frau gewesen, mit der er die ein oder andere Nacht verbracht hatte, doch hatte er keine von ihnen ausgenutzt. Er war immer darauf bedacht, das andere Geschlecht mit Anstand zu behandeln, und hatte stets eher den zweiten als den ersten Schritt getan, wenn es darum ging, das Gespräch mit einer Frau auf eine andere Ebene zu verlagern. Schließlich würde er nie auf die Idee kommen, aufdringlich zu sein oder sogar irgendetwas zu verlangen, das ihr unangenehm wäre. Das Alter hatte ihn etwas bescheidener und zurückhaltender gemacht, auch wenn das aus Johannas Sicht wohl nicht so aussah. Wäre Melinda nicht auf ihn zugekommen, hätte er seine Gelüste in den Griff bekommen und sie in Zukunft beherrscht ins Unterbewusstsein abschieben können. Er war ein Mann, der wusste, was er sagte und was er tat, und der die Kontrolle über sich hatte.
Melinda war gerade im Begriff, den Raum zu verlassen. Charles atmete noch einmal tief durch, bevor er zu sprechen begann, damit sich das Gefühlschaos in ihm etwas legen konnte. Er wollte Johanna beruhigen, aber wie stellte man so etwas an?
Er spürte seine Kopfwunde wieder unangenehm pochen, auch wenn der Schmerz, betäubt vom Alkohol in seiner Blutbahn, ausblieb. Charles unterdrückte den Impuls, sich an den Verband zu fassen, um zu prüfen, ob der Stress seine Wunde hat aufbrechen lassen und gerade seinen Lebenssaft an die Oberfläche des weißen Mullwickels trieb. Er schob die Vorstellung beiseite.
Am liebsten hätte Charles Johanna einfach umarmt und in die Arme geschlossen als hätte er sie ewig vermisst. Das hatte er, im Grunde genommen. Er hatte eine Familie vermisst, aber von Johanna persönlich hatte er zuvor ja noch nie etwas gehört. Er kannte sie erst seit wenigen Stunden und gerade erst hatte er erfahren, dass sie seine Tochter war. Es tat ihm so unendlich leid. Auf Melinda hatte er aber nicht vor einzugehen.
„Johanna, bitte, glaube mir“, versuchte Charles zu ihr durchzudringen und hörte selbst, dass seine Stimme rau war und die Hilflosigkeit und die Verzweiflung noch immer mitschwangen, die ihn grausam gefangen hielten.
„Ich schwöre bei meiner Ehre und bei meinem Leben, dass ich nichts von dir wusste. Ich… ich verstehe es nicht. Warum nur hat sie nichts gesagt? Ich hätte alles in meiner Macht stehende getan, um sie – um euch – zu unterstützen. Ich hätte sie niemals sitzen gelassen und euch beide dem gesellschaftlichen Ruin preisgegeben.“
Stead. Johanna hieß Stead, genauso wie ihre Mutter. Das bedeutete, dass Sofia nie einen Mann gefunden hatte. Es war leider nicht verwunderlich.
„Ich hätte zu ihr und dir gestanden, wenn sie es mir nur gesagt hätte.“
Charles spürte, wie ihm wieder Tränen in die Augen stiegen.
„Ich hätte um ihre Hand angehalten und sie geheiratet.“
Das war sein vollkommener Ernst. Nicht nur heute sah er es so, sondern auch sein jüngeres Ich wäre dieser Meinung gewesen. Charles war ein ehrlicher, anständiger Mann, davon war er überzeugt. Vor- und außereheliche Verhältnisse waren zwar offiziell verpönt, doch bei Weitem nicht selten. Ein Kind war nichts, wofür er sich geschämt hätte oder wovor er davongelaufen wäre. Für Getuschel hätte es gesorgt, das schon, aber wenn Sofia sofort zu ihm gekommen wäre, als sie gewusst hatte, dass sie schwanger war, hätten sie es noch verheimlichen können, dass Johanna noch vor der Hochzeitsnacht gezeugt worden war.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Scáth am Do März 28 2013, 10:37

Die Worte die Melinda ihr geradezu an den Kopf knallte, waren verletzend. Wie kleine Nadeln bohrten sie sich in ihr Herz. Johanna wollte Melinda nicht ansehen. Vermutlich, weil sie sich schämte, oder weil sie nicht zeigen wollte wie schwach sie gerade war. Melinda hatte recht damit, dass es ihr wohl schlechter ging als es Johanna jemals gehen würde. Aber war es angemessen das ganze fremden Menschen aufzuhalsen? Was wollte Melinda damit bezwecken? Aufmerksamkeit und Mitleid?
"Es tut mir Leid wie dein Leben verlaufen ist oder vielleicht sogar jetzt noch verläuft. Ich kann es wahrscheinlich nicht nachvollziehen, weil ich deiner Meinung nach ja ein super Leben habe. Und ja, damit hast du vermutlich recht. Ich habe kaum etwas über das ich klagen könnte. Also entschuldige das es Dinge gibt, die selbst mich verletzen, wo ich doch so ein perfektes Leben habe.", antwortete Johanna Melinda. Ihre Entschuldigung war ernst gemeint und sie hoffte das Melinda diese nicht falsch aufschnappen würde.
"Wegen mir musst du nicht gehen, aber wenn es Charles lieber ist...", fügte sie hinzu, und wandt sich dann wieder ihrem Vater zu.
Johanna stand nun zwischen zwei Menschen. Charles und ihrer Mutter. Sie war völlig überfordert und wusste nicht im geringsten, wem sie jetzt glauben sollte. Mittlerweile bereute Johanna es, Charles so angefahren zu haben und sie wagte es kaum ihm in die Augen zu sehen.
"Ich kann nicht für meine Mutter sprechen..", begann Johanna zunächst etwas kleinlaut. "Ich weiß gerade auch ehrlich gesagt nicht wem ich glauben soll...Meine Mutter...war für Sie nichts weiter als eine Bettgeschichte, oder? Sie haben sie nie richtig geliebt, nicht wahr?
Und..sie hat etwas gesagt von mir. Soweit ich weiß Ihrem Vater...von dem sie dann auch erfahren durfte das Sie verlobt waren...und das trotz der Beziehung mit meiner Mutter. Sofia war nicht sonderlich gut auf Ihren Vater zu sprechen..ich will ehrlich gesagt nicht wissen was er alles von sich gegeben hat, als er sie weggejagt hat."

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Elli am Do März 28 2013, 11:49

Charles bat Melinda den Raum zu verlassen. Sie hob den Kopf nach oben und blickte an die Decke. In Wirklichkeit war ihr zu Lachen zu Mute. Sie würde gerne einfach schallend loslachen, aufgrund der Situation die sich ihr gerade bot. Sie hatte allerdings schnell lernen müssen, dass Gefühlsausbrüche nichts brachten, entsprechend hielt sie sich mit ihnen zurück. Tränen zu zeigen, war für sie eine Schwäche. Ihre Wut konnte sie selten hinter dem Berg halten, aber echte Tränen sah niemand von ihr. Für den ein oder anderen Kunden waren ihr durchaus Krokodilstränen über die Wangen gelaufen, aber mehr auch nicht. Sie war auch jetzt noch wütend, wenn sie vielleicht auch zu hart gewesen sein mochte. Die Entschuldigung die Johanna plötzlich in den Raum warf, kaufte ihr Melinda nicht wirklich ab. Zuviel Sarkasmus. Zuviel Ironie. Sie warf dem Hausmädchen einen langen Blick zu, doch diese würdigte ihr nicht mal einen Seitenblick. Auch Charles blickte sie noch einmal an. Sie ahnte wie sie aussah. Man sagte über sie, dass sie in solchen Augenblick fast arrogant wirkte. Doch gerade war ich das völlig egal. Ohne ein weiteres Wort verließ sie die Küche und durchquerte das Wohnzimmer um wieder in den Operationsraum zu gelangen. Dort stand noch immer die Flasche mit dem Schnaps. Sie griff diese am Hals und ersparte sich den Umweg über ein Glas. Ihr Körper war viel Alkohol gewöhnt und mit gierigen Zügen leerte sie den Rest des brennenden Getränkes. Ach, nun komm schon! Du hast doch selbst angeboten, rauszugehen. Hast du Angst das die Maus aus der Falle raus ist? Hihi. Katzen spielen doch gerne mit ihrer Beute. Du bekommst schon was du willst. Oder? Hmmm…andererseits…du warst schon immer alleine. Immer. Nicht einmal deine Mutter wollte dich haben. Aber! Aber! Aber! Nicht zu vergessen. Du hast Alkohol. Der war schon immer ein guter Freund. Immer für dich da. Selbst als Leeland kam…da war er für dich da. Aber mit Laudanum. Das wäre doch was. Das Wort alleine schien in ihr Hirn gebrannt worden zu sein. Alleine? Nein. Einzelkämpferin. Sie war wohl nicht zum Teamplayer geboren. Sie zuckt resigniert mich den Schulter und stellte die leere Flasche mit Nachdruck auf dem OP-Tisch ab. Krachend zersplitterte das Glas in ihrer Hand. Sie ließ erschrocken die Reste fallen und betrachtete die dünnen Rinnsale aus Blut die sich an ihrer Hand, die aus ein paar Schnitten, den Weg zu ihrem Handgelenk suchten. Der Schmerz war nicht besonders schlimm, sie hatte schon wesentlich schlimmeren aushalten müssen, aber das helle Blut faszinierte sie einen Augenblick. Nicht wegen der Tatsache das sie blutete an sich, sondern die Möglichkeiten die sich damit boten. Ihr Blick wanderte zur Vitrine mit den Glasflaschen. Man verabreichte Laudanum als Schmerzstiller. Randolph hatte ihr schon selbst welches gegeben, als sie schwerverletzt auf dem Tisch gelegen hatte, auf dem nun die Scherben der Flasche lagen. Durch ihre Unachtsamkeit hatte sich vielleicht eine hervorragend Gelegenheit geboten, endlich an das ersehnte Mittel zu kommen. Doch was sollte sie tun? In die Küche zurückeilen und die beiden unterbrechen? Sie wägte die Konsequenzen ab. Sie würde es erst noch einmal selbst versuchen. Blutspuren an dem Glas des Schrankes, könnten sich als hilfreich erweisen. Also begann die mit der verletzten Hand, die Glasscheiben anzufassen, vielleicht war eine locker und ließ sich verschieben.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Darnamur am Do März 28 2013, 14:49

„Wenn wir Ihnen sonst nicht weiterhelfen können, Gentlemen, möchte ich Sie nun wirklich bitten, zu gehen.“ Randolph verzog den Mund zu einem abfälligen Grinsen. Er konnte nichts dafür. Sie hatten versucht, das Ganze auf friedliche Art und Weise zu lösen, doch natürlich hatten Mrs. Mauney und ihre nervige Schwester keine einzelne sinnvolle Information preisgegeben. Sie hatte gut gelogen, dass musste man ihr lassen. Er stellte sich Norly mit dem Gewehr in der Hand vor und dem sadistischen Grinsen auf dem Gesicht. Ihr einziges Problem ist, das wir Norly kennen. Und deshalb war er sich absolut sicher, das eine solche Situation unmöglich war.
"Sehr aufmerksam von ihnen, Mrs. Sutton. Denn sie können uns tatsächlich helfen." Er stieß Alan mit dem Fuß an, um ihn zu signalisieren, dass er vorhatte reinen Tisch zu machen. "Sie könnten uns noch einmal erzählen, was sie in jener Nacht gesehen haben, als ihr Mann ermordet wurde. Aber diesesmal ohne ihre jämmerlichen Lügen." Er erhob sich und durchbohrte die beiden erschrockenen Frauen mit gnadenlosem Blick. Dann ging er zu der Tür hinüber, von der er erwartete, das sich der Butler- Paul dahinter verschanzen könnte. "Na los, wollen sie uns nicht über die Wahrheit aufklären" Er war auf die Reaktion der Damen gespannt. Er erwartete nicht, dass Mrs. Mauney nun gestehen würde. Aber er war jetzt bereit um zuzuschlagen. Sein Blick traf sich mit dem von Alan. Er hoffte, er hatte nicht einen großen Fehler begangen, in dem er ihn in diese Angelegenheit hineingezogen hatte. Egal, nun würde es sich entscheiden. Randolph hing nicht allzu sehr an seinem Leben. Wenn diese Angelegenheit damit enden sollte, dass er Scotland Yard ausgeliefert und/oder umgebracht werden sollte, dann war das ein Risiko mit dem er leben konnte. Allerdings war er ein Chirurg- und wusste somit auf welche Körperpartien er einschlagen musste um einen Mann wie den Butler innerhalb weniger Sekunden außer Gefecht zu setzen, wenn er es richtig anstellte. Das Spektakel konnte beginnen. Randolphs Gesicht verzerrte sich zu einem wölfischem Lächeln, mit dem er die beiden Schwestern bedachte- und stellte damit endgültig sicher, das diesen bewusst war, dass er sich nicht mit Lügen würde abspeisen lassen.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Umbra am Do März 28 2013, 23:44

Mrs. Mauney starrte Randolph – oder Mr. Henderson, wie er sich ihr vorgestellt hatte – sichtlich entgeistert an. Sogar ihre Tränen waren inzwischen vorübergehend versiegt, denn der plötzliche Sinneswandel ihres Besuchers schien sie sowohl zu überraschen, als auch zu irritieren. Mrs. Sutton ging es da nicht anders, obwohl jetzt nun eindeutig nicht mehr Alan, sondern Randolph das Ziel ihres giftigen Blicks wurde.
„Was erlauben Sie sich, als Gast dieses Haus zu betreten und meine Schwester in ihrer Trauer auch noch der Lüge bezichtigen?“
Und ihre nächsten Sätze ließen keinen Zweifel mehr daran, dass sie durchschaut hatte, dass die beiden angeblichen Freunde ihres seligen Schwagers ganz und gar nicht diejenigen waren, für die sie sich ausgaben:
„Wer sind Sie beide wirklich?“, zischte sie aufgebracht. „Gehören Sie etwa zum Scotland Yard? Wir werden uns an höchster Stelle über Sie beschweren!“
Obwohl ihre Stimme selbstsicher und harsch war, verriet ihr Blick, dass Randolphs Verhalten und Auftreten ihr Sorge bereitete. Dumm war Mrs. Sutton nicht, aber auch die Witwe hatte scheinbar erkannt, dass sie und ihre Schwester sich nun in einer misslichen Lage befanden, in der sie den beiden fremden Männern förmlich ausgeliefert waren. Alan erschien ihnen plötzlich auf dem Sessel vor ihnen bedrohlich nahe, während Randolph nur zu offensichtlich den Fluchtweg versperrte, sollten die Damen auch nur in Erwägung ziehen, sich der plötzlichen Bedrohung auf diese Art und Weise zu entgehen.
Mrs. Mauney erhob sich langsam von ihrem Platz. Ihr Blick wechselte zwischen ihren nun absolut unerwünschten Besuchern hin und her und sie versuchte nun ihr Recht als Hausherrin einzufordern.
„Ich muss Sie über gar nichts aufklären.“ Ihre Stimme bebte aufgewühlt und war sowohl von Trauer als von Zorn geprägt. Ihr Blick sprach Bände: Sie verabscheute Randolph für das, was er gerade gesagt hatte.
„Denken Sie etwa, ich habe mir das ausgedacht? Mein Ehegatte wurde vor meinen Augen erschossen!“, sie legte ihre Hand kurz auf ihren Mund, um einen Schluchzer zu unterdrücken.
„Ich spürte einen warmen, grauenvollen Sprühregen in mein Gesicht spritzen. Ich sah ihn niedergehen und bei seinem letzten Atemzug hat er Blut gespuckt. Dann starrte er mit weit aufgerissenen Augen in die Leere! Wie können Sie nur denken, dass ich lüge?“ Wieder rannen ihr Tränen über das Gesicht, jedoch machte sie sich diesmal nicht die Mühe, ihr Taschentuch zu heben. Dies hielt sie fest umfasst in einer ihrer vor Wut geballten Hände.
Auch Mrs. Sutton war inzwischen sichtlich nervös von der Couch aufgestanden und blieb, unschlüssig, was sie anderes hätte tun sollen, an der Seite ihrer Schwester.
„Verlassen Sie mein Haus!“, forderte Mrs. Mauney beunruhigt und atmete schnell und flach.
„Ich will Sie warnen“, drohte sie mit der Bemühung, ihre Worte ernst und einschüchternd klingen zu lassen, soweit es ihre zittrige Stimme erlaubte.
„Denken Sie sie nicht, dass Sie damit ungestraft davonkommen, meine Herren! Denken Sie nicht, dass das keine Konsequenzen haben wird! Sie werden nun verschwinden und es nie wieder wagen, auf meine Türschwelle zu treten! Paul wird Sie nach draußen begleiten.“
Dann erhob sie ihre Stimme, um fast schon hysterisch den besagten Butler herbeizurufen.
„Paul!“ Und wieder: „Paaaul!“
Dabei bedachte sie wohl nicht, dass „Mr. Henderson“ nicht nur den Fluchtweg versperrte, sondern auch womöglich jedweder Hilfe von außen auflauerte.

-----

Charles brauchte einen Moment, um zu begreifen, was Johanna ihm gerade erzählt hatte. Sein Vater. Sein Vater! Diese Wendung warf ein ganz anderes Licht auf diese unglücksselige Geschichte.
„Er hat Sofia weggejagt?“, wiederholte er mit plötzlicher Ungehaltenheit. Zorn wallte in ihm auf, der allerdings nicht gegen Johanna gerichtet war, aber bedauerlicherweise war die Person, für die er einmal mehr unbändigen Hass empfand, bereits zu tot, um dies noch mitzubekommen.
Verlobt?“, brauste Charles auf. Am Morgen hatte er Alan schon angefahren, da dieser ihn nur mit dem Namen seines Bruders traktiert hatte, aber nun von einer weiteren unverzeihlichen Untat seines Vaters zu hören, deren Ausmaß sich als wirklich fatal herausgestellt hatte, brachte das mit Alkohol verdünnte Blut in Charles‘ Ohren wahrlich zum Rauschen.
„Das ist eine Lüge!“, bellte er mit wutverzerrtem Gesicht und schlug mit geballten Fäusten auf den Tisch, sodass sein Besteck metallisch klimpernd auf der Holzplatte hüpfte. Den Schmerz, der dabei sein rechtes Handgelenk kurz durchfuhr, ignorierte er. Charles sprang von seinem Stuhl auf, den er dabei umwarf, doch das war ihm egal. Er konnte einfach nicht mehr still sitzen.
Charles raufte sich das Haar, auch wenn der Verband etwas im Weg war. Eine unwillkürliche Geste der Bestürzung. Er war aufgebracht und zwar sehr. Johanna wollte er damit nicht verschrecken, aber bremsen konnte er sich in diesem Augenblick noch weniger.
„Wie konnte er es nur wagen?“, knurrte Charles, wieder einmal mehr im Selbstgespräch als weiter mit Johanna sprechend, während er den wenigen Platz, den die Küche bot, dennoch nutzte, um auf und ab zu gehen. Eine für Beobachter und Zuhörer sicher lästige Angewohnheit, die er praktizierte, wenn er nachdachte, ungeduldig wartete oder sich, wie jetzt, sehr aufregte.
„Sie hat mit ihm gesprochen. Und weil sie mit ihm gesprochen hat, ist sie nicht mehr zu mir gekommen!“
Diese Erkenntnis war mehr als nur bitter für Charles. Nun ergab so einiges Sinn.
„Er wusste es! Er wusste es und hat mir kein Sterbenswörtchen gesagt! Nichtmal eine Andeutung oder eine Ohrfeige!... Dieser elende Mistkerl! Ohne auch nur eine Miene zu verziehen, hat er weitergemacht! Hat mich fortgeschickt, wie er es schon seit Monaten geplant hatte! Ab auf ein Schiff und fort mit dem Ballast, der vor seinen Füßen herumrennt! Soll er doch auf See verrotten oder auf Jamaica oder in Afrika oder anderswo am Ende der Welt! Da kann er sich die Hörner abstoßen und nicht dort, wo die lieben Nachbarn es mitbekommen könnten! Wie gerissen! So einfach ist das: Aus den Augen, aus dem Sinn!“
Charles rang mit seiner Wut. Sein Vater hatte ihm nicht nur Jahre seines Lebens gestohlen, wie er bisher angenommen hatte, sondern sein komplettes Leben verpfuscht – und das aus reinem Eigennutz! Während daheim in England eine Familie auf Charles hätte warten können, war er umhergereist, um im Auftrag seines Vaters im Ausland Kontakte zu pflegen, Handelsposten zu besichtigen und neue Möglichkeiten zu erschließen. Angeblich. Dabei hatte dieses Wiesel ihn einfach nur loswerden wollen – und ihm darüber hinaus auch noch diesen rechthaberischen Idioten von einem Buchhalter an die Seite gestellt, der nur zu offensichtlich eher als Kindermädchen hatte fungieren sollen.
„Oh nein!“, fuhr Charles grimmig fort. „Nein, ich war nicht verlobt. Das hat er sich ausgedacht!“
Warum? Die Antwort darauf lag auf der Hand. Sein Vater hatte die Störenfriedin nicht nur für den Moment, sondern für immer verscheuchen wollen. William J. Norly war stets auf seinen Ruf bedacht gewesen. Deswegen hatten er und Charles sich oft in den Haaren gelegen – weil der Sohn sich oft nicht so benommen hatte wie es von ihm erwartet und verlangt worden war, und das nicht selten sogar mit purer Absicht. Charles‘ Vater hatte keine Toleranz gekannt. Wenn bekannt geworden wäre, dass sein Sohn umtriebig gewesen war und sogar ein Mädchen (wenn nicht mehr!) geschwängert hatte, hätte das auch seinem Ansehen geschadet. Das hatte er sicher nicht zulassen wollen.
Zudem hatte sein Vater vielleicht geahnt, dass Charles diese Neuigkeit nicht auf sich beruhen gelassen hätte. Und wenn er seinem Sohn doch zugetraut hätte, eine schwangere, junge Frau im Stich zu lassen, dann hatte er bestimmt gewusst, dass Kathryn, seine eigene Gattin, gutherzig, fromm und selbst Mutter zweier Söhne, das ihrem Charles nicht hätte durchgehen lassen. Charles hätte diese vermeintliche Dirne, die vermutlich nur auf das hart verdiente Vermögen der Norlys aus war, in jedem Fall geheiratet, wenn auch nur irgendjemand davon erfahren hätte.
Oh ja, Charles konnte sich gut vorstellen, wie das Zusammentreffen seines alten Herrn und mit Sofia abgelaufen war. Sicherlich waren die Worte „Hure“ und „Flittchen“ gefallen. Sicherlich hatte er ihr vorgeworfen, seinem Sohn einen „Bastard“ von irgendeinem ihrer namenlosen, versoffenen Freier unterjubeln zu wollen, der ihr großzügigerweise einen Shilling für ihre Zuwendung gezahlt hatte. Charles‘ Vater hatte immer schon das Talent dazu gehabt, auf unangebrachte Weise unhöflich und verletzend zu sein. Und das nicht nur mit Worten.

Charles hielt noch immer nicht die Füße still. Johanna konnte das sicher nur beunruhigen. Vielleicht stimmte es sogar. Vielleicht war er inzwischen wirklich verrückt. Vielleicht wäre es auch besser, wenn Johanna das nun denken und sich von ihm fernhalten wollen würde. Doch war es dazu nicht inzwischen viel zu spät? Der Schaden war schon angerichtet. Und dieser war irreparabel.
Charles lenkte ein, indem er mit auf einmal stoppte und dann zielstrebig den Platz einnahm, an dem Melinda eben noch gestanden hatte.
Sein Revolver lag immer noch dort, in Griffweite, wo er ihn für den Kuss abgelegt und aus Unachtsamkeit nicht wieder an sich genommen hatte. Wenn sein Vater noch gelebt hätte… nur zu gerne hätte er ihm jetzt eine Kugel in den Kopf gejagt. Das Zeug zum Vatermörder steckte nicht nur in Dr. Tremaine. Charles ließ die Waffe unangerührt, lehnte sich einfach mit dem Hintern an die Anrichte.
Dann schaute er Johanna an, seine Tochter, und fuhr sich mit der Hand über Mund und Kinn. Seine Fingerspitzen streiften dabei seine Narbe und strichen über Ausläufer seines Bartes. Es beruhigte ihn etwas, dass sich zumindest sein Gesicht vertraut anfühlte, wenn es schon sonst nichts an seiner Situation tat.
Sie sah wirklich aus wie Sofia, so wie er sie kennengelernt und auch zum letzten Mal gesehen hatte. Es war so als fühle er sich mit ihr und seinem damaligen Ich konfrontiert… als würde Sofias Geist ihn gerade heimsuchen. Diese feinen, anmutigen Gesichtszüge… selbst das seidige, zum Zopf geflochtene Haar. Das Einzige, was Charles wirklich seinen Anlagen zuordnen konnte, waren Johannas Augen.
Sein eigener Blick wurde weicher. Nicht wissend, was er mit seinen Händen sonst hätte anstellen können, verschränkte er die Arme vor seinem Körper. Er atmete durch die Nase tief ein und tief aus. Er hatte sich wieder unter Kontrolle, fast zumindest. Er musste kurz lachen, nicht laut und auch nicht fröhlich, aber es war befreiend, und schüttelte dann den Kopf.
„Nein“, antwortete Charles Johanna ehrlich. Seine Stimme klang wieder ruhig und gefasst.
„Ich habe sie nie richtig geliebt… nicht so wie sie es verdient hätte.“
Das Mädchen wollte die Wahrheit wissen, also war Charles bereit, sie mit ihr zu teilen. Unter normalen Umständen, unter anderen Umständen, würde er nicht über derart private Angelegenheiten reden. Das gehörte sich nicht. So etwas brachte den oder die Gesprächspartner in Verlegenheit. Doch Johanna sollte seine Sicht der Dinge erfahren. Er wollte, dass sie verstand, anstatt ihn aufgrund von Lügen und Vorurteilen zu verachten.
„Ich habe sie für das geliebt, was sie für mich tat, aber für mehr reichte es nicht. Unsere Beziehung war eine Bettgeschichte, größtenteils“, gab er zu, „aber du darfst nicht denken, dass nur ich es war, der so darüber gedacht hat. Ich habe ihr nichts vorgegaukelt oder sie belogen. Ich hatte keine andere neben ihr. Wenn du trotzdem denkst, dass ich sie benutzt habe, dann kann ich dir offen sagen, dass sie das Gleiche mit mir getan hat.“
Vermutlich würde Johanna das überraschen. Vermutlich hatte sie nie darüber nachgedacht, dass zu einer Affäre auch zwei gehören konnten – um es so auszudrücken wie Melinda es formuliert hatte. Warum war er zwangsläufig der Halunke?
„Wir waren beide noch jung, nicht viel älter als du jetzt. Wir haben das Leben noch nicht ernst genommen und uns einfach über die bekannten Ideale hinweggesetzt. Ich glaube kaum, dass sie dir diese Seite der Geschichte erzählt hat. Sie war mein Anker, denn sie schaffte es stets, mich aufzumuntern – und dafür hatte ich, leider Gottes, damals nicht selten Bedarf“, sagte er mit einem bitteren Lachen. Der Kummer war in ihm tief verankert. Seine Kindheit mochte glücklich gewesen sein, doch seitdem sein Vater ihn als alt genug befunden hatte, für ihn zu arbeiten, hatte für in der Ernst des Lebens begonnen. Er hatte stets sein Bestes gegeben, bis er aufgegeben hatte, seinem Vater hinterherzulaufen wie ein Hund, doch für seinen alten Herrn war aus Prinzip sowieso nichts genug gewesen, was Charles hätte tun oder erreichen können.
„Ich hingegen war ihr Objekt des Protests, denn ihre Eltern, deine Großeltern, haben sie überfürsorglich gehütet“, er machte ein schnaubendes Geräusch, „im Endeffekt leider nicht gut genug“, schob er ein, „und das hat ihr gar nicht gefallen. Zumindest war das der Ausgangspunkt unseres Verhältnisses.“
Charles löste kurz seine verschränkten Arme und räusperte sich.
„Ich will unser Benehmen nicht verteidigen“, stellte er klar.
„Es war dumm und kindisch und falsch… und wir wissen nun beide, dass es nicht gut geendet hat. So etwas endet nie gut, es wird nicht ohne Grund auf Keuschheit vor der Ehe gepocht und diese an sich so ernst genommen.“ Charles betonte dies auch deswegen, weil er nicht wollte, dass Johanna leichtfertig wie ihre Eltern handeln und es ihr dann vielleicht so wie ihrer Mutter ergehen würde. Aber da Johanna hautnah miterlebt hatte, was ein uneheliches Kind zu sein bedeutete und was es für ihre Mutter bedeutet hatte, ebendieses Kind allein großziehen zu müssen, war dies vermutlich ein ausreichend abschreckendes Beispiel.
„Doch, was mich angeht, habe ich damals nicht über mögliche Konsequenzen nachgedacht. Dazu war die ganze Angelegenheit mit den heimlichen Treffen und dem Gefühl, frei und unabhängig zu sein, einfach viel zu berauschend. Ich genoss Sofias Gesellschaft und sie die meine, doch…“
Charles unterbrach sich kurz. Dies war wirklich kein Thema, dass man mit seiner Tochter besprach. Er mochte sich kaum vorstellen, wie unangenehm es ihm gewesen wäre, wenn sein Vater so mit ihm über sich und seine Mutter gesprochen hätte.
„… doch wir haben es offenbar übertrieben. Wir haben zu viel Zeit miteinander verbracht und sie… sie verliebte sich in mich. Es war allein meine Schuld. Ich habe die Anzeichen dafür zu spät erkannt. Ich habe ihr das Herz gebrochen, doch ich musste es tun. Ich habe es nicht hinausgezögert, als ich gemerkt hatte, was sie für mich empfand, denn alles andere wäre ihr gegenüber nicht gerecht gewesen. Ich hatte ihr unabsichtlich Hoffnungen gemacht, die ich nicht erfüllen konnte.“
Das tat ihm leid. Das tat ihm so unendlich leid. Er war blind gewesen und hatte das Offensichtliche nicht gesehen – genauso wie er nicht schon vorher gemerkt hatte, wer Johanna war.
„Ich wusste, dass ich bald außer Landes sein würde und dass es besser wäre, wenn sie mich vergaß und einen Mann finden würde, der bereits mit beiden Beinen im Leben steht und ihre Liebe erwiderte. Aber hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass sie ein Kind erwartete“, erklärte Charles eindringlich, „hätte ich sie selbstverständlich nie verlassen. Hätte ich es später erfahren, wäre ich selbstverständlich zu ihr zurückgekehrt. Ich hätte euch nie freiwillig euch selbst überlassen. Ich wäre ihr ein guter Ehemann gewesen und dir ein guter Vater. Nichts hätte mich stolzer machen können“, sagte er und schenkte Johanna ein warmes Lächeln.
„Ich hätte sie lieben gelernt, das bestimmt.“ Er wusste, dass das möglich gewesen wäre. Er hatte Sofia Stead sehr gemocht. Sie hatte ihn glücklich gemacht… zwar auf ihre Weise, aber sie hatten ihre gemeinsame Zeit nicht nur in den Laken verbracht. Sicher hätte daraus mehr entstehen können, mit der Zeit, wenn Charles es nur akzeptiert und zugelassen hätte.
Er sah stirnrunzelnd zu Boden und seine Stimme war leiser als er weitersprach. Er dachte laut, aber dessen war er sich durchaus bewusst.
„Ich kann es immer noch nicht fassen, dass mein Vater mir das verschwiegen hat! Wie konnte er euch das nur antun? Wie konnte er das mir nur antun?“ Besonders im letzten Satz schwang wieder Ärger mit und seine Finger, mechanische unter Leder und auch die aus Knochen, Fleisch, Sehnen und Blut, zuckten kurz als wollten sie sich erneut zu Fäusten ballen.
Dann verfiel Charles in ein schweigsames Grübeln.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Scáth am Fr März 29 2013, 18:38

Johanna traf das alles wie ein Schlag ins Gesicht. Auf einmal ergab alles einen Sinn und Charles war nicht im geringsten so schuldig, wie Johanna es immer geglaubt hatte. Er hatte sie nicht absichtlich alleine gelassen, vermutlich hatte er seine Worte sogar ernst gemeint, und er hätte Sofia zur Frau genommen.
"Ich...verstehe" , antwortete Johanna sichtlich zurückhaltend. Sie wusste nicht was sie machen wollte, oder ob sie es überhaupt wagen konnte einen Ton von sich zu geben, so wütend wie Charles gerade war. Doch was er nach kurzer zeit erzählte, war etwas, das Johanna ungern hören wollte, es aber wohl musste. Ihr war bewusst gewesen dass Charles seine Mutter nie wirklich liebte, doch es jetzt aus seinem Mund zu hören, schmerzte. Sie konnte sich nicht vorstellen wie die Beziehung zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater früher ausgesehen hatte, ehrlich gesagt wollte Johanna das auch garnicht. Sie wollte garnicht mehr darüber nachdenken was damals war. Gerade im Moment war es vermutlich wichtiger, was jetzt passierte. Sie blickte zu Boden.
"Es tut mir leid, dass ich Sie zu unrecht beschuldigt habe. Mir war nicht bewusst, dass das alles so abgelaufen ist. Sie müssen verstehen...das ist gerade etwas viel für mich. Aber wem erzähle ich das...Vermutlich war es die falsche Entscheidung Sie so zu überrumpeln. Sie haben so schon genug um die Ohren, da ist eine plötzliche Tochter und diese ganzen neuen Informationen...nicht so..sagen wir wünschenswert"
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Umbra am Mo Apr 01 2013, 19:37

Randolph rechnete nun jeden Moment mit dem Eintreten des Butlers und spannte seinen Körper an. Er würde den Kerl schlichtweg zu überrumpeln versuchen und ihn so schnell wie nur möglich außer Gefecht zu setzen. Er hoffte nur, dass Alan keinen Unsinn machen würde. Dann hörte er schon, dass sich auf der anderen Seite der Tür etwas tat. Paul der Butler folgte den Rufen seiner Herrin und hastete, so schnell ihn seine rüstigen Beine trugen, die Treppe hinauf. Die Klinge senkte sich, die Tür sprang auf und Paul war pflichtbewusst im Begriff, in den Raum hineinzurauschen.
Er kam nicht sonderlich weit. Gerade als Paul im Begriff war einzutreten, fing Randolph die Tür ab und schmetterte sie dem Butler mit aller Kraft gegen den Schädel.
Mrs. Mauney schrie im gleichen Moment auf. Ihre Schwester hingegen reagierte beherrschter, aber sichtlich ängstlich und begann, ihren Abstand zu Randolph zu vergrößern. Vollkommen überrumpelt, denn das hatte Paul nicht kommen sehen, stürzte er zu Boden, wo er sich erst einmal stöhnend und mit schmerzverzerrtem Gesicht die Nase hielt. Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor.
Randolph ruhte sich nicht auf seinem Erfolg aus. Sein Tritt traf den Butler dorthin, wo es ihm am meisten schmerzen würde. Sofort setzte er nach und donnerte seine Faust gegen die Schläfe des Mannes. Damit hatte Randolph den alten Mann, der nicht viel mehr hatte machen können außer aufzujaulen und sich am Boden zu winden, als der Chirurg wie ein erbarmungsloser Straßenräuber über ihn hergefallen war, innerhalb nur weniger Sekunden außer Gefecht gesetzt. Paul lag nun bewusstlos und mit gebrochener Nase auf dem Flur.
Während Mrs. Mauney der Schrei nun im Hals stecken geblieben war, war es eine andere Person, die Randolph Aufmerksamkeit auf sich zog: Eine rundliche, ebenfalls schon betagtere Dame, die am Treppenansatz stand, den Butler und dessen Peiniger scheinbar perplex anstarrte, bis plötzlich das Leben in sie zurückzukehren schien. Sie wich erst einige Schritte rückwärts zurück, bevor sie kreischend kehrt machte und die Treppe hinunterlief.
Randolph, der gerade noch selbstzufrieden auf den außer Gefecht gesetzten Butler herab geblickt hatte, riss den Kopf hoch und durchbohrte die Frau mit kalten Augen. Er biss die Zähne zusammen. Die Ehefrau des Butlers! Als sie losrannte, stieß er einen Fluch aus und hastete hinter ihr die Treppe hinab. Sie durfte auf keinem Fall das Haus durch die Hintertür verlassen. Ein Glück, dass sie so fett war!
"Mord! Mord!", rief Mrs. Paul Soundso panisch während sie rannte, doch so sehr sie es auch versuchte: Schneller als der ihr Unbekannte, der sie verfolgte, war sie mit ihrem Übergewicht ganz sicher nicht. Kaum hatte sie einen Fuß auf den Boden des Erdgeschosses gesetzt, hatte Randolph sie auch schon eingeholt. Randolph schloss seine Hand um ihren Nacken und stoppte so die Flucht der panischen Frau. Er zog mit der Linken sein Skalpell aus dem Mantel hervor und hielt es ihr an den Hals. Der Doktor konnte ihren Angstschweiß förmlich riechen.
Er zischte ihr ins Ohr: "Sei still verdammt noch mal. Dein Mann ist nicht tot. Aber wenn du nicht aufhörst Ärger zu machen, bist du es bald! Wir verstehen uns! Jetzt komm wieder mit hoch!"
Nachdem sie bei Randolphs unsanfter, plötzlicher Berührung kurz ein letztes Mal aufgeschrien hatte, drang von nun an über die bebenden Lippen der Gefangenen ein beständiges, ängstliches Wimmern. Schluchzend ergab sie sich ihrem Schicksal, denn das grausam scharfe Instrument des Chirurgen wollte sie scheinbar nicht näher kennenlernen.

-----

Alan verfolgte das irssinnige Geschehen mit aufgerissenen Augen. Unfähig sich zu rühren, oder etwas zu sagen. Der plötzliche Ausbruch der Gewalt erschreckte ihn. Besonders da er von Randolph ausging. Was für eine kranke Seele.
Alan wendete sich den Damen zu, als der durchgeknallte Doctor begann durch das Haus zu hetzen, wie ein ekeliger, tollwütiger Bluthund.
"Was für ein Kranker."
Er blickte zu den Frauen.
"Es tut mir leid", stammelte er und sah den Schrecken in ihren Gesichtern.
"Ich wollte das nicht, wollte nur mit Ihnen reden. Ihnen ist so viel leid widerfahren und jetzt das hier."
Er machte einen Schritt auf die Tür zu.
"Ich habe damit nichts zu tun. Verschwinden Sie bloß bevor er wiederkommt."
Alan murmelte ein letztes "Es tut mir leid" und man konnte die Aufrichtigkeit der Worte in seinem Gesicht ablesen.
Dann rannte er durch die Tür, um hinaus ins Freie zu fliehen.

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Mrs. Mauney rang um Fassung und schien dabei nicht wirklich Erfolg zu haben, denn die Ereignisse waren einfach zu viel für sie - was vermutlich auch daran lag, dass ihr Butler Paul nicht wieder aufgestanden war und noch immer so erschlagen dalag wie sie sich gerade fühlte. Die Schreie der Haushälterin verstummten. Mrs. Sutton war es, die Alans Rückzug als Gelegenheit annahm und mit einer ruckartigen Bewegung den Schürhaken aus dem Ständer neben dem Kamin zog, scheinbar äußerst entschlossen, diesen auch als Waffe zu benutzen. Jedoch wusste sie im Gegensatz zu Alan, dass es nur einen Weg in die Freiheit gab, und dieser führte unweigerlich in "Mr. Hendersons" brutale Arme. Sich zurückzuziehen, zu verschanzen und nach Hilfe zu rufen, war also die einzige Möglichkeit, diese Sache heil zu überstehen.
"Komm, Sarah!", forderte Mrs. Sutton eindringlich, packte ihre aufgelöste und wieder hemmungslos schluchzende Schwester am Handgelenk und zog sie mit sich, an Paul vorbei und begann im Flur zu rennen. Fort von der Treppe, fort von den beiden Männern. Doch es bestand einfach nicht die Möglichkeit, zu fliehen. Die beiden Damen verschwanden hinter einer der nächsten Türen. Mrs. Sutton schloss mit zitternder Hand ab und klemmte einen Stuhl unter die Klinke.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Darnamur am Di Apr 02 2013, 16:26

Randolph ging mit der Frau des Butlers wieder die Treppe hoch. Das hatte ja wunderbar geklappt. Jetzt hatte er alle Hausbewohner am selben Fleck und der Butler war nicht mehr in der Lage irgendetwas auszurichten. Schön, das zumindest dieser eine Plan funktioniert hatte, auch wenn es am Anfang Probleme gegeben hatte.
Um den Butler tat es ihn ein wenig Leid. Der Bursche hatte sicherlich nichts mit der Angelegenheit zu schaffen, derentwegen Randolph hier war. Aber man musste für seine Ziele Opfer bringen. Die Damen würden bald reden. Sie fürchteten ihn bereits und das würde unter Umständen schob ausreichen, um die Wahrheit ans Licht zu kommen. Er fuhr sich mit der rechten Hand durch sein schwitziges Haar.
Auf der Treppe ertönten Schritte. Randolph erstarrte und packte die Frau des Butlers, die immer noch schluchzte an der Schulter. Dann sah er Alan die Treppe herabkommen. Sein Gesichtsausdruck wirkte ein wenig verstört.
"Hey, was ist los? Du solltest oben bei den Frauen bleiben"
Randolph zog die Augenbrauen zusammen.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Druzil am Di Apr 02 2013, 20:09

Alan kam schlitternd zum Stehen.
"Ich soll bei den Frauen bleiben? Du solltest dir mal deinen Schädel untersuchen lassen, Doc! Das ist absolut krank. Krank! Ich mach bei so einem Scheiss nicht mit. Meine Güte! Lass uns abhauen. Oder foltere sie alleine, wenn du willst. Das sind zwei wehrlose Frauen! Eine Witwe!"
Er setzte sich wieder in Bewegung.
"Ich will mein Gesicht nicht neben Norlys an den Laternenpfählen hängen sehen. Scheisse, man. Komm mit oder... bring sie wenigstens um."
Das ist hier der reinste Irrsinn. Der Kerl ist kranker als Norly.
Alan war bereit auf den Doc zu warten, sollte er mitflüchten wollen. Aber nicht lange.
Scheisse. Scheisse. Scheisse.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Darnamur am Di Apr 02 2013, 21:05

Randolph schnaubte. Er drückte seiner unfreiwilligen Begleiterin auf den Rücken: "Geh hoch und kümmere dich, um deinen Mann"
Dann wandte er sich Alan zu: "Ich soll also mein krankes Hirn untersuchen lassen" Er musterte Alan. Er war vollkommen panisch. Seine Augen waren vor Schrecken geweitet. Er sah, wie ihm ein kleines Rinnsal über die Stirn rann und dann zu Boden tropfte.
"Hast du noch nie gesehen, wie ein Mann zusammen geschlagen wurde, Alan? Glaubst du ich hätte Spaß daran gehabt? Anscheinend schon." Ihre Blicke trafen sich.
"Nein- ich hatte keinen Spaß dabei. Aber ich musste es tun. Denn sonst hätte er uns einfach rausgeworfen. Es war zu erwarten gewesen, dass wir Gewalt anwenden würden anwenden müssen. Was hast du denn gedacht? Das sie uns einfach so die Wahrheit erzählen würde?" Randolph machte eine unwirrsche Geste.
"Aber bitte, geh ruhig! Halte dich am besten aus dieser Revolutionssache raus, wenn es dir schon zu viel ist ein wenig Blut zu sehen."
Konnte Randolph ihn dafür verurteilen feige zu sein? Vermutlich nicht. Er selbst hätte damals ähnlich geschockt reagiert. Gewalt auszuüben und noch dazu gegen Frauen wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Er musste wie ein Monster aussehen. Und das war er wahrscheinlich auch: ein menschliches Ungeheuer. Jetzt bin ich eindeutig meines Vaters Sohn. Nur zehnmal schlimmer. Es war tatsächlich so: Als er Edmure getötet hatte, dachte er er wäre befreit und könnte nun endlich sein eigenes Leben leben. Doch das Gegenteil war eingetreten. Er blickte Alan an und fühlte sich plötzlich müde. Vielleicht wäre es wirklich das Beste, wenn er einfach gehen würde. Mein Hirn ist kranker, als er womöglich denkt.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Druzil am Di Apr 02 2013, 21:55

"Denkst du ich hätte Schiss, kleiner Mann?"
Alan glaubte sich verhört zu haben. Dieser Pfuscher hatte doch keine blasse Ahnung was er hier eigentlich anrichtete!
Er ging einen Schritt auf Randolph zu und zog seinen Revolver aus der Tasche.
"Sieh mich an, du irrer Vogel. Sieh mich an." Er fuchtelte dabei mit der Waffe vor seinem Gesicht herum.
"Ich bin ein Trinker, verdammt. Ein Trinker! Denkst du wirklich ich hätte noch nie Gewalt gesehen? Ich hab in Gossen gelegen, in denen Mütter gehaust haben, die ihre Scheisskinder für einen Pfeifenkopf voll Scheissopium verkauft hätten. Du bist es, der die Gewalt nicht kennt. Du kannst Menschen aufschneiden, Organe rausnehmen, ja. Aber das hier ist was anderes! Was Scheissanderes!"
Alan wurde immer aufgebrachter, seine Bewegungen hektischer.
"Wir hätten weiter mit ihnen reden können. Was wolltest du denn machen? Sie weichprügeln, bis sie irgendeinen Scheiss erzählen, den du hören willst? Meine Fresse, die hätten uns erzählt das die Queen ihren Mann ermordet hat, nur um uns vom Hals zu kriegen. Scheisse, du musstest ja ausflippen, wie ein Irrer! Jetzt wissen die wie wir aussehen. Die werden zu den Bullen rennen. Und dann? Und dann, hä? Hast du auch dafür einen Operationsplan bereit? Scheisse. Verdammte Scheisse."
Alan riss die Waffe hoch und richtete sie auf den Doctor.
Scheisse. Scheisse. Scheisse. Das ist alles seine beschissene Scheissschuld!
Er spannte den Hahn. Kreischten die Frauen schon nach der Polizei? In seinen Ohren rauschte es, er konnte es nicht sagen. Die Frau des Buttlers humpelte bereits davon.
Alan zielte und drückte ab.
Ein Knall zerriss die angespannte Stille. Die Kugel zischte auf den Kopf der Haushälterin zu.
Scheisse.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Darnamur am Di Apr 02 2013, 23:00

Fassungslos beobachtete Randolph wie Alan die Haushälterin erschoss. Warmes Blut spritzte ihm entgegen und ihr Gesicht wurde plötzlich von einem bösartigen Loch verunziert. Ihr Gesichtsausdruck spiegelte blankes Entsetzen wider. Randolph drehte sich wieder zu Alan um.
"Damit hast du ja nun bewiesen, dass du kein Feigling bist Alan!", sagte Randolph tonlos. "Du hast eine wehrlose Frau erschossen. Sie hat einen Mann."
Der Doktor konnte es immer noch nicht fassen. Er kniete sich zu der Frau herab und schloss ihre Augen. Jetzt schien es fast so, als würde sie schlafen. Nur die Kugel, die sich ihren Weg in den Schädel der Haushälterin gefressen hatte störte diesen Eindruck. Dieses Arschloch! Wer war hier geistig krank?
"Du bescheuerter Bastard!", brüllte Randolph, als er die Fassung verlor. Er stüzte sich auf Alan und versuchte ihm den Revolver zu entreißen.
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Druzil am Mi Apr 03 2013, 08:53

"Bleib mir vom Leib, du Irrer!", rief Alan aufgebracht und versuchte den Doctor abzuschütteln.
"Finger weg! Verdammt!" Alan rang mit Randolph und es schien sich eine Art Patt-Situation einzustellen.
"Was hast du denn gedacht wie das hier ausgeht? Scheisse auch! Die Witwe bißchen verprügeln, ihr dann ein paar Pillen verschreiben und durch die Tür hinausspazieren? "In ein paar Tagen gehts Ihnen wieder besser, ruhen Sie sich einfach etwas aus.", oder was? Du hast den Typen zu Boden geschlagen und wolltest auf die Frauen losgehen. Was hättest du danach gemacht? Was? Scheisse."
Alan versuchte den Doc von sich zu schieben.
"Wir bringen den Dreck, den du hier angefangen hast, jetzt zu Ende und sehen zu, dass wir Land gewinnen. Lass mich los, verdammt nochmal."
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Elli am Mi Apr 03 2013, 17:08

Zwar ließ sich das Glas leicht verschieben, aber das brachte Melinda auch nicht näher an das Laudanum als zuvor. Frustriert blickte die auf die Scheibe, auf der Handabdrücke waren, aber bei weitem nicht so furchteinflößend waren, wie gehofft. Trotzdem rann das Blut immer noch reichlich an ihrem Arm herab und begann zu stören, sie trug auf dieser Seite ihre Wristgun und befürchtet, das, wenn auch schon leicht speckige, Leder, zu verschmutzen. Einen Augenblick überlegte sie, ob sie das Glas einfach einschlagen sollte, aber schüttelte leicht den Kopf. Das würde Randolph ganz und gar nicht gefallen und sie wollte ihn nicht noch wütender machen, als er vermutlich ohnehin schon auf sie war. Sie seufzte und sah sich im Raum nach einem Stofffetzen um, um sich das Blut abzuwischen. Außer den Gardinen fand sie erst einmal nichts und sie hielt ihren Arm nun ein Stück von sich entfernt, so dass das Blut zu Boden tropfen konnte. Gerade als sie doch mehr Gefallen an der Gardine fand, fiel ihr Blick auf eine verstaubte große Ledertasche, die gleich unter der Vitrine stand, in der das Betäubungsmittel aufbewahrt wurde. Mit ihrem rechten Fuß angelte sie die Tasche hervor und öffnete sie. Das musste die Tasche sein, mit denen Randolph seine früheren Hausbesuche gemacht haben musste. Sie meinte sich dunkel erinnern zu können, dass sie ihn häufiger damit gesehen habe, damals als er Lynett besuchte. Tatsächlich lag oben auf ein Stück alter Verband, den Melinda notdürftig um die Hand schlang, bevor sie noch einen Blick in die Tasche warf. Operationsbesteck steckte ihn Seitenfächern, doch darauf achtete sie nicht. Die kleinen Miniaturflaschen auf dem Boden der Tasche waren weit interessanter. Sie schob sie mit der unverletzten Hand vorsichtig hin und her und versuchte die verblasste Schrift zu entziffern. Und dort auf zwei stand das, was sie kaum zu träumen wagte. Schnell griff sie die Flaschen und versteckte sie in ihrem Kleid. Die anderen Namen auf den Flaschen sagten ihr nichts und sie ließ die Tasche zuklappen. Wieder mit Hilfe ihres Fußes fand die Tasche ihren alten Platz wieder und Melinda richtete ihren Blick auf ihre Hand. Zwar verhinderte das Tuch das sie sich verschmutzte, aber die Blutung stillte es nicht. Sie würde wohl einen Verband brauchen, doch das Tuch schaffte sie nicht richtig festzumachen. Sie seufzte und machte sich auf den Weg zurück in die Küche. Auf dem Weg hörte sie die erregte Stimmte von Norly, aber sie konnte es nicht ändern. Sie steckte den Kopf in die Tür. "Glauben Sie es oder nicht, ich unterbreche nur ungerne, aber könnte mir kurz jemand behilflich sein?" Sie hielt ihren verletzten Arm in die Luft.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Umbra am Do Apr 04 2013, 18:18

„Wünschenswert…“, wiederholte Charles und aus seiner Kehle drang ein Laut der verzweifelten Belustigung.
„Dieses Wort hat für mich beinahe schon keine Bedeutung mehr. Wenn das Leben mich eins gelehrt hat, dann dass die Realität und das Wünschenswerte oft unnahbar weit auseinander liegen.“
Johannas Anblick erinnerte ihn daran, mit wem er gerade sprach: mit seiner Tochter. Dieser Gedanke war für ihn noch immer überwältigend und nicht wirklich fassbar. Er hatte geglaubt, allein zu sein, war davon überzeugt gewesen, dass niemand mehr existierte, mit dem ihn auch nur irgendein familiäres Verhältnis verband. Wie wohl jeder, dessen tiefsitzende Überzeugung plötzlich umgestürzt wurde, fühlte Charles sich in seinem Weltbild erschüttert.
Und sie… Sie schien es zu bereuen, dass sie ihn hatte kennenlernen wollen. Sie bedauerte es, das war ihr anzusehen und aus ihren Worten herauszuhören. Was hatte sie erwartet? Was hatte sie sich erhofft? Wie sollte er ihr plötzlich ein Vater sein können? Und nach all dem, was geschehen war…
Charles hatte es sich geschworen. Er hatte sich geschworen, seinen Kindern einmal ein besserer Vater zu sein als der seine ihm. Nun, es war nur zu offensichtlich, dass Charles versagt hatte. Johanna hatte ohne ihn aufwachsen müssen und jetzt, nach all den Jahren, die er damit verbracht hatte, nicht für sie da zu sein, war er… Scarface.
Er war kein Mann, dessen Nähe sie suchen sollte. Diese ganze Situation bewies es. Er hatte vier Menschen entführt, er hatte Johanna selbst zur Geisel genommen, auf seinen Kopf war eine Unsumme an Pfund ausgesetzt. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, sich ihm einfach anzuschließen, obwohl er sie wieder freigelassen hatte? Das war dumm gewesen, leichtsinnig, trotzig und willkürlich. Im gleichen Moment, in dem ihn dies durch den Kopf schoss, wurde ihm bewusst, wie ähnlich sie ihm war. Das schmerzte ihn umso mehr.
Johanna blickte ihn nicht an, sondern sah zu Boden. Natürlich hatte Charles sie in Verlegenheit gebracht. Er hatte seine plötzlich überschwappende Wut nicht bändigen können, sondern hatte sie sich einfach aus der Seele geschimpft. Im Grunde hatte er Johanna angeschrien, einfach nur, weil sie anwesend gewesen war, als der Zorn über den Inhalt ihrer Worte in ihm hochgekommen war. Der Stuhl, auf dem er vorhin gesessen hatte und den er achtlos umgeworfen hatte, als er aufgesprungen war, lag noch immer am Boden – zusammen mit seinem Jackett, das er vor dem Kochen über die Lehne gehangen hatte.
„Verzeih mir“, brachte Charles mit der Erkenntnis hervor, dass er sich unmöglich benommen hatte. Die ganze Thematik ihres Gesprächs war sowieso unangenehm für ihn.
„Mr. Stirling hat vermutlich Recht“, gab er etwas geknickt zu, auch wenn er aus Prinzip nicht bereit dazu war, Alan dabei mehr als ein „vermutlich“ zu gönnen.
Gottlob kann er nicht hören, dass ich das sage!
„Ich hätte nicht zulassen dürfen, dass du in meine Angelegenheiten verwickelt wirst. Ich bin glücklich, dich kennenzulernen, verstehe mich bitte nicht falsch, aber…“
Charles besann sich kurz. Es brachte aber nichts, die Wahrheit zu leugnen.
„In einem anderen Leben hätte ich dir bieten können, was jede Tochter verdienen würde. Es tut mir leid, dass du mich in diesem Zustand sehen musst. Ich hatte wahrlich schon glanzvollere Tage als –“
Melinda unterbrach ihn, indem sie zurückkehrte. Dass sie ihm ihre Hand mit einem offenbar blutbesudelten Tuch darin entgegenhielt, ließ ihn aus seiner legeren, an die Anrichte gelehnten Haltung aufschrecken. Trotz der plötzlich aufkeimenden Sorge, dachte er wie von selbst daran, nach seinem Revolver zu tasten, um diesen im Laufen wieder in seinen Hosenbund zu stecken, als er zu Melinda herübereilte. Wirklich erleichtert darüber, dass sie ihn aus diesem peinlichen Gespräch rettete, konnte er nicht sein.
Charles packte Melinda am Handgelenk und auch wenn keinerlei Aggressivität in dieser Geste lag, umfasste er es mit Druck, um die Blutzufuhr einzudämmen. Noch wusste er nicht, wie schlimm es unter dem Tuch aussah, aber Vorsicht war besser als Nachsicht. Bevor er sich das allerdings ansah, brachte er Melinda ins Operationszimmer des Doktors, indem er sie halb mit sich zog und sie halb mit seiner mechanischen Hand auf ihrer Schulter vor sich herschob. Die Ursache von Melindas Verletzung erkannte er schnell: eine zerbrochene Flasche und Blut auf dem Operationstisch. Auf mehr achtete Charles nicht.
„Fest zudrücken“, wies er Melinda knapp und etwas angespannt an und griff, ohne groß darüber nachzudenken, nach ihrer unverletzten Hand und führte diese an ihr anderes Handgelenk, bevor er selbst losließ. Charles ging um seine Patientin herum und fegte kurzerhand mit seiner Prothese eine Fläche des verhassten Tisches freizufegen, damit Melinda gefahrlos darauf Platz nehmen konnte, ohne sich weitere Glassplitter einzufangen.
„Bitte setzen Sie sich“, bat er mit einer einladenden Geste, blickte sie aber schon nicht mehr an. „Ich möchte nicht, dass Sie stürzen, wenn ihnen schlecht werden sollte.“
Inzwischen stöberte Charles schon nach Utensilien, die er benötigen wurde, um Melindas Wunde zu reinigen und zu verbinden. Er musste feststellen, dass die Erinnerungen an die vergangene Nacht, vor allem an den Weg zu diesem Haus und an seinen Aufenthalt in diesem Raum, ziemlich verschwommen waren, sodass er sich nicht mehr daran erinnerte, woher Dr. Tremaine was geholt hatte – und das trotzdem er noch wusste, diesem dabei zugesehen zu haben. Dennoch fand Charles zügig, was er suchte, und beeilte sich, sich wieder mit Melinda zu befassen.
Behutsam hob er ihre Hand ins Licht, entfernte das Tuch, dass er vorläufig achtlos fallen ließ, und ging etwas in die Knie, um das Unglück aus nächster Nähe begutachten zu können. Charles konnte mehrere Schnitte in Melindas Handfläche entdecken, keiner davon sonderlich tief und in keinem schienen sich Glassplitter festgesetzt zu haben. Trotzdem floss reichlich Blut. Schlecht war das nicht, immerhin wurde so möglicher Dreck aus der Wunde gespült, aber trotzdem musste die Blutung gestillt werden.
„Das wird nun vermutlich etwas brennen“, warnte er sie vor, säuberte ihre Hand mit starkem Alkohol und legte ihr dann einen Druckverband an. Angenehm fühle sich dieser mit Sicherheit nicht an und er würde auch die Beweglichkeit ihrer Hand stark einschränken, doch er erfüllte den beabsichtigten Zweck.
Als Charles fertig war, seufzte er erleichtert und blickte von Melindas Hand auf. An seiner eigenen klebte nun ihr Blut und er wischte es mit einem feuchten Lappen ab.
„Sie machen Sachen“, sagte er scherzhaft und schenkte ihr ein Lächeln. „Vielleicht sollte ich Sie nicht mehr aus den Augen lassen.“
Dann schlich sich aber wieder etwas Sorge in Charles‘ Gesicht.
„Wie geht es Ihnen? Sie sehen etwas blass aus. Kann ich Ihnen etwas bringen? Wollen Sie sich hinlegen?“

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Scáth am Do Apr 04 2013, 20:24

"Tschüss...", murmelte Johanna, als Charles mit Melinda aus der Küche stürmte. Sie hätte ihr geholfen. Das hätte Johanna wirklich. Sie hatte Melindas Hand gesehen und sich Sorgen gemacht, hatte, wie von selbst an ihre erst vor kurzem gefüllte Umhängetasche gedacht, und an die darin befindlichen Verbände. Doch sie hatte wohl eine Sekunde zu lange daran gedacht, denn so schnell wie Charles mit ihr verschwunden war, hätte sie garnicht reagieren können. Und da war Johanna nun wieder alleine, genauso wie vorhin. Charles war mit Melinda verschwunden und Johanna konnte wahrscheinlich nichts weiter tun als zu warten, bis beide wieder auftauchten. Charles würde sicher dazu in der Lage sein, sich um ihre Hand zu kümmern, da würde Johanna wieder nur nutzlos daneben stehen und das konnte sie sich durchaus sparen, zumal sie dachte, dass sowohl Charles als auch Melinda mehr als froh darüber waren wieder zu zweit und ungestört zu sein. Johanna sprang nach dem letzten Gedanken wie vom Blitz getroffen von ihrem Stuhl auf, schnappte sich den nächstbesten Teller und schmiss ihn gegen den Küchenschrank, wo er in gefühlte hundert Teile zersprang. Sie schnaufte energisch durch die Nase, versuchte ihre Wut unter Kontrolle zu halten und an etwas anderes zu denken, doch dass erwies sich als schwer. Wie von selbst begann Johanna das restliche Geschirr vom Tisch abzuräumen. Ablenkung war vermutlich das einzige was nun helfen konnte, und abgelenkt hatte sie sich mit Haushalt schon oft genug. Sie sammelte die meisten Splitter des zerbrochenen Tellers auf und warf sie in den Müll. Es war etwas Zeit vergangen, und langsam kam sie sich mehr als nur dumm vor, da sie immernoch alleine in der Küche rumhing. Sie füllte ein Glas, das sie im Schrank fand, mit Wasser und verließ dann die Küche. Sie fand Charles und Melinda im Operationsraum.
"Ich wollte garnicht lange stören..", begann Johanna, nachdem sie versuchte mit einem räuspern zu verkünden, dass sie am Türrahmen stand. "Ich dachte vielleicht hilft das, sollten Sie Kreislaufprobleme haben...ist bei starkem Blutverlust denke ich nicht auszuschließen.", fuhr sie fort während sie das Glas neben Melinda abstellte. Johanna wusste nicht was sie noch tun sollte und bewegte sich deshalb wieder in Richtung Tür zurrück. Sie fühlte sich gerade mehr als nur fehl am Platz
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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Elli am Mo Apr 08 2013, 14:53

Melinda fühlte sich von der Art und Weise mit der Charles sie behandelte, leicht überrumpelt. Es überraschte sie, wenn auch positiv. Sie hatte einfach nur gewollt, dass jemand den Stofffetzen befestigte und nicht gleich einen Verband anlegte, der ihr das Gefühl zu geben einen dicken Handschuh zu tragen. "Danke, Danke. Es geht schon. So schlimm ist es ja gar nicht..." Ihr war tatsächlich etwas schwindelig, aber das lag wohl eher an dem Alkohol als an den Schnittverletzungen. Sie schmunzelte "Nicht mehr aus den Augen lassen, wie genau...?" Doch bevor Melinda ihren Satz zu Ende bringen konnte, hörte sie ein lautes Klirren aus der Küche. "Vielleicht sollten Sie besser wieder zu ihrer Tochter. Ich wollte sicherlich nicht stören, ich bin manchmal einfach ein Schussel."
Doch plötzlich stand Johanna im Raum und reichte ihr ein Glas Wasser. Melinda nahm es in die Hand und trank davon, eher aus Höflichkeit, als aus Durst. Sie richtete ihren Blick zu dem Hausmädchen und wiederholte sich "Ich wollte eure Unterhaltung nicht stören."
Offensichtlich hatte niemand bemerkt, dass sie den Schrank verschmutzt hatte, aber selbst wenn es zur Sprache kommen sollte, hatte sie immer noch ihre Hand als Alibi und angebliche Schmerzen. Die Schnitte zwickten zwar, aber wirklich gebraucht hätte sie nichts aus dem Schrank. Nur wirklich wissen konnte das niemand.
"Ich denke ich sollte euch besser alleine lassen." sie glitt vom Tisch herunter und stützte sich dabei, wenn natürlich nicht ohne Berechnung, leicht an Charles ab.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Umbra am Do Apr 11 2013, 19:18

Auch wenn Melinda es nicht zugab, fand Charles, dass sie trotzdem etwas blass um die Nase geworden war.
„Nachlässigkeit kann unschön enden, Miss“, entschuldigte er seine Vorsicht mit einem Zucken seiner Mundwinkel in Richtung eines Lächelns. Allerdings konnte er nicht verhindern, dass sich dabei eine Spur Schmerz in seinen sowieso schon leicht besorgten Blick schlich – so verwirrt wie er sich gerade fühlte, fiel es ihm schwer, sein Gesicht zu wahren. Augen eines Mannes, der in seinem Leben schon viel erlebt und gesehen hatte, ruhten musternd auf denen Melindas, doch bevor Charles Gefahr lief, sich in diesem anmutigen, hellen Blau zu verlieren, erhaschte stattdessen ein Klirren seine Aufmerksamkeit. Charles Blick glitt in Richtung Tür, als er aufhorchte.
„Ja“, stimmte er dann weiterhin ungewohnt wortkarg zu, als Melinda vorschlug, dass er wieder zu Johanna zurückkehrte.
‚Zu Ihrer Tochter‘ – diese wollte schienen in seinem Kopf nachzuhallen. Diese Formulierung fühlte sich für ihn ein wenig falsch an. Sein Inneres sträubte sich noch ein bisschen dagegen, denn es war so ungewohnt für ihn, sich selbst als Vater zu sehen… als Vater, der sein Kind und dessen Mutter – wenn auch nicht bewusst, aber das machte es nicht besser – im Stich gelassen hatte. Doch Zeit, diese Information wirklich sacken zu lassen, hatte er nun nicht.
„Sie haben nicht gestört, Melinda“, versicherte Charles und als er diesmal lächelte, fühlte es sich auch für ihn selbst viel natürlicher an. Ungeschickt stellte sich jeder einmal an, auch wenn ihm insgeheim die Umstände, die zu Miss Bolts Verletzung geführt hatten, nicht gefielen. Es war nicht schwer zu erkennen gewesen, dass die junge Frau die Schnapsflasche geleert haben musste, bevor diese zerbrochen war. Er selbst fühlte sich zwar auch jetzt nach dem Essen noch merkbar benebelt von den Gläsern, die er hinuntergestürzt hatte, doch er war ein Mann, dem es inzwischen ziemlich gleich sein konnte, ob er sich benahm oder nicht. Bei Melinda war das etwas anderes. Er fühlte sich für sie verantwortlich und konnte nicht gutheißen, dass sie sich derart berauschte. Dementsprechend unzufrieden war auch sein Gesichtsausdruck, mit dem er für einen kurzen Moment die Scherben und die übrig gebliebenen Flaschen bedachte. Aber was geschehen war, war geschehen.
„Es war ein Notfall, also sorgen Sie sich nicht deswegen.“
Doch anstatt sofort aus dem Operationszimmer zu eilen, machte Charles sich daran, die Unordnung, die Melinda und er hier angerichtet hatten, grob zu beseitigen. Sicher würde Dr. Tremaine es nicht gutheißen, wenn er sein Allerheiligstes nach seiner Rückkehr derart auffand – voller Scherben, mit offen herumliegenden Verbandmaterialien und Blut, die Melinda verloren und auf dem Tisch und am Boden verteilt hatte. Das kostete ihn nicht viele Handgriffe. Er erledigte sie zügig, aber in Gedanken versunken.

Wie es schien, brauchte er auch gar nicht zu Johanna zurückzukehren, denn gerade als er die Utensilien wieder in die jeweiligen Schubladen geräumt hatte, tauchte sie, seine Tochter, in der Tür auf.
Charles schenkte ihr ein dankbares Lächeln, weil sie Melinda Wasser mitgebracht hatte. Er glaubte, die Bereitschaft in sich zu spüren, väterlichen Stolz zu empfinden. Er war sich nicht jedoch nicht sicher, ob dieses Gefühl echt war oder es vielleicht nur daher rührte, dass er sich im Allgemeinen wie aus der Bahn geworfen fühlte. Immerhin kannte er Johanna nicht. Und sie kannte ihn nicht. Noch nicht. Charles wollte, dass sich das änderte. Im Moment war es noch sehr überwältigend, sich das vorzustellen, doch trotzdem seiner derzeitigen Lage war er es ihr schuldig und er wünschte es sich zudem von ganzem Herzen.
„Danke, meine Liebe“, sagte Charles zu Johanna, die schon im Begriff war, wieder zu gehen.
„Bleibe doch hier.“

Melinda aber wollte den kleinen, sich gerade gefundenen Ansatz einer Familie anscheinend wieder Zeit für sich geben. Das war sehr zuvorkommend, fand Charles, und er wollte auch schon dafür danken, denn es war ihm durchaus nicht komplett entgangen, dass zwischen ihr und Johanna etwas dicke Luft herrschte. Doch dann spürte Charles Melindas Hand an seinem Arm, als sie sich an ihm abstützte.
„Sachte!“, warf er gerade noch etwas alarmiert in den Raum, denn er befürchtete schon fast, dass sie das Gleichgewicht verlieren könnte. Dass sie beim Aufstehen Halt an ihm gesucht hatte, war ein Anzeichen dafür, dass sie doch nicht so sicher auf den Beinen war, wie sie hatte vorgeben wollen.
Charles machte einen Gegenvorschlag.
„Vielleicht sollten wir lieber alle ins Wohnzimmer gehen. Dort ist die Atmosphäre auch… angenehmer.“ Ihm war alles unbehaglich, das ihn derart an Schmerz erinnerte und äußerst unschöne Bilder in vor seinem inneren Auge aufflackern ließ.
Charles bot Melinda nun von sich aus seinen Arm an, damit sie sich festhalten konnte, wenn sie es wünschte, und ermutigte Johanna mit einem Lächeln, mitzukommen. Er blieb den gesamten Weg ins Wohnzimmer an Melinda Seite, um sie im Zweifelsfall auffangen zu können. Er führte sie zu Couch. Danach nahm er sein Gewehr vom Couchtisch, damit es niemanden störte, und stellte es an der Wand ab.
Für sich wählte er den der Couch gegenüberliegenden Sessel, von dem aus ihn Dr. Tremaine in der vergangenen Nacht bedroht hatte. Ein sehr bequemes Möbelstück, wie Charles feststellte. Er ließ sich erleichtert, von den Beinen zu kommen, in das Polster sinken, das ihm beinahe das Gefühl gab, auf einer Wolke zu sitzen. Die Anstrengung saß Charles in den Gliedern. Selbst die vergangene kurze Zeit des Stehens und Herumlaufens hatte einmal mehr an jeder Faser seines Körpers gezehrt. Nun, da er sich platziert hatte, spürte er auch, dass sich, gefördert von seinem gut gefüllten Magen, Schläfrigkeit ankündigte. Er unterdrückte ein Gähnen, fuhr sich mit den Fingerspitzen über seine Augenlider und kniff sich in die Nasenwurzel.

Bevor Charles zu sprechen begann, atmete er tief ein. Er hatte seine Worte schon innerlich vorbereitet und das half ihm, dass sie ihm wieder leicht über die Lippen kamen.
„Ich denke, ich muss nicht erwähnen, und ich gebe es auch offen zu, dass die derzeitige Situation nicht leicht für mich ist. Es gibt im Augenblick viele Dinge, die in meinen Gedanken herumgeistern und mich nicht loslassen wollen, deswegen bitte ich um etwas Nachsicht. Es lag nicht in meiner Absicht, unwirsch zu sein oder jemandem vor den Kopf stoßen, das gewiss nicht. Hill, diese Morde, und nun erfahre ich, dass ich eine Tochter habe… Ich brauche etwas Zeit, um diese Neuigkeit zu verdauen und über die Konsequenzen nachzudenken, die dieser neue Faktor ins Spiel einbringen wird.“
Ermattet ließ er seine Arme auf die Sessellehnen sinken. Er war versucht, das bereits Gesagte nicht auf sich beruhen zu lassen. Er hatte die Küche vermutlich zu überstürzt verlassen.
„Johanna“, wandte er sich an seine Tochter, „ich hoffe, du verstehst mich da nicht falsch… Dass du diejenige bist, die du bist, gehört nicht zu den Dingen, mit denen ich in meiner Lage noch gerechnet hätte. Es ist mir etwas fremd geworden, zu jemandem eine derart feste Bindung zu haben, und ich bin in Sorge, dass du genau deswegen Ziel für Angriffe werden könntest, die im Grunde gegen mich gerichtet sind. Das Gleiche ist mit Mr. Hyde geschehen, obwohl er keinerlei Verbindung zu mir hatte und nur wenig Zeit in meiner Gesellschaft verbracht hat. Du hast ihn nicht kennengelernt, doch er ist ein guter, ehrlicher Mann. Es ist meine Schuld, dass er angeschossen wurde. Hätte ich ihn nicht kontaktiert, würde er unbehelligt sein Leben weiterführen, anstatt nun schwer verletzt ein Bett im Krankenhaus zu hüten.“
Charles schluckte, um seinen Mund zu befeuchten. Er hatte dieses Thema nicht ohne Grund angeschlagen.
„Noch wird Scotland Yard vermutlich denken, dass du noch nicht wieder aufgetaucht bist, weil ich dich getötet habe oder festhalte“, fuhr er ruhig fort, „aber wenn sie deine Hintergründe überprüfen, werden sie früher oder später erfahren, dass ich dein Vater bin – wenn Sofia selbst es nicht sogar erzählt.“
Das brachte ihn auf einen Gedanken, der ihn kurz zögern ließ.
„Sie… sie lebt doch noch, oder? Ich kann es kaum glauben, dass ich erst jetzt danach frage“, fügte Charles hinzu und fühlte sich etwas unbehaglich deswegen. Aber an Johannas Blick sah erkannte er schon die Antwort und ließ ihr keinen Platz, diese auszuformulieren. Die Worte sprudelten förmlich aus ihm heraus.
„Wie ist es ihr ergangen? Durfte sie ihre Stelle behalten? Wohnt sie hier in London?“ Wenn sich Johanna in dieser Stadt aufhielt, war das durchaus im Bereich des Möglichen.
Charles hatte kurz vergessen, was seit seinem letzten Treffen mit Johannas Mutter alles geschehen war – vor allem, dass er nun gesucht und gefürchtet war. Er zügelte sich, obwohl er lieber alles und noch mehr wissen wollte – und das am besten sofort. In sich gehend, senkte für einen Moment seinen Blick.
„Nein, nein, verrate es mir nicht“, winkte Charles dann ab. „Es ist besser, wenn ich es nicht weiß, sonst begehe ich wahrscheinlich irgendeine Dummheit.“
In erster Linie würde diese wohl so aussehen, dass er Sofia hinterherschleichen würde, um sie in einem geeigneten Moment abpassen zu können.
„Ich… ich würde sie gern wiedersehen und auch die Lüge meines Vaters aus der Welt schaffen, doch ich vermute, es wäre keine gute Idee, sie aufzusuchen und darauf zu hoffen, dass sie vielleicht zu einem Gespräch mit mir bereit wäre. Nicht mit dem Bild, das sie inzwischen von mir haben wird. Ich weiß, ich kann das Geschehene nicht wieder rückgängig machen, aber ich wünsche nicht, dass sie nach all dem, was sie wegen mir auf sich genommen hat, nun auch davon ausgehen muss, dass ich dir irgendein Leid zugefügt habe“, stellte er klar. Das wollte er auf keinen Fall. Charles blickte etwas niedergeschlagen zu Johanna auf.
„Eigentlich sollte dein Platz nicht hier bei mir sein. Du hast Besseres verdient. Ich weiß nicht, wie ich dir als der, der ich bin, von nun an ein besserer Vater sein könnte als bisher… nicht hier, nicht so. Ich lebe im Schatten und bis fast zu einem geworden, Johanna… Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn du wegen mir zu Schaden kommst. Wisse, dass du nicht bei mir bleiben musst, weil du darin eine Verpflichtung siehst. Ich bin dir etwas schuldig. Nicht nur etwas, sondern fast zwanzig Jahre, die ich nicht für dich da war“, korrigierte er sich und warf kurz nachdenklich seine Stirn in Falten.
„Ich wäge das Risiko noch immer ab, aber ich bin mir trotz alledem sicher: Ich möchte die Zeit, die uns beiden bleibt, nicht ungenutzt lassen. Jetzt sind wir einander im Grunde fremd, doch ich möchte, dass wir uns kennenlernen.“
Nun lächelte er.
„Ich würde liebend gern an deinem Leben teilhaben und dich an meinem teilnehmen lassen… zumindest an dem, was davon übrig ist. Ich werde mein Bestes geben, dir die Umstände, in denen wir uns gerade befinden, so angenehm wie möglich zu machen“, versicherte er.
„Ihnen natürlich auch, Melinda“, bezog er diese wieder mit ein.
„Nun, deswegen wäre es ist vielleicht nicht unpassend, wenn wir uns der aktuellen Agenda zuwenden würden. Ich bin schon wieder zu sehr im Redefluss. Ich habe ja bereits angeboten, dass wir uns gemeinsam darum kümmern, jedwede Habseligkeiten zu beschaffen, die im Moment außer Reichweite sind. Die Umstände unserer jeweiligen Zusammenkunft haben erfordert, diesen Punkt zu vernachlässigen, und ich möchte zwei junge Frauen natürlich nicht in eine missliche Lage bringen“, wiederholte er sich.
„Wir sollten das so bald wie möglich in Angriff nehmen“, fand Charles. Das hatte er bereits dargelegt.
„Am besten wäre es, wenn wir wirklich schon heute anfangen. Johanna, ich habe dir bereits eine Idee angeboten, die ich mich zurechtgelegt hatte. Doch angesichts des Umstands, dass du meine Tochter bist, denke ich, dass es besser wäre, sie noch einmal zu überdenken. Sicher wäre es schonender für die Bakersfields, wenn ich dich einfach in der Nähe ihres Hauses absetze und du kurzfristig zu ihnen zurückkehrst, jedoch hat deine Sicherheit Priorität. Wir wissen nicht, ob ihr Haus unter Bewachung steht – von der Polizei oder sonst irgendwem. Deswegen wäre es mir lieb, an deiner Seite zu bleiben, um dich im Notfall beschützen zu können. Ich fürchte, es wäre das simpelste, einfach… einzubrechen.“
Hoffentlich fand Johanna nicht zu sehr Anstoß an dieser Planänderung, die er vorgenommen hatte.
„Vielleicht über den Balkon, wir werden sehen…“
Das würde bedeuten, dass sie klettern müssten. Charles selbst hatte damit kein Problem, aber davon, dass Johanna ebenfalls keins hatte, konnte er nicht ohne weiteres ausgehen.
„Und, Melinda“, adressierte Charles diese wieder und wandte sich ihr lächelnd zu, „Sie würde ich natürlich ebenfalls begleiten, wenn Sie damit einverstanden sind. Ich kann es nicht zulassen, dass Sie im Dunkeln allein durch die Stadt wandeln, erst recht nicht nach dem Anschlag auf Mr. Hyde.“
Erwartungsvoll sah Charles seine beiden Gesprächspartnerinnen an.
„Also“, seufzte er. „Irgendwelche Anregungen, Vorschläge oder Einwände?“

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Elli am Fr Apr 12 2013, 11:45

Die Sorge die Charles sich augenscheinlich um sie machte, schmeichelte ihr. Für gewöhnlich interessierte sich niemand für sie, was sie bisher auch immer als gut befunden hatte. Aber so wie die Situation gerade war, war es ihr auch recht. Charles schlug vor gemeinsam ins Wohnzimmer zu gehen und Melinda stimmte dem insgeheim zu. Das Sofa hatte sich als bequemer und einladender bewiesen, als der Operationstisch. Der ganze Raum ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen und so wagte sie den Weg ins Wohnzimmer. Charles ging immer umsichtig an ihrer Seite, dabei fühlte sie sich nach dem Glas Wasser von Johanna wesentlich besser. Sie spürte zwar den Alkohol der durch ihre Adern floss, aber daran war sie so gewöhnt, dass sie manchmal das Gefühl hatte ohne, wesentlich unsicherer auf ihren Füßen zu sein. Sie ließ sich auf dem Sofa nieder, Charles gegenüber, und zupft ein wenig an dem Verband, den ihr angelegt hatte. Sie hörte ihm zu und wägte ab. War es wirklich nötig noch einmal zu ihrem schäbigen Zimmer zurückzukehren? Ihre Mitbewohnerin würde sich vermutlich nicht besonders scheren, würde sie nicht mehr auftauchen. Den wenigen Tand den sie besaß, hatte diese sich sicher schon unter den Nagel gerissen oder aber für ein Glas Gin eingetauscht. Sie hörte Charles nur mit einem Ohr zu, als er Johanna vorschlug zurück zu dem Haus zu gehen, in dem er sie gekidnappt hatte. Während sie darüber nachdachte stockte ihr der Atem. Sie musste unbedingt zurück in ihr Zimmer. Zwar hatte sie Munition für ihre Wristgun, jedoch nur die, welche sich bereits in der Waffe befand. Weitere Kugeln lagen bei ihre unter einem losen Dielenbrett versteckt. Mist! Doch auch das ein oder andere Teil fiel ihr ein, dass sie gerne wieder an sich nehmen wollte. Nicht zuletzt ihr Mantel. Um diesen wieder zu bekommen, wäre sie eventuell gewillt ihrer Mitbewohnerin die krausen roten Haare einzeln aus dem Kopf zu reißen. Gerade als ihr der Groschen fiel, bot Charles an, sie zu begleiten. "Sie brauchen sich keine Gedanken um mich zu machen, Charles. Ich kam bisher immer gut zurecht. Nur gelegentlich neige ich dazu ein Tollpatsch zu sein." Ein kurzes Lächeln glitt über ihre Lippen. Sie dachte an ihre karge Behausung. Sicherlich hatte Charles wesentlich bessere anzubieten. Aber mittlerweile hatte er vermutlich auch nicht mehr die große Auswahl an edlen Räumlichkeiten, sicherlich würden diese strikt überwacht. "Aber natürlich können Sie mich auch begleiten, wenn Sie von der Exkursion mit Johanna zurückkehren. Andernfalls könnte ich sie auch dorthin begleiten. Als eine Frau mit meinem Berufsstandes, hat man immer eine großartige Tarnung parat, weshalb man in einer Seitengasse rumlungert." Dabei warf sie einen Blick an sich herunter und zog das Kleid wieder zurecht, so das ihr Dekolleté wieder so aussah, wie es auszusehen hatte. Auch einen Blick zu Johanna wagte sie, vermutlich würde diese es gar nicht gutheißen wenn Melinda mitkommen würde. "Wenn Sie aber Lust haben, eines der nettesten Viertel zu besuchen, welches London zu bieten hat, können Sie auch mich begleiten. Wenn es zeitlich passt."

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

Beitrag von Scáth am So Apr 14 2013, 15:19

Melinda war für Johanna eine der Personen, die sie wohl niemals einschätzen können wird. Mal war sie geradezu giftig, mal kam man mit ihr gut aus. Sie wusste weder was sie über sie denken sollte, noch wie sie mit ihr umgehen sollte.
Tatsächlich berührte es Johanna aber, was Charles über ihre Mutter sagte, doch sie behielt die Informationen für sich, so wie Charles es gebeten hatte. Sie nickte ihm kurz wortlos zu, nachdem er meinte, er würde sie gerne kennen lernen und auch als er meinte, er würde sie begleiten wollen.
"Mir wäre es wirklich lieber, wenn wir zu dritt unterwegs wären. Die Entscheidung liegt aber wohl nicht bei mir, denke ich., sagte Johanna letzen Endes. In das eigene Haus einzubrechen war zwar nicht sonderlich Ansprechend, da es aber nötig war, konnte man es kaum vermeiden.

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Re: Götterblut - Kapitel 2: Gut geplant ist halb gewonnen

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