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Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Leo am Mi Feb 04 2015, 01:03

Als Harry die Arme verschränkte, erwiderte Maura die Geste. Sie tat es nicht nur, um ihre Hände zu beschäftigen (sie war es gewohnt, die Hände stillzuhalten – beim Schreiben brauchte sie schließlich auch Denkpausen), sondern auch da sie wusste, wie wichtig Mimik und Gestik sein konnten, wenn man andere von sich überzeugen wollte; das Verschränken der Arme sollte unterschwellig ihre Konfliktbereitschaft signalisieren. Sie würde sich von den Argumenten des Mannes weiß Gott nicht einfach so über den Haufen reden lassen, so viel stand fest.
Dennoch wartete sie geduldig und aufmerksam, bis der Mann ausgeredet hatte. Wenn er sie tatsächlich für eine anständige Bürgerin hielt, konnte sie sich Unhöflichkeiten nicht erlauben; daher sah sie auch davon ab, aufbrausend zu werden, als die andere Frau einfach dazwischenredete. Eine Begleiterin von Scarface redete also von ‚verschlagenen Gesichtern‘? Die Frau hatte wohl keinen Spiegel …
Sie antwortete so ruhig wie möglich und löste nun ihrerseits die Verschränkung ihrer Arme. Natürlich verbarg sie etwas, aber das hatte sie schon immer getan. Außerdem würde sie sicher nicht vor jedem Dahergelaufenen ihr ganzes Leben ausbreiten. „Sie äußern da schwere Vorwürfe, Sir, und das völlig ohne zureichende Gründe.“ Das war zwar nicht ganz richtig, aber ein wenig zu bluffen gehörte nun einmal dazu, und wenn sie es schaffte, den Mann auflaufen zu lassen, käme das einem Sieg in diesem Duell gleich. „Zunächst einmal muss ich Sie darauf hinweisen, dass sie eine Kleinigkeit übersehen haben. Sie haben meine Waffe bereits. Prüfen Sie ruhig, ob sie schießt, das tut sie. Denken Sie, ich hätte den Arzt“, sie deutete beiläufig auf den Mann, ohne ihren Gegner aus dem Blick zu lassen, „am Leben gelassen, wenn ich tatsächlich so kaltblütig wäre, wie sie mir vorwerfen? Ich hatte die Möglichkeit, ihn zu erschießen, das wissen Sie ebenso gut wie ich. Aber ich darf sie an meine Worte erinnern: Niemand hier will ein Blutbad. Das war keineswegs eine leere Floskel, wenigstens von meiner Seite nicht.
Und um auf ihren zweiten Vorwurf zu sprechen zu kommen – wie Sie sehen und hören, habe ich ganz offenbar kein Motiv, hier irgendjemanden zu töten. Aber nehmen wir einmal an, ich hätte.
“ Sie setzte ein spöttisches kleines Lächeln auf. „Sie halten mich tatsächlich für derart leichtsinnig, meine ‚Auftragsmörder‘“, sie zeichnete Anführungszeichen in die Luft, „persönlich zu beehren? Und um Ihrer nächsten Frage zuvor zu kommen – nein, ich bin auch kein Mittelsmann, Mister …?

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Elli am Mi Feb 04 2015, 09:46

Melinda schnaubte, als sie die Alte reden hörte. Natürlich war sie nicht darauf eingegangen, was die junge Frau mit den blutverschmierten Händen zu sagen gehabt hätte.
Hättest du bloß mal geschossen! Ein sauberer Schuss und Zack! ein Problem weniger. Aber neeeeeein, du hast dich ja hinter dem Regal versteckt. Feige Ziege.
Nun waren die Worte von ihr nicht nett gewesen, aber ihr lediglich einen Seitenblick zu widmen?! Ganz klar, die Vettel hielt sich auch noch für etwas Besseres. (Was in diesem Fall vermutllich sogar angebracht war, mit Sicherheit WAR sie etwas Besseres, als eine Hure.) Welche Dreistigkeit diese Frau besaß, in diesem Ton mit jemandem zu sprechen, der eine Waffe in der Hand hielt. Wahrscheinlich war die Alte nie wirklich in einer bedrohlichen Situation gewesen und konnte somit den Ernst der Lage nicht erfassen.
Nein - die hellste Gaslampe in der Seitengasse, war sie definitiv nicht.
Alt, dämlich und dreist.
Nein, so ging das wirklich nicht. Sollte die Alte nicht bald von der Bildfläche verschwinden, musste Melinda wohl ihren Standpunkt ihr gegenüber deutlich machen...

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Umbra am Do Feb 05 2015, 20:53

Harry schnaubte und ignorierte Mauras Versuch, seinen Namen zu erfahren.
„Nein, natürlich nicht!“, spottete er stattdessen als Reaktion auf ihre Behauptung, auch kein Mittelsmann zu sein, bissig zurück. Ihre vorlaute Art, mit ihm zu reden, reizte ihn offensichtlich.
„Was ich sehe und höre sind Ausreden, Ausreden, Ausreden“, knurrte er ungeduldig und machte nicht einmal Anstalten, Mauras Vorschlag nachzugehen und ihre Waffe zu überprüfen, die er in seinen Hosenbund gesteckt hatte.
„Selbstverständlich habe ich zureichende Gründe, Ihnen Vorwürfe zu machen. Und selbstverständlich habe ich nichts übersehen“, widersprach er ihr mit einer unwirschen Geste.
„Sie haben nicht abgedrückt, weil es Ihnen nicht wert war, dafür im Gegenzug erschossen zu werden. Und ich werde Ihre Waffe garantiert nicht abfeuern, um Aufmerksamkeit von Außerhalb auf uns zu lenken. Sie denken wohl, Sie wären schlauer als ich! Sie denken wohl, das hier sei ein Spiel.“
Es war unschwer zu erraten, was Harry davon hielt. Sein Tonfall war zwar nicht lauter geworden, aber merkbar kühler.
„Bisher hatten Sie Glück, dass Sie eine Frau sind“, stellte er klar. „Ich bin sanft mit Ihnen umgegangen. Aber überstrapazieren Sie meine Geduld nicht, Lady!“
Harry schnalzte ungehalten mit der Zunge und warf kurz in Gedanken einen Blick zu Randolph, Melinda und dem Verletzten herüber.
„Versuchen wir es anders“, schlug er dann vor, sich wieder an Maura wendend. „Anstatt mich davon zu überzeugen, was Sie hier nicht getan haben wollen, klären Sie mich doch darüber auf, was Sie hier zu suchen haben. Ganz allein und zufällig… Was haben Sie sich dabei gedacht, ein heruntergekommenes Gebäude wie dieses hier zu betreten? Wie sah diese ‚Laune des Schicksals‘, wie Sie es nannten, denn aus und was hatten Sie als angeblich unbescholtene Person mit einem einsatztüchtigen Revolver vor?“



Der Klang von Harrys Stimme verriet Charles, dass er und seine Begleiter kurz davor waren, wieder zum Rest der Truppe zu stoßen. Allerdings verrieten der Tonfall und der Inhalt der Worte Charles auch, dass der Mann, den er zu seinen guten Freunden zählte, angespannt und dabei war, jemanden zu befragen. Es passte also, dass sie den zweiten Schurken mitbrachten, damit auch diesem auf den Zahn gefühlt werden konnte. Und es war angenehm, dass bisher alles recht reibungslos verlaufen war. Charles fühlte sich zu ausgelaugt für weiteren Ärger. Nun, da sein Adrenalinspiegel wieder abebbte, merkte er die schlaflose Nacht und die Strapazen der vergangenen Tage wieder deutlich in seinen Knochen. Seine Kopfverletzung, die ihm Alan Stirling bei ihrem ersten Gespräch mit einer Whiskyflasche beigegebracht hatte, pochte wieder schmerzhaft. Ruhe hatte Dr. Tremaine ihm geraten, als dieser die Wunde genäht hatte. Stattdessen verbrachte Charles seine wachen Stunden rennend, kletternd, prügelnd, schießend, eingepfercht in einer kalten, feuchten Zelle… Nein, Ruhe hatte in seinem Alltag, seitdem er als „Scarface“ die Titelseiten jeder Zeitung schmückte, keinen Platz. Nicht in ausreichendem Maße, jedenfalls. Charles verspürte das Bedürfnis nach seinem Lesesessel, einem Drink (oder auch zwei) und einer Zigarre. Und nach Schlaf… süßem, traumlosem Schlaf. Der Ort seiner Begierde, nach dem er sich schon seit Wochen sehnte, war, hier in Manchester, zum Greifen nah, jedoch in diesem Moment leider unerreichbar. Trotz des Triumpfes, trotz des befriedigenden Gefühls, kurz davor zu sein, ein weiteres Puzzleteil zu finden, das ihn der Lösung des Rätsels vielleicht sogar ein großes Stück näherbrachte, fühlte er sich körperlich absolut furchtbar. Vermutlich sah man ihm das auch an, aber er zwang sich, sich zusammenzureißen. Dieses Tief würde wieder vergehen.
Der Attentäter in Charles‘ Gewalt bewegte sich nur widerwillig und trottenden Schrittes vorwärts, aber der Lauf des Revolvers im Rücken motivierte ihn genug, sich nicht aktiver gegen die Behandlung zu wehren. Mr. O’Sullivan (verdammt, dieser Ire stank unerträglich!) hielt sich ebenfalls noch schussbereit, auch wenn das Charles‘ Meinung nach nicht nötig war. Er selbst hatte alles unter Kontrolle. Es war ein gutes Gefühl, dass wenigstens einer seiner Pläne in letzter Zeit so aufging, wie er es sich vorgestellt hatte. Er hasste es, wenn die Dinge nicht so liefen wie gewünscht.
Bewegung hinter den anliegenden Regalen kündigte an, dass sie am Ziel waren. Charles drängte den gefesselten Lump um die letzte Ecke und fand sich in einem etwas breiteren Zwischenraum inmitten des sich auftürmenden Gerümpels wieder. Zuerst erblickte er Harry, welcher ihn ebenfalls bemerkte.
Charles entledigte sich der Last des Gefangenen, indem er diesem einen Stoß gab. Der Attentäter kippte wie ein angesägter Baum um und prallte, da seine Hände auf dem Rücken zusammengebunden waren, ungebremst auf den Lagerhallenboden auf. Dies verschlug im offenbar im ersten Augenblick den Atem, aber dann fing er an, zu stöhnend zu fluchen und zu husten, sodass er Staub und Dreck in kleinen Wölkchen aufwirbelte.
Charles würdigte den Kerl erst einmal keines Blickes mehr.
„Alle wohlauf?“, erkundigte er sich stattdessen stirnrunzelnd, bevor er, zu seiner Erleichterung, auch Melinda und Dr. Tremaine entdeckte. Tatsächlich schienen alle unversehrt zu sein… was man von einem zweiten Mann, der am Boden lag, wohl nicht behaupten konnte. Der Arzt hantierte mit Verbandszeug herum, Melinda assistierte, so wie es aussah. Da es andernfalls die Mühe nicht wert gewesen wäre, schien der Verletzte zumindest noch zu leben. Es handelte sich um den anderen Attentäter – denselben, der Arthur angeschossen, und sich dafür eine Kugel aus Charles‘ Revolver eingefangen hatte.
Charles schenkte Melinda ein leichtes Lächeln, bevor seine durchaus interessierte Aufmerksamkeit auf eine Frau fiel, die am Rande des Geschehens auf einem Stuhl saß und offenbar von Harry bewacht hatte. Mit ihr hatte dieser sich also unterhalten. Machte Sinn, da der zweite Attentäter anscheinend nicht bei Besinnung war.
„Don?“, keuchte der andere krächzend und atemlos und wand sich hilflos am Boden. Auch er hatte seinen Kameraden bemerkt – der natürlich nicht reagierte.
„Donny! Scheiße, ihr Schweine!“

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Leo am Fr Feb 06 2015, 21:23

Schade, der Kerl schien nicht auf den Kopf gefallen zu sein.
Er sagte er ihr nicht seinen Namen, und er schoss auch nicht – Maura musste widerwillig anerkennen, dass sie ihren Gegner so leicht offenbar nicht überwinden konnte. Das machte die Lage nicht gerade angenehmer, und so langsam wurde sie etwas nervös. Trotzdem gab sie sich unbeeindruckt. Der Mann schien nun langsam ein wenig gereizt zu werden, was ihr durchaus zugutekam – gereizte Menschen waren leichter zu täuschen.
Und eher dazu bereit, Gewalt anzuwenden …
Sie tröstete sich erneut mit dem Gedanken, dass der Mann ihr nichts tun wollte, aber hatte sie wirklich Recht? Womöglich wollte er nur möglichst viele Informationen aus ihr herausbekommen, bevor er sie tötete.
Aber in diesem Fall verlängerte jedes gewollte unnütze Wort ihr Leben. Bis der Mann genug hatte, zumindest, aber der Punkt war noch nicht erreicht. Hoffte sie.
Dennoch – vielleicht war es langsam Zeit für die wahre Wahrheit, und nicht für schwammige Aussagen, die zu nichts führten. So langsam sollte sie dem Mann wohl ein bisschen entgegenkommen, so wie anfangs versprochen, denn sie hatte keine Lust, in diesem gottverdammten Lagerhaus im gesellschaftlichen Sumpf Manchesters ihr Leben zu lassen.
Sie rutschte sich auf dem harten Stuhl zurecht, legte die Hände zurück in den Schoß und drückte den Rücken durch. „Sie weichen meiner zweiten Frage aus, Sir.“ Diesen kleinen Seitenhieb hatte sie sich nicht verkneifen können, zumal er ausnahmsweise einmal stimmte. „Aber gut, wenn Sie mich nicht mehr für die Anführerin dieser Männer hier halten, können wir ja mit dem netten Gespräch fortfahren.“ Sie räusperte sich, während sie nachdachte, was nun zu tun war. Besonders die Frage nach dem Revolver war ihr unangenehm, aber wenn sie die Wahrheit sagte, würde der Mann sie vielleicht verstehen – vorausgesetzt natürlich, er glaubte ihr. Sie könnte ihm schwerlich einen Vorwurf machen, wenn nicht.
Also schön, ich werde Ihnen die Wahrheit sagen.“ Sie blickte dem Mann direkt in die Augen, wie um das Gesagte zu unterstreichen. Können diese Augen lügen?Es liegt an Ihnen, ob sie mir glauben, aber mehr kann ich Ihnen nicht bieten. Wie sie ja bereits wissen, mein Name ist Maura Thomson, und ich lebe hier in Manchester, genauer in der Victoria Street. Gestern Abend wurde ich in besagter Straße die Zeugin einer, nun ja … Auseinandersetzung. Schüsse fielen, und ich konnte beobachten, wie sich die beiden Herren hier“, sie wies auf den Verletzten, „von jenem Ort entfernten, einer von ihnen schwer verletzt. Ich war mir sicher, dass ich die einzige Zeugin war, und da ich die Ereignisse nicht einfach wieder vergessen konnte, machte ich mich am nächsten Morgen auf, die beiden Männer wiederzufinden und ihnen zu helfen – zu Recht, denn, wie Sie sehen, einen Arzt haben sie nicht mehr erreicht.“ Eher anders herum, wie es aussah. „Und was die Waffe -
Sie stockte, als sie die Neuankömmlinge erblickte. Sofort ging ihr Puls schneller.
Verdammt, sie hatte sich nicht verhört. Er war hier. Scarface, das Monstrum höchstpersönlich, nur wenige Meter von ihr entfernt. Und er sah sie an.
Sie sprang von ihrem Stuhl auf, hektischer als gewollt. Ihre rechte Hand griff nach der Lehne, als wollte sie sich daran abstützen. „So, und wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann würde ich jetzt gern gehen.“ Sie sah den Mann, der sie verhört hatte nicht an, war sich auch gar nicht sicher, ob sie mit ihm sprach oder mit Scarface. „Sie haben nicht das Recht, mich hier weiter festzuhalten.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Umbra am So Feb 08 2015, 22:06

Die fremde Frau sprang, scheinbar höchstbeunruhigt, von dem Stuhl auf, als sich ihre und Charles‘ Blicke trafen. Ohne Zweifel hatte sie erkannt, wer er war. Schwer zu übersehen, musste er zugeben, war dies nicht. Sein Gesicht war zu populär in diesen Tagen… und in Verbindung damit, was die Leute damit assoziierten, war ein absehbarer Anflug von Panik keine zu verurteilende Reaktion. Trotzdem gefiel sie Charles nicht. Der Preis des Ruhms war dies wohl – manchmal nützlich, meist eher nicht. Er wollte niemandem Angst machen, dem er nicht zu drohen beabsichtigte. Er hatte zwei Attentäter zur Verfügung, die ihm sicher Fragen beantworten konnten. Warum sich also dann an einer Dame vergehen? Ihre Anwesenheit in dieser Lagerhalle war allerdings ein nicht zu ignorierender Faktor. Interessant genug war dies allemal, um nachzuhaken.
Vorerst, jedoch, hielt das Gefluche und die erneute Beleidigung aus dem Munde des Gefesselten davon ab, seine Neugierde für die Frau zu bekunden. Charles sah sich gezwungen, zu intervenieren.
„Halten Sie Ihr impertinentes Schandmaul, guter Mann“, verlangte er in strengem, aber dennoch ziemlich nüchternem Tonfall von dem Kerl, der krächzend im Staub lag.
„Es sind Damen hier“, wies Charles diesen belehrend darauf hin, unterdessen er sich seines Revolvers entledigte, indem er ihn sicherte und in seiner Manteltasche verschwinden ließ, „– und auch bei uns anderen Anwesenden stößt Ihre bisher durchgehend vulgäre Wortwahl sicher nicht auf Gegenliebe. Wir werden es Sie schon wissen lassen, wenn wir Ihr sanftes Stimmchen hören wollen.“
Er wartete eine eventuell mögliche Reaktion des Angesprochenen nicht ab – Mr. O’Sullivan sorgte mit der Waffe im Anschlag schon dafür, dass die Ermahnung beherzigt wurde –, sondern wandte sich wieder der Unbekannten zu.
„Recht und Unrecht ist momentan…“, sagte Charles und lächelte kurz, recht unerheblich, Madam.“
Dass sie nun ging, bevor nicht alles geklärt war, konnte er nicht zulassen. Es war nicht unwahrscheinlich, dass auch sie wusste, was ihn interessierte. Immerhin hatte sie offenbar etwas mit den Attentätern zu schaffen.
Harry überließ nickend Charles vorerst das Feld und trat einen Schritt zurück, als Charles sich in Bewegung setzte und langsam auf die offenbar ängstliche, aber sich dafür tapfer schlagende Dame zubewegte.
„Keine Bange, Ihnen wird nichts geschehen“, versprach Charles, „bei meiner Ehre. Doch ich bedaure, dass es zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich sein wird, Ihrem Wunsch gerecht zu werden. Sie verstehen sicher, dass wir hier noch nicht fertig sind. Aber Sie könnten helfen, die Sache zu beschleunigen und für uns alle angenehmer zu gestalten – besonders jedoch für die beiden Herren, wegen denen ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen habe, während ich über meinen lebensbedrohlich verletzten Freund gewacht habe. Nun, da die Fronten geklärt sind, hoffe ich auf Kooperationsbereitschaft.“
Inzwischen war er nah genug, dass er ihr wohl die Hand anbieten könnte – und genau das gedachte er auch zu tun, als er stehenblieb. Man hatte ihn dazu erzogen, die Etikette zu wahren… woran er sich meist auch hielt.
„Erlauben Sie mir, mich vorzustellen, Teuerste?“, erkundigte er sich und reichte ihr die Hand zum Handkuss, sofern sie darauf eingehen würde.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Elli am Mo Feb 09 2015, 12:40

Melinda war alles andere als gut gelaunt. Der Freund von Charles sprach mit der alten Vettel, statt ihr endlich das Maul zu stopfen.
Sie half Randolph verschlossen weiter, auch wenn ihr der Sinn danach stand, der Alten etwas ins Gesicht zu werfen. Sie sollte nicht hier sein. Als Charles auftauchte, fühlte sie sich ein bisschen leichter, auch wenn ihre Hände blutverschmiert waren (und das in vielerei Hinsicht), freute sie sich sehr daüber ihn wohlbehalten zu sehen. Nun, wohlbehalten war natürlich etwas überspitzt ausgedrückt. Im Grunde genommen sah er sehr mitgenommen aus, aber es schien als habe er keine neuen Verletzungen davon getragen. Bevor sie sich jedoch sammeln konnte, hatte er auch schon das Wort ergriffen, nachdem er die beiden anderen Fremden zu der Gruppe geführt hatte. Sie hörte aufmerksam zu, gerne wäre sie aufgestanden und hätte ihn begrüßt, doch stattdessen bot er der Alten seine Hand an und wollte offenbar einen Handkuss auf die runzelige Haut hauchen.
Melinda kam es vor, als hätte sie einen Eisklumpen verschluckt. Lächerlich, dass sie sich wie ein kleines Mädchen gefreut hatte, ihn zu sehen, wo er offenbar alles andere als sie im Sinne hatte.
"Schwups - da war das Mäuschen weg.
Zwar warf sie noch einen Blick auf das Szeanrio, aber widme sich dann wieder dem Verletzten. Sie würde sich nicht anmerken lassen, was in ihr vorging. Das war keine Hurenart.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Thorgrimm am Mo Feb 09 2015, 23:41

Obwohl bisher alles sicher schien, folgte Gilbert den anderen beiden Männern und ihrem Gefangenen nur sehr ungerne. Sie sollten ihren Sieg nicht zu früh feiern und die Lorbeeren noch einen Moment ruhen lassen, denn der Maler wusste, dass sich das Blatt noch immer wenden konnte. Es war zwar sehr unwahrscheinlich aber wer wusste schon, wie verzweifelt und gefährlich die Männer wirklich waren, die sie so schnell überrumpelt hatten. Außerdem hatten sie die andere Gruppe noch nicht erreicht und auch wenn sie keine Revolverschüsse gehört hatten, hieß das nicht, dass bei ihnen wirklich alles in Ordnung war. Messer und andere scharfe Gegenstände töteten leise, wenn man es richtig anstellte.
Für den Moment schob Gilbert diese dunklen Gedanken aber beiseite und kümmerte sich um die Bitte Norlys. Er nickte dem Mann zu und hob die Waffe vom Boden auf, bis ihm bewusst wurde, dass Norly ihn vermutlich nicht gesehen hatte. "Schon erledigt." rief er dem Mann deshalb zur Bestätigung zu. Er verstaute die Waffe vorerst in einer Tasche seines Anzugs und achtete darauf, diese sofort wieder zu verschließen.

Die Antwort ihres Gefangenen nahm Gilbert mit einer gehobenen Augenbraue zur Kenntnis. Was hatte er auch erwartet? Das hier war schließlich nicht der Moment, um Freundlichkeiten auszutauschen und vermutlich dachte der Mann mit dem dreckigen Mundwerk nicht, dass sie ihn gehen lassen würden. Ja, was würde mit den Männern eigentlich passieren, wenn die Befragung zu Ende war, die sicherlich folgen würde? Würden sie sie umbringen? War das gerechtfertigt?
Doch auch diese Überlegungen mussten einen Augenblick warten, waren sie doch bei den anderen angekommen. Erleichtert stellte Gilbert fest, dass alle noch am Leben waren - mehr oder weniger, wenn er den Verletzten ansah, den der Doktor verarztete. Gut das sie einen Arzt dabei hatten. Auch wenn die Männer sie vermutlich umgebracht hätten - wären sie nicht so schnell überrascht und ausgeschaltet worden - hieß das nicht, dass man sie hier elendig verrecken lassen musste. Nein. Selbst wenn die Männer für ihre Taten den Tot verdient haben sollten, wollte Gilbert kein Teil einer Bande sein, die unbewaffnete und gefangene Männer hinrichtete. Auch hier galt, dass er niemals mehr ein Menschenleben auslöschen wollte. Ein Toter auf seinem Konto genügte.

Erstaunlicherweise war noch ein unbekanntes Gesicht zu sehen. Eine alte Frau, die beim Anblick Norlys regelrecht in Panik verfiel. Wer konnte es ihr auch verübeln? Selbst Gilbert war sich noch immer nicht sicher, ob dieser Mann wirklich der war, der er vorgab zu sein. Wenn er daran zurückdachte, wie er reagiert hatte, als er das erste Mal Norly erblickt hatte, dann hatte die Frau sich noch wirklich gut unter Kontrolle. Doch was tat sie hier? War sie vielleicht diejenige, die die Männer angeheuert hatte? Aber wieso traf sie sich dann hier mit ihnen? Außerdem sah sie ganz einfach nicht so aus, als würde sie sich in solch einem dreckigen Milieu bewegen. Neugierig wartete Gilbert darauf, wie die Frau weiter reagierte. Dann fiel ihm allerdings der noch immer arbeitende Doktor und seine "Assistentin" auf. "Können Sie weitere Hilfe gebrauchen?" fragte er deshalb und trat einen Schritt auf den Verletzten zu.
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Leo am Di Feb 10 2015, 18:28

Es sind Damen hier‘.
Wäre Maura nicht derart angespannt gewesen, hätte sie vermutlich ein weiteres Mal verächtlich geschnaubt. Hier waren keine Damen anwesend. Nur eine mordende Schriftstellerin mit einer Schwäche für Kriminalgeschichten und eine Frau in einem hingehauchten Kleid, die sich ähnlich gewählt ausdrückte wie Billy.
Aber sie musste zugeben, dass Scarface sie überraschte. Im Kopf hatte sie sich einen ungepflegten Wilden mit irren Augen vorgestellt, der pausenlos seine Messer wetzte und sich geifernd auf seine Opfer stürzte. Natürlich wäre das in jeder Hinsicht übertrieben gewesen – aber nun stand genau das andere Extrem vor ihr, und das brachte sie aus dem Konzept. Der Mann vor ihr verhielt sich wie ein Gentleman, drückte sich gewählt aus, trug elegante Kleidung und schien tatsächlich … ja, freundlich zu sein. Oder wenigstens höflich.
Und obwohl Maura (nicht zuletzt dank Eigenerfahrung) recht gut darin war, fremde Fassaden zu durchschauen, fand sie bei Scarface keine Anzeichen auf einen Bluff, was sie noch mehr verwirrte.
Dennoch wich sie einen Schritt zurück, als Scarface ihr für ihren Geschmack etwas zu nahe kam. Vorsicht war besser als Nachsicht. Nicht, dass es einen Unterschied machte – ihr Leben war bereits in den Händen dieser merkwürdigen Truppe, seit sie ihre Waffe abgegeben hatte. Dass sie noch lebte, war demnach wohl als positive Wendung zu betrachten; ob es allerdings von Dauer war, musste sich erst noch zeigen. Zumal ja sogar Don und Billy noch atmeten, obwohl diese Menschen warum auch immer einen Groll gegen die zwei hegten.
Sie brauchen sich nicht vorzustellen, ich weiß, wer Sie sind.Und ich bin sicher nicht Ihre ‚Teuerste‘. Letzteres traute sie sich dann doch nicht, auszusprechen, jedoch weniger aus mangelnder Scharfzüngigkeit, als aus Sorge um mögliche Konsequenzen. Aber an ihrem leicht abfälligen Tonfall konnte Scarface wohl auch so heraushören, was sie von ihm hielt. Sie blickte auf die Hand, die Scarface ihr entgegenstreckte. Um nichts in der Welt würde sie die ergreifen. „Und Ihre Hoffnung auf weitere Kooperation halte ich, verzeihen Sie, für töricht. Welchen Grund hätte ein Mensch, um einem mehrfachen Mörder und seinen Lakaien zu helfen? Sie sind bewaffnet, Sie sind in der Überzahl, und ich habe nichts Schlimmeres zu erwarten, als meinen baldigen Tod.“ Hoffentlich. Sie erinnerte sich an den gefolterten Ingenieur, einer der Scarface-Morde, und ihr wurde leicht übel. „Ich weiß, dass Sie kein dummer Mensch sind, sonst hätte die Polizei Sie längst gefunden. Also nennen Sie mir einen Grund, weshalb ich mich kooperativ zeigen sollte.“ Als sie zurückgewichen war, hatte sie den Stuhl loslassen müssen, und um ihre Hände zu beschäftigen, umfasste sie nun ihre Ellenbogen. Die Übelkeit verschwand langsam wieder, aber ihr Herz schlug lauter als Big Bens Glocken am Ostersonntag. „Und versuchen Sie nicht, mich zu übertölpeln, Scarface.


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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Darnamur am Di Feb 10 2015, 19:58

Randolph blickte entnervt von seinem Patienten auf, als Norly mit dem Iren und dem undurschaubaren Mr.Wright im gefolge wieder zu ihnen zurückkehrte. Er war erleichtert, dass ihm nichts fehlte, aber es störte ihn, dass er den Kerl einfach nicht wach bekam. Und diese nervige, alte Vettel, die glaubte, sie könne hier ungefragt dämliches Gewäsch von sich geben, brachte ihn auch zum Zähneknirschen.
Aber er wandte sich wieder dem Verletzten zu. Als Arzt lag sein Aufgabenbereich hier und nicht darin, sich mit dem Weib zu beschäftigen. Wrights Angebot überraschte ihn nicht sonderlich. In Norlys Haus hatte er bei Arthurs Verarztung auch schon seine Hilfe angeboten. Warum auch immer. Nach wie vor begriff der Doktor nicht, was dieser Mann hier bei Ihnen zu suchen hatte. Bei dem Iren im Übrigen ebenso wenig.
„Nicht, wenn sie kein Mediziner sind“, meinte Randolph zu dem dürren Kerl mit dem Schnurbart. Unterdessen ließ er nicht von seinen Versuchen ab, den Patienten aus der Ohnmacht zu befreien. Melinda hatte sich unterdessen bereits um den Verband gekümmert und er holte frische Bandagen aus seinem Koffer hervor, um sie dem Verletzten anzulegen. Mit halben Ohr lauschte er der Unterhaltung zwischen Norly und der Vettel. Da hatten sich zwei gefunden. Als er dann aber ihre dreiste Entgegnung hörte, platzte ihm beinahe der Kragen. Wie konnte man denn nur so selten dämlich sein!
Wäre Norly wirklich der Serienmörder, für den sie ihn hielt, wäre diese unterbelichtete Gestalt längst tot, nach dem, was sie sich da leistete. Er musste sich wirklich sehr zurückhalten, um nicht eine zynische Bemerkung einzuwerfen. Sollte sich Norly um dieses Problem gekümmern. Er holte aus dem Fundus seiner Utensilien etwas Riechsalz hervor. Vielleicht würde das die nötige Wirkung herbeiführen…
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Umbra am Fr Feb 13 2015, 13:36

Die Reaktion der Fremden auf Charles‘ Versuch, freundlich zu sein und die Form zu wahren, war kaum misszuverstehen. Der Gefangene namens Billy fing an, dreckig zu lachen, als sie die Polizei erwähnte – der Ire brachte den Kerl mit einem Tritt in die Seite zum Schweigen. Charles sah die Szene nicht, da sie sich in seinem Rücken abspielte, aber die Geräusche, die er wahrnahm, ließen ihm eine Ahnung davon. Er kümmerte sich nun nicht darum. Er war mit anderen Dingen beschäftigt.
Diese Frau hatte Angst vor ihm – und das stand ihr auch zu, immerhin eilte ihm sein zweifelhafter Ruf weit voraus –, aber dennoch verstand er ihren Ton als Affront. Immerhin war er höflich gewesen. Gerade, dass sie seine Begleiter „Lakaien“ nannte und ihn selbst „Scarface“, schmeckte ihm nicht.
„Ehrlich: Ich hasse diesen Namen“, erwiderte Charles noch immer gelassen, aber mit kühlerem Unterton. Nun nutzte er die eben noch dargebotene Hand, um seine Worte wenig gestikulierend zu untermalen.
„Er reduziert mich auf diesen lächerlich unbedeutenden, schon längst verheilten Schnitt in meinem Gesicht, der diesem, zugegebenermaßen, ein wenig mehr Charakter verleiht; aber schlussendlich bin ich doch etwas mehr als das – meinen Sie nicht?“
Die Frau hatte etwas Abstand zu ihm gesucht. Er hatte nicht vor, ihr nachzusetzen und das zu ändern. Nein, sollte sie sich ihm ruhig verweigern. Vielleicht würde sie es sich noch anders überlegen. Wenn sie spielen wollte, dann bekam sie ein Spiel. Charles hatte sich zwar eine einfache, saubere Lösung gewünscht, aber so war es ihm auch recht. Dispute wie dieser hier empfand er als recht anregend. Bedauerlich, dass Alan Stirling es bevorzugt hatte, seiner eigenen Wege zu gehen. Dieser Trunkenbold war sich nicht zu schade gewesen, ihm stetig Kontra zu bieten.
„Ich heiße Charles Norly“, stellte er mir einer angedeuteten Verbeugung richtig, „und Ihre Verachtung schmerzt mich. Ich bezweifle, dass ich sie verdient habe.“
Sogleich verschränkte er seine Hände wieder hinter dem Körper.
„Ich bin kein mehrfacher Mörder“, offenbarte er ihr, „noch nicht einmal ein einfacher“, fügte er mit einem schwachen Lächeln hinzu, „– aber das brauchen Sie mir nicht zu glauben, auch wenn ich Ihnen versichere, dass ich kein falsches Spiel zu spielen gedenke. Ich verabscheue Lügen und Betrug, genauso wie mir nichts daran liegt, unangenehm zu werden, Madam. Das bedeutet: Ich stehe zu meinem Wort, das ich Ihnen gegeben habe: Ihnen wird nichts geschehen. Und wenn Sie uns nicht helfen wollen, ist das Ihre Entscheidung, die ich akzeptieren werde.“



Während Charles sich mit Maura beschäftigte, hatte Randolph es mit Melindas Hilfe geschafft, die zumindest oberflächlich offensichtlichen Verletzungen des Niedergeschlagenen zu verbinden. Bei genauerer Betrachtung hatte der Arzt feststellen können, dass die Wunden des Mannes im Gesamtbild wirklich nicht zu unterschätzen waren. Dass er bewusstlos war, war wirklich nicht ideal, denn es war jederzeit möglich, dass Atmung und Herzschlag aussetzten. Dazu der Blutverlust… Nicht nur durch den Schlag auf den Kopf hatte der Bewusstlose Blut verloren (diese Menge war vergleichbar gering), sondern auch zuvor schon durch die Schussverletzung. Es war dämlich von dessen Begleiter gewesen, diesen Mann nicht sofort in ein Krankenhaus zu bringen. Doch gekümmert hatte sich der Kerl dennoch um den Verletzten. Scheinbar hatte er die Wunde mit einem heißen Messer kauterisiert. Laienhafte Pfuscherei, denn das würde nicht nur eine hässliche Narbe geben, sondern hatte mit Pech vielleicht auch Einfluss auf die Armmotorik. Dennoch hatte diese Behandlung dem Angeschossenen vermutlich das Leben gerettet. Wenn der Ire wirklich ein Feldarzt in der Armee gewesen war, wäre er vermutlich auf die Schnelle genauso vorgegangen. Mit Glück war die Kugel ebenfalls bereits entfernt worden. Dass der Verletzte vorhin sogar auf den Beinen gewesen und ein wenig gelaufen war, war eigentlich kein schlechtes Zeichen.



„Sie können mir helfen“, mischte sich Harry wieder aktiv ins Geschehen ein, als Dr. Tremaine Gilbert zu verstehen gab, dass dessen Hilfsangebot bei der Versorgung des Verletzten ablehnte.
Charles‘ Bekannter wandte sich von der Befragung Maura Thomsons ab, die er Charles vielleicht nur vorerst überlassen hatte, und trat auf den unfreundlichen Gefangenen zu.
„Wir sollten die beiden genauer durchsuchen, vielleicht finden wir ja nützliche Hinweise. Der da“, er nickte in Richtung des Bewusstlosen, „hat vielleicht auch noch Waffen bei sich.“
Harrys Hand griff an seinen Gürtel und zog einen Gegenstand hervor, den sein Mantel bisher verborgen hatte.
„Hier!“, rief er und warf ihn Gilbert zu – es waren ein Paar Handschellen. „Kommen Sie dem Doc nicht in die Quere.“
Dann trat Harry an den bereits Gefesselten heran, der knurrend, die Zähne fletschte, und begann, dessen Taschen zu kontrollieren.



Den verletzten Mann durchfuhr ein Zucken, als Randolph ihm das aufgeschraubte Glas mit dem aufdringlich beißenden Riechsalz unter die Nase hielt. Er riss die Augen weit auf und schnappte japsend nach Luft, während er sein Gesicht ruckartig zur Seite wandte, um dem Gestank instinktiv auszuweichen. Es war geschafft: Er war wach und lebte noch, wenn auch allerdings nicht in bester körperlicher Verfassung. Ein Stöhnen entfuhr ihm, bevor er anfing zu husten und sich dann tatsächlich übergeben musste. Er schaffte es gerade noch, sich auf die Seite zu rollen, bevor er seinen Mageninhalt auf den Hallenboden entleerte. Dass er nicht allein war, schien er erst einmal nicht bewusst wahrgenommen zu haben. Er zitterte am ganzen Leib. Die ruckartige Bewegung seines Kopfes schien ihm nicht gut bekommen zu sein. Dass der Mann eine Gehirnerschütterung hatte, hatte Dr. Tremaine schon vor diesem Anblick als wahrscheinlich angesehen.



„Sie haben Schneid, derart mit mir umzuspringen und auch meine Begleiter zu beleidigen“, fuhr Charles unterdessen in seinem Gespräch mit der ihm fremden Frau fort, das Geschehen hinter sich unbeirrt ignorierend, „das muss ich Ihnen lassen, aber ich kann nicht behaupten, dass Ihre Vorgehensweise in Ihrer und der Situation dieser beiden Gentlemen die besonnenste ist. Ich möchte doch nur wissen, wer oder was Sie drei auf die Idee gebracht hat, mir hinterherzuschnüffeln und meinem Freund und Anwalt feige in den Rücken zu schießen. Derartiges ist in den vergangenen Tagen nicht zum ersten Mal vorgekommen und nun hege ich den starken Verdacht, dass da ein Zusammenhang besteht, der mir selbstverständlich gar nicht behagen will. Sie werden verstehen, dass ich Mordanschläge auf diejenigen, die mir nahe stehen, nicht toleriere. Und da Sie nicht kooperieren wollen, werden wir die Herren darum ersuchen müssen. Warum nehmen Sie nicht wieder Platz?“
Er wies anbietend auf den Stuhl und trat selbst davon zurück.
„Mr. O’Sullivan“, sprach er daraufhin den Iren an, „wären Sie so freundlich, ein Auge auf diese Dame zu haben?“
Nicht abwartend, was seine Gesprächspartnerin nun tat, machte Charles Anstalten, wieder zu seiner Jagdbeute zurückzukehren, über die Harry sich inzwischen beugte.
Der Ire kam mit schweren Schritten, um die Bewachung von Maura zu übernehmen, auch wenn ihm anzusehen war, dass ihm diese Aufgabe nicht gefiel. Er murrte leise, immer noch mit der Waffe in der Hand, vor sich hin und warf Dr. Tremaine einen bösen Seitenblick zu, als er die Szene um den niedergestreckten Attentäter passierte.
Charles achtete darauf, dem stinkenden Rothaar nicht zu nah zu kommen. Selbst auf eine gewisse Entfernung war dessen Körpergeruch eine starke Zumutung. Sollte sich doch die widerborstige Fremde darüber freuen.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Darnamur am Sa Feb 14 2015, 20:42

Während Norly weiterhin versuchte vernünftig mit der Gefangenen zu reden- etwas, dass dem Doktor nicht besonders aussichtsreich zu sein schien- und sich Wright und der Kerl, dessen Namen er immer noch nicht kannte an dem Elendshaufen in ihrer Gesellschaft zu schaffen machten, gelang es ihm den Bewusstlosen wieder aus dem Reich der Träume zu entreißen.
Er selbst empfand es immer sehr angenehm, wenn er den Schrecken seiner Fantasie entkommen konnte, diesem Mann schien es aber offensichtlich überhaupt nicht zu behagen, was er auch ohne zu Zögern auf widerwärtige Weise demonstrierte.
Randolph war selbstverständlich abgehärtet genug, als dass ihn etwas Kotze hätte aufhalten können. Mit ernster Miene schnappte er sich ein Tuch aus seinem Koffer und wischte dem zitternd daliegenden Donny den Mageninhalt aus dem Gesicht.
Gut schien es dem Kerl jedenfalls nicht zu gehen, das stand fest. Es sah ziemlich verstörend aus, wie er so mit bebendem Körper an dem kalten Steinboden klebte. Der Doktor brauchte Wasser. Dummerweise hatte er gerade nichts davon da. Und er wusste auch nicht, wie man nun auf die Schnelle etwas auftreiben konnte.
Er beugte sich über seinen Patienten und legte ihm die Hand auf die Stirn, um ihn zu besänftigen. „Ganz ruhig, sir. Sie sind in Sicherheit.“
Er verzichtete darauf den Burschen anzulächeln, um ihn nicht noch mehr in Panik zu versetzen. Erkennen würde ihn der Gute hoffentlich nicht. Aber das wäre auch sehr unwahrscheinlich. Vermutlich hatte der Mann nicht einmal mitbekommen, wie er den von Charles‘ Gefährten angesprochenen Cricket-Künsten des Doktors zum Opfer gefallen war.
„Verstehen sie mich? Können sie mit mir reden?“, fragte er mit ruhiger und deutlicher Stimme.
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Leo am Mo Feb 16 2015, 00:24

Norlys Worte verwirrten Maura – vor allem, weil sie so ehrlich und irgendwie einleuchtend klangen.
Wie konnte das sein? Da stand ein Mann vor ihr, den ganz Scotland Yard, ja, vermutlich die ganze Nation suchte, und behauptete, völlig unschuldig zu sein, sogar keinen einzigen Mord begangen zu haben.
Keinen einzigen. Damit hättest du weniger auf dem Kerbholz als ich. Wie ironisch.
Sie versuchte, sich ein wenig zu entspannen. Was dieser Mann sagte, klang aufrichtig, und im besten Fall würde ihr tatsächlich nichts geschehen. Wenn dieser Mann tatsächlich der Gentleman war, als der er sich gerade präsentierte, würde er ohnehin zuerst die Männer befragen, und nicht die einzige Frau – umso besser, schließlich wusste sie von allen Beteiligten vermutlich am wenigsten. Dass es wohl mit dem Vorfall der vergangenen Nacht zu tun haben musste, das hatte sie sich mittlerweile zusammenreimen können, aber viel mitbekommen hatte sie davon leider nicht.
Norly brachte sie zu sehr aus dem Konzept, als dass sie eine schlagkräftige Antwort parat gehabt hätte, daher entschied Maura sich, ihren Widerstand vorerst ruhen zu lassen und tatsächlich zu hoffen, dass die Geschehnisse für sie glimpflich verlaufen würden. Mit etwas Glück würde sie vielleicht irgendwann eine Gelegenheit ergeben, zu fliehen oder die Polizei zu verständigen, vorausgesetzt Norly log doch und war der Mörder, für den ihn alle hielten. Sie sagte nichts und gab keinerlei Zeichen, dass Norlys Worte zu ihr durchgedrungen waren, setzte sich allerdings auf seine Aufforderung hin wieder auf ihren Stuhl.
Was ihr jedoch überhaupt nicht behagte, war ihr Bewacher.
Der Mann sah aus wie der typische Ire (und sie musste es wissen, mit einem irischen Pub vor der Haustür) – ungepflegt, rothaarig … einfach irisch eben. Kurz fragte sie sich, ob es Absicht war, dass ausgerechnet der stinkigste aus Norlys Haufen sie bewachen ‚durfte‘. Wahrscheinlich schon.
Sie legte die Hände in den Schoß und gab sich betont gleichmütig, dabei war ihr Gehirn unablässig am Arbeiten, um diese aberwitzige Situation irgendwie bewerten zu können. Scarface war kein Monster, sondern ein Gentleman – gut oder nicht? Sie lebte immer noch – gut oder nicht? Norly behauptete, unschuldig zu sein – Lüge oder nicht? Aus irgendeinem Grund war sie fast gewillt, ihm zu glauben, aber so leicht würde er sie nicht überzeugen können. Freundlich tun konnte jeder, der halbwegs klug war.
Sie überlegte, ob sie eine sinnlose Plauderei anfangen sollte, um ihre gespielte Gelassenheit zu untermalen, aber was hätte sie sagen sollen?
Tja, nun sitzen wir da.
Ist doch eigentlich ganz nett hier.
Riechen Sie immer so furchtbar?

Nein, besser, sie sagte gar nichts und hielt vorerst die Füße still. Je eher man sie vergaß – oder wenigstens nicht mehr viel beachtete –, desto besser. Und eigentlich hatte Norly recht, sie war unhöflich gewesen. Nicht, dass es Maura im Angesicht des Todes gestört hätte, aber einen kleinen Schönheitsfehler gab es dabei – sie lebte noch. In jedem Fall war es wohl vorerst besser, von sich abzulenken, befand sie, also schwieg sie, versuchte, auf dem Stuhl eine bequeme Sitzposition zu finden (erfolglos) und beobachtete die weiteren Geschehnisse.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Elli am Mo Feb 16 2015, 11:40

Als sich der Gefangene lautstark erbrach, wich Melinda etwas zurück. Der Blick auf das Erbrochene ließ sie kalt, da hatte sie schon schlimmeres gesehen. Weitaus schlimmeres. Sie zuckte mit den Achseln, als sich Randy um den nun wachen Patienten kümmerte, sie hatte im Grunde nun nichts mehr zu tun und ging daher einen Schritt zur Seite, zu einer Kiste herüber, über der ein schweres Leichentuch hing. Mit ein wenig Anlauf hüpfte sie auf die Kiste und besah sich die Szenerie nun aus einer etwas anderen Perspektive. Sie nahm die alte Vettel genauer ins Visier und legte ihren Kopf leicht schief, während sie, überlegte wie die 'Maura' wohl so forsch und mutig sein konnte. Sie musste mehr herausfinden. Jeder hatte einen Schwachpunkt. Konnte Maura jetzt noch große Töne spucken, hieß das nicht, dass es so bleiben musste. Selbst wenn Charles sie bald loswerden müsste, lag es Melinda am Herzen zu wissen, was der Knackpunkt war. Ja...das war wirklich sehr interessant zu erfahren.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Thorgrimm am Fr Feb 20 2015, 01:41

"Wer nicht will, der hat schon." dachte sich Gilbert, als der Doktor seine Hilfe ablehnte. So schlenderte der Maler zurück zu Norly und der Frau, die sich als Maura vorgestellt hatte und hörte ihrem Gespräch zu. Allerdings nicht sehr lange, denn schon wurde Gilbert eine neue Aufgabe zuteil, die ihm gar nicht gefiel. Es war eine Sache, bei der Versorgung eines Verletzten zu helfen aber eine ganz andere, diesen auch zu durchsuchen und in seinen Taschen zu wühlen. Die Männer sahen sowieso schon nicht besonders sauber aus - wann sie sich wohl das letzte Mal gewaschen hatten? - aber das sich der Bewusstlose auch noch übergab, machte die ganze Aktion geradezu widerwärtig. Wo waren Handschuhe, wenn man sie brauchte? Mit seinem Händen wollte er die Männer nicht unbedingt berühren. Vermutlich hatten sie auch noch irgendwelche übertragbaren Krankheiten...
Angewidert blieb Gilbert eine ganze Weile einfach auf der Stelle stehen und starrte auf den Mann vor sich. Völlig in Gedanken versunken bemerkte er gar nicht, dass ihm Handschellen zugeworfen worden waren und so fielen diese scheppernd auf den Boden. Er hob sie schnell auf und umrundete den Verletzten, um möglichst viel Entfernung zwischen sich und dem sich am Boden verteilenden Mageninhalt zu bringen.

Schließlich kniete er sich hinter den Mann und überwand seinen Ekel. Gilbert hatte seine Hilfe angeboten und das konnte er jetzt nicht mehr zurücknehmen. Fast wäre es ihm lieber gewesen, er hätte einfach seinen Mund gehalten. Besser wäre nur noch, wenn er gar nicht erst in dieses Drecksloch gegangen wäre. "Erschrecken Sie nicht, Sir. Ich werde Ihnen jetzt Handschellen anlegen." erklärte Gilbert und machte sich an die Arbeit. Er wollte den Mann nicht überraschen aber es war fraglich, ob er überhaupt mitbekam, was um ihn herum und mit ihm geschah. Das war vermutlich auch gut so. Das Letzte, was Gilbert wollte, war, dass der Mann sich bedroht fühlte und mit letzter Kraft um sich schlug und sich dann auf seinem teuren Anzug übergab. Gott - die Flecken würden nie wieder rausgehen.
Nachdem er dem Mann die Handschellen angelegt hatte, vergewisserte er sich mit einem fragendem Blick beim Doktor, ob er mit der Untersuchung anfangen konnte. Nachdem dieser genickt hatte, warnte er den Mann vor. "Ich werde Sie jetzt untersuchen. Keine Angst, ich werde Ihnen Nichts tun. Tragen Sie Waffen bei sich?" fragte er, auch wenn die Hoffnung auf eine (ehrliche) Antwort sehr gering war. Gilbert führte die Durchsuchung nur grob und schnell durch, um so wenig mit dem Körper des Verletzten in Verbindung zu kommen, wie es möglich war. Was für eine Gefahr ging auch schon von diesem Mann aus? Er war ja sowieso schon halbtot...
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Umbra am Sa Feb 21 2015, 20:31

Der Verletzte ließ sich von Randolph berühren, ohne sich dagegen zu wehren. Vielleicht war er nicht in der rechten Verfassung dazu. Allerdings schien er seinen Helfer auch nicht als Bedrohung anzusehen, was des Doktors Theorie, dass der Mann ihn nicht kannte oder sich zumindest nicht an ihn erinnern konnte, zu bestätigten schien. Der Niedergestreckte war aufgewühlt und fühlte sich wahrscheinlich recht desorientiert – die beschleunigte Atmung und der unstete, fast schon suchende Blick des Mannes ließen darauf schließen. Die beruhigenden Worte und die Hand auf seiner kalten, schweißnassen Stirn entfalteten jedoch ihre Wirkung.
Donnys dunkle Augen fixierten Dr. Tremaine.
„Ja“, wisperte er schwach als Antwort. Er hatte Randolph also nicht nur gehört, sondern auch verstanden. Artikulieren konnte er ebenfalls, was kein schlechtes Zeichen war. Bei jedem Ausatmen schnaufte er leicht.
„Mein… mein Kopf. Alles dreht sich.“
Er schluckte und schloss für einen Moment wieder die Lider. Schwindel und Übelkeit waren vermutlich nicht sein einziges Problem, wenn man die Wunden bedachte, die er hatte. Randolph konnte vermutlich gut nachvollziehen, wie sich die Schussverletzung anfühlen musste. Als Chirurg hatte er aber ohnehin schon mit vielen schmerzgeplagten Patienten zu tun gehabt, die bereits viel Blut verloren hatten, sodass Donnys Anblick und Verhalten nichts Neues für ihn waren. Schmerz und Blutverlust konnten den Betroffenen in einen tranceartigen Zustand versetzen, sodass dieser nicht unbedingt mitbekam, was um ihn herum geschah. Das Gleiche hatte Randolph vor wenigen Tagen am eigenen Leib erlebt – und Glück gehabt. Vermutlich verspürte Donny große Müdigkeit und Ruhe war ihm nun unbedingt zu empfehlen, doch wieder in die Bewusstlosigkeit zu sinken, könnte nur zu leicht tödlich enden.
Es war schwer zu sagen, wie schlecht es wirklich um den Mann stand. Jedoch zeigte sich, dass ihm durchaus nicht alles entging, als Gilbert sich zu ihm kniete und ihm die Handschellen anlegte.
„N-nein…“, protestierte Donny zögerlich und irritiert, obwohl es schon längst zu spät war. „Was?“
Sein Versuch, an den Ketten zu zerren, endete damit, dass er vor Schmerz keuchend innehalten musste. Doch die Hand seiner unverletzten Seite suchte dennoch einen Weg in Richtung seiner Hosentasche – eine Bewegung, die Gilbert bemerkte und der er aufgrund Donnys Schwächlichkeit und Zittrigkeit leicht zuvorkommen konnte. Die Frage nach weiterer Bewaffnung hatte den Verletzten wohl auf die Idee gebracht, dass es spätestens jetzt kein so schlechter Gedanke war, sich zu wehren. Doch der Gegenstand, nach dem er seine Finger ausgestreckt hatte, entging seinem Griff. Gilbert nahm diesen an sich. Es handelte sich um ein neu wirkendes, schmales Springmesser mit etwa fingerlanger Klinge und hölzernem Griff. Das schien dem Maler der einzig auffällige Gegenstand gewesen zu sein, als er schließlich seine grobe und schnelle Durchsuchung hinter sich gebracht hatte.



Charles trat, nachdem er dem Iren erfolgreich ausgewichen war (genauso wie dem Verletzten, der sich ekligerweise übergab), an Harry und den ungehobelten Gefangenen heran, welcher gerade über sich ergehen lassen musste, dass er betastet und seine Kleidung durchwühlt wurde.
„Sie behauptet, Ihr Name sei Maura Thomson“, erklärte Harry, als er sich Charles‘ Anwesenheit gewahr wurde, „aus der Victoria Street. Sie will gesehen haben, wie diese beiden Idioten hier gestern geflohen sind.“
Harry blickte noch nicht einmal zu seinem Gesprächspartner auf. Er ließ seine Konzentration nicht fallen – was Charles ihm nicht übel nahm, schließlich wusste er, dass sein Freund darauf achtgab, dass Billy keine Dummheiten versuchte. Mit einem Schulterzucken fügte Harry noch schätzend hinzu: „Die Straße könnte passen.“
Charles nickte nachdenklich, obwohl sein Begleiter das vermutlich gar nicht wahrnahm. Dieser Straßenname war ihm vertraut.
„Der Pub ist dort“, antwortete er, ihm beipflichtend. „Ich erinnere mich.“
Zwar war Charles in seinem Leben vermutlich erst einmal in seinem Leben dort gewesen, doch er hatte einen guten Orientierungssinn – und der Straßenname hatte sich in sein Gedächtnis eingebrannt, als er seine Freunde (und O’Sullivan) gestern aus der Gefahrenzone heimwärts eskortiert hatte.
„Ja“, entgegnete Harry. „Zumindest der Name und die Adresse lassen sich überprüfen. Der Rest allerdings…“
Er sprach den letzten Teil des Satzes nicht aus, aber es war klar, was er meinte.
Auch für Charles war diese fremde Frau ziemlich undurchsichtig. Ob ihr zu trauen war, war fraglich. Einmal abgesehen davon, dass sie sich ohnehin nicht hilfsbereit zeigte. Eine gute Sache hatte dies allerdings: Wenn sie nichts sagte, musste man auch nicht darüber nachdenken, ob es zutraf, was sie behauptete, oder ob sie gedachte, einen an der Nase herumzuführen.
Mr. O’Sullivan unterbrach Charles‘ Gedankengänge, indem er sich ungefragt in das Gespräch einmischte:
„Wissen Sie was, Scarface?“, knurrte er dazwischen – er hatte sich widerwillig ein Stückchen entfernt neben dem Stuhl der Gefangenen platziert und ballte schon wieder angriffslustig seine linke Hand zur Faust, während er in der anderen unentwegt seinen Revolver umklammert hielt. „Nicht nur wir kennen Ihren Namen, sondern Sie haben diesen englischen Bastarden gerade meinen Namen genannt!“
Nach einem Moment des Überlegens war das dem verkaterten Iren offenbar aufgefallen.
„Was spielen Sie hier für ein Spiel mit mir?“, wollte er wissen und trat einen Schritt vor in Richtung Charles.
„Ich kenne hier überhaupt keine Namen, noch nichtmal den von dem kastrierten Wicht da“, er wies unwirsch in Randolphs Richtung, „und Sie plaudern meinen aus, als wäre nichts dabei! Als stünde für mich nichts auf dem Spiel! Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen, zitierte er einmal wieder das Wort Gottes.
„Die werden mich verraten, sobald sie können! Und Sie, sprach Sullivan mit einem abwertenden Kopfnicken direkt zu Charles, „vermutlich auch!“

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Thorgrimm am Mo Feb 23 2015, 02:39

Gilbert war sich nicht sicher, ob er den kläglichen Versuch des Verletzten, nach seinem Messer zu greifen, bemitleiden oder bewundern sollte. Es war ganz schön mutig - oder wirklich dumm - in einer solchen Situation noch daran zu denken, sich zu wehren. Wäre Gilbert nicht so ein gewaltverachtender Mensch, dann würde er diese Reaktion wahrscheinlich ganz anders als mit einem Lächeln beantworten. Andere hätten den Mann bedroht oder ihn noch weiter verletzt, um ganz sicher zu gehen, dass er sich nicht mehr wehren konnte aber Gilbert kam Donny lediglich zuvor und nahm das Springmesser an sich. "Sie können froh sein, dass ich Ihnen diese Reaktion nicht übel nehme, Sir." sagte Gilbert, als er sich wieder aufrichtete und sich zu Norly und seinem Freund umdrehte, um von dem Fund zu berichten. Auf eine genauere Untersuchung verzichtete er lieber aus offensichtlichen Gründen. Schließlich hatte er eine Waffe gefunden und Gilbert bezweifelte, dass der Mann ein ganzes Arsenal mit sich herum trug.
Doch so weit kam es gar nicht. Wieder einmal war es der Ire, der Probleme machte. Wieso hatten sie den stinkenden Rotschopf überhaupt mitgenommen? Gilbert war von Anfang an klar gewesen, dass er nur Probleme machen würde und im schlimmsten Falle sehr gefährlich werden konnte. Iren waren doch sowieso alle gleich und O'Sullivan war ein Musterbeispiel. Wenn er kein Beweis dafür war, dass die Iren ein versoffenes, faules Volk waren, die nicht viel mehr als für den Anbau von Kartoffeln gut waren, dann wusste Gilbert auch nicht weiter. Instinktiv strich sich der Maler seinen teuren aber abgewetzten Anzug glatt, so als habe ihn allein der Gedanke verschmutzt. "Niemand wird Sie verraten und jetzt beruhigen Sie sich bitte." versuchte Gilbert die Wogen zu glätten, auch wenn er wusste, dass der Versuch vermutlich nicht viel Erfolg zeigen würde.
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Elli am Di Feb 24 2015, 10:35

Zögerlich wand Melinda den Blick von Maura ab, als der Ire mal wieder auf Hochtouren kam. Sie bereute es Randolph davon abgehalten zu haben, ihm eine Spritze in seinen gottverdammten irischen Arsch gegeben zu haben. Sie hatte sich gerade mit dem Platz auf dem sie saß angefreundet, sie konnte alles recht gut überblicken, doch nun war ihr als bestünde die Möglichkeit eingreifen zu müssen. Natürlich war sie sich klar darüber, das Charles, als auch Harry bewaffnet waren und den Iren vermutlich schnell in Schach hätten. Doch einer aus der Gruppe hatte ja nun bereits eine Schussverletzung, das war mehr als genug. Ihre Wristgun auf O’Sullivan zu richten, wäre kein allzu guter Gedanken, immerhin wäre das doch sehr auffällig und ihr Arm würde sicherlich schnell lahm werden. Also seufzte sie und hopste von der Kiste herunter. Der Aufprall ihrer Absätze auf dem Boden der Lagerhalle, hallten laut durch den Raum. Gut, das konnte zumindest etwas Aufmerksamkeit von Charles lenken. Die Situation drohte schon wieder langweilig zu werden, also ging Melinda behände in Richtung Maura und dem Iren, wobei sie elegant über das Erbrochene stieg und sich mit wenigen Schritten zwischen O'Sullivan und Charles brachte. "Reg' dich doch nicht immer gleich so auf, Paddy." sagte sie begleitet von einem zuckersüßen Lächeln.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Umbra am Fr Feb 27 2015, 01:18

Das Klacken von Melindas Absätzen schaffte zwar kurz, die Aufmerksamkeit des Iren auf sie zu lenken, doch er hatte nicht mehr als einen verachtenden Blick für sie übrig. Als er zu reden begann, wandte er sich dieses Mal an Gilbert, der ihn zuvor gebeten hatte, sich zu beruhigen.
„Ich lasse mir von niemandem sagen, was ich tun oder lassen soll“, blaffte Matthew O´Sullivan den Maler an. „Erst recht nicht von einem schnöseligen Sachsen wie dir. Nimm lieber das vorlaute Weibsbild an die Leine, bevor ich mich wirklich aufrege!“
Charles runzelte missbilligend die Stirn. Er wusste, dass es ein eher fauler Kompromiss gewesen war, den Iren mitzunehmen, erst recht nach dem Streit mit Dr. Tremaine vor ihrem Aufbruch. Doch die Alternativen, die ihm nun anstelle einer Zusammenarbeit einfielen, waren ihm nicht angenehm. Hätte Arthur nicht die Hilfe eines Sanitäters gebraucht, um den Weg zu einem Arzt zu überstehen, hätte Charles dieses rothaarigen Choleriker niemals mitgenommen. Bereits gestern Abend im Pub war dieser Mann negativ aufgefallen. Charles war nicht entgangen, dass der erste Schlag der Prügelei von Matthew ausgegangen war. Wäre die Situation dort im Schankraum nicht eskaliert, hätte Arthur dann nun kein Loch im Rücken? Möglich war es, dass es gar nicht erst zur Schießerei gekommen wäre, hätten Charles und seine Freunde sich aufgrund dessen nicht zu einem hastigen Aufbruch gezwungen gefühlt. Matthew die Schuld an dem Dilemma zu geben, machte keinen Sinn, aber es war klar und deutlich, dass dieser Mann leicht zu reizen war. Und schnell bereit, Gewalt einzusetzen.

„Sie können sich entspannen, guter Mann“, sagte Charles zum Iren. Er versuchte es weiterhin in einem vernünftigen Ton. Sich auf das laute, zähnefletschende Niveau hinabzubewegen, war nicht seine Art. Zumindest nicht, solange er sich noch beherrschen konnte. Innere Ruhe war der Schlüssel.
„Sie brauchen nicht ausfallend zu werden“, erinnerte er den Mann. „Wenn wir beschließen, Ihnen zu misstrauen, dann nur, weil Sie sich aufführen, wie Sie es tun. Niemand von uns wünscht sich Streit mit Ihnen. Sie waren uns in dieser kurzen Zeit eine große Hilfe und ich rechne es Ihnen hoch an, dass Sie sich dafür entschlossen haben, uns zur Hand zu gehen.“
„Einen Teufel tut Ihr, Scarface!“, erwiderte der Ire ungehalten und mit einer Respektlosigkeit, die Charles ebenfalls wenig gefiel. O’Sullivan hatte ihn schon zuvor des Spottes wegen auf ein hohes Ross gesetzt und „Ihr“ und „Euch“ benutzt, anstatt ihn zu siezen… Allerdings war, dass er Charles nun „Scarface“ nannte, ebenfalls provozierende Absicht.
Charles blieb, zumindest äußerlich, entspannt.
„Nennen Sie mich nicht so, bitte“, antwortete er. „Und ich ersuche Sie darum, nicht herablassend zu sein. Ich bin nicht Ihr Feind und habe Sie auch nicht beim Namen genannt, um Ihnen Schwierigkeiten zu bereiten. Ich gebe Ihnen mein Wort, Sir.“
Matthew schnaubte unbeeindruckt.
„Der Grund, warum wir uns alle noch nicht gemütlich beisammengesetzt und einander vorgestellt haben“, fuhr Charles vermittelnd fort, auch wenn es ihn durchaus nervte, dies überhaupt tun zu müssen, „ist, dass dem gestern und auch heute Zwist und Waffen im Weg gestanden haben, erinnern Sie sich? Wie wäre es, wenn wir dies nachholen, wenn es hier nichts mehr zu tun gibt?“, bot Charles an und lächelte sogar.
Matthew O’Sullivan rümpfte die Nase, als würde ihm die Situation trotz alledem nicht schmecken, gab aber scheinbar auf. Nichts erwidernd, entspannte sich seine Körperhaltung sichtbar. Weniger begeistert trat er wieder zurück an Mauras Seite.
Charles nickte anerkennend. „Ich danke Ihnen.“
Dass der Ire sich wieder in Bewegung setzte, ignorierte er. Vorerst war er zufrieden damit, nicht wieder in den Revolverlauf des Iren schauen zu müssen. Der Rotschopf schlenderte zum Nachtlager herüber, dass die beiden Attentäter sich errichtet hatten – offenbar, weil er eine noch nicht komplett geleerte Flasche Gin entdeckt hatte, die er auch sogleich auflas und einen Schluck davon nahm.
Charles unterdrückte einen Kommentar. Sein Blick wanderte zu Melinda herüber. Er lächelte, sobald er sicher war, dass sie es sah. Der Ire mochte Recht haben: Sie war vorlaut. Elegant und ziemlich für eine Dame war das nicht unbedingt. Aber Charles mochte ihr Temperament, trotzdem es ihn schon in Verlegenheit gebracht hatte. Gerade sehnte er sich nach ihrer Nähe… Vielleicht einfach nur nach Schlaf in ihrer Umarmung. Wenn sie sich an ihn schmiegte, würde er vielleicht Frieden und Ruhe finden. Und einen angenehmen Traum, zur Abwechslung.

Währenddessen hatte Harry bereits ganze Arbeit geleistet und alles, was er bisher in Billys Taschen gefunden hatte, ans Tageslicht befördert und mehr oder minder achtlos auf dem Boden verteilt – was wohl damit zu tun hatte, dass es unwichtiger Krimskrams war, der wohl in keiner Weise informativ sein könnte. Neben einigen geringwertigen Münzen, hatte Harry einen Umschlag mit billigem Tabak, dazu passendes Zigarettenpapier, ein Päckchen Streichhölzer, einen losen Knopf, einen am Ende angekauten Bleistift und eine Handvoll mit Flusen übersäte Karamelltoffees, die vermutlich sowieso niemand mehr essen wollen würde, entdeckt und in den Staub fallen lassen.
Matthew hatte zwar auch Harrys Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und den Mann hellhörig werden lassen, aber nachdem nun scheinbar keine Bedrohung mehr ersichtlich war, hatte er sich wieder der gründlichen Durchforstung von Billys Taschen zugewandt.
Mit der Anrede „Charles“ machte Harry diesen auf sich aufmerksam und reichte ihm eine stark verschlissene Geldbörse, die er in einer Innentasche von Billys Jacke entdeckt hatte.
Charles‘ Neugier war sofort geweckt. Er ließ es sich nicht nehmen, das Lederetui sofort aufzuklappen und in Augenschein zu nehmen. Zunächst erregte ein mintgrünes, schwarzbedrucktes und mit einem Stempel versehenes Pappstück seine Aufmerksamkeit. Auf einer Linie war per Hand ein Name eingetragen wurde.
„Ein Angestelltenausweis eines Betriebs namens Cromfield & Company Metalworks, sprach Charles aus, was er erkannte und las, „ausgestellt an einen gewissen Mr. William Raker… So so“, fügte er mit spitzbübischer Amüsiertheit an Billy gerichtet an (denn er freute sich darüber, ein erstes Geheimnis der Attentäter gelüftet zu haben – Billys Identität), „schwänzen wir an diesem wundervollen Donnerstagvormittag unsere Schicht? Vermutlich keine weise Entscheidung.“
Billy starrte Charles mit hasserfüllten Todeswünschen im Blick an.
„In welchem Stadtteil liegt das?“, erkundigte sich Charles.
Er erhielt keine Antwort. Also wandte er sich an Harry: „Sagt dir Cromfield etwas?“
Harry schüttelte den Kopf. „Nein“, brummte er, „aber das muss nichts heißen. Außerhalb meines Bezirks kenne ich nicht jeden einzelnen Pflasterstein. Ich werde mich umhören.“
Offenbar war hatte er die Durchsuchung beendet und richtete sich wieder auf. Dann blickte er Gilbert an und fragte: „Haben Sie etwas bei unserem anderen Freund gefunden?“

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Darnamur am Sa Feb 28 2015, 22:34

Das der Verletzte auf ihn reagierte, war ein gutes Zeichen, ein wirklich sehr gutes Zeichen. Randolph atmete erleichtert etwas aus. Die Chancen, dass der Mann überleben würde, waren erheblich gestiegen. Er würde es überstehen, der Doktor versuchte zuversichtlich zu bleiben. Das Einzige was ihm jetzt noch starke Kopfschmerzen bereitete, war die Schusswunde. Er wusste nicht, ob das Geschoss nicht noch immer im Fleisch des Mannes vergraben war.
Dann kam Gilbert mit seinen Handschellen heran. Randolph wollte ihn noch daran hindern, aber es war schon zu spät. Mit einem eisernen Klicken schlossen sich die Ringe um Donnys Handgelenke. Das dies den vor dem Nervenzusammenbruch stehenden Mann in Aufregung versetzte, war selbstverständlich. Dumm von ihm, nicht auf Mr.Wright geachtet zu haben, aber er hatte sich völlig auf seinen Patienten konzentriert und den anderen Gesprächen nur halbherzig zugehört. Das Palaver Norlys mit dieser…Thomson ging ihm ohnehin auf den Geist.
Er bemühte sich, das Gemüt seines Pflegefalls wieder ein wenig zu kühlen. Sanft, aber bestimmt drückte er den Körper des Mannes wieder auf den Boden, nachdem der Kerl vorher an seinen Ketten gezerrt hatte. „Beruhigen sie sich, Donald. Es macht keinen Sinn, dass sie jetzt dafür ihre Kraft verschwenden“
Wie zuvor redete er ruhig, aber eindringlich auf seinen Patienten ein. Vielleicht würde es helfen, wenn er den Mann mit Donald und nicht mit seinem Spitznamen ansprach. So mochte eventuell seine Mutter mit ihm geredet haben, wenn sie ihn für etwas maßregelte.
„Sie haben einen schweren Schlag auf den Kopf bekommen. Vermutlich sind sie jetzt etwas durcheinander und verspüren Schmerzen. Haben sie keine Sorge- ich bin Arzt. Ich werde mich um sie kümmern und sie heil aus dieser Situation herausbringen. Für den Augenblick, versuchen sie einfach nur, sich ein wenig zu entspannen, aber bleiben sie wach.“
Er warf dem Patienten nochmal einen prüfenden Blick zu, dann versuchte er sich aufzurappeln. Ohne Stock war das natürlich problematisch. Schließlich gelang es ihm mit der Hilfe einer nahe stehenden Holzkiste auf die Beine zu gelangen. „Keine Sorge. Ich kümmere mich nur schnell, um etwas und bin dann gleich wieder bei ihnen.“
Für einen Moment überlegte sich der Doktor wieder, ob er es nicht doch mit einem Lächeln versuchen sollte, aber verwarf den Gedanken, dann doch wieder. Die Sorge, dass es nur wieder eine scheußliche Grimasse werden würde, war nämlich durchaus berechtigt.
Er humpelte mit knacksendem Gebein zu dem Partner seines Patienten hinüber, Billy. Den Streit mit dem Iren beäugte er argwöhnisch, doch die anderen schienen sich schon darum zu kümmern und er hatte andere Aufgaben. Für den Moment musste er einfach darauf vertrauen, dass sie den Iren nicht so weit zur Weißglut bringen würden, dass er die ganze Fabrikhalle in Asche verwandeln würde. So wie in diesem einen Zeitungsartikel. Wäre doch eigentlich gar nicht so verwunderlich, wenn O’Sullivan dahinter steckte, wenn man es sich recht überlegte.
Er trat an Billy heran. Sonderlich fit sah dieser Bursche auch nicht aus, wenn auch natürlich wesentlich besser, als sein in der eigenen Kotze dahinsiechender Kamerad. Der Doktor hoffte, dass Billy ihm mehr gewogen war, als Charles, immerhin war er nicht in der Gruppe gewesen, die ihn überfallen hatte und kümmerte sich um den Begleiter des Mannes.
„Sir, wenn sie mir bitte kurz eine Frage beantworten würden. Es geht, um den Gesundheitszustands ihres Freundes“, er machte eine kurze Pause, um sicherzustellen, dass sich die Worte im Hirn des Gefangenen festsetzen konnten und fuhr dann fort: „Ich habe gesehen, dass sie seine Schusswunde kauterisiert haben. Haben sie die Kugel davor entfernt? Oder steckt sie noch in seinem Körper?“
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Leo am Mo März 02 2015, 01:32

Norly stieg während seines Gesprächs mit O’Sullivan einmal mehr in Mauras Achtung – was ihr nicht wirklich behagte. Es konnte nicht leicht sein, in Anbetracht des wütenden Iren so gelassen zu bleiben; Norly meisterte es ohne größere Anstrengung. Er hatte ihr gesagt, sie habe Schneid – nun, offenbar hatte er nicht minder davon, wie sie neidlos anerkennen musste. Sie versteifte sich unwillkürlich, als der Stinker zu ihr zurückkehrte, und war durchaus erleichtert, als er die Gesellschaft einer Flasche der ihren vorzog. Sie konnte es ihm nicht verübeln – bisher hatte sie sich wirklich nicht von ihrer sympathischen Seite gezeigt.
Hatte sie überhaupt eine? Schwer zu sagen.
Doch viel interessanter als der trinkende O’Sullivan schien ihr das Gespräch zwischen Norly und seinem Begleiter zu sein. Sie beugte sich etwas vor und mühte sich, wenigstens Teile des Gesprochenen verstehen zu können; offenbar untersuchten die beiden den Inhalt von Billys Taschen. Naheliegend – Billy schien kein Mensch von der Sorte zu sein, die gern und viel redete. Nur für Schimpfwörter schien er eine gewisse Schwäche zu haben ...
Die Rede war auch von einem Firmennamen, Cromfield. Maura versuchte sich zu erinnern, ob sie von dieser Firma schon einmal gehört hatte. Erfolglos. Weder in 19 Jahren London, noch in 21 Jahren Manchester (Gott, sie war wirklich nicht mehr die Jüngste) war ihr der Name untergekommen; es war aber auch nicht gerade ihr liebstes Hobby, sich Metallfirmen näher anzuschauen. Und trotzdem saß sie jetzt ausgerechnet mit Scarface und seiner Truppe in einem dreckigen Lagerhaus, bewacht von einem stinkenden Iren … es war eine Schnapsidee gewesen, hierher zu kommen, das gestand sie sich ein. Auch, wenn das nichts an ihrer Situation änderte.
Sie warf einen Blick zu Donny und sah einmal mehr Williams Schatten auf seinen Zügen. Ein albernes Trugbild, und dennoch war es stark genug, ihr einen Stich zu verpassen. Sie musste dringend aufhören, so sentimental zu sein. Es vernebelte ihr die Sicht. Dieser Donald war bei Weitem nicht so harmlos, wie er ihr gerade vorkam – allein, dass er sich auf eine Schießerei mit Scarface eingelassen hatte, selbst Waffen trug und sich mit Ekelpaketen wie Billy herumtrieb, bewies ihr das Gegenteil, auch wenn sie es nicht sehen wollte. Sie würde es sehen müssen. Sie hatte noch nie in einer derart lebensbedrohlichen Situation geschwebt, aber sie war sich sicher, dass es gerade jetzt wichtig war, bei klarem Verstand zu bleiben.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Thorgrimm am Mo März 02 2015, 05:20

Natürlich hatte Gilbert gewusst, dass der Ire so reagieren würde aber das änderte nichts daran, dass es ihn ärgerte. Das Männer wie O'Sullivan - damit waren vor allem Iren gemeint - immer beleidigend werden und sich einem solchen Wortschatz bedienen mussten, zeigte ja ganz deutlich, dass sie ihre Unterlegenheit einfach nur überspielten. Je lauter das Organ und je vulgärer die Sprache, desto jämmerlicher war die Person, die sich unter dieser Hülle verbarg. Gilbert hatte es wirklich nicht nötig, sich auf dieses Niveau herabzulassen und schwieg deshalb. Seine scharfzüngigen Argumente, würden sowieso nur auf taube Ohren treffen und den gegenteiligen Effekt haben. Einen Streit wollte der Maler jetzt nicht provozieren - ganz davon abgesehen, dass er in einer Schlägerei mit dem stinkenden Iren unterlegen wäre. Direkte Auseinandersetzungen waren allerdings auch das Einzige, mit dem O'Sullivan glänzen konnte und darauf sollte er nicht stolz sein.
So wandte sich der Maler aus gutem Hause bewusst ab und schlenderte durch die Gegend, während er mit einem Ohr dabei zuhörte, wie Norly den Iren beruhigte. Eins musste man ihm lassen - er hatte sehr viel Geduld. Hätte Gilbert hier die Hebel in der Hand, dann wäre der Ire schon lange verschwunden. Ein abschätziges Lachen musste er sich dann doch verkneifen, als Norly davon sprach, dass O'Sullivan bisher eine große Hilfe gewesen war. Was hatte der denn bisher für sie getan? Fast den Doktor zusammengeschlagen, gesoffen, gestunken und Streit angefangen. "Toll gemacht!" dachte sich Gilbert sarkastisch.
Erst als in dem Gespräch der Name "Cromfield & Company Metalworks" erwähnt wurde, klingelte etwas in seinem Gedächtnis. Sein Vater hatte ihn oft zu Besprechungen und Treffen mit anderen Betrieben und Firmen mitgenommen und da war einiges hängen geblieben. Natürlich hatte ein Textilien- und Bekleidungshersteller nicht viel mit einem Metallverarbeitungsbetrieb zu tun aber vielleicht hatte Gilbert den Namen doch einmal aufgeschnappt.
Während er darüber nachdachte, ob er von dem Betrieb gehört hatte, wandte er sich an Harry, der ihm eine Frage gestellt hatte. "Er hatte ein Springmesser in der Tasche aber ansonsten habe ich nichts Interessantes gefunden." antwortete Gilbert etwas gedankenverloren. Allerdings war es für ihn ein einfaches, die Informationen, die er zu dem Betrieb besaß, in kürzester Zeit abzurufen und so räusperte er sich und wandte sich noch einmal an Harry. Gilbert achtete darauf, dass auch Norly ihn gut hören konnte. "Es wird nicht notwendig sein, dass Sie sich umhören. Cromfield & Company Metalworks ist ein metallverarbeitender Betrieb in London. Um genauer zu sein in Limehouse. Vermutlich weil dort die Transportwege zu den Docks nicht so weit sind - es geht ja schließlich ums Geld." sinnierte der Maler, bis ihm noch etwas anderes einfiel. "Tatsächlich gab es in Limehouse einen Scarface-Mord. Der Ingenieur Charles Cook wurde dort zu Tode gefoltert. Das hat aber vermutlich nichts mit Cromfield & Company Metalworks zu tun, da er für einen anderen Betrieb arbeitete. Trotzdem eine durchaus interessante - wenn auch grausige - Parallele." endete Gilbert schließlich etwas betroffen.
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Umbra am Sa März 07 2015, 01:42

Auch wenn der Ire scheinbar eine Ablenkung gefunden hatte, war die Gesamtsituation noch immer angespannter Natur. Eine ernstzunehmende Bedrohung stellte wohl keiner der Gefangenen im Moment dar, doch schien niemand von ihnen einzusehen, dass Widerstand diese Angelegenheit nur unangenehmer gestaltete – für beide Seiten. So sah es Charles zumindest. Er hatte sein Ziel vor Augen: Er wollte Informationen. Und wenn die Attentäter nicht reden wollten, mussten sie mit anderen Mitteln dazu motiviert werden – unfreundlichen Mitteln. Charles hatte nicht vor, die Männer (und erst recht nicht die Frau) mit Gewalt zu verhören. Das wollte er vermeiden, soweit es sich einrichten ließ. Vielleicht würde das, was die Durchsuchung der Taschen zutage brachte, schon einmal ein nützlicher Ansatz sein.
Im Grunde brachte der Name eines Betriebs nicht unbedingt etwas, auch weil Cromfield & Company Charles überhaupt nichts sagte… Und weil dies der Fall war, war dieser bestimmte Betrieb an sich bestimmt auch nicht relevant in der Scarface-Angelegenheit. Auch der Name des Attentäters Raker war nur insoweit hilfreich, dass man damit Druck auf diesen Kerl ausüben konnte. Charles erhoffte sich nicht, aufschlussreiche Verbindungen zu finden. Dieser Tölpel war ein kleiner, unbedeutender Fisch, den man vermutlich von der Straße aufgelesen hatte. Sein Kumpel vermutlich auch. Bei der Frau sah das schon anders aus: Sie passte irgendwie nicht ins Bild.

Dr. Tremaine gesellte sich zu Charles und Harry, allerdings hatte der Arzt kein Interesse an der laufenden Untersuchung Billys, sondern hielt es aus beruflicher Sicht für wichtig, sich mit dem Gefangenen über den Zustand des Verletzten auszutauschen. Charles konnte das recht sein. Dass der feige Teufel starb, wollte er nicht. Zwar hatte er am Abend zuvor auf diesen niederträchtigen Mann geschossen, aber für Arthurs Zustand wäre der Tod keine angemessene Strafe. Der Tod wäre zu gnädig.
Billy erwiderte die Frage nach dem Verbleib der Kugel wütend: „Er wär‘ fast abgekratzt“, knurrte er, „aber ich hab‘ sie entfernt. Ich bin doch kein Idiot!“
Harry fackelte daraufhin nicht lang und gab dem Mann mit dem Handrücken eine Ohrfeige. „Du mieser Scheißer kannst von Glück reden, dass unser Freund euren Anschlag überlebt hat und sich dieser Mann überhaupt um diesen anderen Schwanzlutscher da kümmert, statt ihn verrecken zu lassen.“
Nach dieser Zurechtweisung (die Billy wortlos, aber mit hasserfülltem Blick einsteckte) gab Harry Gilbert ein Zeichen, dass er die Nachricht, dass der besagte Schwanzlutscher nur ein Springmesser bei sich gehabt hatte, verstanden hatte.

Was Mr. Wright jedoch noch zu Cromfield & Company zu sagen hatte, ließ Charles hellhörig werden. London. Das war… interessant. Und rückte diese beiden unfähigen Clowns in ein anderes Licht. Die Erwähnung von Limehouse rief zudem Erinnerungen in Charles wach. Enge, dreckige Straßen, die nach Schweiß, Sägespänen, Metall und Gewürzen stanken. Seemänner, Dockarbeiter, Chinesen… In Limehouse gab es zwei Chinesenstraßen, die einzige Ansiedlung dieser asiatischen Einwanderer in London – ein Dreckloch, auf der einen Seite, berüchtigt für Opiumhöhlen, exotische Schönheiten und Spielhöllen, auf der anderen. Vor ihrem Aufbruch nach Manchester hatte Charles, beziehungsweise sein Bekannter Mr. Wu, die Gruppe unterirdisch nach Limehouse hineingeführt, in ein riesiges, semi-geheimes Diebesgutlager mitten zwischen anderen Lagern und den Werften.
Für Charles‘ Geschmack übertrieb es Gilbert allerdings ein bisschen mit den Informationen, die er meinte, zum Besten geben zu müssen. Die Erwähnung des Mordes an Cook war ihm unangenehm – nicht zuletzt, weil er selbst die Assoziation gehabt hatte, als der Maler den erwähnten metallverarbeitenden Betrieb mit Limehouse in Verbindung gesetzt hatte, aber auch, weil er es nicht mochte, auf diese Art daran erinnert zu werden.
„Eine interessante – wenn auch grausige – Parallele.“
„Vielen Dank für diese Erkenntnis“, erwiderte Charles vielleicht etwas gereizter, als er es hatte klingen lassen wollen. Möglicherweise war es seine Müdigkeit, die sich in dieser Form zeigte (zu schaffen machte diese ihm allemal). Es gab momentan jedoch wichtigere Dinge als seine eigene Befindlichkeit. London – das allein war das Entscheidende.
Er kniff sich in die Nasenwurzel, um die Erschöpfung für einen kurzen Moment zu vertreiben und sich zur Raison zu rufen.
„Verzeihen Sie“, bat Charles Gilbert um Entschuldigung für seine möglicherweise etwas herablassend erscheinende Äußerung und nickte anerkennend. „Gute Arbeit.“
Anschließend befasste er sich weiterhin mit Billy.
„Sie sind etwas zu weit von Daheim entfernt, als dass man dies als Zufall betrachten könnte“, kommentierte er die Neuigkeit, dass Mr. Raker offenbar aus London stammte – immerhin schien er auch dort zu arbeiten. „Reisen sind kostspielig. Jemand wie Sie würde so einen Ausflug nicht auf sich nehmen, wenn Sie sich davon nicht einen Gewinn versprochen.“
Charles steckte den Arbeitsausweis zurück in Billys (geldarme) Geldbörse. Ein Zugticket fand er dort leider nicht, das ihm bewiesen hätte, dass Raker und vermutlich auch sein Freund mit ihm, die gleiche Fahrt gen Manchester genommen hatten wie Charles und seine Begleiter. Dennoch war Charles nun überzeugt davon, dass die beiden sich schon in London an ihre Fersen geheftet hatten.
Billy reagierte nicht verbal auf Charles‘ Äußerungen. Aber das war spätestens dann überflüssig, als Charles zwar auf kein Fahrtticket, aber auf ein zusammengefaltetes Stück Papier in dem abgewetzten Lederetui stieß, das sich nach dem Entfalten als eine mit kritzeliger Bleistiftschrift geschriebene Liste von Straßennamen und auch genauen Adressen herausstellte – Straßen und Adressen, die Charles beim schnellen Überfliegen (denn er faltete den Zettel schnellstmöglich wieder zusammen, um neugierige Blicke zu verhindern) erschreckend bekannt vorkamen… in der Reihenfolge, in der er sie besucht hatte.
„Sie haben mir schon in London hinterhergeschnüffelt.“ Das war keine Frage, sondern eine in äußerst kühlem Tonfall ausgesprochene Tatsache. Mit einer verächtlichen Geste ließ er die Geldbörse fallen, sodass sie auf Billys Brust landete. Den Zettel behielt er ein. Während er weitersprach, zog er sein Notizbuch aus der Innentasche seiner Weste hervor, platzierte den Zettel darin und verstaute es wieder an gleicher Stelle.
„Erfolgreich, wie es aussieht.“ Dies stimmte Charles durchaus wütend. Nicht nur, dass er diese Tölpel nicht früher bemerkt hatte… Nein: Sie hatten sich auch notiert, dass eine seiner Stationen, nachdem er aus der Zelle freigekommen war, Johannas Heim gewesen war. Er bezweifelte, dass die beiden ihr noch gefährlich werden könnten, da er ihnen die Adressliste abgenommen hatte (sie wirkten wirklich nicht so, als könnten sich so etwas merken). Dennoch würde er nun nachhaken, das war gewiss.
„Anscheinend kommen wir der Sache näher“, äußerte er. „Wer hat Sie dafür bezahlt, Mr. Raker? Wer wollte, dass Sie schießen? Oder war das nur eine dumme Panikreaktion? Seien Sie ehrlich zu mir. Sehen Sie, ich wurde in der Nacht zum Sonntag bereits verfolgt. Dieser Verfolger hat einem alten Freund von mir die Kehle aufgeschlitzt und ihn ausgeweidet.“
Charles‘ Revolver hatte wieder den Weg in seine Hand gefunden – und die Mündung hielt er Billy entgegen. Die Entsicherung klickte.
„Sie wollen nicht, dass ich Parallelen zu Ihnen ziehe. Diese Kugel könnte nicht für Sie bestimmt sein. Und die nächste nicht Ihren Kumpan.“[1]
William Raker starrte der Waffe sichtlich erschrocken entgegen – und schien mit einem Mal gar nicht mehr so tapfer zu sein, wie er sich zuvor gegeben hatte. Tropfen nervösen Schweißes bildeten sich auf seiner Stirn und Charles konnte nicht anders, als bei der Furcht, die er in Augen und Mimik des Mannes wahrnahm, eine gewisse Befriedigung zu empfinden.
„Was?“, brachte Billy heiser-panisch hervor und keuchte beim Atmen. „Scheiße, nein, bitte nicht! Das war’n wir nicht!“

[1]Einschüchtern +3 (dank Talent & Waffe), erfolgreich

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Darnamur am Sa März 07 2015, 16:32

Randolph war erleichtert, dass er keine Operation mehr würde vornehmen müssen, auch wenn man es ihm äußerlich vielleicht weniger anmerkte. Die zornige Antwort des Mannes, erfreute ihn nicht unbedingt. Immerhin kümmerte er sich um den Kameraden des Kerls. Und es war auch nicht seine Schuld, dass er angeschossen worden war, sondern die, dieser beiden kaltblütigen Bastarde, die für ein paar Pfund Sterling einen Menschen umbrachten.
Zumindest hatten sie es versucht. Und wahrscheinlich war es nicht das erste Mal. Auch wenn die Beiden wie Kleinganoven wirkten- man hätte sie nicht angeheuert, wenn sie keine Erfahrung gehabt hätten. Zumindest vermutete er das. Er ging davon aus, dass ein Gegenspieler Norlys sich durchaus Fachmänner leisten konnte.
Aber warum so? Warum wurden Attentäter entsendet, wenn man ihn auch einfach der Polizei ausliefern könnte? Vielleicht weil dieser Auftraggeber selbst seine Hände schmutzig gemacht hatte? Nur eine von vielen undurchsichtigen Angelegenheiten. Hoffentlich würde die Befragung, ein paar Einsichten in dieses wirre Puzzle geben.
Er humpelte kommentarlos an Norlys Seite, um neugierig zu begutachten, was dieser aus Rakers Börse ans Tageslicht förderte. Dann kam der Kommentar von Mr.Wright.
Die grauen Augen des Doktors wandten sich sofort in seine Richtung und funkelten ihn misstrauisch an. Wie er doch alles so genau wusste…dieser Mann war erstaunlich informiert. Fast schon zu informiert für Randolphs Geschmack. Nicht nur, dass er den genannten Ort sofort identifizieren konnte, nein, sofort sprach er eine Verbindung zur Mordserie an. Und dabei, war ihnen der Kerl doch nur zufällig begegnet. Den Namen merkte sich Randolph jedoch trotzdem. Charles Cook, Ingenieur. War er ein willkürliches Opfer, oder hatte es bei ihm eine Mordabsicht gegeben, wie man es auch bei Mr.Mauney vermuten konnte?
Drake hatte angegeben, dass eine Verbindung zwischen dem Geschäftsmann und Norly vorgeherrscht hatte. War das bei Cook auch der Fall? Charles reagierte auf jeden Fall ziemlich harsch auf Mr.Wrights Worte. Das konnte ein Indiz sein. Randolph sollte mit ihm darüber sprechen. Vor allem über den Fall Mauney. Charles war ein Geheimniskrämer und schien nicht gern seine Gedanken und sein Wissen preisgeben zu wollen, auch wenn er sonst zur Geschwätzigkeit neigte. Es war an der Zeit, ihn auf den Zahn zu füllen.
Denn Randolph war bereits tief genug in diese Angelegenheit verstrickt. Er brauchte seine Informationen jetzt- und nicht, wenn es bereits zu spät war. Dabei musste er auch wieder an Mr. C denken. Mittlerweile nannte er ihn tatsächlich schon so und nicht Jack Crowne. Ihm gefiel ihm dieser geheimnistuerische Spitzname nicht mal sonderlich, aber egal. Wie auch immer: Crownes Thesen hörten sich für ihn nicht so glaubwürdig an. Er glaubte nicht an Hintermänner von Norly oder das dieser für die Morde verantwortlich war. Letzteres hielt er gerade nach dem Mord an den Mauneys für ausgeschlossen. Aber dennoch taten sich viele Fragen auf. Stimmte diese Sache mit den Bombenexperimenten? Wollte Norly wirklich London den Untergang weihen, in dem er eine blutige Revolution anzettelte? So sehr, er diesem Mann auch zur Gerechtigkeit verhelfen wollte, das war nicht in seinem Sinne.
Eine Revolution würde die Dinge nur noch schlimmer machen. Randolph war in dieser Hinsicht Realist. Er würde versuchen, etwas herauszufinden, wenn diese Befragung hier vorbei war und sich ein günstiger Augenblick auftat. Und wenn ihn die Antworten nicht befriedigen würden, würde er eigene Nachforschungen anstellen, ob es Norly passte oder nicht.
Es mochte ein Risiko sein. Ein noch höheres Risiko, wegen seines Beines. Aber er musste wissen, dass er auf der richtigen Seite stand. Er musste wissen, wohin all dies führen würde. Denn er hatte nicht vor, am Ende als eine Schachfigur dazustehen, die zum Niedergang Londons beigetragen hat.

Als Charles den Zettel entfaltete, gelang es ihm einen kurzen Blick darauf zu werfen, bevor Norly ihn hastig wieder verstaute. Er legte ihn in sein Notizbuch, dass er schon ein oder zweimal erblickt hatte. Auf dem Schriftstück waren Adressen hingekritzelt gewesen. Auf die Schnelle hatte der Doktor nichts identifizieren können, doch zusammen mit Charles Worten, ließ die Situation nur eine Schlussfolgerung zu: Die beiden Kerle hatten dokumentiert, wo Norly überall herumgeschlichen war. Eigentlich wäre es mal interessant, dass zu überprüfen. Mr.C. hatte erwähnt, dass Norly seine Experimente in verlassenen Lagerhäusern durchgeführt habe. Vielleicht fand sich auch darauf ein Hinweis auf dem Papier.
Jedenfalls trug der Zettel wohl noch mehr zur Verwirrung bei. Wenn die Beiden nur Spione waren, warum waren sie dann plötzlich gewalttätig geworden? Hatte es dazu einen speziellen Anlass gegeben?
Der Doktor humpelte wieder zu seinem Verletzten hinüber. Er würde ab jetzt aufmerksam der Befragung lauschen. Die ganze Sache war sehr interessant. Er selbst würde jedoch vorerst keine Fragen stellen. Norly war bereits in der Vergangenheit ausfallend geworden, wenn man ihm ins Werk pfuschte. Außerdem war er im Moment wohl einschüchternder als Randolph, auch wenn sich der Doktor sicher war, dass er sehr einschüchternd sein könnte, indem er dem Mann sein Skalpellsortiment präsentierte.
Er ließ sich wieder auf dem dreckigen, kalten Boden nieder und versuchte sein geschundenes Bein möglichst wenig zu bewegen.
„Hier bin ich wieder“, redete er auf Donald ein. Er hoffte, dass der Bursche mit der Zeit etwas Vertrauen zu ihm gewann. „Kann ich dir irgendwie helfen? Möchtest du über irgendetwas reden?“
Natürlich war es naiv zu glauben, sein Patient würde nun alles ausplaudern. Allerdings war sein Gesundheitszustand stark angeschlagen. Er wusste vermutlich gar nicht mehr genau, was passiert war und was gerade eben geschah, überstieg wohl auch seinen Geist. Vielleicht würde er reden und dabei irgendetwas preisgeben.
Randolph sah zu Charles hinüber, der bedrohlich auf Raker zumarschiert war und nun Antworten forderte. Vielleicht war das der richtige Weg. Allerdings beäugte er Norly argwöhnisch. Er wirkte tatsächlich zornig. Er würde doch nicht wirklich abdrücken, oder? Mach jetzt keinen Scheiß‘, Charley…
Aber der Verletzte schien auf jeden Fall schon mal eingeschüchtert. Das war gut.
Gib ihm seine Antworten, Billy.
Randolph glaubte zwar nicht, dass Norly wirklich abdrücken würde, aber im Moment war sicher nicht mit ihm zu spaßen. Außerdem interessierte es ihn genauso, wer hinter diesen beiden Gesellen steckte.
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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Leo am Sa März 07 2015, 19:03

Jetzt reicht es aber, Norly!
Maura war aufgesprungen, während sie sich die verzweifelte Frage stellte, was zur Hölle sie da tat. Vermutlich ihr Todesurteil unterschreiben, doch das war ihr egal. Sie hatte die Nase voll davon, nur dumm herumzusitzen und nichts anderes zu tun, als sich über die Waffen der Fremden Gedanken zu machen. Der Kampf, der noch bis kurz vor dem Aufspringen in ihr getobt hatte, war eigentlich von vornherein entschieden gewesen.
Und jetzt meinte Norly (hatte sie ihn gerade tatsächlich noch für sympathisch gehalten?) auch noch, sich mit seiner Kanone aufspielen zu müssen, die er ohnehin nicht verwenden würde? Maura war sich sicher, dass er bluffte. Und auch, wenn sie genauso wenig Zuneigung zum ‚impertinenten Schandmaul‘ Billy Raker verspürte, hatte sie doch das Bedürfnis, endlich einzuschreiten. Nicht um seinetwillen, sondern einfach, um in dieser vermaledeiten Situation wieder das Heft in der Hand zu haben und nicht passiv daneben sitzen zu müssen. Natürlich brachte sie sich damit in Gefahr, aber das war im Moment das letzte, was sie scherte.
Nun lassen Sie schon dieses Schmierentheater sein, das ist ja nicht zum Aushalten! Stecken Sie die Waffe weg und benehmen Sie sich wie ein vernünftiger Mensch!“ Maura atmete durch. Sie musste mehr aufpassen. Egal, wie sie sich geben mochte, sie war immer noch die Unterlegene, und es würde schwer sein, diesen Menschen das Gegenteil vorzugaukeln, dazu gefielen sie sich zu sehr in ihrer Rolle. Wenn sie es sich jetzt verscherzte, war es vorbei – der Finger des Iren hinter ihr saß vermutlich lockerer am Abzug als Norlys.
Nein. Hör auf, dir diesen Unsinn einzureden. Zweifel machen es nicht besser.
Der ausgeweidete Freund. Das war der Punkt, an dem sie angreifen musste. Norlys Schwachstelle.
Sind wir hier denn im Mittelalter? Wo die Leute für Freunde und Verwandte Blutrache nehmen müssen, Auge um Auge?“ Ihre Stimme war nicht laut, nur ein wenig erhoben, doch sie merkte, wie sie sich in Rage redete. Nicht gut.
Es hilft ihrem toten Freund nicht im Mindesten, wenn Sie seinen Mörder erschießen, das wissen Sie so gut wie ich, Norly. Also sichern Sie diesen dummen Revolver wieder und verhalten Sie sich wie ein zivilisierter Mann. Dieser Abschaum“, sie sah verächtlich zu Billy hinunter, „ist der Kugel ohnehin nicht wert.Und sein Blut versaut nur ihren teuren Anzug.
Dass sie sich so hart über Billy äußerte, war im Grunde ihrerseits ein Bluff. Natürlich mochte sie den jungen Mann nicht sonderlich, aber gespielte Verachtung sorgte vielleicht dafür, dass diese Leute endlich den Gedanken vergaßen, sie könnte mit den beiden Möchtegern-Schurken zusammenarbeiten. Sie schätzte Norly intelligent genug ein, dass er ihr nicht sofort glaubte, aber beim Überzeugen musste man hartnäckig bleiben. Das hier war nur ein erster Schritt.

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Re: Götterblut - Kapitel 4: Jäger und Gejagte

Beitrag von Elli am Mo März 09 2015, 11:03

Die Beleidigung die der Ire für sie übrig hatte, prallte an Melinda ab. Was interessierte es sie schon, was ein Ire zu sagen hatte?
Erfreut stellte sie fest, das Charles ihren Blick suchte und zuckte mit der Augenbraue. Eben noch war sie, zugegebnermaßen, nicht besonders gut auf ihn zu sprechen gewesen, doch nun war sie recht schnell wieder versöhnt. Nur durch einen Blick.
Hör' mit dieser Gefühlsduselei auf! Ist ja ekelhaft!
Ohne weiter in Aktion zu treten, verfolgte sie nun was geschah, ebenso das was Charles und sein Freund sagten, ebenso die Weiterbehandlung durch Randy. Als sie ihn dort als Arzt werkeln sah, wurde ihr ein wenig warm ums Herz. Damals als der Doc noch nicht so kalt gewesen war, wie er es heute schien, hatte sie so oft dieses Bild vor Augen gehabt. Die fachmännische Behandlung einer Verletzung und selbst bei diesem Patienten, merkte man das Randy wusste was er tat. Er behandelte das Opfer eben nicht nur als Opfer oder Attentäter, sondern als verletzte Person, die Hilfe brauchte. Dennoch schwang in ihr mit, dass er vielleicht nie wieder derselbe sein würde...wenn doch bloß Lynett...
Just in diesem Moment wurde das Verhör das Charles hielt, jäh unterbrochen. Von niemand geringerem als Maura.
Zorn stieg in Melinda auf. Niemand sollte Norly unterbrechen, wenn er dabei war Informationen zu sammeln. Am liebsten hätte sie der Alten eine geklebt. Doch noch konnte sie sich zurückhalten - jedenfalls was körperliche Tätigkeiten betraf.
"Schnauze! Hat deine Mami dir nicht beigebracht, dass man die Klappe zu halten hat, wenn sich gerade jemand unterhält?" fragte sie mit vor Wut funkelnden Augen in die Richtung des Störenfriedes.

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