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Die Federwelt Chronik

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Beitrag von Umbra am Mo Sep 10 2012, 17:18

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.

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Beitrag von Darnamur am Mo Sep 10 2012, 18:29

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.
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Beitrag von Druzil am Mo Sep 10 2012, 19:25

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten

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Beitrag von Darnamur am Mo Sep 10 2012, 19:30

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten.
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Die Federwelt Chronik - Seite 2 Empty Re: Die Federwelt Chronik

Beitrag von Druzil am Mo Sep 10 2012, 19:49

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach.

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Beitrag von Darnamur am Mo Sep 10 2012, 20:37

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte.
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Beitrag von Umbra am Di Sep 11 2012, 16:06

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
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Beitrag von Druzil am Mi Sep 12 2012, 19:23

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
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Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
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Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte.

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Beitrag von Darnamur am Mi Sep 12 2012, 20:14

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen.
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Beitrag von Druzil am Mi Sep 12 2012, 20:38

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.

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Beitrag von Umbra am Fr Sep 14 2012, 17:00

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
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Die Federwelt Chronik - Seite 2 Empty Re: Die Federwelt Chronik

Beitrag von Druzil am So Sep 16 2012, 18:26

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte.

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Beitrag von Darnamur am Mo Sep 17 2012, 18:07

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.
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Beitrag von Umbra am Mi Sep 19 2012, 19:24

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit.

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Beitrag von Druzil am Do Sep 20 2012, 09:51

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.

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Beitrag von Elli am So Sep 23 2012, 16:28

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.

Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".

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Beitrag von Umbra am Mo Sep 24 2012, 18:13

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.

Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.

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Beitrag von Druzil am Mo Okt 22 2012, 20:36

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.

Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.

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Beitrag von Umbra am Sa Okt 27 2012, 11:22

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.

Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."

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Beitrag von Darnamur am So Jan 20 2013, 20:49

Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter Menschen den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.

Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."
"Dann lasst uns hoffen, das diese Kreatur unwissend und nicht böse ist!", sagte Sunai leise zu ihrem Freund und Gefährten- denn sie beide sahen das seltsam wirkende Geschöpf, das sich seinen Weg in ihre Richtung bahnte.
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Beitrag von Umbra am Mi Jan 23 2013, 17:54

(Ich packe das jetzt mal den "ersten Teil" in einen Spoiler, damit man nicht so viel scrollen muss. Wink)
Spoiler:
Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter Menschen den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.
Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."
"Dann lasst uns hoffen, das diese Kreatur unwissend und nicht böse ist!", sagte Sunai leise zu ihrem Freund und Gefährten- denn sie beide sahen das seltsam wirkende Geschöpf, das sich seinen Weg in ihre Richtung bahnte. Es war ein schlangenartiges Wesen, zumindest schien es im ersten Moment so, bevor es näher kam und zu erkennen war, dass es mit trägen Schritten von krallenbewehrten Pranken die vom Wind aufgehäuften Ascheansammlungen aufwirbelte.

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Beitrag von Darnamur am So Feb 10 2013, 21:01


Spoiler:
Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter Menschen den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.
Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."
"Dann lasst uns hoffen, das diese Kreatur unwissend und nicht böse ist!", sagte Sunai leise zu ihrem Freund und Gefährten- denn sie beide sahen das seltsam wirkende Geschöpf, das sich seinen Weg in ihre Richtung bahnte. Es war ein schlangenartiges Wesen, zumindest schien es im ersten Moment so, bevor es näher kam und zu erkennen war, dass es mit trägen Schritten von krallenbewehrten Pranken die vom Wind aufgehäuften Ascheansammlungen aufwirbelte. Das Wesen trabte auf sie zu- aus trüben, hellblauen Augen unverwandt in die Ferne starrend und blieb dann wenige Schritte vor ihnen stehen, sodass Sunai einen genaueren Blick auf es werfen konnte.
Darnamur
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Beitrag von Umbra am Fr Feb 15 2013, 18:40

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Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter Menschen den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.
Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."
"Dann lasst uns hoffen, das diese Kreatur unwissend und nicht böse ist!", sagte Sunai leise zu ihrem Freund und Gefährten- denn sie beide sahen das seltsam wirkende Geschöpf, das sich seinen Weg in ihre Richtung bahnte. Es war ein schlangenartiges Wesen, zumindest schien es im ersten Moment so, bevor es näher kam und zu erkennen war, dass es mit trägen Schritten von krallenbewehrten Pranken die vom Wind aufgehäuften Ascheansammlungen aufwirbelte. Das Wesen trabte auf sie zu- aus trüben, hellblauen Augen unverwandt in die Ferne starrend und blieb dann wenige Schritte vor ihnen stehen, sodass Sunai einen genaueren Blick auf es werfen konnte. Man hätte es wirklich für eine Echse halten können, wenn es neben dem Züngeln und den krallenbewehrten Klauen nicht über und über mit Federn bedeckt gewesen wäre, die so grau wie die Asche waren, die sich vereinzelt wie Schneeflocken auf den Flaum und die Fiedern des Wesens gelegt hatte.

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Die Federwelt Chronik - Seite 2 Empty Re: Die Federwelt Chronik

Beitrag von Darnamur am Sa Feb 16 2013, 21:51

Spoiler:
Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter Menschen den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.
Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."
"Dann lasst uns hoffen, das diese Kreatur unwissend und nicht böse ist!", sagte Sunai leise zu ihrem Freund und Gefährten- denn sie beide sahen das seltsam wirkende Geschöpf, das sich seinen Weg in ihre Richtung bahnte. Es war ein schlangenartiges Wesen, zumindest schien es im ersten Moment so, bevor es näher kam und zu erkennen war, dass es mit trägen Schritten von krallenbewehrten Pranken die vom Wind aufgehäuften Ascheansammlungen aufwirbelte. Das Wesen trabte auf sie zu- aus trüben, hellblauen Augen unverwandt in die Ferne starrend und blieb dann wenige Schritte vor ihnen stehen, sodass Sunai einen genaueren Blick auf es werfen konnte. Man hätte es wirklich für eine Echse halten können, wenn es neben dem Züngeln und den krallenbewehrten Klauen nicht über und über mit Federn bedeckt gewesen wäre, die so grau wie die Asche waren, die sich vereinzelt wie Schneeflocken auf den Flaum und die Fiedern des Wesens gelegt hatte. Narosh fuhr sich mit dem Gefieder über seinen Hals und räusperte sich: "Seid gegrüßt, Wanderer! Ich bin Narosh, der Schamane und dies ist meine Gefährtin Sunai. Gesselt euch doch zu uns und berichtet, was euch in diese unwirtliche Gegend treibt."
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Beitrag von Azrael am Do Feb 06 2014, 11:58

Spoiler:
Das Tal zu ihren Füssen, sah anders aus als erwartet und wie um sich zu beruhigen strich sie über jenen Gegenstand in ihrer Hand, der sanft glomm und ihrem treuen Gefährten stets einen misstrauischen Blick und ein Geräusch entlockte, das sie noch immer nicht ganz zu deuten vermochte.
Die Federn, die aus dem verdorbenem, dunklen Boden sprossen waren nicht wie gewöhnlich weiß, sondern schwarz wie von einer finsteren Tinte durchtränkt und bei jedem Schritt den sie machte zerbarsten sie klirrend wie brechendes Glas.
Allein die Sonne, hoch und strahlend am Himmel, tauchte alles, selbst die kantigen, fast schon wie Zacken einer Säge anmutenden Bergrücken am Horizont, in ein warmes Licht, das unter diesen Umständen wie beißender Spott wirkte, legte dieses sich doch schon beinahe sanft und friedlich auf die Asche von kaum verglühtem, todbringendem Feuer.
Mit einem fragenden Blick wandte sich Sunai an ihren eigentümlichen Begleiter, der jedoch mit einem krächzenden Laut andeutete, das auch er selbst nicht wusste, welche Verheerung an diesem Schauplatz stattgefunden hatte, die den Schleiher des Todes über das gesamte Tal gesenkt hatte- fest stand das dies zumindest der Ort war, den die Meisterin ihnen beschrieben hatte.
Wer hätte ahnen können, dass der Auftrag, der sich erst so nett und einfach angehört hatte, zu so etwas werden würde?
Sunai hockte sich hin, um in sich in Ruhe ein Bild zu machen zu können, aber auch weil sie der Anblick, der sich ihr bot, überwältigte, und stützte sich dabei mit dem rechten Unterarm auf ihrem Knie ab, während sie in ihrer linken Hand zusehends nervöser den kastaniengroßen, mysteriös leuchtenden Stein knetete, den die Meisterin ihr mit den nicht viel sagenden Worten "Das hier wird euch den Weg weisen." gegeben hatte. Tatsächlich hatte sich erwiesen, das der Stein an Helligkeit zunahm, je weiter sie sich dieser unwirtlichen Gegend genähert hatten. Ein Seufzen erfuhr ihr, als sie den Blick in die Ferne schweifen ließ, weit im Norden sollte es sein, das 'Ziel', nähere Informationen hatte sie der Meisterin nicht entlocken können.
Nun da sie angekommen waren, hieß es wohl warten- es dauerte nicht lange bis Narosh noch verwertbares Brennholz zusammengetragen hatte und es in der Art und Weise, wie es seinem Volk zueigen war entzündete. Während die ersten zarten Flammen knisternd aus dem aufgeschichteten Holz krochen, warf Sunai einen gedankenverlorenen Blick zum Himmel, wo in einigen Stunden die Sternenbilder des Phoenix und von Ktharkrath, der jenseitssehenden Krähe, aufleuchten würden.
Narosh setzte sich neben sie, als er befand, dass das Feuer auch ohne seine Zuwendung weiterbrennen würde, und strich sich mit seiner Hand gedankenversunken durch den weichen Flaum an seinem Kinn - kein Bart in dem Sinne, sondern beige-braunes Daunengefieder, das fast seinen komplettem Körper einhüllte und nur in seinem menschlich wirkenden Gesicht und auf den Handflächen blanker Haut, sowie auf seinem Rücken und seinem Kopf dunkelbraunen Federn mit schwarzen Spitzen wich.
Sunai ahnte, dass es einem Frevel gleichkam, ein wärmendes Feuer an jenem Ort zu entzünden, der erst vor kurzem von einem flammenden Inferno heimgesucht worden sein musste und traurig berührte sie eine der Federn, die ausgetrocknet und schwarz aus dem Boden ragte.
"Wir sind hier oben ziemlich ungeschützt", gab Narosh schließlich mit seiner rauen, krächzenden Stimme zu bedenken, nachdem er das verbrannte, vom Leben leergefegte Tal zu ihren Füßen noch einmal mit sorgsamer Aufmerksamkeit gemustert hatte, und suchte dabei mit seinem gelben, raubvogelartigen Augen Blickkontakt zu seiner Begleiterin.
Nachdenklich begegnete sie seinem Blick, während sie in ihrer Hand eine der Federn zerrieb, feine Splitter die ihre Haut leicht anritzen, ließen sie wissen, dass sie nicht schlecht träumte, sondern sich in der Wirklichkeit befand "Was gedenkst du dagegen zu tun?"
Narosh zuckte mit den Schultern: "Wachsam sein, viel mehr kann auch ich nicht tun"

Eláya sass mit gekreuzten Beinen auf dem hellen Steinboden, den das Muster des Ewigen Federflugs zierte, und zwang ihre Atmung zur Ruhe, als ihr Zwillingsstein zu leuchten begann, wie auch der ihrer Schülerin es zu dieser Stunde tun musste. Sie war eine hochgewachsene Frau mit wallendem, schwarzen Haar, dunklen Augen und bleicher Haut, welche mit gewundenen Symbolen verziert war, die sie sich selbst mit nachtschwarzer und blutroter Tinte aufgetragen hatte. Sie hatte Sunai in die Weite geschickt, nach Norden, wo das Leben karg und die zerklüfteten Berge hoch waren, wo Wind- und Eisgeister wispernd und grollend in den Lüften lauerten. Sie hatte keine andere Wahl gehabt- sie selbst konnte nicht gehen: Slamon hätte sie unweigerlich in tausend Stücke gerissen! Der grimmig wirkende, aber unter seiner harten Schale herzensgute Bär von einem Mann brauchte Eláya in diesen Tagen, in denen Missgunst und Streit den Rat Der Tausend Stimmen in viele verfeindete Lager gespalten hatte, mehr denn je an seiner Seite, das wusste sie - denn ohne ihre Unterstützung würde er dem Druck nicht mehr lange standhalten und ihre Abwesenheit hätte ebenso für Hoffnungslosigkeit unter ihren Verbündeten gesorgt wie für größere Verachtung unter ihren Feinden, die sie sicherlich für respektlos gehalten hätten, wenn sie ihre Pflichten dem Rat gegenüber versäumt hätte. So hatte sie Sunai ihre Schülerin, zusammen mit einem kampferprobten Schamanen der Holokha, entsandt- diesen beiden gegenüber würde sich Slamon sicherlich weniger abgeneigt zeigen und ihre Unterstützung annehmen. Noch bangte Eláya ein bisschen vor dem Moment, in dem sie ihm gestehen musste, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt und überhaupt etwas unternommen hatte. Doch nun plagten Eláya erst einmal andere Sorgen: Sie hatten sie heute morgen erreicht, getragen auf den weißen Schwingen eines Schneeraben. Das Bruchstück von Silberschwinge, jenem sanft geschwungenen Schwert aus alten Zeiten, als die Götter den Menschen für ihren Verrat noch nicht die Flügel genommen hatten, war aus der Höhle am Rande des Tals, mit Feuer und drydischer Magie, entwendet worden. Sie wusste nicht, wie das geschehen konnte- die Dryden hatten seit Jahrzehnten die Wüste der Nacht nicht mehr verlassen.
Dennoch, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann, muss es ein Dryde gewesen sein - was hat das nur zu bedeuten?, fragt sie sich, daran zweifelnd, dass die eigentlich schon frevelhafte Entwendung dieses heiligen Artefakts ein gutes Zeichen war.
Deshalb hatte sie sich entschlossen noch heute im Raum der Weitsicht das Ritual zu vollziehen.

Die Kammer war stockfinster und schärfte Eláyas übrigen Sinne für den weichen Boden, die muffig-heimelige Luft und jenes Flüstern der Steine, welches denen erklang, die auf den Flügelschlag der Welt zu hören vermochten. Dann ließ sie selbst ihren Geist aus dem Körper gleiten und in den Raum fahren: Sie konzentrierte sich solange auf jedes einzelne Glied, bis ihr Leib stocktaub war und wie ein Maschine weiterarbeitete, dann erst streifte sie ihre Hülle ab, auf der die aufgepinselten Runen nun in mattem Schimmer zu glühen begonnen hatten. Eláya entschwebte ihrem Körper, liess ihre körperliche Hülle zurück und wandelte ihren Geist in jene Form, die ihrem wahren Selbst entsprach. Der Raum um sie herum füllte sich mit roten und schwarzen Schemen, die sie in wildem Reigen zu umtanzen begangen, die Luft verdichtete sich und dann sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Nebeln zu lösen begann und sich ihr näherte. Sanft und anmutig und zugleich lautlos wie ein Schatten, kam die Gestalt auf sie zu, deren Umrisse dabei immer konkreter wurden.
Ein Mensch mit Schwingen, so kraftvoll und anmutig, wie sie ein jeder vor drei Generationen besessen hatte und Eláya spürte das Fehlen der Flügel an ihrem eigenen Körper, schmerzlich und verlustvoll, obwohl er meilenweit weg erschien - in der Sphäre der matierellen Realität und sie nie eigene Schwingen zwischen ihren Schulterblättern hatte. Das Gesicht des Geflügelten glich dem eines Raubvogels: Scharf zugeschnittene Gesichtszüge, eine Hakennase und harte Onyxaugen. Die Worte ihres Gegenübers drangen weniger an ihr Ohr, als vielmehr in ihren Geist - webten dort Bilder, mal verschwommen und diffus, mal klar skizziert und messerscharf, doch ihnen allen war etwas gemein.
Die Dryden, ein echsenartiges, aber dennoch humanoides Volk, das teils feste Wohnsitze hatte, aber auch als Nomaden zu leben pflegte, hatten sich aufgemacht, um ihre sandige Heimat hinter sich zu lassen - und der Grund dafür, den der Geflügelte Eláya ebenfalls offenbarte, war mehr als nur erschreckend.
Er nannte sich in ihrer eigenen, trocken gezischelten Sprache, "Szaar-Psizacc", der "Tag Hundert Jahre nach dem Fall der Flügel" und war eine unselige Prophezeiung, derer kantigen Schrift zufolge das Schuppenvolk der Wüste seine dürre Heimat verlassen und die Vorherrschaft der einstigen Flügelträger, mit Speer und Spitzdorn, brechen sollte. Erstarrt beobachtete sie, wie in der Vision die Dryden zu Ehren ihrer über zwölftausend Götter Menschen den Flammen vorwarfen.

Sunai saß nachdenklich am Lagerfeuer, das Narosh entfacht hatte, und betrachtete den gefiederten Schamanen unbewusst schon seit einiger Zeit - dieser hatte den Boden, auf dem er nun lag und von dort aus den sternenbehangenen Himmel anstarrte, zuvor mit seinen Stiefeln von den spitzkantigen, verdorbenen Federn befreit. Sie würden die ersten Strahlen der sanften Morgensonne abwarten müssen, die junge Stunde des neuen Tages, an dem das Licht das Bruchstück von Silberschwinge berührt und ein kurzes Gleissen die Höhle und den Weg in die heilige Kammer verrät.
Als er Morgen sanft graute, wurde Sunai bewußt, dass sie nicht geschalfen hatte, das brauchte sie auch nicht, sie hatte die meiste Zeit damit verbracht in das langsam herunterbrennende Feuer zu starren und stumm darum zu trauern, was aus dem einst so schönen Land geworden war, "Wir sollten weiterziehen Narosh".
Sie wusste nicht, ob er geschlafen hatte, das wusste sie selten genau zu sagen, denn auch jetzt schien er nur gedöst zu haben, da er sofort die Augen aufschlug und sich aufsetzte, als er ihre Stimme vernahm, und leise und knapp "Ja" antwortete.
Ihr Weg in das Tal hatte etwas von einer gespenstischen Reise, brach doch bei dem Schritt das verkohlte Glas in die drückende Stille und warf verzerrte Echos, die an schrille Schmerzensschreie erinnerten, aus dem Talkessel.
"Dieser Ort hier ist verflucht", gab Narosh zu bedenken, während der gefiederte Schamane mit sicheren Schritten voranging und währenddessen mit unruhigen Augen aufmerksam die Umgebung überwachte, als würde er unbekannte Gefahr erwarten, "Nur böse oder unwissende Kreaturen würden hier verweilen."
"Dann lasst uns hoffen, das diese Kreatur unwissend und nicht böse ist!", sagte Sunai leise zu ihrem Freund und Gefährten- denn sie beide sahen das seltsam wirkende Geschöpf, das sich seinen Weg in ihre Richtung bahnte. Es war ein schlangenartiges Wesen, zumindest schien es im ersten Moment so, bevor es näher kam und zu erkennen war, dass es mit trägen Schritten von krallenbewehrten Pranken die vom Wind aufgehäuften Ascheansammlungen aufwirbelte. Das Wesen trabte auf sie zu- aus trüben, hellblauen Augen unverwandt in die Ferne starrend und blieb dann wenige Schritte vor ihnen stehen, sodass Sunai einen genaueren Blick auf es werfen konnte. Man hätte es wirklich für eine Echse halten können, wenn es neben dem Züngeln und den krallenbewehrten Klauen nicht über und über mit Federn bedeckt gewesen wäre, die so grau wie die Asche waren, die sich vereinzelt wie Schneeflocken auf den Flaum und die Fiedern des Wesens gelegt hatte. Narosh fuhr sich mit dem Gefieder über seinen Hals und räusperte sich: "Seid gegrüßt, Wanderer! Ich bin Narosh, der Schamane und dies ist meine Gefährtin Sunai. Gesselt euch doch zu uns und berichtet, was euch in diese unwirtliche Gegend treibt."
Die unwirklich blauen Augen des echsenartigen Geschöpfes huschten zwischen den beiden Gestalten hin und her, während es mit bedachten Schritten langsam näher kam und seine seltsam schnarrende Stimme ein heiseres "Der Tod..." von sich gab.
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