Sitemap


-
 
 - http://federwelten-forum.forumieren.com/ 2012-07-31T20:49:50+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/faq 2012-07-31T20:49:51+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/groups 2012-07-31T20:49:51+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/search 2012-07-31T20:49:51+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f1-die-forenregeln 2012-07-31T20:49:52+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/t1-forenregeln 2012-07-31T20:49:53+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f6-anschlagtafel 2012-07-31T20:49:53+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/t4-namensanderungen 2012-07-31T20:49:54+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f3-fragen-antworten 2012-07-31T20:49:54+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f4-federwelten-cafe 2012-07-31T20:49:54+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f11-eigene-werke 2012-07-31T20:49:54+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f12-kreativwerkstatt 2012-07-31T20:49:55+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f10-rollenspiel-organisation 2012-07-31T20:49:55+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/t2-kurze-information-fur-angehende-spielleiter-innen 2012-07-31T20:49:55+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f9-stammtisch 2012-07-31T20:49:56+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f8-spielecke 2012-07-31T20:49:56+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/f5-archive 2012-07-31T20:49:56+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/g2-moderatoren 2012-07-31T20:49:57+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/search?search_id=activetopics 2012-07-31T20:49:58+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/memberlist?mode=today_posters 2012-07-31T20:49:58+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/memberlist?mode=overall_posters 2012-07-31T20:49:58+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/?mode=delete_cookies 2012-07-31T20:49:58+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/g1-admins 2012-07-31T20:49:59+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/faq?dhtml=no 2012-07-31T20:49:59+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/c1-eingangshalle 2012-07-31T20:50:00+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/t3-benutzerrange 2012-07-31T20:50:01+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/c5-kunstlerstube 2012-07-31T20:50:02+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/c4-rollenspiele 2012-07-31T20:50:02+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/c3-taverne 2012-07-31T20:50:03+00:00 always - http://federwelten-forum.forumieren.com/c2-hinter-den-kulissen 2012-07-31T20:50:03+00:00 always


DidS - Teil I: Grabschändung

Seite 6 von 15 Zurück  1 ... 5, 6, 7 ... 10 ... 15  Weiter

Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Darnamur am Sa Sep 27 2014, 23:03

Freudig, aber darauf achtend, dass es nicht zu hastig und gierig wirkte streckte Umberto seine Hand nach dem Manuskript aus. Als er das Schriftstück an sich nahm, ließ er dabei- wie zufällig seine Finger über die weiche Hand der Magd streichen.
„Francesca…ein schöner Name“, meinte er, wie beiläufig, während er sich langsam und sorgfältig daran machte, das Papier zu entrollen. „Die kleine Französin…vielleicht ein bisschen unpassend für eine Italienerin. Wobei, vielleicht passt der Name doch: Ich habe gehört, dass französische Frauen sehr schön sein sollen. In dem Fall machst du deinem Namen alle Ehre.“
Er blickte nochmal kurz zu ihr auf, ehe er mit seiner Lektüre begann: „Und keine Sorge: Der Pater wird hoffentlich bald wieder gesund und munter sein. Er wird gerade bestens versorgt.“ Von den Dienern eines Mannes, der wohl vor allem als Folterknecht bekannt ist. Ein wenig bitterer Speichel sammelte sich in Argentes Mund, während er darüber nachdachte. „Die Familie Bellini ist mir natürlich auch wohl bekannt. Wenn ich erwähne, dass die Nachricht von dort kommt, wird das sicher helfen gegebenenfalls eine schnelle Handlung einzuleiten“, klärte er Francesca auf.
Unterdessen hatten sich seine Augen auf den vorliegenden Text gerichtet und begannen darüber zu lesen, warum die Magd genau sich auf das Friedhofsgelände begeben hatte. Was betrübte wohl die arme Signorina Bellini?
Er runzelte die Stirn: Die Nachricht war ja mal alles andere als aussagekräftig. Diese Sarah bat lediglich darum, der Pater möge sie so schnell wie möglich aufsuchen, da in der Nacht etwas "Seltsames" vorgefallen sei. Damit ließ sich nicht so viel anfangen. Wenn er etwas Konkreteres wüsste. Wenn er wüsste, ob dies eine Spur war, die es wert war, verfolgt zu werden. Es gab ein Sprichwort, welches ziemlich gut auf diese Situation zutraf: Chi lascia la strada vecchia per la nuova, sa quel che lascia ma non quel che trova. -Wer die alte Straße für eine Neue verlässt, weiß, was er verlässt, aber nicht, was er findet. Hier am Friedhof gab es mit Sicherheit Dinge, denen er nachgehen konnte. Ob er dergleichen auch im Haus Bellini fand, war hingegen fragwürdig. Ein relativ hohes Risiko und eine unsichere Entlohnung.
Ihre Dienerin Francesca war noch da. Die Frage war, wie viel man der Magd anvertraut hatte? Er würde sich ein bisschen mit ihr befassen und dann entscheiden, wie er weiter vorzugehen hatte.
Er setzte eine neue Mine auf: Die "Trauriger-Onkel-Mine", wie es ihm sie zu bezeichnen beliebte. Es tut mir Leid mein Kind. Ich hätte dir gerne dein Spielzeug und dein Holzpferdchen gekauft, aber der Laden war schon zu. "Hmm...", brummte er und machte eine bedeutungsvolle Pause. Es sollte so wirken, dass er angestrengt nachdachte. "Das was hier steht  ist leider nicht sehr aussagekräftig, Francesca" Er blickte sie nun wieder direkt an. "Hier steht nur, dass irgendetwas Seltsames vorgefallen sei. Bezieht man die Tatsache mit ein, dass gerade großräumige Untersuchungen stattfinden- wahrscheinlich hast du ja bereits von den Ereignissen hier auf dem Friedhof gehört?- halte ich es leider für nicht sehr wahrscheinlich, dass deiner Herrin sofort Hilfe zuteil werden wird. Sie wird wohl eine Weile warten müssen, auch wenn ich ein gutes Wort für sie beim Kardinal (Inquisitor) einlegen werde. Es sei denn...hast du vielleicht selbst irgendetwas von diesen Ereignissen mitbekommen, die Signorina Bellini beschreibt? Mit mehr Informationen ließe sich eventuell etwas machen..."
avatar
Darnamur
Jünger des Pinguins

Männlich Anzahl der Beiträge : 3409
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 21
Laune : katastrophal destruktiv

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Angela Dragon am Mo Sep 29 2014, 14:52

Sarah spürte wie ihr Blut aus den Wangen wich. Immer noch jagte ihr die letzte Nacht große Angst ein. Allein das Gemälde zeigte welche Greul sie gesehen hatte. Zögerlich antwortete sie ihm.
"Ich habe Lärm in der Küche vernommen. Aber ich fürchtete mich davor nach dem Rechten zu sehen.
Dass sie es nur bis zur Hälfte der Treppe geschafft hatte, verschwieg sie. Auf der Unterlippe nagend, versuchte sie die aufkeimende Unruhe in ihr zu bekämpfen. Wie sollte sie ihm sagen, dass sie fürchtete ein Untier hierher geführt zu haben?
"Verzeiht, aber es klang als ob eine Bestie hier unten sein Unwesen triebe. Darum habe ich mich in meinem Zimmer eingeschlossen.
Ihre Hände fingen an zu Zittern. Immer noch fürchtete sie, dass noch einmal diese Kreatur erscheinen würde. Zu spät bemerkte Sarah, dass sie zu ihrem Zimmer blickte. Dort wo das Bild sie daran erinnerte was sie gesehen hatte. Vielleicht sollte sie es vernichten, ehe noch jemand es sah und etwas völlig Falsches daraus schloss.

Angela Dragon
Gastadmin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 309
Anmeldedatum : 02.01.14
Alter : 38

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Fade am Mo Sep 29 2014, 20:21

Der Inquisitor schien sich in keinster weise am Geruch oder dem Zustand der Leichenteile zu stören, jedoch zog sich beim betrachten der Wunden seine Stirn in Falten. Die Wundmale hätten von einem Raubtier stammen können, womöglich einem großen Hund, jedoch zeugten die Art der Zerlegung der Leiche von kräftig ausgeführten Hieben und dem alten Mann kamen andere Bilder in den Sinn. Die Fingerspitze des Inquisitors bohrte sich durch das offene Fleisch bis auf den Knochen des Schädels, als wolle er den Moment des Angriffs nachempfinden.

Das Böse pflegte vielerlei Gestalt anzunehmen, wenn es auf Erden wandelte. Allzuoft verbarg es sich hinter einem freundlichen Lächeln oder einem verlockenden Körper, doch gab es dazu auch Ausnahmen, welche, wenn auch heutzutage eigentlich selten, in vielerlei Zeichnungen und Fabel von der Geschichte aufbewahrt und als Mahnmal gehütet wurden.

Sorgfältig legte Cesare die einzelnen Stücke auf ein Tablett und ließ sie von einem Diener, nach kurzer Instruktion, zur weiteren Untersuchung in einen Gesonderten Raum bringen. Die Methoden wirkten inzwischen vielleicht veraltet, doch waren der Kirche ein paar Wahrheiten mehr vertraut, als sie in der Welt dort draußen unter zu vielen Mären und Fantastereien untergegangen waren.

Recht viel Aufwand wäre nötig gewesen, solche Spuren authentisch genug zu fälschen, um den Methoden der Kirche und dem erfahrenen Auge Cesares eine Finte zu schlagen. Gewalt, ja. Erhebliche Kraft war nötig gewesen, dass Opfer so brutal zu zerlegen und einmal mehr drängte sich Cesare das Priesters Aussage über seine Begegnung mit dem vermeintlichen Angreifer auf.
Während er seinen Mantel griff, welcher schwer und etwas starr im schwarzen und grauen Stoff erschien, rief Cesare sich abermals die Stimme und den Gesichtsausdruck des Paters in Erinnerung, als dieser vom Angreifer berichtete.
Nein, wie ein Lügner hatte er nicht gewirkt, auch war ihm eine so umfangreiche und ausgeklügelte Täuschung weder zuzutrauen, noch fand sich dafür ein geeignetes Motiv. Womöglich hatten ihn seine Sinne einen Streich gespielt, doch in jedem Fall hätte sich sein Widersacher nicht darüber sicher sein können, an wie viel er sich später erinnern konnte. Warum also war er so glimpflich davon gekommen, wenn man die offensichtliche Überlegenheit seines Gegners berücksichtigte?
Hatte dieser ihn weder als Gefahr noch als Beute betrachtet? Wenn dem so war, musste man von einem vornehmlich instinktgetriebenen Täter ausgehen.

Cesare ergriff seinen Stab, und warf einen nachdenklichen Blick auf das polierte Silber, in welchen er sein eigenes Gesicht verzerrt und verzogen erkennen konnte. Wenn es sich tatsächlich um eine Bestie handeln sollte, war es von höchster Dringlichkeit, Herkunft und Motiv festzustellen.

Am Ausgang fand er sich mit Adamo zusammen und beide schritten stumm und ihre eigenen Fragen vorantreibend Richtung Friedhof. Adamo war noch weit davon entfernt, die Bürde, welche das Amt bedeutete, in sein Herz zu lassen. Etwas in ihm wehrte sich noch verbittert dagegen, selbst wenn die Augen des Jungen schon mehr gesehen hatten, als irgendjemand in der Stadt außer dem Inquisitor selbst für möglich gehalten hätte.
Der Pater war noch immer die größte Hoffnung auf Erkenntnisse. Es gab einen Grund, warum er in seinem eigenen Bett erwachte, anstatt an dem Ort, an welchem er nach eigenen Angaben dem Angriff des Unbekannten unterlag. Es gab einen Grund, warum er kein Opfer geworden war. Das den Mann sein Glaube oder Kreuz geholfen haben mochte, kam für Cesare nicht in Frage. Ein Täter, welcher einen Gottesacker schändete, schreckte nicht vor den einfachen Symbolen des Christentums zurück. Es bestand eine Chance, dass die genauere Untersuchung der Leichenteile weitere Spuren zutage brachte, doch mehr versprach sich Cesare im Augenblick von seinen Leuten, welche angewiesen waren, die Wunden des Paters zu versorgen und ihn nicht aus den Augen zu lassen. Seine Gedanken wanderten weiter zu den beiden Kardinalsdienern. Bestenfalls hinderlich. Ein anderes Urteil fiel ihm zu den Zweien nicht ein. Die Halbherzigkeit des Einen und der Übereifer des Anderen würden schwerlich zu verwertbaren Spuren führen, doch würde es sicher Gelegenheit geben, die Beiden mit Aufgaben zu betreuen, welche sie seine Ermittlungen zumindest nicht weiter behindern ließe.

_________________
Es rankt sich eine Mär um Ranken, die am Meer sich mehren und dort auf blanken Plankton Planken Meerrettich verzehren.... - Fade
avatar
Fade

Männlich Anzahl der Beiträge : 1329
Anmeldedatum : 03.05.14

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Umbra am Fr Okt 03 2014, 21:11

Francesca lächelte als Antwort auf Umberto Argentes Schmeichelei verhalten. Es war ihr wohl etwas unangenehm. Hatte das Dienstmädchen erwartet, dass ihr Gegenüber einfach den Dienstboten spielen würde, so hatte sie sich wohl geirrt. Mit der Dreistigkeit des Kardinalsdieners, so unverhohlen die Nachricht zu lesen, die eigentlich für den Pater bestimmt war, hätte allerdings niemand rechnen können, der sich über Umbertos wurmige Seite nicht im Klaren war.
Francesca wirkte sehr verdattert, als Umberto nach seiner Lektüre wieder zu ihr aufsah und nachzuhaken begann.
„Ich kenne den Inhalt dieser Nachricht nicht, Herr“, antwortete sie dennoch in verunsichertem Ton. „Auch weiß ich nicht, von welchen Ereignissen auf dem Friedhof Ihr sprecht.“
Allerdings schien das, was Umberto geäußert hatte, Anlass genug für sie zu sein, weiterzureden. Sie wollte schließlich nicht verantwortlich dafür sein, dass ihre Herrin lange auf Hilfe warten musste.
„Allerdings kann ich mir denken, weswegen Signorina Bellini die Hilfe des Paters erbittet. Bestimmt erhofft sie sich Beistand für ihren Vater. Es gab in der letzten Nacht einen Einbruch im Haus meines Herrn. Er wurde verletzt und die Küche wurde komplett verwüstet. Signore Bellini wirkte bekümmert, war aber sehr schweigsam. Vielleicht hofft Signorina, dass er sich, wenn nicht schon ihr oder einem Arzt, Pater Girolamo anvertraut. Der Pater war schon immer ein gern gesehener Gast im Hause Bellini. Doch ich weiß nicht, warum genau Signorina die Hilfe des Paters erbittet. Bitte, Herr, werdet Ihr dafür sorgen, dass der Pater die  Nachricht erhält? Ich bete dafür, dass er schnell gesundet.“



Giovanni Bellini wirkte nicht überrascht zu hören, dass Sarah lieber in Sicherheit geblieben war, als nach dem Rechten zu sehen. Wahrscheinlich hatte sie Glück gehabt, weil sie vorsichtig geblieben war. Immerhin hätte ihr es so ergehen können wir ihrem  Vater – wenn ihr vielleicht nicht sogar Schlimmeres widerfahren wäre. Man konnte nicht wissen, welches Ende die Dinge genommen hätten, hätte sie den Mut aufgebracht, in die Küche zu spähen oder diese sogar zu betreten.
Von der Kreatur auf dem Friedhof hatte sie zwar nicht viel gesehen – eigentlich nur die schwarzen, lauernden Augen –, aber wenn man die Zerstörung betrachtete, die es über das Heim der Bellinis gebracht hatte (sollte es wirklich diese Bestie sein, die hier für ein solches Chaos gesorgt hatte), musste sie über enorme Kraft verfügen und war möglicherweise recht instinktgesteuert. Zwar waren viele Lebensmittel überall in Küche und Speisekammer verteilt, jedoch schienen es eher Überreste zu sein, die liegengeblieben waren. Der Rest war verschwunden.
Sarah versuchte wahrscheinlich, ihren Vater aus der Reserve zu locken, indem sie das Wort „Bestie“ in den Mund nahm, doch erstaunlicherweise schien ihn diese Wortwahl nicht sonderlich zu berühren oder zu verschrecken. Allerdings kannte Sarah ihren Vater gut genug, um zu wissen, dass er sich nicht immer anmerken ließ, was in ihm vor sich ging.
„Es war richtig, dass du dich in Sicherheit gebracht hast. Ich bin froh, dass du nicht zu Schaden gekommen bist“, sagte er relativ emotionslos.
Dann dachte er eine Weile nach.
„Hoffentlich sind meine Bilder noch ganz“, fiel ihm siedend heiß ein und er rauschte mit einem Mal aus dem Raum – in Richtung seines Ateliers.
„Wenn du Francesca siehst“, rief er, als er schon außerhalb Sarahs Blickfeld war, „sag ihr, ich wünsche sie zu sehen!“



Adamo folgte seinem Herrn, dem ehrenwerten Inquisitor Cesare Donati, wie ein treuer Hund. Ohne Fragen zu stellen oder sich sonderlich von anderen Dingen ablenken zu lassen, war er konzentriert bei der Sache. Er musste schließlich die Ausrüstung tragen. Das war eine Aufgabe mit Verantwortung – außerdem war es nichts Erfreuliches, den Inquisitor zu enttäuschen, das wusste der Junge nur zu gut. Es war zwar schwer, diesen strengen Mann zufriedenzustellen, wenn nicht sogar unmöglich, strebte man an, ihn vollends zufriedenzustellen, doch dessen Unmut zu erregen, war äußerst unklug.
Adamo bevorzugte es, Motivation zu zeigen, um zu beweisen, dass er ein guter Schüler war… oder dass zumindest ein guter Schüler in ihm steckte, selbst, wenn er noch Fehler machte. Es war ja nicht so, als würde er absichtlich Fehler machen. Nein, das bestimmt nicht.

Aber auch wenn Adamo versuchte, sich nicht ablenken zu lassen, lenkte ein Ereignis, auf das sein Herr und er auf dem Weg zum Friedhof der Kirche San Trovaso stießen, seine Aufmerksamkeit auf sich – wie auch die Aufmerksamkeit einiger Gaffer, die sich mit einigem Abstand am Straßenrand versammelt hatten.
Sie beobachteten mit einer Mischung von Neugier und Entsetzen, wie einige Stadtwächter (vier waren es insgesamt) eine Leiche aus einem Kanal zogen. Einer von ihnen (erkennbar daran, dass er vollkommen durchnässt war) hatte ein Seil am leblosen Körper befestigt. Zu zweit zogen sie diesen nun aus dem Wasser.
Der Tote war ein Mann, offensichtlich, der Kleidung nach zu urteilen, ein nicht gerade armer Kerl. Der Zustand der Kleidung, allerdings, war nicht die beste. Allein das Wasser konnte einen solchen Schaden wohl schwer verursacht haben. Sie war stellenweise durchlöchert und hielt teils sogar nur noch gerade so in Fetzen zusammen.
Das war nicht der erste Tote, den Adamo sah, dennoch war dies natürlich kein schöner Anblick. Es war auf’s Neue verstörend, die Überreste eines einst Lebendigen sehen zu müssen. Gerade dieser Kerl war nicht schön anzusehen. Seine Augen starrten gebrochen vor sich hin. Von der partiell freiliegenden Brust des Mannes ganz zu schweigen…
„Signore, seht nur!“, rief Adamo aus, als ihm klar wurde, was er sah. „Diese Kratzer!“
Wie Klauenspuren hatten sie sich ins Fleisch dieses armen Mannes gebohrt und tiefe Spuren hinterlassen. Das wirkte… relevant. Vielleicht hatte diese Leiche mit ihrem aktuellen Fall zu tun.



Salvatore nahm auf dem Weg zum Friedhof einen geringfügigen Umweg, um zuvor noch Leonardo da Vinci aufzusuchen. Aufgrund seines hastigen Aufbruchs in der letzten Nacht hatte er sich nicht vom Künstler verabschieden können und war auch nicht in den Genuss gekommen, von den Erkenntnissen zu erfahren, zu denen Da Vinci zweifelsohne gekommen sein musste, als er Salvatores Fundstücke begutachtet hatte.
Der Gesandte des Kardinals (welcher heute Morgen scheinbar sehr schlechte Laune gehabt haben musste, zog man in Betracht, dass er Salvatore sonst nicht derart über den Mund fahrend behandelte) ärgerte sich immer noch über diese hartnäckige Frau, die bestimmt eine Hexe war, wie er vermutete, da sie ihm eine Meinung angedichtet hatte, die er nie geäußert, sondern nur gedacht hatte.
Salvatore hatte nun noch etwas Zeit, bevor er sich wirklich, schlussendlich auf den Weg zum Friedhof machen musste, um nicht zu spät anzukommen, aber er vermutete auch nicht, dass das Treffen mit Leonardo allzu lange dauern würde. Als er jedoch beim Haus ankam, in dem Da Vinci derzeit arbeitete und lebte, fiel ihm auf, dass durch die geschlossene Tür der Werkstatt bereits  gedämpft Leonardos Stimme zu ihm drang. Der Künstler schien Besuch zu haben oder in einen kreativen Monolog verfallen zu sein – bei kreativen und genialen Köpfen wie denen Leonardo da Vincis konnte man sich da nie sicher sein. Wäre jedoch Letzteres der Fall, wäre es wohl eine Sache der Höflichkeit, so zu tun, als hätte Salvatore gar nichts davon bemerkt.
Leonardo öffnete die Tür, als Salvatore klopfte.
„Ah, Messer Machiavelli, schön, Euch zu sehen!“, begrüßte Leonardo den Neuankömmling mit einem ehrlichen Lächeln. Offenbar war er nicht verstimmt, weil er in der letzten Nacht versetzt worden war. „Kommt nur herein… Aber einen Moment Geduld, bitte, ich habe gleich Zeit für Euch.“
In Leonardos Werkstatt wartete bereits eine junge Frau – ausgerechnet eine derselben, wie Salvatore erkannte, die sich gestern Abend auf Kirche und Friedhof herumgetrieben haben.
„Also, meine Liebe“, wandte sich Leonardo wieder an Claudia, „wo waren wir stehen geblieben?“
Allerdings warf er unsicher einen kurzen Seitenblick zu Salvatore. Immerhin hatte Claudia ihn um Geheimhaltung gebeten.
„Oder soll ich Messer Machiavelli bitten, uns kurz zu entschuldigen? Allerdings ist er ein vertrauenswürdiger Mann der Kirche. Bestimmt wird auch er euch helfen wollen.“

_________________
Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
avatar
Umbra
Tiefseemonster

Weiblich Anzahl der Beiträge : 6438
Anmeldedatum : 09.07.12
Alter : 24
Wohnort : NRW
Laune : voll motiviert

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Fade am Sa Okt 04 2014, 11:55

Auf die Worte seines Schützlings hin, blieb der Inquisitor wie vom Donner gerührt stehen. Er war so in Gedanken um den Vorfall und die Ermittlungen, die vor Ihnen lagen, vertieft gewesen, dass er der Menschentraube, oder vielmehr deren Grund auf der Kanalseite keinerlei Beachtung geschenkt hatte.
Der Kopf drehte sich ruckartig zum reglosen Körper und ohne nur noch einen weiteren Moment zu vergeuden, schritt Cesare über die Straße auf die Stadtwächter und deren Fundstück zu. Das laute Klacken seines, zur Fußseite metallbeschlagenen Stabes auf dem Pflaster reichte dabei aus, die Gaffer zur Seite weichen zu lassen und dem Mann der Kirche Zutritt zum Tatort zu gewähren.
Cesares Mine glich einer Maske, aus welcher der unbarmherzige Blick des Inquisitors scheinbar nach neuen Opfern suchte. Ein Ruf, welcher Cesare in Situationen, wie dieser nur allzu willkommen erschien. Er fragte mit emotionsloser Stimme den Ranghöchsten nach den Geschehnissen, wobei er sich aber ohne dessen Antwort höflich abzuwarten jedoch sogleich dem Toten zuwandte und sich herab beugte um mit der Hand ein Kreuz über ihr zu zeichnen und mit trockener Stimme Frieden für ihre Seele und den Übergang ins Totenreich auszusprechen.

Es schien verwunderlich, dass die Leiche erst jetzt gefunden worden war, wenn der Tote schon seit der Nacht im Wasser liegen musste. Trotzdem lauschte Cesare den hastig und nervös ausgesprochenen Worten des Soldaten, während er selbst das Werk Gottes verrichtete.
Schließlich richtete er sich wieder auf und trat direkt auf den Mann der Stadtwache zu um ihn kurz und leise einige Sätze auszurichten, welche die Umstehenden nicht verstehen sollten. Er trug ihm auf, den Körper den Leuten der Inquisition zu übergeben, nachdem dieser Ordnungsgemäß weggebracht worden war.

Cesare musste seine Gründe vor dem Soldaten nicht rechtfertigen. Die Wunden Sprachen in diesem Punkt für sich selbst und so wie sich seine dünnen Lippen wieder schlossen, schien er jedes Interesse an dem ganzen Ereignis verloren zu haben, wendete wieder zur anderen Straßenseite um und bedachte die umstehenden Bürger keines Blickes, worüber die meisten sicherlich recht froh waren.

Es war wichtig, nicht zu viel Interesse zu zeigen, würden die aufkeimenden Gerüchte dadurch ja nur viel stärker entfacht werden. So war es nur ein armer Toter aus dem Kanal, dem er den letzten Segen erteilt hatte und kein Opfer irgendwelcher unheiliger Monstrositäten, welche des Nachts durch die Stadt jagten.
Cesare dankte Adamo, welcher sich etwas im Hintergrund gehalten hatte, für seine Aufmerksamkeit in dieser überaus wichtigen Entdeckung. Die Wunden des Toten hatten eine deutliche Sprache gesprochen, schienen sie mit den Verletzungen des Opfers vom Friedhof doch praktisch identisch. Der Angreifer musste im Einklang zur Aussage des Paters tatsächlich auffallend Groß und kräftig sein und soweit es die Bissspuren betraf, womöglich tatsächlich eine Bestie aus dem Höllenschlund.

Diese frische Leiche war vielfach verwertbarer, als die Leichenteile, welche vom Friedhof hervorgebracht worden waren, doch konnte man mit den momentanen Fakten dort am bekannten Tatort womöglich teile des Hergangs rekonstruieren und mit etwas Glück doch noch eine echte Fährte finden. Von den Wunden des Opfers her schwirrten Cesare Bilder durch den Kopf, wie der Kampf abgelaufen sein musste, der zu den Verletzungen des Toten geführt hatte. Die hiebe schienen wie von einem Tier, einem Bären oder einer großen Raubkatze, geführt worden zu sein, wobei er sich eine genaue Diagnose wohl bis später vorbehalten musste, wenn er die Leiche bei sich zuhause untersuchen würde.

Die Schritte des Inquisitors waren unbedeutend schneller geworden. Er wollte aufgrund des Zwischenfalles nicht unpünktlich am vereinbarten Treffpunkt erscheinen. Die Zusammenarbeit mit den Kardinalsdienern würde auch so schon schwierig genug werden.

_________________
Es rankt sich eine Mär um Ranken, die am Meer sich mehren und dort auf blanken Plankton Planken Meerrettich verzehren.... - Fade
avatar
Fade

Männlich Anzahl der Beiträge : 1329
Anmeldedatum : 03.05.14

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Darnamur am So Okt 05 2014, 17:29

Einbruch…verwüstet…bekümmert, aber schweigsam. Er presste die Lippen aufeinander und schloss die Augen. In seinem Hirn ratterte es. Es könnte natürlich nur ein gewöhnlicher Einbruch gewesen sein. Aber bei den Bellinis? Außerdem: Das Ganze passierte ausgerechnet jetzt, wo schon andere merkwürdige Dinge sich ereignet hatten. Das könnte eine wichtige Spur sein. Eine Spur, der man nachgehen konnte. Nachgehen sollte.
„Ich werde mich darum kümmern, dass der Pater schnellsmöglichst unterrichtet wird“, sprach er zu der immer noch irritierten Francesca. Sein Gesicht hatte sich nun zur gutmütiger-Onkel-Mine gewandelt. „Dieser Fall muss sofort behandelt werden.“ Solange die Spuren noch frisch sind. Spuren, in die sich ein Wurm vergraben konnte.
„Für dich wäre es nun das Beste, wenn du zurück zu deiner Herrin eilen würdest. Im Moment sollte sich nämlich sowieso niemand außer Dienern der Kirche auf dem Friedhofsgelände aufhalten.“
Er verstaute die Nachricht in einer seiner Taschen. Jetzt war es nicht mehr wert zum Pater aufzubrechen, da ihr Treffen mit dem Inquisitor in Kürze anstehen würde. Auch dem Grab wollte er sich nun nicht zuwenden, da es Cesare wohl übel aufstoßen würde, wenn dieser ihn erblickte, wie er darin herumhantierte.
Also entschied sich Umberto die verbliebene Zeit zu nutzen, um sich einen allgemeinen Überblick über das Friedhofsgelände zu verschaffen, damit er schon einigermaßen informiert war, wenn die anderen eintrafen. Und nebenbei konnte er sich ja schon einmal überlegen, wie er Salvatore am Besten demütigen könnte bei ihrer nächsten Begegnung.
avatar
Darnamur
Jünger des Pinguins

Männlich Anzahl der Beiträge : 3409
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 21
Laune : katastrophal destruktiv

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Angela Dragon am So Okt 05 2014, 20:50

Sarah konnte ihrem Vater nur noch hinterher blicken. Seine Sorge war verständlich. Sein Lebenswerk befand sich in diesen Ateliers. Seufzend vor erleichterung der Anspannungen entgangen zu sein, die die ganze Zeit im Raum schwebte, führte sie ihre Arbeit fort. Hoffentlich hatte Francesca den Pater gefunden. Und auch hoffentlich verstand dieser ihre stumme Bitte.

Angela Dragon
Gastadmin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 309
Anmeldedatum : 02.01.14
Alter : 38

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Elli am Di Okt 07 2014, 15:39

Die erfrischende Morgenluft tat Salvatore gut, nachdem er sich hatte vorführen lassen musste, genoß er es nun unbehelligt durch die Straßen zu streifen. Auch wenn er selbstverständlich darauf bedacht war, dass seine Schuhe unberührt von Unrat blieben und seine Haare nicht durch den sanften Wind aus der Reihe gebracht blieben.
Er holte tief Luft, als er vor der Türe von Leonardo stoppte, da er nicht wusste, wie dieser ihn empfangen würde. Aber es stellte sich heraus, dass dieser nicht verstimmt war, sondern ihn herzlich empfing.
Er staunte allerdings nicht schlecht als er einen Damenbesuch in der Werkstatt vorfand - wäre es Guilia gewesen, hätte ihn das wohl kaum verwundert, doch die Hexe war verschwunden. Stattdessen sah er sich nun Auge in Auge mit einer der Frauen, die ebenfalls auf dem Friedhof gewesen war.
"Ich möchte mich noch einmal aufrichtig für die übereilte Abreise gestern entschuldigen - leider hatte ich keine andere Wahl. Ich hoffe ich habe damit keinen Unmut verursacht." er deutete eine Verbeugung in die Richtung seines Gastgebers an und nickte dann der Frau zu. "Täusche ich mich, oder sahen wir uns bereits gestern an der Kirche?" er lächelte sie offen an.

_________________
 Ugly 

Melinda, Patrick und Salvatore stehen Ihnen jederzeit unter dieser Adresse zur Verfügung!
avatar
Elli
Piratenpinguin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 3679
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 31
Wohnort : Westerwald
Laune : Thehehe

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Umbra am Di Okt 14 2014, 10:31

Adamo stapfte seinem Inquisitor hinterher und war ihm dabei dicht auf den Fersen wie ein treuer Hund, was dazu führte, dass auch er sich nicht durch die Menschen drängen musste, sondern auch in der Schneise ging, die allein die Anwesenheit Cesares in der Menge schlug. Es war immer wieder erstaunlich, was allein die Erscheinung des Inquisitors, zusammen mit den deutlich erkennbaren Amtsroben ausmachte. Ein Inquisitor genoss Respekt, wurde von manch einem sogar gefürchtet. Nein, mit so jemandem, der die geballte Macht der Kirche hinter sich hatte, wollte sich vermutlich niemand anlegen.
Adamo war es gewohnt, im Schatten dieses Mannes zu stehen und meist nicht weiter beachtet zu werden. Das war ihm auch ganz recht so. Wie in diesem Fall konnte er Cesare Donatis Augen und Ohren sein, wenn dieser sich anderweitig beschäftigte – mit Gedankengängen oder Untersuchungen oder Gesprächen. Allerdings wirkte momentan auf den Jungen nichts an der Umgebung auffällig. Die Gaffer tuschelten miteinander, die Wächter standen betreten da, während der Inquisitor sich mit ihrem Anführer und der Leiche befasste. Der Wachmann, der im Wasser gewesen war, um das Opfer aus dem Kanal zu fischen, und nun triefte und tropfte, zitterte frierend. Sonderlich interessant war das aber auch nicht. Es war eher der Tote, der Adamos Blick nahezu magisch auf sich zog.
Der Junge schluckte. Blut war eigentlich nicht zu sehen, das hatte das Kanalwasser fortgeschwemmt und weggewaschen, doch die Wunden klafften dunkel in der bleichen Brust des Mannes. Kein schöner Anblick, aber wegsehen konnte Adamo auch nicht… Erst als Cesare Donati sich wieder in Bewegung setze und aufbrach.
Adamo stapfte seinem Inquisitor hinterher und war ihm erneut dicht auf den Fersen wie ein treuer Hund. Er merkte, dass es nun schneller voranging als zuvor.
„Meint Ihr, das Opfer hat etwas mit den Vorfällen auf dem Friedhof zu tun, Herr?“, fragte Adamo. „Ich… ich habe so etwas noch nie gesehen – oder davon gelesen. Ist ein Mensch oder ein Tier hierfür verantwortlich? Aber welches Tier könnte und würde so etwas tun?“



Francesca tat wie geheißen. Sie machte noch einen Knicks zum Abschied und verschwand dann hinfort huschend vom Friedhofsgelände – wahrscheinlich froh darüber, etwas Abstand zwischen sich und Umberto Argente zu bringen.
Der Kardinalsdiener hatte also diesen Ort wieder für sich. Platz war rar in Venedig und wenig war unbebaut. In der Regel waren dort, wo keine Häuser oder gepflasterten Straßen oder Plätze waren, Kanäle oder Friedhöfe zu finden. Der Friedhof der Kirche San Trovaso war einer der weitläufigeren, aber dank seiner rechteckigen Form einigermaßen übersichtlich. Der Vorplatz des Kirchhauses und dieses selbst war an der gegenüberliegenden Seite des Friedhofeinganges platziert, was dazu führte, dass Besucher der Kirche erst einmal den Totenacker überqueren mussten, um ihre Gottesdienste, Messen und anderes Kirchenbezogenes aufzusuchen – wenn es auch „nur“ der Pater war. Dieser hatte im Nebengebäude der Kirche eine kleine Wohnung. Das Heim des Totengräbers, jedoch, war ein kleiner Schuppen etwas abseits der Kirche auf dem Friedhofsgelände.
Die meisten Gräber waren ordentlich in Reihen angeordnet, mit den verschiedensten Grabmälern als Erkennungszeichen – die meisten waren allerdings schlichte Grabsteine. Besonders nahe der Kirche standen sie dicht an dicht. Nicht verwunderlich für Umberto. Dieser wusste, dass die Menschen im Tod die Gesellschaft der Heiligen suchten, die sie in den Reliquien sahen, die in den Kirchen unterbracht worden waren. Je näher man den Heiligen war, desto besser, denn dies versprach Schutz und den Weg ins Himmelreich. Natürlich wurden auch in der Ruheplatzwahl die Reichen von der Kirche bevorzugt. Die armen Schlucker mussten sich mit einem Loch am Friedhofsrand zufriedengeben.
Nun ja, sonderlich informativ für Umbertos Angelegenheit war dieser Umstand jedoch nicht. Er stellte jedoch fest, dass der Friedhof teils durch hohe Grabmäler, teils durch Bäume und Buschwerk, die darauf verteilt waren, an Übersichtlichkeit einbüßte, als er ein wenig umherschritt.
Mit einem Mal fielen ihm an einem Busch abseits des Wegs relativ frisch abgeknickte Zweige auf. Vielleicht war es wert, sich das genauer anzusehen. Tatsächlich stand er, sobald er erfolgreich gegen das Blätterwerk angekämpft hatte, inmitten einer kleinen Baumgruppe, die ihm die Gewissheit gab, auf etwas Bedeutendes gestoßen zu sein. Der Boden hier war vollkommen aufgewühlt. Neben Schuhabdrücken, die von verschiedenen Personen zu stammen schienen (die allesamt eher kleine Füße hatten), waren tiefe Furchen im Erdreich zu erkennen. Kampfspuren, vielleicht, was sich auch mit der anderen Entdeckung deckte, die Umberto hier machte: Blut, sehr viel Blut. Der Boden war von dunklen Flecken übersäht und getränkt – und auch an den Baumstämmen fanden sich Spitzer, die geschätzt sogar drei Meter in die Höhe reichten. Von wem auch immer es stammte: Umberto war sich sicher, dass dieser jemand kaum überlebt haben dürfte, wenn er den menschlich gewesen war.



Ein wenig später traf das Dienstmädchen Francesca wieder am Haus der Bellinis ein und suchte auch sogleich ihre Herrin Sarah auf. Von ihrem Vater hatte das Mädchen, seitdem dieser aus der Küche verschwunden war, weder etwas gesehen noch gehört. Im Grunde war sie auch dankbar dafür. Vermutlich konnte sich Pater Girolamo besser mit dem insgesamt doch etwas verstört wirkenden Giovanni befassen als die junge Sarah.
Als Francesca bei Sarah auftauchte, wirkte sie besorgt und unsicher.
„Ich habe den Pater leider nicht antreffen können, Sarah“, erzählte sie.
„Ein gewisser Signore Argente hat mir berichtet, dass Pater Girolamo nicht wohlauf ist“, fuhr sie fort.
„Der Kardinal lässt anscheinend irgendetwas auf dem Friedhof untersuchen. Ich weiß nicht genau… Dieser Herr hat mir allerdings versichert, die Nachricht zu überbringen. Ihr wart doch gestern auf dem Friedhof, nicht wahr? Signore Argente hat gesagt, dass dort irgendetwas vorgefallen ist. Wisst Ihr etwas darüber?“, interessierte sich Francesca dafür. Dem Mann des Kardinals hatte sie sich nicht getraut, Fragen zu stellen, aber mit Sarah kam Francesca besser zurecht – immerhin waren sie etwa im selben Alter, wenn auch verschiedener Herkunft, was den gesellschaftlichen Stand betraf.



Claudia bestätigte Salvatore, auf dem Friedhof gewesen zu sein, wenn sie auch durch die plötzliche Anwesenheit des Kardinaldieners verunsichert zu sein schien.
Leonardo hingegen schien freudig überrascht zu sein, dass sich seine Gäste offenbar nicht fremd waren – und sich darüber hinaus von einem gestrigen Friedhofsbesuch kannten.
„Oh, ist das so?“, fragte er mit heraushörbarer Euphorie, auch wenn er sich gleichzeitig zu bemühen schien, sich nicht vollkommen auffällig zu verhalten.
„Heißt das, Ihr wisst auch etwas darüber?“
Er betonte „darüber“ zwar, indem er seinen Tonfall mit einem Mal dämpfte, aber spezifizierte nicht, was genau er damit meinte. Für den Fall, dass Claudia unwissend war.
„Signorina de Cattaneis kam zu mir, weil sie Hofkapellmeister Claudio… äh, verzeiht, ich habe seinen kompletten Namen vergessen. Jedenfalls wird der Hofkapellmeister vermisst.“
Da Vinci warf Claudia einen Seitenblick zu und trat dann verschwörerisch in Salvatore heran.
„Ich konnte mir kein komplettes Bild machen“, murmelte er, „doch diese Angelegenheit ist höchst faszinierend. Wäre es möglich“, erkundigte er sich begierig, „dass ich mir den Ort des Geschehens ansehen kann?“
Dann schien bei ihm ein Groschen zu fallen.
„Oh…“, machte er, keinesfalls betrübt klingend, im Gegenteil, „… Meint ihr… meint ihr, dass Claudio…“
Er formulierte es nicht aus, aber hoffte, Salvatore würde ihn verstehen, als er zusätzlich mit den Augen auf die Stelle deutete, an der gestern Abend noch die Leichenteile gelegen hatten.

_________________
Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
avatar
Umbra
Tiefseemonster

Weiblich Anzahl der Beiträge : 6438
Anmeldedatum : 09.07.12
Alter : 24
Wohnort : NRW
Laune : voll motiviert

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Elli am Di Okt 14 2014, 11:45

Salavtore ergriff die Gunst der Stunde und trat einen beherzten Schritt nach vorne. Er fasste die Hand von Claudia und hauchte einen leichten Kuss auf ihren Handrücken. “Bellisima! Es tut mir leid, dass wir uns unter so schrecklichen Bedingungen kennenlernten. Welch ein Glück dass wir uns hier treffen und vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen können!“ er lächelte sie über ihre Hand hinweg an und ließ Claudia sanft los. Dann drehte er sich halb zu Leonardo um. “Bitte! Erzählt was ich noch nicht weiß! Was könnt ihr mir über die Fundstücke sagen?“
Dann hielt er einen Augenblick inne und dachte nach. Der Hofkapellmeister wurde also vermisst. Warum war Claudia mit dieser Info hierhin gekommen? Gerne hätte Salvatore in seine Tasche gegriffen und Notizen angefertigt – doch das war gerade nicht möglich. Er seufzte.
“Der Hofkapellmeister? Wann habt Ihr sein Verschwinden bemerkt? Wann saht Ihr ihn zuletzt?“ fragte er sie.
Auf die Bitte seines Gastgebers wollte der Gesandte der Kirche erst einmal nicht eingehen, doch dann kam ihn ein Gedanke. “Die Kirche streckt ihre inqusitatorischen Finger in die Richtung des Grabes aus. Ich denke es würde auffallen, wenn ich euch mitbringe und die Verantwortlichen nicht besonders erfreuen. Aber gegen ein junges Paar, dass in der Nähe des Friedhofes einen Spaziergang macht, kann wohl niemand etwas einwenden.“ Ihm war die Idee gekommen, dass sechs Augen, die hoffentlich nur im Vertrauen miteinander sprachen, mehr sahen als zwei. Die Sache stank zum Himmel – und zwar gewaltig. Fast so sehr, wie Salvatore gestern selbst gestunken hatte, bei diesem Gedanken stellten sich die Nackenhaare des gepflegten Mannes hoch.

_________________
 Ugly 

Melinda, Patrick und Salvatore stehen Ihnen jederzeit unter dieser Adresse zur Verfügung!
avatar
Elli
Piratenpinguin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 3679
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 31
Wohnort : Westerwald
Laune : Thehehe

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Angela Dragon am Di Okt 14 2014, 16:39

Sarah war erleichtert und zugleich beunruhigt über diese Nachricht. Geschickt verbarg sie ihre Sorge hinter einem flüchtigen Lächeln."Ich danke euch. Aber was war den geschehen, dass es dem Pater weit schlechter ging, als bei ihrem letzten treffen. Schlimmer noch, es waren bereits Männer der Kirche in diese Ereignisse eingeweiht. Unruhig stellte Sarah die Schüssel weg, mit der sie das restliche Gemüse verstaute. Sie hörte die Frage von ihr, aber immer noch fehlte ihr die Kraft darauf zu antworten. Wie sollte Sarah Francesca erklären was sie glaubte gesehen zu haben. Sie konnte die brennende Neugierde in ihren Augen sehen. Vielleicht sollte sie ihr das Gemälde zeigen.
"Ich weiß nicht was genau vorgefallen ist. Nur dass eine Greueltat stattfand die nur eine Bestie begehen konnte. "Sarah senkte ihre STimme. "Ich habe ein Gemälde gestern angefertigt. Versprecht ihr stillschweigen, wenn ich es euch zeige?"

Angela Dragon
Gastadmin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 309
Anmeldedatum : 02.01.14
Alter : 38

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Fade am Di Okt 14 2014, 18:29

„Ein Bär.“ Antwortete der Inquisitor trocken. So sehr er sich über die Aufmerksamkeit Adamos gefreut hatte, so sehr erzürnte ihn innerlich die Gedankenlosigkeit seines Schülers bei seiner unbekümmerten Betrachtungsweise des Opfers. Allein durch die Bibelschriften hätte ihm das wirken großer Raubtiere bekannt sein müssen, jedoch als Schüler im Kampf gegen das Unheilige dieser Welt und den Kräften des Höllenreiches hätte doch wenigstens etwas von dem Gelesenen oder Erlebten inzwischen seine Sensibilität gegenüber unmenschlicher Gefahren schärfen müssen. So würdigte Cesare Adamo auch keines Blickes, als er emotionslos weitersprach, während die Beiden sich dem Friedhof näherten.

„Auch ein Löwe oder eine sonstige große Raubkatze könnte jene oder ähnliche Wunden verursachen. Vielleicht ist ja ein in frage kommendes Raubtier einem umherziehenden Zirkus in der nähe entkommen. Allein pflegen wilde Tiere nicht spurlos in einer so Menschenreichen Stadt wie Venedig zu verschwinden. Ausserdem sprechen die verhältnismäßig leichten Verletzungen des Paters dagegen. Stelle dich lieber auf weitere unerfreuliche Entdeckungen ein mein Schüler. Es ist anzunehmen dass unser Täter, ob aus Fleisch und Blut, oder dem Fegefeuer entstiegen, im Sinne Luzifers handelt.“

Die knochigen Finger des Inquisitors umkrallten den Stab fester und der dominante Klang des metallbeschlagenen Endes auf dem Pflaster schien den innerlichen Zorn des Mannes in kleinen wohl portionierten Impulsen auf die ganze Umgebung zu übertragen, welche sie durchschritten.

_________________
Es rankt sich eine Mär um Ranken, die am Meer sich mehren und dort auf blanken Plankton Planken Meerrettich verzehren.... - Fade
avatar
Fade

Männlich Anzahl der Beiträge : 1329
Anmeldedatum : 03.05.14

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Darnamur am Fr Okt 17 2014, 21:21

Ein Funkeln lag in Argentes Blick, als er die blutige Spur vorfand. Ein breites Grinsen breitete sich in seinem Gesicht aus. Schlampige Arbeit, geschätzter Schwager. Während er sich umsah, begann er fröhlich vor sich hin zu dichten:
„Was sehen meine Äuglein da? Ein rotes Prachtwerk fürwahr. Rot erfüllt die Erde und die Luft und besprenkelt Busch und Baum mit Duft.“
Ja, der Geruch war wirklich Übelkeit erregend. Salvatore wäre wohl sofort in Ohnmacht gefallen, aber er selbst hatte damit weniger Probleme. Schon das ein oder andere Mal, war er in Angelegenheiten wie diese involviert gewesen. Alles deutete daraufhin, das dies ein interessanter Fall werden würde. Der Pater war angefallen worden. Der Totengräber war spurlos verschwunden. Signora Bellini berichtete von seltsamen Geschehnissen in ihrem Haus und jetzt auch noch diese Spuren. Er blinzelte zu den Spritzern hoch, die noch weit über ihm an den Baumrinde klebten. Das war…erstaunlich. Er schnalzte mit der Zunge. Ein Rätsel. Wie schön.
„Was riecht meine Nase da? Eine scharfe Note fürwahr. Metallisch strenger Duft, erhebt sich, wie aus einer Gruft und verbreitet melancholisch gar, blutige Sehnsucht.“
Die Spritzer mussten doch eigentlich darauf hindeuten, dass die Untat genau hier stattgefunden hatte. Wäre hier nur ein toter Leichnam vorbeigeschleppt worden, dann wäre dort oben jetzt nichts zu sehen. Allerdings konnte er auch keine Schleifspuren entdecken, lediglich diese Furchen und Blutansammlungen. Also war das Opfer weggetragen worden. Was für ein intelligentes Geschöpf sprach und nicht für eine animalische Kreatur. Die Frage war, was es mit den Fußspuren auf sich hatte. Die Abdrücke waren ziemlich klein, was eher für Frauen oder Kinder sprach- aber machte das einen Sinn?
Und hatten diese Menschen etwas mit dem mörderischen Verbrechen zu tun? Umberto gedachte auch das herauszufinden. Jedenfalls war der Tatort miserabel abgesichert worden. Vielleicht waren sogar wichtige Spuren durch die unerwünschten Besucher zerstört worden. Es sei denn die Personen wären zum Zeitpunkt des Mordes da gewesen. Hatten hier ein Massaker verunstaltet, um die Aufmerksamkeit der Inquisition auf irgendein übernatürliches Wesen zu ziehen und dann den Leichnam abtransportiert…aber das klang ihm zu unglaubwürdig. Es würden sich definitiv noch mehr Spuren finden lassen, bei all den Informationen, die er bereits jetzt besaß und er würde dem nachgehen, bis sich langsam ein Bild des Tathergangs formen würde.
„Was fühlen meine Finger da? Nicht mehr feucht, aber dennoch grausig ist’s fürwahr. Eine Schandtat ertast‘ ich hier, dies stammt nicht von einem wilden Tier, es müsst schon sein ein tollwütiger Stier.“
So viel also dazu. Nun, er hatte immer noch ein wenig Zeit. Also versuchte er seine Untersuchung zu intensivieren und den weiteren Umkreis des Tatorts absuchen. Vor allem der Boden war interessant. Wenn es ihm irgendwie gelänge, herauszufinden, in welche Richtung der Täter mit seiner Beute verschwunden war? Zum Grab? Oder doch eher zur Friedhofsmauer? In der Zwischenzeit summte er den Rest seines triumphal gelungen Gedichts vor sich hin:
„Hier fand ein Verbrechen statt, ohja. Dies darf nicht unvergolten bleiben fürwahr. Nachdem ich einen Blick auf die Spuren warf, kann ich sagen, dass es hierfür eines Wurms bedarf. Tief wird er müssen graben, und mit seinen Rivalen ringen, doch diese sind nur Schaben, er hat die Macht es zu erzwingen, und das obwohl sie alles gaben, er weiß wie sein Plan kann gelingen, damit er an seinem Sieg kann sich laben, während der fade Rest zappelt in den Schlingen. Der Wurm ist bereit, das Spiel kann beginnen.“
Für einen Moment hielt er in einer heldenhaften Pose inne und ein breites, böses Grinsen zierte sein grimmiges Gesicht. Es war ein Moment der Vollkommenheit, wie er nur einem Künstler zuteil werden konnte.
avatar
Darnamur
Jünger des Pinguins

Männlich Anzahl der Beiträge : 3409
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 21
Laune : katastrophal destruktiv

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Umbra am So Okt 19 2014, 14:31

Claudia berichtete verunsichert, den Hofkapellmeister am gestrigen Abend das letzte Mal gesehen zu haben. Zumindest konnte so ausgeschlossen werden, dass von diesem Mann die Leichenteile stammten. Allerdings war damit noch immer nicht erklärt, warum Claudia mit ihrem Anliegen ausgerechnet Leonardo da Vinci aufgesucht hatte – der, wie Salvatore wusste, nicht unbedingt leutselig war und in der Hinsicht, ausnahmsweise,  eher weniger bewandert war. Der Künstler war eher mit seiner Arbeit verheiratet als dass er sonderlich Wert auf zu viele menschliche Bekanntschaften legte, auch wenn Leonardo an sich ein sehr umgänglicher Mensch war und durch seine Arbeit viele wichtige Leute kannte. Mit diesem Claudio hatte er allerdings vermutlich wenig zu schaffen.

Aber zu den Fundstücken konnte Leonardo tatsächlich noch etwas sagen:
„Leichenfraß ist nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches, wenn ein toter Körper verwest… Aber dieser hier lag unter der Erde, was in dieser Art sehr ungewöhnlich ist. Der Tod trat vermutlich vor ein bis vier Tagen ein. Entweder, die Leiche lag an der Erdoberfläche, wurde angefressen und dann vergraben – oder sie wurde vergraben und unter der Erde angefressen… beziehungsweise fast aufgefressen, wenn man bedenkt, dass Ihr nur Kopf und Teile des Arms finden konntet. Ich kenne allerdings kein Lebewesen, das dazu irgendwie im Stande wäre. Zumindest keins mit einem derart großen Gebiss. Sehr faszinierend. Laut den Zahnabdrücken ähnelt es dem eines Menschen, wenn auch die Zähne spitzer sein dürften. Umso faszinierender! Habt Ihr bedacht, dass die Leichenteile dort einfach nur deponiert wurden? Das wäre meiner Ansicht nach eine logische Erklärung. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass der Wassereinbruch ins Grab ebenfalls äußerst seltsam ist. Normalerweise vergräbt man die Verstorbenen hier in Venedig nicht allzu tief, sodass das Wasser der Kanäle die Gräber nicht aufschwemmen kann. Ich könnte Euch mehr sagen, wenn ich das Grab genauer begutachten könnte.“

Leonardos Begierde, den Friedhof zu besuchen und das Grab zu untersuchen, verflog hingegen sichtlich, als Salvatore die Inquisition erwähnte. Mit einem Mal wandelte sich das euphorische Lächeln des Universalgelehrten in ein eher gequältes.
„Oh, äh“, äußerte er, als sei ihm etwas eingefallen, „ich vergaß: Da ist noch dieser Termin und ich bin mit einem Auftrag im Rückstand, oder auch mit zweien.“
Leonardo war kein sonderlich talentierter Lügner und dass dies nur eine Ausrede war, obwohl sie durchaus einen wahren Kern hatte, sah auch er selbst ein.
„Ich fürchte, es wäre keine gute Idee, mich dort blicken zu lassen“, gab Da Vinci zu. Il Magnificos[1] Arm ist lang, doch ich kann mir nicht sicher sein, dass auch die venezianische Inquisition den Medici so wohl gesonnen ist wie die florentinische. Mi dispiace, amico mio![2]
Es tat ihm offenbar aufrichtig leid.
„Da halte ich mich lieber bedeckt. Schade um die verpasste Gelegenheit, wirklich. Doch Ihr könnt jederzeit Verbindung zu mir aufnehmen, wenn Euch danach ist.“
„Ich sollte meine Suche lieber fortsetzen“, wandte auch Claudia ein, obwohl sie ahnte, dass dies schwer werden würde, ohne wirkliche Anhaltspunkte, aber sie hatte bei Weitem noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Ich möchte erst einmal nicht… zu diesem Ort zurückkehren, verzeiht, Messer Machiavelli. Auf Wiedersehen.“
Nach einem entschuldigenden Blick auch in Leonardos Richtung, verschwand sie aus der Werkstatt.
Der Künstler sah ihr einen Moment lang nach, bevor er wieder das Wort ergriff.
„Da fällt mir noch ein: Diese Frau, vor der Ihr gestern geflohen seid…“, er grinste verschmitzt und kommentierte diesen Umstand nicht näher.
„Ich hatte nach Eurem Aufbruch noch eine anregende Unterhaltung mit ihr. Sie erzählte mir von einer Kreatur auf dem Friedhof, der sie nach Eurem Aufbruch von dort noch begegnet ist. Genaueres konnte sie mir nicht berichten, aber sie sagte, auch die anderen beiden Frauen haben sie gesehen. Wer auf  immer diese anderen Frauen waren. Claudia de Cattaneis war offenbar eine von ihnen, vermute ich nun. Ihr werdet besser wissen, um wen es sich bei der dritten Frau handelt. Vielleicht hilft Euch das weiter. Bitte meldet Euch bei mir, wenn Ihr Neuigkeiten habt. Ich bin höchstinteressiert… Aber ich will Euch nun auch nicht aufhalten, wenn Ihr erwartet werden. Ciao, amico. Auf bald!“
Mit einigen neuen Informationen gewappnet, wenn auch ohne Begleitung, konnte Salvatore schließlich seinen Weg fortsetzen. Nach der Verabschiedung von Leonardo hatte er noch genügend Zeit, um sich nicht hetzen zu müssen. Er kam rechtzeitig am Friedhof an.



Francesca schien, trotz ihrer offensichtlichen Neugier, etwas verunsichert, als Sarah ihr offenbarte, dass sich auf dem Friedhof wohl eine Gräueltat abgespielt haben musste. Allerdings schien dies auch den Umstand zu erklären, warum sich ein Mann des Kardinals auf dem Friedhof herumtrieb und nicht der Pater… Allerdings: Was bedeutete das, wenn man den schlechten gesundheitlichen Zustand des freundlichen Priesters im Hinterkopf hatte?
Sarah konnte sehen, dass Francesca etwas erschrocken die Hand an ihrem Mund hob. Doch schien das Dienstmädchen abzuwägen.
„Ich verspreche es, Signorina“, sagte sie andächtig. Ja, sie wollte das Gemälde sehen. Von Sarahs Vater war momentan ohnehin nichts zu sehen oder zu hören, was ihnen vielleicht etwas Zeit verschaffte.
„Ist Pater Girolamo etwas zugestoßen?“, fragte Francesca allerdings dann doch nach, während zu Sarah zu deren Zimmer folgte. „Er ist doch nicht etwa zum Opfer geworden?“



Umberto Argente hatte Blut gerochen – und dies nicht nur metaphorisch gemeint. Während er, weitere Spuren suchend, durch das umliegende Gebüsch kletterte und schlich, stieß er tatsächlich auf richtungsgebende Hinweise. Ein umgeknickter Zweig hier, aufgewühlte Erde da… nur Blut, Blut war wirklich überall, wo er hinsah. Auf den ersten Blick war es teils nicht allzu offensichtlich, doch Umberto wusste, wonach er suchen musste. Dunkle Spritzer und Tropfen, die auf der Vegetation verteilt waren, führten  ihn über die Wiese zurück auf den Friedhofsweg.
Ein unachtsames Auge hätte die Spuren für einfachen Dreck gehalten, aber Umberto wusste es besser. Verräterische Schleifspuren zeigten, dass der Täter sein Opfer nicht getragen hatte – oder zumindest nicht den kompletten Teil der Strecke. Die Frage war nur, was mit der Leiche, die es laut Umbertos Einschätzung geben musste, geschehen sein mochte. Aber irgendwie sah es so aus, als würden die Schleifspuren nicht vom Tatort weg, sondern zu ihm hinzuführen. Vielleicht hatte der Täter sein Opfer zum Ort des Verbrechens gebracht, es dort abgeschlachtet, und hatte, selbst blutgetränkt und alles volltropfend,  noch einmal den gleichen Weg zurückgenommen.
Nach einiger Zeit wurde Argente klar, dass die Spuren das Gebüsch und das Kirchhaus selbst miteinander verbanden.

Zeitgleich trafen auch Salvatore und der Inquisitor in Begleitung des Jungen ein, der vorhin Protokoll über das Gespräch geführt hatte.


[1] Lorenzo I. de' Medici
[2] "Es tut mir leid, mein Freund!"

_________________
Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
avatar
Umbra
Tiefseemonster

Weiblich Anzahl der Beiträge : 6438
Anmeldedatum : 09.07.12
Alter : 24
Wohnort : NRW
Laune : voll motiviert

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Darnamur am So Okt 19 2014, 15:43

Argentes Spur endete direkt vor der Kirche. Nachdenklich begann er auf seinem rechten Zeigefinger herumzukauen. Eine Zwangsstörung, die er irgendwann in seiner Kindheit entwickelt hatte und seitdem nicht mehr losgeworden war. Hätte er registriert, was er da gerade tat, so hätte er es selbstverständlich sofort unterbunden, aber im Moment war er vollkommen in Gedanken versunken. Und genau das war einer dieser Augenblicke, an dem diese alte Angewohnheit ans Tageslicht gebracht wurde.
Das Massaker hatte zweifelsohne dort bei den Gebüschen stattgefunden, wo das Blut meterhoch gespritzt war. Und der Weg führte nicht zum Grab. Es musste sich also im Grunde um zwei verschiedene Untaten gehandelt haben, wobei es natürlich durchaus möglich war, dass der Täter derselbe war. Aber von wem stammte dann das Blut? Der Pater war erst kurz vor dem Kirchengebäude angefallen worden. Also musste es das von jemand anderem sein…von Frederico, dem Totengräber, etwa?
Aber wenn die Leiche wirklich in die Kirche geschleppt worden war- worauf die Spuren hindeuteten- warum war dort drinnen dann noch nichts gefunden worden? Schließlich war der Pater ja dort drinnen gewesen. Knifflig. Die Kirche war auf jeden Fall noch eine Untersuchung wert.
Doch wer schreitet denn da über alte Gräber heran? Das Kindlein und der alte Mann.
Umberto war es Leid von diesen Idioten in seinen Ermittlungen gestört zu werden. Aber einen gewissen Respekt musste er dem Inquisitor wohl zollen. Widerwillig ging er auf die Beiden zu und lächelte gequält. Ich habe in einer Stunde gleich zwei neue Spuren gefunden und habe bereits vier neue Ideen. Bin gespannt, was ihr herausgefunden habt.
Und dann war da natürlich noch Salvatore. Er hatte es tatsächlich noch rechtzeitig hierhergeschafft. Schade. Wenn sich sein Erzfeind und der Inquisitor gegenseitig hassen würden, hätte er selbst vielleicht weniger Probleme mit den Taugenichtsen.
avatar
Darnamur
Jünger des Pinguins

Männlich Anzahl der Beiträge : 3409
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 21
Laune : katastrophal destruktiv

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Angela Dragon am Mo Okt 20 2014, 18:42

Auch wenn sie hoffte eine Person des Vertrauens in Francesca gefunden zu haben, so machte sie der Gedanke ihr das Gemälde zu zeigen mehr als nervös. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch stieg sie bedächtig die Stufen zu ihrem Zimmer rauf. Sie hörte die Frage von Francesca, drehte sich aber nicht um beim antworten.
Der Pater war gestern leicht verwundet. Kratzer und Schürfwunden. Ansich nichts bedenkliches. Er wirkte mehr zerstreut, als wirklich ernsthaft krank. Je länger Sarah darüber nachdachte, so war das Verhalten ihres Vaters in dem Sinn fast ähnlich.
Ihr Herz drohte ihr aus der Brust zu springen, als sie die Tür zu ihrem Zimmer öffnete. Sarah machte soviel Platz, dass das Dienstmädchen an ihr vorbei gelangte und vor das Bild tretten konnte. Sie wollte sehen, wie das Mädchen reagierte.

Angela Dragon
Gastadmin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 309
Anmeldedatum : 02.01.14
Alter : 38

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Elli am Di Okt 21 2014, 11:58

Gemütlich schlenderte Salvatore wieder zum Friedhof zurück. Er dachte über die Informationen nach, die er erhalten hatte. Höchst interessant was da Vinci hatte erkennen können. Wahrlich sehr interessant. Es ärgerte ihn jedoch, dass dieser ihn hatte nicht begleiten wollten. Die Tarnung als schlenderntes Pärchen wäre mit Sicherheit nicht aufgefallen.
Nun gut - es musste eben auch so gehen.
Er gelang äußerst pünktlich um Tatort der Greueltat und begrüßte die anderen förmlich. In einer Pfütze auf dem Boden begutachtete er flüchtig sein Spiegelbild, mit welchem er sich äußerst zufrieden gab. Nun sah er endlich wieder wie jemand aus, auf den man Vertrauen konnte.
Seine Blicke suchten den Boden nach den Spuren ab, die der Pater erwähnt hatte, Salvatores Blick blieb jedoch nur an einem Busch hängen, in dem einige Äste gebrochen waren. Um genauzu sein, war es der Busch über den er gestern seinen Mantel gelegt hatte. Hatte er womöglich einem Zeugen einen Platz geboten unbefugt der Untersuchung beizuwohnen. Diese Erkenntnis musste er dringend für sich behalten. Hoffentlich untersuchte niemand die Stelle allzu genau.

_________________
 Ugly 

Melinda, Patrick und Salvatore stehen Ihnen jederzeit unter dieser Adresse zur Verfügung!
avatar
Elli
Piratenpinguin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 3679
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 31
Wohnort : Westerwald
Laune : Thehehe

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Fade am Do Okt 23 2014, 19:43

Cesares Blick wanderte suchend über das Kirchengelände, während die drei Herren und der Junge dem offenen Grab zu schritten. Ihm waren die Zweigchen und der Schmutz an Argentes Kleidung und Schuhwerk nicht entgangen und es verwunderte ihn nicht im geringsten, dass der übereifrige Kardinalsdiener die Anweisungen des Inquisitors missachtet hatte. Im beiläufigen Plauderton merkte er daher an, als sie zwischen den Gräbern liefen. „Dem Zustand eurer Kleidung nach, habt ihr bereits damit begonnen, hier meine Arbeit zu verrichten Messer Argente. Sicherlich ist euch bewusst, dass ihr euch damit in den Kreis der Verdächtigen begeben habt, aber klärt uns doch bitte über eure Erkenntnisse auf, die ihr in eurem Eifer sammeln konntet.“ Oder hatte er lediglich noch Spuren zu verwischen? Einen Hund, der seinem Herren nicht zu gehorchen wusste galt es zu züchtigen, jedoch war dieser Mann nicht Cesares Verantwortung, sondern die des Kardinals. Er würde lediglich in seinem Bericht über den Stand der Ermittlung heute Abend entsprechende Anmerkungen beifügen.

Als sie das offene Grab erreichten, bat er Adamo, eine Stange zu organisieren um den Wasserstand auszuloten. Etwas ungehalten nahm er Ausschau nach den Dienern, welche er für die Trockenlegung hierher beordert hatte. Der Tod roch hier viel zu frisch für einen Gottesacker und alleine die Spuren auf dem Weg hatten bereits eine deutliche Sprache gesprochen, doch schien der gesamte Vorgang immer noch nur nebelhaft vorstellbar, zumal mehr als nur ein Bildnis eines möglichen Täters durch die Erinnerung des Inquisitors spukte.

_________________
Es rankt sich eine Mär um Ranken, die am Meer sich mehren und dort auf blanken Plankton Planken Meerrettich verzehren.... - Fade
avatar
Fade

Männlich Anzahl der Beiträge : 1329
Anmeldedatum : 03.05.14

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Darnamur am Fr Okt 24 2014, 16:32

Umberto hob die Augenbrauen an, als der Inquisitor seinen „Verdacht“ äußerte. Was sollte denn das nun bitte heißen? Nun, er wollte keinen Streit mit dem Mann beginnen. Zumindest sah er es vorerst nicht so vor. Deshalb setzte er zunächst seine trauriger-Onkel-Miene auf, um dramatisch zu verkünden: „Ich bitte sie, Messer Donati. Ein Diener der Kirche plündert keine Gräber.“ Vielleicht würde er damit zufrieden sein. Vielleicht auch nicht. Einer alten Spinne konnte man es nie recht machen. Schmerzen dir deine Knochen schon, mein Lieber? Spürst du manchmal ein Stechen in deinem Herzen und merkst, dass dir Teile deiner Erinnerung schwinden? Das ist der Tod, mein lieber Cesare, der da an deine Pforten klopft. Es muss eine wahre Qual für dich sein uns so jung und lebendig zu sehen…
Er unterdrückte ein genüssliches Lächeln. Es war an der Zeit Salvatore in die Pfanne zu hauen und für seine eigenen, kleinen Fehler verantwortlich zu machen.
„Der Grund für das Aussehen meiner Kleidung ist relativ leicht zu erklären. Scheinbar hatte es jemand versäumt den Tatort anständig abzusichern. Vielleicht verbreiten sich bereits Geschichten über das geplünderte Grab und ähnliches. Zumindest ließ es sich die ganze Zeit über von jeder beliebigen Person untersuchen. Also müssen sie sich keine Sorge um verwischte Spuren machen. Das Grab habe ich übrigens noch nicht angerührt.“
Umberto Argentes Blick schweifte kurz über Salvatore hinweg und er musterte ihn, wie ein minderwertiges Insekt. Angewidert. Verschwinde, Salvatore, verschwinde. Lauf, nimm die Beine in die Hand und lauf. Anderenfalls ist dir ein sicherer Platz in meinem Keller reserviert. Mein Keller. Mein schöner Keller.
„Als ich den Friedhof allerdings nach ungebetenen Besuchern absuchte und dabei in diesen Zustand geriet…“ Er wies auf seine Kleidung. „...bin ich auf eine Spur gestoßen, die mein werter Kollege gestern wohl übersehen haben musste. Ich frage mich zwar wie, schließlich war es ein wahres Massaker, dass ich vorfand- das Blut klebte noch in drei Metern Höhe in den Bäumen- aber so ist es nun einmal jetzt. Wenn sie es wünschen, führe ich sie gerne hin. Ich habe die Spur schon nachverfolgt und festgestellt, dass sie vor den Pforten der Kirche ihr Ende nimmt. Dort drinnen wurde wohl auch noch nichts untersucht?“
Er richtete die Frage an Salvatore mit hochgezogener Augenbraue und schüttelte dann den Kopf in Unverständnis. Anschließend wandte er sich wieder dem Inquisitor zu und schenkte der kalten, scheußlichen Gestalt ein Lächeln: „Aber das ist noch nicht alles. Über einen meiner Kontakte bin ich auf eine weitere Spur gestoßen, der sich nachgehen lässt. Wie es scheint ist im Hause des ehrenwerten Malers Giovanni Bellini etwas Seltsames vorgefallen. Es ist durchaus möglich, dass es etwas mit den Ereignissen hier auf dem Friedhof zu tun haben könnte. Also bitte- Wenn sie mit meiner Arbeit unzufrieden sind, dann sagen sie es ruhig. Aber immerhin gehe ich sorgfältig vor und habe schon Einiges in Erfahrung gebracht. Wie sieht es bei Ihnen aus, Messer Machiavelli?“
Nun hatte er alle seine Trümpfe ausgespielt. Naja, fast alle. Aber ihm war es wichtig, dass der Inquisitor ihm wohl gesonnen gegenüberstand und es machte einfach viel zu viel Freude Machiavelli zu demütigen, als das er sich zurückhalten könnte. Ideal wäre es, wenn er diese beiden Narren gegeneinander ausspielen könnte. Argente kicherte finster in sich hinein und beobachtete Salvatores Reaktion durch seine Augenschlitze.
avatar
Darnamur
Jünger des Pinguins

Männlich Anzahl der Beiträge : 3409
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 21
Laune : katastrophal destruktiv

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Umbra am Di Okt 28 2014, 11:34

„Denkt ihr, es könnte der gleiche Täter gewesen sein, der auch Euren Vater angegriffen hat?“, fragte Francesca ihre Herrin verunsichert, nachdem diese beschrieben hatte, wie Pater Girolamo ausgesehen hatte – auch die Dienerin hatte gedanklich scheinbar bereits eine Verbindung gezogen, denn Giovanni Bellini war ebenfalls nicht sonderlich schwer verletzt worden und verhielt sich für seine Verhältnisse ungewöhnlich.
„Aber wer nur würde einen Priester überfallen?“, stellte das Dienstmädchen eine Frage in den Raum, auf die sie selbst keine Antwort wusste. Sie hatte schließlich keine Ahnung, was Sarah bereits gesehen und erlebt hatte.
Mit wachsender Anspannung folgte Francesca Sarah die Treppe hinauf und trat schließlich an ihr vorbei, um das Bild zu betrachten. War die Dienerin zuvor eher neugierig gewesen, hatte sie jedoch mit so etwas nicht gerechnet. Beim Anblick des wüsten Bildes voller blutroter Farbe wanderten ihre Hände vor Entsetzen ihrem Gesicht entgegen. Einen kurzen Moment war sie sprachlos, doch dann entfuhr ihr ein lauter Schrei – fast wie jener, den sie ausgestoßen hatte, als sie Giovanni Bellini aufgefunden hatte. Hastig wich Francesca von dem Bild zurück, als würde diesem etwas Böses innerwohnen.
„Was geht hier vor?“, ertönte mit einem Mal die Stimme des Hausherrn streng vom unteren Treppenabsatz hinauf. Trotz der wenigen Worte war aus seinem Atem herauszuhören, dass er schnell herbeigerannt war.



Auch wenn Adamo, wie meist, eher als Anhängsel des Inquisitors unterwegs war, behielt er dennoch aufmerksam die Augen offen. Schon das Treiben vorhin am Kanal war ihm deswegen nicht entgangen… Allerdings betrat der Junge den Friedhof eher mit gemischten Gefühlen. Dem  Anblick der Leiche nach zu urteilen, die sie im Kanal gefunden hatten, trieb sich irgendwo in der Stadt ein großes Tier oder Untier herum. Vielleicht eins, dass der Hölle entstiegen war, so wie der Inquisitor Cesare Donati nicht ausschloss. Möglicherweise trieb sich dieses Biest oder der Mörder, sollte es doch ein Mensch gewesen sein, noch in dieser Gegend hier herum. Vielleicht hockte er oder es in diesem Busch dort drüben und beobachtete sie gerade – oder in diesem dort oder in dem dort hinten. Diese Vorstellung gefiel dem Inquisitor in Lehre ganz und gar nicht. Zwar hatte er schon einiges gesehen, was keine gute Christenseele je zu Gesicht bekommen sollte, aber jede neue Art von Bedrohung war auch eine neue Art von Ungewissheit. Das war nicht sonderlich angenehm.

Die Herren Machiavelli und Argente waren, wie verabredet, am Friedhof eingetroffen. Dieser Argente, allerdings, schien schon länger dort zu sein und geschnüffelt zu haben. Adamo wagte es nicht, sich einzumischen, während sein Herr sich mit den beiden Kardinalsdienern befasste. Stattdessen hielt er sich im Hintergrund, bis der Inquisitor ihn direkt adressierte. Eine Stange sollte er also organisieren. Na schön. Eigentlich wäre es dem Jungen lieber gewesen, in der Nähe seines Herrn und Beschützers zu bleiben. Aber er schluckte das aufkeimende Unwohlsein hinunter, das in seiner Kehle hinaufkroch, legte die Ausrüstung Donatis ab, die er getragen hatte und machte sich auf dem Friedhofsgelände auf die Suche. Eine lange Stange sollte es sein. Da sah der Schuppen eigentlich am vielversprechendsten aus. Adamo machte sich auf den Weg dorthin.

_________________
Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
avatar
Umbra
Tiefseemonster

Weiblich Anzahl der Beiträge : 6438
Anmeldedatum : 09.07.12
Alter : 24
Wohnort : NRW
Laune : voll motiviert

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Fade am Sa Nov 01 2014, 21:43

Dieser Argente war um Ausreden nicht verlegen und hatte auch keine Scheu, seinen Kollegen anzuprangern, um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Cesare allein fehlte die Muße, sich in die internen Streitigkeiten der Kardinalsdiener einzumischen und konzentrierte sich lieber auf den nicht uninteressanten Bericht des kleinen Mannes. Er nickte schließlich knapp um zu antworten. „Gut. Eurer Fährte werden wir nachgehen, sobald die Helfer erschienen sind um das Grab trocken zu legen. Was eure zweite Fährte betrifft, müsstet ihr mir schon erklären, wieso ihr einen Zusammenhang mit dem Geschehen hier in Betracht zieht. In Venedig ereignen sich Täglich viele Unregelmäßigkeiten, welche jedoch nicht zwingend miteinander zu tun haben. Was eure Spurensuche auf dem Gottesacker betrifft, begrüße ich euer Engagement im eingeschränkten Maße. Ihr solltet euch bewusst machen, dass die Inquisition aufgrund des ungewöhnlichen Berichtes des Paters mit der Ermittlung betreut wurde. Momentan deuten einige Indizien auf einen nichtmenschlichen Täter hin. Unter diesem Gesichtspunkt habe ich hier bei den Ermittlungen nicht nur auf offensichtliche Spuren zu achten, wie die Fußabdrücke und das Blut überall. Den Tatort, welchen ihr in den Büschen aufgespürt habt, werden wir im Anschluss noch genauer betrachten, sowie auch das Pfarrhaus und das Kirchengebäude, doch muss ich Sie nochmals deutlich darauf hinweisen meine Herren, dass Sie sich während den Untersuchungen peinlichst genau an meine Anweisungen zu halten haben.
Unser Täter scheint nicht nur auf dem Kirchengelände gewütet zu haben. Auf dem Weg hierher wurde ein weiteres Opfer aus dem Kanal gezogen, welches die selben Wundmale wie die Leichenstücke und der Pater aufwiesen. Es ist nicht zu sagen ob der Täter dieses Opfer vor seinem Treiben auf dem Kirchengelände getötet hat, oder erst danach, doch bewegte er sich offensichtlich des Nächtens durch die Stadt. Der Angriff des Täters muss ähnlich schnell erfolgt sein, wie bei unserem bedauernswerten Pater Donatti, da das Opfer offenbar nicht mehr um Hilfe rufen oder anderweitig auf sich aufmerksam machen konnte.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Herren, bis der Täter Identifiziert ist, mit äußerster Vorsicht und Diskretion bei den Ermittlungen vorzugehen haben. Abgesehen von den Spuren, welche wir hier noch zu Tage fördern können, müssen alle Berichte der übrigen Gotteshäuser, sowie die des Leichenschauhauses und der Ordnungshüter über verdächtige Vorfälle und Beobachtungen der letzten Monate eingeholt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass die oder der Täter ihr Unwesen schon über einen längeren Zeitraum in der Stadt treiben, ohne dass bisher eine Verbindung ihrer Untaten ersichtlich wurde.“

Donati wurde ungehalten. Wo blieben die Kirchendiener denn so lange? Unpünktlichkeit war ein Zeugnis von Respektlosigkeit und durfte nicht geduldet werden. In Anwesenheit der Kardinalsdiener fiel es auch schwer, sich auf die unsichtbaren Fährten des Wiedersachers zu konzentrieren. Eine Aura des Bösen lag jedenfalls nicht in der Luft und dies lies zumindest erhoffen, dass die Fähigkeiten ihres Täters begrenzt sein würden. Natürlich musste es mit dem Grab eine besondere Bewandtnis auf sich haben, da der Täter ja offenbar vor Lebenden nicht zurückzuschrecken schien und somit wohl keinen zwingenden Bedarf am Fleische der Verschiedenen besitzen sollte. Die Morde konnten nach bisherigen Stand der Dinge wohl sehrwohl auch noch von menschlicher Hand verübt worden sein. Ein kräftiger Mann mit einer entsprechend angepassten Waffe.... jedoch erschien Cesare diese Variante zunehmend unwahrscheinlicher. Der Schlüssel schien direkt vor ihnen auf dem Gottesboden zu liegen. Der Umstand, dass der Pater relativ glimpflich davongekommen war. Blutige Spuren, die zum Kirchengebäude führten. Das geflutete Grabmal mit dem offenbar zerstörten Sarg und der gefressenen Leiche. Womöglich wusste der Pater bei weitem mehr, als er ihnen gegenüber ausgesagt hatte.
Die Berichte der Ordnungskräfte und des Leichehhauses über die letzten Wochen und Monate zu sichten würde einen ganzen Haufen an Arbeit bedeuten und mit den beiden Kardinalsdienern war er sich immer noch alles andere als schlüssig, ob sie überhaupt zuverlässige Arbeit erbringen würden. Ein Bericht der anderen Kirchen  über verdächtige Beobachtungen oder Vorfälle würde vielleicht Aufschluss darüber bringen, ob der Täter bezüglich der Grabschändung sein Ziel erst suchen musste. Möglicherweise, war er auch selbst dem Grab entstiegen. Der scharfe blick des Inquisitors suchte den erdigen Rand des Grabes nach Klauenspuren ab. Überhaupt vermisste er noch die fehlenden Fußabdrücke einer wilden Bestie, welche bei ihrer Größe wohl zweifellos auch deutliche Fußabdrücke im Erdboden hinterlassen haben müsste. Teilweise waren diese womöglich von den unachtsamen Ermittlern zertrampelt worden, doch sicher nicht alle.

Endlich zeigten sich die Inquisitionsdiener mit Eimern, Leitern und Schaufeln und brachten unter sichtlicher Reue ihre Ausreden vor, wonach sie sich völlig unverschuldet verspätet hätten. Unverzüglich wies Cesare die Männer an, das Grab vorsichtig vom Wasser zu befreien und alle Fundstücke säuberlich zu Sammeln. Die Ursache und das Ausmaß des Wassereinbruchs sollte unbedingt festgestellt werden. Da die angeforderte Stange nun überflüssig war, sah der Inquisitor sich nach Adamo um, weil er mit der Begehung des Friedhofsgeländes fortfahren wollte.

_________________
Es rankt sich eine Mär um Ranken, die am Meer sich mehren und dort auf blanken Plankton Planken Meerrettich verzehren.... - Fade
avatar
Fade

Männlich Anzahl der Beiträge : 1329
Anmeldedatum : 03.05.14

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Angela Dragon am Mo Nov 03 2014, 06:07

Sarah sah Francesca flehend an ja nichts über das Gemälde zu sagen. Noch wusste sie nicht, was wirklich geschehen war und welche Geister umherstreiften. Erst wenn sie Gewissheit hatte konnte sie sich ihrem Vater anvertrauen. Wenn auch nur mit Vorsicht.

Angela Dragon
Gastadmin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 309
Anmeldedatum : 02.01.14
Alter : 38

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Elli am Mi Nov 05 2014, 09:29

Ruhig stand Salvatore neben dem Schauplatz der abscheulichen Tat und vernahm, selbst schweigend, das Gespräch. Er hatte keine Lust sich großartig mit seinem Schwager auseinanderzusetzen, er nahm sich vor das gleiche zu tun, was er mit dessen Schwester, seiner Ehefrau, zu tun gepflegt hatte: Ignorieren.
Sicherlich würde es eine Gelegenheit geben, sich mit Umberto näher zu befassen und ihm die ein oder andere nette Geschichte zu seiner Schwester zu offenbaren. Vielleicht konnte er daraus auch eine amüsante Schrift verfassen und sie ihm unauffällig zukommen lassen. Obwohl er innerlich zu einem Grinsen verleitet wurde, wahrte er sein ernstes Gesicht und blickte mit fast schon wehmütigem Blick auf das Grab.
Er wusste nicht so Recht was er mit sich anfangen sollte und wanderte einige Schritte, wenn auch noch in Hörweite, zur Seite um zu schauen, ob er nicht noch etwas Interessantes sehen würde, was den Augen seines Schwagers entgangen war.

_________________
 Ugly 

Melinda, Patrick und Salvatore stehen Ihnen jederzeit unter dieser Adresse zur Verfügung!
avatar
Elli
Piratenpinguin

Weiblich Anzahl der Beiträge : 3679
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 31
Wohnort : Westerwald
Laune : Thehehe

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Darnamur am So Nov 09 2014, 14:21

Es missfiel Argente gänzlich, dass sich sich sein Kollege so einfach aus der Schlinge ziehen konnte. Nämlich, in dem er einfach überhaupt nichts machte. Und seine eigenen Leistungen wurden von diesem Ekel kaum gewürdigt. Den Fall zu lösen würde es jedenfalls nicht helfen, wenn er diesem Idioten hinterherdackelte, der wohl nicht in der Lage war über seinen eigenen Tellerrand hinwegzublicken.
Aber nun gut- Umberto würde so oder so eigene Ermittlungen beginnen. Bereits jetzt fiel es ihm schwer sich mit diesen unfähigen Tagedieben herumzuschlagen. Das dieser Donati nun auch noch Erklärungen von ihm forderte, entfachte seine Weißglut nur noch mehr.
„Wenn es nur eine Unregelmäßigkeit wäre, wie sie es ausdrücken, würde ich mich nicht an sie wenden, Messer“, gab er schließlich kühl von sich. „Ich habe im Auftrag des Kardinals hier in Venedig schon des Häufigeren mit diversen Fällen zu tun gehabt. Und auf meine Informanten ist in der Regel Verlass.“
Natürlich konnte er nicht einfach preisgeben, dass Francesca eigentlich den Pater aufsuchen wollte. Dadurch könnte er noch in Schwierigkeiten verwickelt werden. Vielleicht wäre es ja ganz gut, wenn…
„Aber wenn sie wünschen, so werde ich selbst diese Unregelmäßigkeit untersuchen. Vermutlich ist es ohnehin besser, wenn wir uns aufteilen und verschiedenen Spuren nachgehen. Ich denke jedenfalls, dass es nicht schaden kann, die Familie Bellini zu besuchen. Nun gut, lasst uns uns erst einmal hier umsehen“
Das Rätsel, das sich vor Umberto auftat, glich mittlerweile einem weit verzweigten Labyrinth, indem sich immer mehr Wege auftaten, aber nur wenige zu einem Ende führten. Jetzt kam also auch noch eine klassische Kanalleiche als mögliche Spur hinzu. Argente war im Grunde ein guter Freund von Kanalleichen. Oder auch des Kanals allgemein, der seinen Keller immer wieder mit frischen- beziehungsweise einstmals frisch gewesenen- Exponaten speiste. Kurzum konnte man sagen, dass ihm der Fall wirklich zu gefallen begann- und das trotz seiner nichtsnutzigen Gefährten.
Jetzt trat er näher an das Grab heran. Zum einen, um zu begutachten was dort ans Tageslicht befördert wurde. Zum anderen um dem Dreckwasser, welches sich vor ihm auftat seinen Respekt zu zollen, dafür, dass es Salvatore schmählich verunstaltet hatte.
avatar
Darnamur
Jünger des Pinguins

Männlich Anzahl der Beiträge : 3409
Anmeldedatum : 04.09.12
Alter : 21
Laune : katastrophal destruktiv

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Umbra am Di Nov 11 2014, 11:57

Francesca brauchte sich überhaupt nicht zur Situation zu äußern, vielleicht war sie vor Schreck, erst das grausige Bild erblickt zu haben und nun auch noch plötzlich dem Hausherrn gegenüberzustehen, der Rede und Antwort verlangte, auch so schnell gar nicht imstande dazu. Aber da auch Sarah schwieg, anstatt ihrem Vater zu erklären, warum Francesca geschrien hatte, nahm Giovanni Bellini den beiden jungen Frauen die Entscheidung, ihn einzuweihen, einfach ab. Mit eiligen Schritten, wobei er immer zwei Stufen auf einmal nahm, kam er die Treppe hinauf.



Während die Arbeiter des Inquisitors damit begannen, ins Grab hinabzusteigen und das Wasser hinauszuschöpfen, das sich darin gesammelt hatte, konnte Umberto dasselbe begutachten, ohne sich selbst in die dreckigen Tiefen hinabbegeben zu müssen. Das Wasser hatte eine schmutzig-braune Farbe, ganz so, wie man es von einer solchen Dreckbrühe erwarten würde. Von Blut im Wasser war nichts zu sehen, was aber nicht verwunderlich war, kannte man den Umstand, dass vergossener Lebenssaft mit der Zeit seine markante Farbe verlor. Eigentlich ging dies sogar recht schnell.
Die Grube zu Umbertos Füßen war tief – um einiges tiefer, als es für ein Grab gewöhnlich gewesen wäre. Tatsächlich konnte er den Rahmen des Sarges (Deckel und Boden waren kaum mehr vorhanden) ein Stückweit über der Wasseroberfläche, noch in der Erde verankert, erkennen. Salvatore musste durch den Sarg hindurch in die darunterliegende Wasseransammlung geplumpst sein. Die Frage war wohl, wie es zu der Aushöhlung unter dem Sarg gekommen war. Und wie war das Wasser eingeströmt? Normalerweise grub man hier in Venedig die Gräber nicht tiefer als nötig – eben weil das Wasser des Meeres und der Kanäle drückte und durch das Erdreich nachlief. Das könnte zumindest eine Erklärung für das Wasser sein. Aber natürlicherweise kam es selten zu solchen Fluten, dass Erdreich derart wegsackte, dass eine Höhle entstand. Und dass der Totengräber ein zu tiefes Loch gegraben und den Sarg irgendwo in der Beinahe-Schwebe gelassen hatte, machte ebenfalls wenig Sinn.



Salvatore hatte bereits festgestellt, dass er beim letzten Besuch dieses Friedhofs nicht besonders gründlich gewesen war. Allerdings hatte er kaum ahnen können, dass der Pater und die verrückten Weiber tatsächlich berechtigt solche Panik geschoben hatten. Auch jetzt noch wirkte alles ein wenig absurd. Allerdings fiel ihm, während er möglichst ohne Aufwand nach weiteren Spuren Ausschau hielt, ein, dass Sarah Bellini, die Tochter des soeben von Umberto erwähnten Malers, eine der jungen Frauen gewesen war, die auf dem Friedhof herumgeschnüffelt hatten. Was auch immer dieser Vorfall gewesen sein mochte, der sich angeblich im Hause Bellini ereignet hatte: Er konnte tatsächlich etwas mit dem Geschehnissen hier auf dem Friedhof zu tun haben. Die Hexe hatte an Leonardos Tür irgendetwas davon erzählt, dass die anderen Frauen in Gefahr schwebten. Salvatore hatte dies gestern nicht weiter beachtet, aber vielleicht hatte doch ein Fünkchen Wahrheit darin gesteckt.
Zumindest war nun bei Tageslicht, anstatt in herannahender Dunkelheit, der Friedhof weitaus übersichtlicher, sodass es nicht so anstrengend war, sich umzusehen. Während Salvatore zwischen den Gräbern umherschlenderte fiel ihm tatsächlich etwas ins Auge, was er auf den ersten Blick für einen zerbrochenes Stück Zweig hielt, sich aber auf den zweiten Blick als etwas anderes entpuppte: Es war eine dünne, entzwei geteilte Kerze, lediglich äußerlich geschwärzt, wie man am hellen Wachs im Inneren erkennen konnte.  Ihre beiden Hälften wurden nur durch den Dochtfaden zusammengehalten, der am oberen Ende der Kerze angekohlt war. Sie hatte also gebrannt. Nicht sehr lang, schätzte Salvatore, denn die Kerze war wenig aufgebraucht. Kerzen auf einem Friedhof waren nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches. Aber welcher gute Christ zündete schon geschwärzte Kerzen an? Das war auffällig genug, um nicht irrelevant zu sein.



Inquisitor Cesare Donati sah sich den Rand des Grabes genauer an, aber konnte nichts erkennen, dass auf nicht-menschliches Treiben hindeutete. Es gab weder Unregelmäßigkeiten an der Grabung selbst, die wohl wirklich mit einer Schaufel durchgeführt sein worden musste, noch Auffälligkeiten, was Spuren am Boden um das Grab herum betraf. Hier waren ausschließlich menschliche Fußabdrücke, die aber inzwischen von jedem hätten stammen könnten. Vom (wohl menschlichen) Täter (den Klauen- oder Pfotenspuren waren nicht auszumachen), vom Pater, von den Kardinalsdienern, Friedhofsbesuchern oder den Arbeitern. Dies auseinanderzusortieren, war ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn irgendetwas dem Grab entstiegen war, hatte es auf jeden Fall Hilfe von der Oberfläche gehabt. Vielleicht hatte aber auch gar nichts Lebendiges das Grab verlassen.
Aber laut Aussage des Paters hatte er das Grab nicht so vorgefunden, wie es nun war. Der Sarg war noch mit Erde bedeckt gewesen. Aber an dem Stück Sargbrett, das Machiavelli mit zur Inquisition gebracht hatte, waren eindeutig Kratzspuren, vielleicht von Klauen stammend, zu erkennen gewesen. Wenn diese Spuren nicht von der Oberseite des Sarges stammten, mussten sie innerhalb oder unterhalb des Sarges ihren Ursprung haben. Vermutlich hatte Machiavelli alle weiteren interessanten Spuren zerstört, als er hinabgefallen und den Sarg dabei vollkommen in Kleinteile zerlegt hatte. Nun war wohl nicht mehr nachzuvollziehen, ob der Sarg geöffnet und danach wieder mit Erde bedeckt worden, oder von oben vollkommen unangetastet geblieben war.

Auch Cesares Lehrling Adamo war aus dessen Blickfeld verschwunden. Vermutlich hatte der Junge sich zum Schuppen begeben, um die gewünschte Stange zu suchen. Die Tür der kleinen Holzhütte stand zumindest offen.



Kurz zuvor war Adamo bei seinem Ziel, dem Schuppen auf dem Friedhofsgelände, angekommen. Dieser Ort war ihm immer noch nicht geheuer. Friedhöfe hatten ohnehin etwas Unheimliches an sich. Das reichte für den Geschmack des Jungen schon vollkommen. Wenn nun aber noch Grabschändung, Wasserleichen, Unmengen von Blut und möglicherweise der Hölle entstiegene Untiere hinzukamen… Das war der Stoff, der in Adamo Unbehagen und an ihm eine Gänsehaut hervorrief. Er hoffte, dass sein Kreuz, das er an einer Kette über seinem Herzen trug, ihn vor dem Bösen beschützte, was hier lauern mochte. Doch dieses Böse machte selbst nicht vor geweihtem Boden und Priestern halt. Das versprach nichts Gutes.
Entsprechend angespannt öffnete Adamo die Tür des Schuppens – allerdings sah das Innere nicht besonders bedrohlich aus, sodass er eintrat. In einer Ecke stand ein schmutziges, schmales Bett – vermutlich das des Totengräbers – daneben ein schmaler Schrank und ein Schemel mit einer leeren, hölzernen Waschschale darauf. Der Mann lebte das Leben eines bescheidenen Mannes – oder er hatte es gelebt. Er war ja vermisst. Ob er tot war, war noch ungewiss.
Der Rest der kläglichen Bretterbude war mit allerhand Gerätschaften zugestopft, die benötigt wurden, um den Friedhof und die Gräber selbst in Ordnung zu halten.
Seufzend begann Adamo, zwischen den verschiedensten Dingen mit Holzstielen eine Stange ohne metallenes Anhängsel zu suchen. Ein knirschendes Geräusch unter seinen Füßen ließ ihn jedoch innehalten und bei dem, was er am Boden entdeckte, in die Hocke gehen. Vorhin, beim Betreten des Schuppens, war ihm das gar nicht aufgefallen, aber nun war es kaum zu übersehen, dass ringsherum an den Wänden entlang und sogar auf dem schmalen Fensterbrett und draußen vor der Türschwelle eine Spur von weißem, grobkörnigen Pulver ausgestreut worden war. Neugierig und verwundert zugleich tippte Adamo mit dem Zeigefinger hinein und probierte mit der Zungenspitze vorsichtig die Krümel, die daran kleben blieben.
Salz.
Interessant. Nun ja. Seltsam, traf es eher. Ein geschlossener Kreis aus Salz… Das beunruhigte Adamo, denn ihm kam sofort das Wort „Schutzkreis“ in den Sinn… Schutz vor Geistern, Schutz vor Dämonen. Es hieß im Volksglauben, einen geschlossenen Kreis aus Salz könnten sie nicht überschreiten. In einem solchen Kreis wäre man also vor ihnen geschützt – oder (und diesen Gedanken mochte er gar nicht, weil er sich in diesem Kreis befand) einen solchen Kreis könnte man verwenden, um sie zu fangen, indem man sie hineinlockte und die Salzbarriere dann schloss.
Ein Kirchendiener wie ein Totengräber dürfte, so oder so, nichts mit solchem Hexenwerk zu schaffen haben. Adamo zögerte kurz. Eigentlich wäre ihm wohler, wenn er die Hütte nun schnell verlassen hätte. Aber, da hier bisher noch nichts vorgefallen war, schien es ihm sicher zu sein. Der Ehrgeiz hatte ihn gepackt. So suchte er nach weiteren ungewöhnlichen Dingen.

_________________
Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
avatar
Umbra
Tiefseemonster

Weiblich Anzahl der Beiträge : 6438
Anmeldedatum : 09.07.12
Alter : 24
Wohnort : NRW
Laune : voll motiviert

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: DidS - Teil I: Grabschändung

Beitrag von Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Seite 6 von 15 Zurück  1 ... 5, 6, 7 ... 10 ... 15  Weiter

Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten