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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:29

TKarn:
"Werte Melinda, ich glaube ihn könnt ihr fragen, wie ihr hier her gekommen seid." Dabei deutete er auch Charly Norly.

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:30

Alan hatte genug von den Beteuerungen und wagen Andeutung des Mörders, so entschied er nicht auf das Gesagt einzugehen, sondern sich den beiden Neuankömmlingen zuzuwenden.
"Verschleppt hat er uns. Und das ist erst der Anfang, von dem, was sein wirrer Geist ersonnen hat. Und Sie umsorgen ihn auch noch!", fuhr Alan die Dame an. "Schauen Sie sich ihn doch an! Sein Gesicht finden sie an jeden Pfahl geschlagen in London."
Nun konnte sich Alan doch nicht zurückhalten den Schlächter anzusprechen.
"Bitte nennen Sie mich nicht so? Wie pflegen Sie denn einen vielfachen Mörder zu nennen? An Ihren Fingern klebt das Blut von einem dutzend Unschuldigen!"
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 13:31

Melinda war verwirrt aufgrund der Anschludigungen die der Mann der gegenüber auf dem Sofa saß aussprach. Offensichtlich war doch er die Bedrohnung, schließlich hatte er den anderen Mann niedergestreckt. Ständig faselte er jedoch etwas von Mörder. Sie blickte dem Mann, dem sie zur Hilfe geeilt war nun zum ersten Mal ins Gesicht und trat erschrocken zurück. "Norly..." stammelte sie. Wie hatte sie das übersehen können. Der meist gesuchte Mörder von London, ja wenn nicht sogar vom vereinigten Königreich. Furcht stieg in ihr auf. "Was wollen sie denn von uns?"
Dumm, dass ich das Stuhlbein nicht mehr habe.
Langsam wich sie zurück.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:32

„Danke, meine Liebe“, sagte Charles, als Melinda ihm zur Hilfe kam. Er ließ sich gerne von ihr führen, auch weil er etwas wackelig auf den Beinen war, doch sie gingen nur einige Schritte, da Mr. Stirling auf sie einredete und sie daraufhin schnell Abstand von ihm nahm.
„Ich will lediglich reden. Aber einen Moment“, bat er Miss Bolt um Geduld, denn Charles wollte sich erst um Alan kümmern.
Zuvor ging er jedoch auf den Sessel zu, auf den Melinda ihn anscheinend hatte setzen wollen, trat auf dem Weg dorthin die Zigarre aus, die er beim Fall auf den Boden verloren hatte, und ließ sich auf das Polstermöbel sinken. Nun saß Charles dem Mann gegenüber. Er bedachte Alan mit einem herausfordernden Blick. Diesmal, das war ihm bewusst, war kein Schreibtisch zwischen ihnen, auch wenn der für Mr. Stirling sowieso kein Hindernis dargestellt hatte.
„Ich finde, mein Geist erfreut sich bester Gesundheit, und ich wage zu bezweifeln, dass Sie das beurteilen können“, fing Charles an, „denn Sie wissen nichts über mich. Doch Mord passt zu einem Mann wie mir, nicht wahr? Sie liegen falsch, Alan: es sind dreizehn Opfer, die man Scarface anrechnet, nicht ein dutzend, dreizehn. Angefangen mit den Polizisten Harry Goodman und Rubert Hazzle, den beiden Geschäftspartnern James Snow und Laurence Fletcher, Lisa Harris und Benjamin Collins, über Anthony Fox, Charles Cook sowie Jane und William Smith, zu Harrold Mauney, Deborah Linsby und Eliza Maynard. Und das seit Anfang Januar, das macht im Schnitt ein bis zwei Morde pro Woche. Ist das das Werk eines kranken Monstrums? Vielleicht.“ Demonstrativ wischte Charles sich die rechte Hand an seiner Weste ab, wo sie rote Schlieren hinterließ. „Ich weiß nicht, was Sie mit meinen Fingern haben, ich sehe nur mein eigenes Blut daran kleben.“

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:33

"Sie sind doch völlig geisteskrank, man!", rief Alan und war kurz davor ausflippen. Er konnte die plötzliche Nähe dieses Verrückten nicht ertragen und stand auf, um aus der Situation zu fliehen. Mit zwei, drei Schritten war er bei einem kleinen Beistelltischchen, doch für die filigranen Schnitzerein der Holzbeine hatte er kein Auge. Erleichtert griff sich Alan die bauchige Flasche Weinbrand, öffnete sie und nahm einen guten Schluck. Mit dem Alkohol legte sich seine Aufregung und Ruhe kehrte in sein aufgewühltes Gemüt. Wie ein Blinder durch den Stock Sicherheit erlangte, ging es Alan mit dem Alkohol. Er wusste, dass dieser Kranke ein Spiel mit ihnen spielte, was seinen Höhepunkt erst noch erreichen sollte. Alan beschloss mitzuspielen, zumindest für eine gewisse Zeit.
Mit ruhigen Schritten näherte er sich erneut Charles und setzte sich ihm gegenüber. Noch einmal trank er aus der Flasche. Er kannte solche Situationen. Irgendein Durchgeknallter meinte die Welt mit seinen Weisheiten volllabern zu müssen. Wie oft hatte er solche Tresengespräche geführt? Hunderte Male. Alan konnte dieses Spiel spielen.
"Dreizehn Opfer, so, so. Sagen Sie, Charles, oder welchen Namen ihre Mutter nächtelang verflucht und in ihren Tränen geschluchzt hat, ob des verdorbenen Sohnes, angenommen jemand käme in diesem Moment durch diese Tür. Dieser jemand würde eine Axt bei sich tragen und Ihnen Hände und Füsse abschlagen, sie dann in irgendeine stinkende Gosse werfen und liegenlassen. Ganz so, wie es sich gehören würde. Wäre dieser jemand ein Verrückter? Wäre ich ein Verrückter, der sich dieses heitere Schauspiel bei einem gutem Schluck Weinbrand anguckt?"
Alan fixierte sein Gegenüber mit interessiertem Blick.
"Wann kommen Sie endlich zum Punkt, Charles? Was soll das ganze hier?" Dann fiel es Alan wie Schuppen von den Augen.
"Die Bühne ist noch nicht bereitet, richtig? Sie haben alles geplant und sorgfälltig arrangiert, aber etwas fehlt. Die Enthüllung kann noch nicht stattfinden, nicht wahr? Was ist es, Charles, oder sollte ich fragen, wer ist es? Wer fehlt im Dramatis personae? Ist es dieser Bulle, der sie jagt und hier wohnt? Wo ist er? Gefesselt in seinem Bett? Was soll geschehen wenn sich der Vorhang öffnet? Werden Sie ihn vor unseren Augen erdolchen? Kastrieren? Sollen wir es tun?"
Alan sprach ruhig und hatte sich in eine Atmosphäre gemütlicher Anspannung geredet, die er aus so vielen durchzechten Nächten kannte, doch sein Blick war klar auf Charles gerichtet.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 13:33

Melinda war mehr als verwirrt. Sie blickte immer wieder zwischen den beiden Männern hin und her. Was redete der eine? Sie waren in einem Haus eines Polizisten?
Erst jetzt wurde ihr das Gemälde bewußt, welches an der Wand hing.
Sie rümpfte ärgerlich die Nase.
"Für meinen Teil wäre ich sehr froh, wenn der Besitzer dieses Hauses irgendwo erdolcht hängen würde. Dieser Mistkerl!"
Sie erinnerte sich nur gut, wie er erst ihre Dienste in Anspruch genommen hatte um sie danach in den Tower werfen zu lassen.
"Ganz unrecht hat der Mister" sie deutete auf den zweiten Mann im Raum "aber nicht. Sie schulden uns immer noch eine Erklärung weshalb wir hier sind, wenn sie uns nicht für ein makaberes Schaupsiel hergebracht haben."
Nervös nestelte sie an ihrem Ärmel herum.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:34

Charles zeigte erst keine Regung, als er Mr. Stirlings Worte verfolgte, dann schlich sich aber doch ein Lächeln auf seine Lippen. Der Mann war sichtlich verzweifelt und schien ob seines vermeintlich bald eintretenden, grausamen Endes fast schon resigniert zu haben. Doch erst als Miss Bolt sich zu Hill äußerte, steigerte sich sein Lächeln kurz zu einem zufriedenen Grinsen. Dass sie ebenfalls Angst vor ihm hatte, war nicht zu übersehen. Vielleicht wurde es langsam wirklich Zeit, seine Gäste nicht länger auf die Folter zu spannen. Charles sprach weiterhin mit Mr. Stirling. „Muss es immer noch ein bisschen mehr sein? Bin ich Ihnen etwa nicht genug, Alan? Ich sehe doch, dass Sie jetzt schon überfordert sind, obwohl ich nur hier sitze und Ihnen anscheinend Stoff für blutige Fantasien liefere. Aber Sie haben Recht: es fehlt noch jemand. Haben Sie ihn oben gelassen?“, wandte er sich an Melinda und John.
Es bestand durchaus die Möglichkeit, dass Mr. Lived noch schlief, schließlich hatte Charles ihn als letztes betäubt, aber vielleicht hatte dieser das Mittel auch nicht gut vertragen.
Ich werde gleich nach ihm sehen müssen.
„Hill ist es nicht, nein. Doch ich bin mir sicher, dass er dort, wo er ist, fürs Erste genug leidet“, fügte er, erneut lächelnd, hinzu und sah Melinda dabei an. „Sieht dieses Haus aus, als würde überhaupt jemand hier wohnen? Seitdem seine Frau mit den Kindern die Stadt verlassen hat, hat er keinen Fuß mehr hier hinein gesetzt. Was für eine Platz- und Geldverschwendung! Und während jede verkommene Seele Londons sich auf den Straßen herumtreibt, trinkt sich unser Saubermann Hill auf seiner Couch im Scotland Yard in den Schlaf, um allen Ärger und die Sorgen zu vergessen. Vielleicht auch, um sein Gewissen zum Schweigen zu bringen, falls er denn eins besitzt.“
Charles lehnte sich bequem im Sessel zurück.
„Denken Sie, es hat auch nur irgendeinen Reiz für mich, ihn aus diesem Sumpf aus Selbstmitleid zu erlösen oder Sie zu zwingen, das für mich zu tun? Es ist völlig unerheblich, was Sie tun oder lassen, genauso wie es für Sie keine Bedeutung zu haben scheint, was ich sage. Sie halten mich für einen Geisteskranken? Fein, damit kann ich leben, schließlich gibt es kaum jemanden, der Ihnen da widersprechen würde. Ich weiß nicht, was meine Mutter zu dem ganzen hier sagen würde, wenn sie noch die Möglichkeit hätte, aber ich schätze, sie würde nicht enttäuscht von mir sein. Ich“, betonte er mit sich im Reinen, „habe etwas aus mir gemacht.“
Dann verfiel er in einen ungezwungen Plauderton, um es Alan gleichzutun.
„Ihnen allerdings fehlt eindeutig meine Sicht auf die Geschehnisse, um richtig über mich urteilen zu können. Tatsache ist, dass ich der Mann bin, dessen Gesicht überall an die Wände plakatiert wurde. Der Galgen wartet auf mich. Ich kann und will mich nicht ewig verstecken, auch wenn es ziemlich erheiternd war, wie dämlich sich die berühmteste, angesehenste und teuerste Polizei der Welt anstellt. Diese fetten, blinden, korrupten Bobbies machen ihrem Vorgesetzten alle Ehre. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, dass sie mich finden.“
Er seufzte. „Natürlich könnte ich von hier verschwinden, vielleicht zurück nach China, aber das würde bedeuten, dass ich den Termin meiner Hinrichtung nur verschöbe. Die Beweislast ist erdrückend, weit weniger würde reichen, um mich baumeln zu lassen. Dennoch werden sie kein Geständnis von mir hören, das wird niemand, unter keinen Umständen. Ich werde sie nicht gewinnen lassen. Ich bin mir durchaus bewusst, was ich getan habe. Ebenso weiß ich, was ich nicht getan habe. Aber das zählt im Endeffekt überhaupt nichts.“
Charles griff in seine Weste und zog aus der Innentasche seinen Revolver hervor, ohne ihn auf jemand bestimmten zu richten. Während er weiterredete, gestikulierte er mit der Waffe beiläufig herum.
„Ich habe Ihnen gesagt, dass Sie nichts von mir zu befürchten haben, und ich halte mein Wort. Ich werde Sie vier nicht umbringen, genauso wenig wie ich die dreizehn Leute umgebracht habe, deren Namen ich gerade aufgezählt habe. Ich bin vieles, doch kein Mörder. Ich erwarte nicht, dass Sie mir glauben, das würde ich ihn Ihrer Situation auch nicht tun, aber ich will es zumindest einmal aussprechen. Sie sind hier, weil man mir sagte, ich bräuchte Hilfe.“ Er lachte kurz auf. „Das in einem anderen Zusammenhang gemeint, doch ich habe darüber nachgedacht. Sicher, es wäre einfacher, wenn ich Unterstützung hätte, mir läuft die Zeit davon, aber ich will sie zu nichts zwingen.“
Nun war es wieder Alan, den er direkt adressierte.
„Ich verrate Ihnen etwas: Sie können es jetzt und hier beenden, bevor sie noch mehr von mir hören müssen. Hier, nehmen Sie, Alan.“
Charles löste die Sicherung seines Revolvers mit einem Klicken, hatte mit einer lockeren Bewegung den Lauf in der Hand und hielt Mr. Stirling den Griff der Waffe entgegen. Er meinte es vollkommen ernst.
„Und bereits entsichert, Sie müssen nur noch abdrücken. Üben Sie Vergeltung, jeder Bürger des Empires wird ihnen dafür dankbar sein. Nehmen Sie Hill die Freude und Genugtuung, höchstpersönlich vorzutreten und mir die Schlinge um den Hals legen zu dürfen. Oder bringen Sie mich zu ihm. Es ist nicht weit, ich zeige Ihnen sogar den Weg. Ich bin mir sicher, dass man sich in vielerlei Hinsicht bei Ihnen erkenntlich zeigen wird. Bei Ihnen allen. Schließlich haben Sie Scarface dingfest gemacht. Meinen Glückwunsch! Sie haben die freie Wahl.“

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:35

TKarn:
"Warum sollten wir Ihnen helfen? Was haben wir davon?"

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:35

Alans Aufregung legte nach dem Gefuchtel mit der Waffe keineswegs, auch nicht der Gestörte sie ihm in die Hand drückte. Alan hasste Waffen dieser Art, obwohl er selbst eine zu tragen pflegte. Sie waren feiges Werkzeug, von Verrückten wie jenem, der ihm so nah gegenüber saß. Alan nahm einen weiteren Schluck aus der Flasche. Dann ergriff er den Revolver.
"Sie fühlen sich sicher, nicht wahr? Halten sich für einen Übermenschen, einen Unantastbaren, womöglich gar für etwas Besseres. Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel blicken? Einen Engel gar? Ein göttliches Wesen?", fragte Alan und sicherte die Waffe wieder. Dann öffnete er die Trommel und blickte hinein. Sechs Kugeln. Dieser Irre ist sowas von irre!

Sein Blick fiel wieder auf Scarface. Verharrte auf dessen undeutsamen Zügen, auf diesem unerträglich klaren Blick, der nur den Schluss zuliess, dass sein Geist vollständig und zutiefst zerrüttet sein musste.
Alan liess die Trommel zurück in den Revolver schnappen und entsicherte ihn erneut.
"Das war ein Fehler, Mister."
Alan hob die Waffe in einer entschlossenen Bewegung und für den Bruchteil einer Sekunde pendelte der Lauf in der Luft, bis er eine gerade Linie zu Scarfaces Stirn bildete. Alans Hand zuckte. Ein Schuss krachte in die Stille des Raumes und peitschte um Haaresbreite an Scarfaces Kopf vorbei.
Das Geschoss bohrte sich in die Wand.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:36

Charles zuckte erschrocken zusammen, als Mr. Stirling abdrückte und er den Luftzug der Kugel deutlich spürte. Dem lauten Knall hallte in seinen Ohren kurz ein Klingeln nach. Sein Herz raste nun, nicht vor Angst, sondern vor Aufregung. Bevor er wieder zu Alan aufsah und entwaffnet die Hände anhob, atmete er tief durch und fing an, erheitert zu lachen.
„Offensichtlich war es kein Fehler. Sie verhandeln mit mir, das ist, was ich wollte.“
Tatsächlich hatte sein Gegenüber in etwa so reagiert, wie Charles gehofft hatte. Auch wenn er nicht erwartet hätte, dass Alan wirklich abdrücken würde.
„Niemand hört sich gerne in dem Gefühl, er hätte keine Wahl, einen Vorschlag an“, sprach er weiter. „Doch Sie haben die Wahl. Mit der Waffe habe ich mein Schicksal in Ihre Hand gelegt. Sie sitzen nun am längeren Hebel.“
Charles blickte Mr. Stirling tief in die Augen und lehnte sich ein Stück vor.
„Diese Macht über Leben und Tod fühlt sich großartig an, nicht wahr? Unvergleichlich. Ein Rausch, den Sie mit Alkohol nie erreichen können. Sie spielen mit mir, mein Freund, drohen mir, halten mich hin...“
Er sank wieder im Sessel zurück.
„Was sehen Sie nun, wenn Sie in den Spiegel blicken? Was sehen Sie danach, wenn Sie mich anschauen?“, fragte und lächelte schadenfroh. Sie halten sich für etwas Besseres, Alan, aber das hier gerade beweist, dass Sie keinen Deut besser sind als ich. Ja, in der Tat, ich fühle mich sicher, trotzdem Sie meinen Revolver auf mich richten. Nennen Sie es Wahnsinn, ich nenne es Entschlossenheit. Der Wahnsinn steckt in jedem von uns. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sein hässliches Gesicht zeigt. Es verlangt lediglich nach den richtigen Umständen, um ihn zum Vorschein zu bringen. Angst, Trauer, Wut, verletztes Ehrgefühl, Begehren, Liebe... Die Motive sind vielfältig und es ist so leicht, etwas Unrechtes zu tun. Verführungen gibt es genug und es ist rein menschlich, schwach zu werden. Nein, ich bin kein Übermensch, ich bin nicht unantastbar, ich bin kein Engel, erst recht bin ich nicht göttlich. Im Spiegel sehe ich einen einhändigen, die besten Jahre schon hinter sich habenden Mann mit einer Narbe, die ihm ein Idiot bei einem idiotischen Duell beigebracht hat, auf das er sich idiotischerweise eingelassen hat. Ich sehe einen Mann, der in London gelandet ist, weil er seine Heimat leid war, sich hier mit einem alten Bekannten angelegt hat und sich seitdem in mehr oder minder schäbigen Hütten versteckt, sich meist nur nachts auf die Straße wagt und nicht nur einmal durch die Kanalisation kriechen musste wie eine dreckige, müllfressende Ratte. Ich sehe einen Mann, der vier Londoner aus dunklen Gassen oder aus ihrem Heim entführt hat, teilweise betäubt mit einem Mittel, das er einem Arzt gestohlen hat, und sie mithilfe einer Kutsche, die er einem gutmütigen Freund gewaltsam entwendet hat, in das Haus seines Gegners gebracht hat, dem er während mehrerer nächtlicher Besuche im Scotland Yard nicht wenige Informationen entlocken konnte, weil dieser ihn im Suff für seinen Freund Sorkin hielt. Nun sitzt der Mann hier auf einem Sessel, der nicht ihm gehört, ruiniert mit seinem Blut aus einer Wunde, die Sie ihm mit einer Whiskyflasche beigebracht haben, schicke Kleidung, die ihm ebenfalls nicht gehört, und lässt sich von Ihnen mit seiner eigenen Waffe bedrohen.“
Charles machte er eine kurze Pause, in der er gemütlich die Beine übereinanderschlug.
„Sind Sie religiös, Alan? Auf mich Sünder wartet nicht nur der Galgen, sondern meine ganz persönliche Hölle, davon bin ich überzeugt. Denn der Mann, den ich im Spiegel sehe, bereut nichts von dem, was er getan hat, obwohl er allen Grund dazu hätte. Diese Eigenschaft“, lachte er bitter, „ist in der Tat göttlich. Sehen Sie sich um. Die Welt ist ein Drecksloch, und London ist die größte Ansammlung von Abschaum überhaupt - ich schließe mich da nicht aus. Sie mögen vielleicht sagen, dass Sie vergleichsweise gut dastehen“, er verzog sein Gesicht, „aber ich behaupte das Gegenteil. Was haben wir hier?“, fragte er mit übertriebenem Interesse und sah sich die Personen im Raum an. „Einen Wissenschaftler, der sich nicht der reinen Erkenntnis, sondern der Zerstörung gewidmet hat, und durch seine Entwicklungen hilft, die Ausbeuter an der Macht zu halten; einen saufenden, sich prügelnden Tagedieb, der anscheinend nichts mit seinem Glück anzufangen weiß, das ihm vor die Füße fällt; und eine hübsche, junge Dame, die sich durch das Leben schlägt, indem sie ihre Reize verkauft... Ich kann Sie verstehen, es ist bequem, die Dinge so anzunehmen, wie die sind. Aussteiger wie ich werden gnadenlos niedergeknüppelt. Man braucht keinen Dank zu erwarten, wenn man versucht, gegen das System zu arbeiten. Weder von den Mächtigen, noch von denen, denen man eigentlich nur Gutes tun will - auch wenn es im Endeffekt doch nur dem Eigennutz dient. Nicht wahr, Alan?“, fügte er hinzu, um klarzumachen, dass er auch auf Mr. Stirlings Vergangenheit anspielte. „Aber das ist der Reiz daran. Ich kam, sah und werde siegen. Vielleicht nicht objektiv, aber für mich selbst, weil ich das tue und tun werde, was innerhalb meiner Möglichkeiten liegt.“
Charles atmete durch.
„Um also auf Ihre Frage zurückzukommen, Mr. Hyde: was nützt es Ihnen, mir zu helfen? Erst einmal überhaupt nichts. Das wird Ihnen nur Unannehmlichkeiten bescheren, meine Gesellschaft ist vermutlich die geringste davon. Doch Sie sind vielleicht darauf gekommen, dass ich Sie nicht willkürlich ausgewählt habe. Ich denke, so wie Ihre Fähigkeiten mir von Nutzen sein können, kann ich Ihnen helfen, zu überleben. Natürlich stehen einige Hürden vor uns, die wir überwinden oder umgehen, und Risiken, die wir tragen müssen, aber auf lange Sicht ist das Anreiz genug, oder nicht?“

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:37

Tow:
Lived hielt es von seinem Standpunkt aus nicht mehr und er stürmte auf die beiden zu: "Woah, woah!...Lass das mit der Waffe einmal. Zuerst sollte man immer den Typen ausreden lassen, den man erschießen will. Nur einmal um sicher zu gehen. Ich wüsste nämlich zu gerne, welche Rolle ICH in dieser Sache spiele"...

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 13:38

Starke Kopfschmerzen quälten sie und auch ein erneuter Hustenkrampf schien sich hinauf zu beschwören, als plötzlich ein Schuss fiel. Sie zuckte zusammen und fasste sich automatisch an die Stelle, an der normalerweise ihre Wristgun befestigt war. Sie blickte zu Scarface hinüber, doch der Schuss hatte ihn verfehlt.
"Also um Himmels Willen, da schießt ja meine blinde Großmutter besser!"
Melinda war sichtlich geschockt davon, dass dieser Fremde einfach auf Scarface geschossen hatte, verdient hätte er es. Auch wenn er behauptetet, dass er nichts mit den Morden zu tun hatte. Das verwirrte sie. Sie kannte tatsächlich den ein oder anderen Mörder der so gar gerne damit angab jemanden getötet zu haben, bis man ihn schließlich in den Tower warf.
"Sie haben uns ausgewählt? Könnten sie das vielleicht erläutern?"
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:38

"Halt deine Schnauze.", presste Alan, unter mühsamer Beherrschung hervor und starrte Norly an. Das Gerede des Irren machte ihn krank im Kopf, es widerte Alan an, wie sich diese Ausgeburt über ihn stellte und keinen Funken Reue für seine Abscheulichkeiten zeigte.
"Ich verhandel nicht mit dir."
Alan presste den Lauf der Waffe aus Norlys Knie. "Ich schiess dir auch kein Loch in deinen Schädel. Ich lass dir eine einfache Wahl. Du erklärst ohne Gesülze was wir hier sollen oder ich drücke ab. Dann werde ich dich wieder fragen, Norly. Wir haben noch fünf Kugeln. Und wenn die Nachbarn dann aufgeschreckt von den Schüssen die Bullen gerufen haben, Norly..." Alan liess den Satz unvollendet.
Plötzlich rauschte ein weiterer Gast in das Kaminzimmer. Was ist das denn für ein Vogel? Und auf welchem Kraut ist der hängengeblieben?
Die Worte der Frau ignorierte Alan lieber. Er konnte gerade nicht mehr garantieren sich komplett beherrschen zu können.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:39

„Man lässt mich ja nicht ausreden“, antwortete Charles Mr. Lived und Miss Bolt gleichermaßen kühl und wischte sich noch einmal mit dem Ärmel über Stirn, um das inzwischen nur noch wenige, aus seiner Platzwunde tretende Blut von seinem Gesicht fernzuhalten. Er verkniff sich einen bissigen Kommentar zu Mr. Stirlings hervorscheinenden sadistischen Zügen, denn auf eine Kugel im Knie konnte er gut und gerne verzichten. So eine Verletzung würde nicht so schnell, vielleicht sogar nie vollständig heilen, wenn denn überhaupt Zeit zur Erholung blieb. Und eine Flucht würde sich damit auch ausschließen.
Er würde es womöglich sogar fertigbringen, mir alle fünf Kugeln in den Körper zu jagen und mich dann ausbluten zu lassen, überlegte Charles, als er sich Alan ansah. Ob ihm wohl bewusst ist, dass das kein Gericht einen so offensichtlichen Mord entschuldigen würde?
Er sprach seinen Gedanken nicht aus.
„Ich rede Ihnen also zu viel. Wie Sie wollen, Alan, ich werde mich kurz fassen.“
Charles ließ sich von der Waffe an seinem Knie nicht weiter irritieren, sondern blickte Alan ohne Scheu in die Augen.
„Anders als Sie denken mögen, bin ich eigentlich nicht nach London gekommen, um ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei zu spielen. Ich wollte näher am Geschehen sein. Sheffield ist so unendlich deprimierend. Aber wie soll ich es sagen? Eins führte zum Anderen, doch ich bin kein Serienmörder“, betonte er, indem er etwas langsamer sprach, „daran würde ich mich erinnern. Ich hatte auch nicht vorgehabt, Hill umzubringen, als ich vor nun mehr als zwei Monaten mit meinem Revolver in der Hand ein Gespräch mit ihm führte. Er hat es zwar so ausgelegt, die Mündung an seiner Kehle aber sicherte mir lediglich einen unversehrten Rückweg.“
Er mahnte sich dazu, nicht wieder zu weit abzuschweifen. Die verdammten Kopfschmerzen machten es ihm nicht leichter, sich auf seine Worte zu konzentrieren.
„Nun bin ich dabei, das beste aus der Situation zu machen. Ich werde den Arbeitern zu ihrem Recht zu verhelfen. Oder besser gesagt: ich will ihnen helfen, sich selbst zu helfen. Ich rede von Revolution.“
Charles sah kurz in die Runde, um die Reaktionen seiner Gäste einzufangen, bevor er wieder Mr. Stirling fixierte.
„Sie können sich vorstellen, dass das mein Vorhaben ohne Hilfe von anderen nicht gerade erfolgversprechend ist, deswegen sind Sie vier hier. Ich bin davon überzeugt, dass Sie die Fähigkeiten mitbringen, die mir fehlen. Und bevor Sie Nein sagen, will ich wiederholen, dass das für Sie nur von Vorteil sein kann. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will Ihnen nicht drohen, sondern Sie warnen: ein Machtwechsel ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit für Sie, aus der Sache irgendwie lebend herauszukommen. Sie stehen auf der Liste, genau wie ich und viele andere. Wir sind Leute, die man als zu gefährlich eingestuft hat, als dass man uns ewig herumlaufen lassen würde. Wir sind Unruhestifter oder wissen zu viel. In meinem Fall trifft sicherlich beides zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man uns aus dem Weg räumen wird. Ich konnte mich bisher der Vollendung dieser Prozedur entziehen, aber mir werden keine Bemühungen mehr helfen, meine Hinrichtung zu verhindern. Genauso wenig, wie es für die bereits Ermordeten, einschließlich für die dreizehn, deren Tod man mir anhängt, noch von großem Nutzen sein wird, wenn wir einen Umsturz anzetteln. Aber wenn Sie mich unterstützen, können wir gemeinsam dafür sorgen, dass das Gesetz wieder dem Schutz des Rechts dient und wenigstens Sie und alle anderen potenziellen Mordopfer nicht mehr damit rechnen müssen, eines Tages in irgendeiner dunklen Gasse massakriert zu werden - zumindest nicht, um Sie zum Schweigen zu bringen.“
Gleichgültig, genauso wie der Ton seiner Stimme nun war, kratzte er sich die Wange, da sein Bart, klebrig von Scotch und Blut, juckte.
„Ich weiß, dass Sie meinen Worten nicht trauen, das ist offensichtlich. Darf ich Ihnen beweisen, dass ich keinen wirren, paranoiden Unsinn vor mich hinrede, bevor Sie mit der Waffe tun, was Sie nicht lassen können?“

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:39

TKarn:
"Wirr und paranoid? Lassen sie hören."

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:40

"Sie sind doch völlig übergeschnappt!", entfuhr es Alan und erhob sich rasch. "Was für einen Irrsinn wollen sie uns denn jetzt auftischen? Vom Mörder zum Opferlamm zum Menschheitsretter? Du bist doch komplett wirr, Norly, komplett!"
Alan ging zu den anderen drei Geiseln und drückte Melinda die Waffe in die Hand. "Hier. Machen sie damit was sie wollen. Der wird uns hier die halbe Nacht irgendwelche Märchen erzählen. Ich hab genug von diesem hirnkranken Theater."
Alan verzog sich zu der Tür und begann eifrig aus seiner Flasche zu trinken.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:41

Charles atmete innerlich auf, als Alan von ihm wegging und den Revolver abgab. Auch wenn er Melinda nicht unterschätzen wollte, hatte Mr. Stirling eine eindeutig aggressivere Ader, die noch zusätzlich von dem Alkohol angestachelt wurde, den er in sich hineinkippte.
„Sie missverstehen mich. Die Menschheit kann man nicht retten; ich mache mir da keine Illusionen. Im Grunde müsste man sie dazu fast vollkommen auslöschen, auch wenn das hart klingen mag. Platon sagte, dass es in den Menschen mehr Übles als Gutes gibt, und ich weiß, dass er damit recht hat. Es wird immer jemanden geben, der seine Stellung in der Gesellschaft ausnutzt, und ebenso wird es immer diejenigen geben, die das bereitwillig mit sich machen lassen. Das ist keine Pessimismus, sondern scharfsinnige Beobachtung. Die Geschichte bietet uns genug Beispiele; das, was hier gerade im Herzen des Empires geschieht, ist der lebende Beweis. Außerdem will ich überhaupt niemanden retten. Der Held, der in schimmernder Rüstung das Ungeheuer besiegt... Ich bitte Sie, das ist lächerlich und passt erst recht nicht zu mir! Ich bin auch kein Opfer, das Ihr Mitleid haben will. Das Ganze ist eine persönliche Angelegenheit, aber warum sollte nur ich Nutzen daraus ziehen? Genau genommen habe ich mit dem Hin und Her angefangen, nun muss ich die Konsequenzen tragen.“
Charles unterbrach seine Ausführungen, da Alan nun im Begriff war, die Tür zu durchqueren.
„Sie gehen in die falsche Richtung, Mr. Stirling“, informierte er ihn. „Wenn Sie sich im Dunkeln durch das Gerümpel zur Vordertür kämpfen wollen, fallen Sie nur hin. Nehmen Sie den Hinterausgang.“ Er wies auf die zweite Tür, die aus dem Kaminzimmer führte. „Dort entlang, im Flur die zweite Tür rechts und dann die Tür auf der Fensterseite. Allerdings werden Sie entweder einen Schlüssel oder ein Brecheisen brauchen, um hinauszugelangen.“
Als Charles sich schon wieder den anderen zuwenden wollte, fiel ihm noch etwas ein.
„Ach ja“, fing er an. „Ich habe mir erlaubt, Ihre Sachen zu verstauen. Vergessen Sie sie nicht, wenn Sie das Haus verlassen. Ihr Stock lehnt am Schrank im Flur und Ihr Revolver befindet sich in der obersten Schublade. Und tun Sie sich einen Gefallen und lassen Sie den Brandy hier. Die Stadt ist groß und Sie wollen sich doch nicht verirren. Auf Wiedersehen!“
Nach dieser Unterbrechung setzte er zum Gespräch mit der Allgemeinheit an, achtete allerdings im Augenwinkel darauf, was Alan tat.
„Wo war ich stehengeblieben?“ Er dachte kurz nach, bevor er fortfuhr. „Konsequenzen... Man hätte meine angeblichen Opfer sowieso umbracht. Dass man mich auf diese Art und Weise gleich mit loswird, ist doch ein angenehmer Nebeneffekt. Damit sind viele Probleme auf einen Schlag gelöst. Und wenn man mich fasst, finden sie den nächsten Deppen, dem sie ihre Taten unterschieben können. Da haben sie Erfahrung mit. Die Nächsten schlitzen sie eben nicht auf, sondern erwürgen sie vielleicht. Oder sie lassen es diesmal wie Einzelmorde mit nicht nachvollziehbaren Tätern aussehen, das macht weniger Arbeit. Mein Fall“, sagte Charles, „ist nur die grausige Spitze des Eisberges. Ich wage nicht darüber nachzudenken, wie hoch die Zahl der Opfer sein muss, die in den letzten vier oder fünf Jahren ermordet wurden. Allein in London. Es sind sicher nicht wenige darunter, die ruhiggestellt wurden.“
Die Pause, die er nun zwischen Ende des einen und Anfang des nächsten Satzes machte, war kaum wahrnehmbar, doch der Unterton in Charles ruhiger und gelassener Stimme wurde härter.
„Warum sollte ich Sie anlügen? Erinnern Sie sich an die Schlagzeilen, die Richter Arthur Heywright letztes Jahr gemacht hat? Zeugen behaupteten gesehen zu haben, wie er seine Frau und seinen Kollegen Henry Mole, deren angeblichen Geliebten, auf offener Straße erstochen hat. Noch am gleichen Tag verhaftete man den davon vollkommen überraschten Heywright, fand die Mordwaffe ungründlich verscharrt in seinem Vorgarten und von Blutspritzern übersähte Kleidungsreste in der Asche seines Kamins. Ein Liebesgeständnis von Mole an Heywrights Frau, das der angebliche Mörder sogar bei sich trug, machte eine runde Sache daraus. Und obwohl Heywright, ernsthaft erschüttert, bis zum Schluss seine Unschuld beteuerte, verurteilte man ihn zum Tod und knüpfte ihn auf. Normalerweise, wie Ihnen vielleicht bewusst ist, reicht die Schwere dieser Tat nicht unbedingt aus, um jemanden hinrichten zu lassen. Immerhin“, ergänzte er sarkastisch, „ist das Rechtssystem inzwischen human genug, Straftäter bevorzugterweise bis an ihr Lebensende mit eintöniger, harter Arbeit zu quälen, anstatt lediglich Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Doch hier wollte man ein Exempel statuieren. Heywright war unschuldig, das sage ich Ihnen. Ich verrate Ihnen, was wirklich passiert ist. In einem Briefwechsel zwischen den Richtern Heywright und Mole offenbarten beide Ihre Abneigung gegen die absichtliche Schlampigkeit der Gesetzhüter, das korrupte Verhalten ihrer Richterkollegen und gegenüber dem Premierminister und Hill im Insbesonderen. Sie beschlossen, systematisch dagegen vorzugehen, indem sie Beweise sammelten und eine weitgehende Enthüllungsaktion planten, um so viele Schuldige wie möglich ans Messer zu liefern. Das wurde ihnen, aber auch Heywrights Frau, zum Verhängnis. Dadurch, dass man Heywright den Mord an den beiden anderen untergeschob, war er der Sündenbock und hatte gleichzeitig seine Glaubwürdigkeit verloren, falls jemand auf die Idee kommen sollte, seine Arbeit aufzugreifen. Für diejenigen, die von Heywrights Treiben wussten - und das waren nicht wenige, denn er hat kein sonderliches Geheimnis daraus gemacht - war dessen Hinrichtung eine überdeutliche Warnung: wenn man sich mit den Mächtigen anlegt, sind die Folgen für die Täter, wie auch für ihre Befürworter, fatal.“
Charles stürzte sich an den Armlehnen des Sessels ab, als er aufstand. Die Bewegung ließ wieder Schwindel aufkommen und er spürte seinen Schädel schmerzhaft pochen. Er ließ dieses bedrängende Gefühl vergehen, bevor er weitersprach und an Melinda vorbei auf den Schreibtisch zutrottete.
„Woher weiß ich nun davon? Ich habe mit der Sache nichts zu tun; zu der Zeit, als sich dieser Vorfall ereignete, war ich noch nicht einmal im Land. Aber wer suchet, der findet, wie man so schön sagt.“
Er durchwühlte den Papierkram, der sich auf dem Tisch stapelte, entdeckte dann in der Unordnung die Akte, nach der er gesucht hatte, und nahm sie auf. Lächelnd wandte er sich wieder seinen Gästen zu und lehnte sich an die Schreibtischkante.
„Scotland Yard birgt mehr in sich, als man vermuten würde. Die Gründlichkeit, mit der die Polizei ihre Schnüffelei betreibt, ist gleichsam beeindruckend wie erschreckend. Wenigstens eine Sache, auf die sie sich versteht.“
Er balancierte den dünnen Pappordner auf seiner Prothese, griff mit seiner anderen Hand nach seinem Scotchglas, das noch immer neben seinem Werkzeug und den Metallteilen auf dem Tisch stand, und leerte es ohne zu zögern. Der Alkohol breitete sich sofort wärmend in seinem Körper aus und ließ den Schmerz etwas dumpfer werden.

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:41

"Was hier beeindruckend, wie erschreckend ist, ist die Vorstellung wieviele einsame Nächte Sie mit sich und ihren Gedanken verbracht haben müssen, bis Sie sich dieses ganze Zeug ausgedacht und passend zurecht gelegt haben. Ja, jetzt haben wir Sie als den grossen Enthüller vor uns!", begann Alan nun bereits mit leichten Sprachaussetzern zu erwidern.
"Und lassen Sie mich doch raten. Sie glauben an ihre Hirngespinste auch noch! Das sollen Beweise sein? Das sind Beweise für Ihre geistige Zurechnungsfähigkeit, Norly. Ein Richter dreht durch und kriegt dafür das Genick gebrochen? Darf doch wohl nicht wahr sein! Und, oh nein!, hat er doch beteuert unschuldig zu sein! Komplott! Verschwörung! Meine Güte Norly, hören Sie auf mit diesem Irrsinn und stellen Sie sich der Polizei. Was soll das denn hier bitte werden? Die Ritter der Tafelrunde, im Kampf für die Gerechtigkeit?", fuhr Alan fort, wieder in aufgebrachter Stimmung, aber mit provozierendem Unterton, der deutlich machte, dass seine Überzeugung mit einem Verrückten zu reden keinesfalls abgenommen hatte.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 13:42

Melinda stand einfach nur da und starrte auf die Waffe in ihrer Hand. Der Geruch von Schießpulver klebte immer noch ölig an ihr und in der Luft.
Im Gegensatz zu dem Schützen waren die Worte von Norly gar nicht so verkehrt. Sie hatte soviele Menschen gekannt, die in den Tower rein- aber nie wieder herausgekommen waren. Das Getuschel der Wächter, die darüber sprachen wer wohl am besten zur Abschreckung umgebracht werden sollte, schien in ihren Ohren zu dröhnen. Langsam ging sie auf das Sofa zu und setzte sich, ihr war immer noch schwindlig und sie blickte zu Hyde und dem anderen Mann, der vorhin ins Zimmer gestürmt waren. Dann sah sie wieder zu Norly.
"Das Scotland Yard korrupt ist, wissen wir alle. Ich bin nur wieder aus dem Kerker herausgekommen, weil ich verhandeln konnte. Aber nun sagen Sie Mr. Norly, was genau haben wir damit zu tun? Sehen sie mich an, ich muss die Polizei ebenso fürchten wie sie..."
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:43

Charles betrachtete Mr. Stirling kritisch, während dieser sprach. Er überlegte leicht verärgert, ob er das höhnische Gezeter überhaupt mit einer Antwort würdigen sollte. Langsam, das spürte er, versiegte seine Geduld. Er konnte es absolut nicht leiden, wenn man sich über ihn lustig machte. Auch als Melinda das Wort ergriff, ruhte Charles Blick zuerst noch auf Alan, bevor er ihr antwortete. Sein Ton blieb ruhig, auch wenn er kühler war als zuvor.
„Sie sind sich gar nicht bewusst, wie sehr Sie damit rechthaben. Was haben Sie damit zu tun? Sie sollten sich vor der Polizei fürchten, das versuche ich doch, Ihnen klarzumachen! Und wenn ich das sage, dann meine ich Sie alle“, gestikulierte er, nun wieder mit der Akte in der Hand. „Glauben Sie, nur weil Sie nicht mehr einsitzen, hat man Ihnen verziehen, Melinda? Glauben Sie“, fuhr er etwas energischer fort und wies dabei auf Mr. Lived, „man wüsste nicht von Ihrem inoffiziellen Nebenverdienst? Man toleriert den Handel unter dem Ladentisch nur solange selbst davon Profit herausgeschlagen werden kann. Beschließt man, dass diese zusätzliche Finanzspritze, aus welchen Gründen auch immer, überflüssig ist, lässt man Ihre gesamte Schmugglerbagage, von der Führungsriege bis zum kleinsten Fisch, hochgehen! Alle Abkommen werden gegen Sie verwendet werden. Beweise hat die Polizei genug, da sie bis zum Hals mit in dem Sumpf sitzt, da muss nichts mehr hinzugedichtet werden.“
Dann wandte er sich an Mr. Hyde. „Glauben Sie, dass man Ihrem ganzen Betrieb nicht sorgfältig auf die Finger schaut? Scotland Yard vertraut niemandem, erst recht nicht denen, die ihm am nächsten stehen. Werden "Besant & Stark"s Dienste erst einmal nicht mehr benötigt, wird radikal Personal gekürzt, wenn Sie mich verstehen. Da ist es vollkommen egal, woran Sie gearbeitet haben.“
Danach fixierte Charles wieder Alan. „Nun zu Ihnen. Gut, Ihnen ist der Richter egal; dann ist das hier auch nicht von Belang.“ Er schleuderte die Akte achtlos beiseite und zog zielsicher eine andere aus dem Stapel. „Aber was ich nun in der Hand halte, wird Sie sicherlich interessieren, mein Freund.“ Charles legte den Ordner auf der Handfläche seiner Prothese ab, so wie er es mit dem anderen zuvor auch gemacht hatte, und schlug ihn auf. „Eine Akte aus der Kartei des London Police Service. Darf ich vortragen?“
Er überflog den Steckbrief, den er vor sich hatte.
„Alan Raven Stirling, dreißig Jahre alt, ledig; arbeitslos, keine Berufsausbildung. Sohn von Hannah und Edward Stirling, beide verstorben; keine Geschwister... blah blah, unwichtiges Zeug über Geschäftsbeziehungen und dergleichen...“ Er blätterte um. „Einige religiös geprägte Publikationen, den Inhalt kennen Sie ja selbst, das muss ich jetzt nicht erwähnen; Handel mit Opium und anderen Substanzen in mehreren Fällen; Verwicklung in Handgreiflichkeiten gegenüber Polizei und Zivilisten, hier mit Daten der Übergriffe, Zeugenaussagen anbei; illegale Verbreitung von diversen Flugschriften von aufrührerischem Charakter. Angezeigt wurden Sie von einem gewissen Henry Glock, vielleicht sagt Ihnen der Name ja etwas.“ Er blätterte weiter. „Dann noch einige Fälle von obszönen Schmierereien, wovon aber nur manche belegt von Ihnen stammen. Allgemeine Auffälligkeit durch hohe Aggressivität, durch versuchte Aufwiegelei und starken Alkoholkonsum. Hier steht, dass man Sie aufgrund dieser Tatsachen für äußerst unberechenbar hält. Die Einschätzung nach einem Gutachten Ihrer Person lautet: "Beobachtung dringenst empfohlen".“
Charles schlug das Dokument zu.
„Was das bedeutet, können Sie sich selbst ausmalen, denn das Gleiche stand in der Akte des Richters, bevor man es in "tot, keine Bedrohung" abgeändert hat... Sie sehen, Mr. Stirling, das Gesetz ist nicht auf Ihrer Seite. Aus der Sicht der Polizei sind Sie derjenige, der am Durchdrehen ist, und das Genick gebrochen bekommt, wenn die Zeit reif ist. Irgendwann in naher Zukunft wird man von ihren Eskapaden genug haben. Glauben Sie, was Sie wollen, ich halte an meinen Hirngespinnsten - wie Sie sie so salopp nennen - fest. Los, gehen Sie, ich habe Ihnen bereits die Tür gezeigt. Ich denke nicht, dass man Sie einen Prozess verlieren lässt, Sie dann wegsperrt oder Ihnen einen einigermaßen würdevollen Tod gewährt.“
Er wurde plötzlich lauter. Hatte er sich bis jetzt zusammengenommen, kochte nun der Ärger über alles, was er in den letzten Jahren erlebt hatte, in ihm hoch. Mr. Stirling war in diesem Moment der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und Charles veranlasste, sich in Rage zu reden.
„Wenn man Sie loswerden will, bedarf es nur einen kleinen Stoß und Sie ertrinken im stinkenden Wasser der Themse, weil Sie wie immer so besoffen sein werden, dass Sie sich noch nicht einmal die Mauern hoch ans Ufer ziehen könnten! Ich“, rief er noch provokanter und tippte sich dabei mit dem Ordner auf die Brust, „würde es so machen! Niemand würde Ihnen nachtrauern!“
Ja, zurückschrecken würde Charles davor sicher nicht. Er würde am Rand stehen bleiben, sich zur Feier des Tages eine Zigarre anzünden, warten, bis Alan nicht mehr aus den braunen Fluten auftauchte, und dann mit einem seligen Grinsen im Gesicht davonspazieren. Doch so verlockend dieser Gedanke gerade schien, kam das auf keinen Fall in Frage. Verärgert, aber nun vor allem von sich selbst, schmiss er Alan dessen Akte entgegen.

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:44

Alan ließ die (angebliche) Akte vor seine Füsse flattern. Der Inhalt hatte ihn geschockt. Doch der Alkohol dämpfte sein Entsetzen mit sanftem, müdem Säuseln.
"Und wer würde Ihnen nachtrauen?", erwiderte Alan, mit gleicher Kälte, wie Norly sie nun an den Tag legte und trank erneut aus der Flasche.
"Ich verstehe schon was sie sagen wollen, Norly. Wir haben alle Dreck am Stecken. Eine schmuggelt, einer stiehlt, einer trinkt hin und wieder, einer zieht mordend durch die Nächte, getrieben von seinem Blutdurst.", fuhr Alan provozierend und mit foppendem Unterton fort. Er wollte das Norly die Kontrolle verlor, zumindest soweit, um endlich zu sagen, um was es hier wirklich ging. Diesen Aufstandsquatsch kaufte Alan ihm nicht ab. "Da sind wir wohl alle vom selben Schlag, nicht wahr? Wir Lausbuben und Hühnerdiebe. Bauen wir uns doch ein Baumhaus und gründen die Norly Bande. Man, sie Verrückter! Sie haben doch nicht ernsthaft vor, dass wir eine Revolution anzetteln? Unter ihrem Kommando? Wer soll uns denn da bitte folgen? Wenn diese Akte echt ist, dann heisst es für mich Füsse stillhalten und den guten Bürger geben. Bei Gottes gutem Willen! Das kann doch nicht ihr Ernst sein!"
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 13:45

"Wenn Scotland Yard uns im Visier hat, hilft es auch nicht die Füße stillzuhalten. Dafür ist es dann zu spät."
Sie blickte wieder zu Norly die Waffe hatte sie mittlerweile auf ihrem Bein niedergelegt, sie hatte nicht vor ihn anzugreifen.
"Zumindest können wir uns anhören, was Norly zu sagen hat. Also los, ich bin ganz Ohr."
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:45

Als Alan ihn fragte, wer ihm denn nachtrauern würde, wusste Charles für sich keine rechte Anwort. Einige gab es schon, die sein Tod betrüben würde, aber sie würden ihm nicht lange nachtrauern, Geschweige denn, dass sie ihn vermissen würden. Doch der Gedanke daran deprimierte ihn nur wenig. Er hatte es sich selbst so ausgesucht.
„Précisément, meine Liebe!“, rief Charles noch immer aufgebracht, als Miss Bolt Alan berichtigte. „Scotland Yard schüttelt man nicht ab - außer man wird ihn los!“
Scherben der zerschmetterten Scotchflasche knackten unter seinen Schuhen, als er um den Schreibtisch herumging und sich wieder auf den Stuhl, von dem er gestürzt war, als Mr. Stirling ihn niedergeschlagen hatte. Seine Platzwunde blutete nun wieder merkbar, da er sich aufregte. Die Verletzung hatte ihn zu stark angeschlagen, als dass er sie und den Schmerz, der von ihr ausging, ignorieren konnte. Vermutlich war es ratsam, sie mit einigen Stichen zu verschließen, doch lebensbedrohlich schien sie erst einmal nicht zu sein. Er stützte sich mit den Unterarmen auf der Tischplatte ab, dankbar für die Sicherheit, die sie bot.
„Ich meine alles ernst, was ich sage, Mr. Stirling! Dass keine Masse von mir begeistert sein wird, auch wenn ich mir noch so brilliante Reden ausdächte, weiß ich selbst! Und Sie damit zu beauftragen, wäre ebenso erfolgsversprechend - das habe ich auch nicht im Sinn! Treiben Sie es nicht zu weit, nachher sind Sie es noch, der Blutdurst in mir entfacht! Ich muss zugeben, dass ich jetzt bereits Gefallen an der Idee finde, Ihnen das Maul zu stopfen! Es heißt zwar, dass man mit Kindern und Säufern Geduld haben soll, doch ich halte mich nur an meine eigenen Weisheiten! Ich bin der Ansicht, dass ich Ihnen die Chance geben sollte, zu bereuen und aus dem Fehler, den sie gerade begehen, zu lernen. Mal sehen, vielleicht werde ich dafür zu sorgen, dass man sie in Zukunft ebenfalls Scarface nennen könnte, damit Sie die Lektion ihr Leben lang nicht vergessen!“, drohte er.
„Doch so weit wollen wir es alle nicht kommen lassen“, versicherte er dann wesentlich gelassener, als sei seine Stimmung plötzlich umgeschwenkt. Doch Charles mahnte sich selbst nur dazu, nicht die Beherrschung zu verlieren. Er hatte schon früher gemerkt, dass ruhig zu sprechen ihm half, wieder herunterzukommen. Wenn der Ärger in ihm hochbrodelte, neigte er stets dazu, zu improvisieren - und bisher war es noch nie vollends zufriedenstellend ausgegangen, wenn er seine Planungen aus einer Laune heraus über den Haufen geworfen hatte. Charles hatte wenig Lust, seinem Rücken noch einmal zumuten zu müssen, Alan irgendwo hinzuschleppen. Ihm tat jetzt, da aufgrund der Schlages auch noch sein Schädel brummte, alles weh und eigentlich wäre es ihm lieb, sich einfach hinzulegen und zu schlafen.
„Solange Sie mich nicht wütend machen, bin ich für gewöhnlich sehr zuvorkommend und umgänglich. Noch bin ich guter Dinge, also reißen Sie sich gefälligst zusammen. Ich versuche ja, ein vernünftiges Gespräch zu führen, aber Sie hatten bisher nichts besseres zu tun, als sich daneben zu benehmen und meinen Schnaps zu verschwenden. Als ich Ihnen vorhin einen Drink anbat, war das reine Höflichkeit, ich meinte damit nicht, dass Sie sich vollkommen berauschen sollen. Verhalten Sie sich wie der erwachsene Mann, der Sie sind, und machen Sie sich nicht lächerlich. Sie hatten bereits genug. Stellen Sie die Flasche hin, sofort!“, befahl er ruhig und bestimmt. Es war immer anstrengend, mit Betrunkenen zu reden. Mr. Stirling hatte die Grenzen der Ertragbarkeit zwar noch nicht überschritten (sich mit dem im Alkoholrausch vor sich hinnuschelnden Hill zu unterhalten war weitaus nervraubender gewesen), doch lästig war es allemal. Grund genug, die Situation nicht schlimmer werden zu lassen.
„Dann werde ich Ihnen sagen, was Sie wissen müssen“, sagte Charles, richtete ein sanftes Lächeln an Miss Bolt, lehnte sich dabei im Stuhl zurück und legte die Hände auf seinem Schoß ab. „Und Sie sagen mir, ob Sie mir helfen wollen oder ob ich Sie nach Hause bringen und Sie nicht mehr belästigen soll.“

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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 13:46

Alan merkte wie sein Pulsschlag sich beschleunigte, als dieser Verrückte erneut in seine hochnäsige, selbstverliebte Art verfiel. Dieser Norly verfügte über alle Charakterzüge, die Alan in der Regel zu einer gehörigen Prügelei anstachelten. Doch er beherrschte sich. Um nicht auf Norlys Spiel einzugehen. Unter anderen Umständen hätte der Begriff Säufer schon gereicht, um zu einer Keilerei zu führen, die Ansage Alan das Maul stopfen zu wollen hätte eine Keilerei normalerweise garantiert.
Alan verengte seine Lider und blickte Norly verächtlich an, als dieser ihn aufforderte die Flasche abzustellen. Alan zögerte kurz und liess sie dann, mit der Andeutung eines Lächelns, zu Boden fallen. Dumpf schlug das schwere Glass auf und ergoss die Flüssigkeit auf den Teppich.
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 13:46

Nun lachte Charles über Mr. Stirlings trotziges Verhalten. Das Autoritätsproblem, das Alan an den Tag legte, kannte er selbst nur zu gut. Charles empfand es als überaus reizvoll, nicht das zu tun, was man von ihm wollte. Dass er dadurch nur an Schwierigkeiten geriet, so wie es auch jetzt der Fall war, machte die Sache nur interessanter.
Mr. Stirling hatte ihm nicht gehorcht, aber das machte Charles relativ wenig aus, denn er hatte das erreicht, was er hatte erreichen wollen. Immerhin hatte Alan nun nichts mehr, um seinen Alkoholpegel weiter zu steigern.
„Sie haben vollkommen recht“, gab Charles sich einsichtig ob Mr. Stirlings absichtlichen Missgeschicks. „Auch ich sollte weniger trinken, es ist inzwischen schon zu sehr zur Gewohnheit geworden. Trotzdem ist es schade um den Brandy, er ist seinen unverschämt hohen Preis wirklich wert gewesen.“ Er seufzte. „Wenn Mrs. Newcomb sehen könnte, was wir beide mit der Einrichtung angestellt haben, Alan, würde sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Eine wirklich herzensgute Lady, eigentlich viel zu gut, um für jemanden wie Hill zu arbeiten“, fügte er nachdenklich hinzu und erinnerte sich an die Begegnung mit der überaus pflichtbewussten Haushälterin. „Sie bat mir einen Tee an, als ich hier auftauchte. Offenbar hielt sie mich für einen Polizisten. Leider“, sagte er lachend, „kann ich Tee nicht ausstehen. Aber ich rede wieder zu viel von mir, nicht wahr? Entschuldigen Sie, ich weiß, das wollen Sie gar nicht wissen. Ihnen geht es darum, den Rest meiner Verrücktheiten zu hören, damit wir das hier beenden können. Da Sie keinen Flaschenhals mehr haben, an den Sie sich klammern können, können Sie meinen Worten jetzt Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Setzen Sie sich doch, Alan. Sie auch“, wandte er sich an Mr. Lived und Mr. Hyde.

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Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
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Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

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