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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

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Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 15:49

Doctor Taylor fluchte innerlich. Er war so nah dran gewesen! Sein Gesprächspartner, Inspector Drake, hatte gerade zum Reden angesetzt, als ein Geräusch, das durch die lauten Gespräche im Café kaum vernehmbar gewesen war, diesen abgelenkt hatte.
Und nur über sich selbst zu reden, wäre bestimmt nicht alles gewesen! Vielleicht, nach ein paar Drinks mehr, hätte Drake auch einige interessante Details über seine Ermittlungen und auch über den Chief Commissioner preisgegeben. An Informationen kam man selten heran, ohne auffällig zu werden, das wusste Taylor. Erschwerend kam hinzu, dass Hill ihn sowieso schon beobachten ließ. Das war spätestens klar geworden, als dieser nach ihm persönlich verlangt hatte.
Dieser verdammte Bulle!
Der Chief hatte es zwar nicht ausgesprochen, doch Taylor war das drohende Funkeln in dessen Blick bei ihrem „Geschäftstreffen“, wie auch während aller darauf folgender Begegnungen nicht entgangen. Dennoch war es seine Pflicht als Arzt gewesen, der Polizei dienlich zu sein so sehr er konnte. Es wäre nicht nur dumm gewesen, diese Bitte nach seinen Diensten abzulehnen und damit noch mehr unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern es wäre auch seinem fachlichen Ruf nicht förderlich gewesen. Er hatte keine Wahl gehabt, aber gleichzeitig hatte diese Art von Zwangsrekrutierung ihm auch Zutritt zu sonst verschlossenen Bereichen gewährt. Wenn man es aus dieser Perspektive betrachtete, war es sogar eine wahrhaft vorteilhafte Chance.

Nun hatte sich die Gelegenheit geboten, einen der Ermittler auszuhorchen, günstiger Weise offenbar einen von der labilen Sorte. Ausgerechnet dann kam etwas dazwischen!
Doctor Taylor tat so als würde es ihm nichts ausmachen, als sich Drake, mit der Hand misstrauisch auf seinem Revolverholster ruhend, den Weg zur Tür des Kaffeehauses bahnte. Ganz umsonst war Taylors aufgebrachte Zeit nicht gewesen, hatte er zumindest den bereits gut gefüllten Notizblock des Inspectors unauffällig an sich nehmen können. Nun ruhte dieser nicht mehr in Drakes, sondern in seiner eigenen Manteltasche.
Aber vielleicht, nachdem Drake sich davon überzeugt hatte, dass er durch die bereits durchlebten Ereignisse dieser Nacht nun schon Geister sah, war der Inspector weiterhin bereit, sich mit Taylor zu unterhalten und den Arzt unbewusst mit den Informationen zu füttern, auf die dieser aus war.
Es muss einfach mehr hinter den Mordfällen stecken, als man uns glauben lassen will.
Und mit „uns“ meinte er die breite Bevölkerung des Landes.
„Etwas ist faul im Staate Großbritannien“, verfälschte er in Gedanken die Worte, die Shakespeare Marcellus im Stück „Hamlet“ in den Mund gelegt hatte. Gerade bei der Polizei und insbesondere an diesem Scarface-Fall.
Dessen war Taylor sich bewusst, er wusste nur noch nicht, wo genau diese Fäulnis saß und welchen Ausmaßes sie wirklich war. Er hatte so seine Ahnungen und Befürchtungen, doch ihm fehlten die konkreten Bestätigungen dafür.
Hill hatte damit sicherlich zu tun. Aber wie? Und wer waren die anderen Drahtzieher in diesem Spinnennetz von Lügen, Betrug und Korruption?
Seufzend blickte Taylor dem Inspector hinterher. Der Polizist war offenbar ein kleiner Fisch im Ozean namens Scotland Yard. Wahrscheinlich war Drake sogar einer von denjenigen, die ehrlich und aufrichtig ihren Aufgaben nachgingen und sich durch keine Summe vom rechten Pfad ablenken lassen würden. Ein Gutmensch und naiv war der Inspector mit Sicherheit, denn er hatte ihm die kleinen manipulativen Lügen, die Taylor in ihr Gespräch gestreut hatte, ohne großes Misstrauen sofort abgekauft.

Dann überschlugen sich die Ereignisse.
Aus Richtung des Eingangs war ein Knall zu hören, ein Schuss offenbar, und da die Tür weit geöffnet stand, hatte ihn auch jeder im Kaffeehaus gehört. Ein erschrockenes Schweigen machte sich breit und Drake, den die abgefeuerte Kugel wohl knapp verfehlt hatte, war mit seiner Aufforderung zur Kapitulation zu hören, die er an den Angreifer richtete.
Verflucht, Charles, was ist nur in dich gefahren?, ging es Doctor Taylor durch den Kopf. Nach der Entführung einer Prostituierten, dem Verprügeln von zwei Polizisten und dem Mord am Kutscher Tilling müsste man doch meinen, dass diese Missetaten genug für eine Nacht gewesen wären. Selbst für ein Kaliber wie es Scarface offenbar inzwischen darstellte.
Laut rief Taylor jedoch aus: „Auf den Boden!“, und die Gäste des Cafés, auch wenn sie größtenteils ziemlich angetrunken waren, kamen seiner Forderung nach.
Selbst machte er aber keine Anstalten, in Deckung zu gehen, sondern zog seinen eigenen Revolver, um Drake zur Hilfe zu eilen. Trotz allen Misstrauens hatte Hill persönlich angewiesen, dass er die Waffe trug – wahrscheinlich, um den Schein nach außen zu wahren. Vielleicht hatte der Chief Commissioner sogar gedacht, Taylor selbst würde ihn durch diese Geste nicht durchschauen.

Doch gerade als der Arzt an Drakes Seite war, riss eine Detonation beide von den Füßen. Staub von roten Ziegeln, Straßendreck und Feuchtigkeit rieselten auf sie hinab.
Taylor brauchte einen Moment, um sich zu orientieren, denn ein lautes Pfeifen lag in seinen Ohren, die sonst nur stark gedämpfte Schreie und Stimmen wahrnahmen, und sein Gleichgewichtssinn spielte dadurch, dass er zu Boden geschleudert worden war, etwas verrückt. Verletzt schien er jedoch nicht zu sein und hatte sich schneller wieder aufgerappelt als der Polizist.
Der Arzt griff dem offenbar größtenteils auch unversehrten Drake unter die Arme, um ihm beim Aufstehen zu helfen, und beide starrten auf die Staubwolke vor sich, um die vermummte Person ausfindig zu machen, auf die Taylor nur einen kurzen Blick hatte erhaschen können.
Dann sahen sie Bewegung von sich – eine Gestalt mit weitem Mantel, die davonlief. Drake sprintete sofort los, um die Verfolgung aufzunehmen, und Taylors Versuch, den Polizisten zurückzuhalten, kam zu spät. Auf die Rufe des Doctors, die dieser selbst kaum hörte, reagierte Drake ebenfalls nicht. Taylor hegte keinen Wunsch danach, Täter und Polizist zu folgen, doch es war seine Pflicht.

Aber als er gerade losrannte, fiel ihm eine Person auf, die nahe des Eingangs zum Café auf dem Boden lag.
Es war dieser Mann im weißen Kittel, ein Wissenschaftler vielleicht, der ihm bereits im Kaffeehaus aufgefallen war. Der Arzt sank neben dem Mann auf die Knie und drehte dessen reglosen Körper auf den Rücken. Die Staubwolke der Explosion war inzwischen fast komplett verflogen, sodass er das Einschussloch und den blutroten Fleck auf dem Oberkörper des Fremden nur zu gut erkennen konnte. Langsam kehrte auch sein Hörvermögen wieder zurück. Taylor bemerkte einige vom Alkohol mutige Gäste des Cafés, die auf die Straße traten, und hörte Feueralarm in naher Ferne, doch er ließ sich nicht ablenken.
Er war unverhofft zu einem Patient gekommen. Noch lebte der Angeschossene und vielleicht würde er auch überleben. Inzwischen hatte sich auch der Kellner des Kaffeehauses zu Taylor gesellt, den dieser herbeigewunken hatte, um ihm bei der Erstversorgung des Schwerverletzten zu assistieren.
Kurz, als Doctor Taylor aufblickte, um hastig Verbandsmaterial aus seiner Arzttasche zu ziehen, erhaschte er einen Blick auf eine Frau in einem aufreizenden Kleid, die vom Tatort davonlief.

- - - - -

Charles fixierte die Gestalt auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers, in dem er sich nun befand, und kniff die Augen zusammen, um im Dämmerlicht besser erkennen zu können, wen er vor sich hatte. Es war eine junge Frau, viel jünger als er anhand der Stimme, die durch die vorhin noch geschlossene Tür zu ihm gedrungen war, vermutet hätte. Sie mochte kaum zwanzig Jahre alt sein und wenn, dann war sie sicherlich nicht viel älter als das. Vielleicht war sie die Tochter des Hausherrn, vielleicht auch eine Bedienstete.
Charles wusste es nicht. So genau hatte er sich nicht mit seiner „Nachbarschaft“ beschäftigt. Es reichte zu wissen, dass es allesamt wohlhabende Bürger Londons waren, vermutlich reich geworden auf Kosten ausgebeuteter Arbeiter, die sich außerhalb des East Ends kaum blicken ließen.

Aber es war nicht wichtig, wer oder was die Frau vor ihm war. Nur entging ihm nicht, dass sie ein hübsches, junges Ding war, wie sie so im blassen Mondlicht dastand. Mit seidigen, braunen Haaren, die ihr in einem vom Schlaf gelockerten Zopf über die Schulter fielen, feinen Gesichtszügen und grazilen Beinen, die unter ihrem Nachthemd hervorlugten.
Charles wurde bewusst, dass er sie anstarrte, wenn es auch nur einen kurzen Moment angedauert hatte, aber sie verschlang ihn ebenfalls mit ihren Blicken – wenn in diesen auch eine andere Art von Überraschung lag. Es gefiel ihm nicht, wie sie ihn ansah.
Es gefiel ihm nicht, wenn ihn überhaupt jemand so ansah wie sie es gerade tat.
Ist es nur Verunsicherung oder ist es schon Furcht?, fragte er sich.
Er lächelte entschuldigend.
„Ich habe viele Namen, Miss“, antwortete Charles ihr schließlich und deutete eine amüsierte Verbeugung an. „Einer meiner neuesten ist Scarface, auch wenn ich schon kreativere Kreationen gehört habe. Sie, meine Liebe, können mich allerdings Charles nen-“
„Nennen“ hatte er sagen wollen, jedoch unterbrach ihn jemand, der durch die hölzerne Tür, der die Frau den Rücken zuwandte, gestürmt kam und sie unwirsch mit einer Hand beiseiteschob. Es war ein rundlicher Herr in seinem Alter, gehüllt in einen Morgenmantel und mit einer Schlafmütze auf dem Kopf, jedoch war es nicht dieses alberne Kleidungsstück, das Charles‘ Aufmerksamkeit forderte.
Hastig setzte er einen Fuß vor den anderen, zurück nach draußen, und zog den Kopf ein, während ihm der erste Schuss aus dem doppelläufigen Jagdgewehr schon um die Ohren flog. In geduckter Position beeilte er sich, die einigermaßen blickdichte Balkontür hinter sich wieder zuzuziehen, damit der bewaffnete Fremde ihn nicht gezielt niederschießen konnte. Da splitterte schon die zweite Kugel durch das Holz hindurch und dicht an seinem Kopf vorbei.

Nun sah Charles die Chance, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden, denn er wusste, dass der Mann nun nachladen musste, bevor dieser weiterschießen konnte. Kurzerhand umgriff Charles den Revolver, der in seinem Hosenbund steckte, und platzte wieder ins Haus hinein. Für einen kurzen Moment richtete er seine Waffe auf seinen nun überrumpelten Angreifer, der tatsächlich gerade mit aufgeklapptem Gewehr und Patronen hantierte, doch dann schwenkte Charles sie in Richtung der jungen Frau. Der Mann nahm die Drohung, die in Charles‘ Geste lag, ernst und wagte nicht, sich zu bewegen.
„Ich werde nun Ihre Treppe benutzen“, verkündete Charles nicht ohne Genugtuung ob seines Sieges und mit fester Stimme, die allerdings von schweren, adrenalinberauschten Atemzügen geprägt war. „Das Gewehr fallen lassen, bitte. Und ich will keinen Laut hören.“
Obwohl er es als Wunsch formulierte, duldete der Klang dahinter keinen Widerspruch, sodass der Mann ihm Folge leistete.
„Na also“, lachte Charles daraufhin auf und durchmaß den Raum mit flinken Schritten.
„Sie gestatten, Miss“, sprach er nun wieder die Frau an, während sein linker Arm sich um sie legte, die Finger seiner behandschuhten Prothese dabei nach ihrem Oberarm griffen und er sie an dem Mann vorbei mit sich ins weinrot-tapezierte Treppenhaus schob. Den Revolver richtete er mit seiner gesunden Hand noch immer auf ihre Brust.

Das hatte er beim besten Willen nicht geplant, eigentlich wollte er niemanden derartig mit seiner Gesellschaft belästigen oder sogar in Schwierigkeiten bringen. Jedoch würde eine Geisel sicherstellen, dass der Mann – offensichtlich der Hausbesitzer – nicht doch noch von oben auf ihn schoss oder nach der Polizei brüllte... Wenn das fruchtlose Abfeuern des Gewehres nicht sowieso einige Bobbys angelockt hatte.
In dem Fall war eine Geisel umso hilfreicher.

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Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 15:50

Es kam ihr vor, als seien ihre Schritte das lauteste Geräusch das je durch ganz London gedrungen war. Wie blind rannte Melinda weiter, ohne sich auch nur umzuschauen oder gar zu sehen wo sie hinlief. Natürlich machte sich ihre verfluchte Lunge nach einiger Zeit bemerkbar und wie schon vor dem Cafe, stellte sie sich schnell in eine Gasse. Den Rücken an die nasse Mauer gedrückt schnappte sie nach Luft und warf einen Blick auf die Straße über die sie geeilt war. Sie kannte sich hier nicht aus, offensichtlich war sie in das Industrieviertel geraten, denn in den hohen Mauern sah sie hier und dort Lichter brennen die von russigen Öllampen, wie sie in Fabriken noch üblich waren, flackernd auf die Straße geworfen wurde. Nachdem die schwarzen Punkte vor ihren Augen aufgehört hatten zu tanzen, erkannte sie im schlechten Dämmerlicht Schornsteine die wie eh und je rauchten. Sie hörte das Gepolter von schweren Stiefeln auf dem nassen Kopfsteinpflaster, einige Polizisten polterten laut an ihre vorbei, wobei sie sich anschrien, zwar konnte sie nur Gesprächsfetzen auffangen, aber das Vorfall vor dem Cafe hatte offensichtlich schnell die Runde gemacht. Sie drückte sich noch fester an die Mauer und versuchte keinen Mucks zu tun, mit Mühe konnte sie ein Husten unterdrücken. Ihre Atmung normalisierte sich langsam wieder und sie wollte gerade weiter gehen, als plötzlich eine Tür neben ihr aufgestoßen wurde, die sie noch gar nicht bemerkt hatte, und ein schlecht gekleideter Mann in Freie tratt. "Verteufelt noch eins. Jetzt pissts auch noch rum. Verdammte Scheiße!" Er spuckte aus und erblickte sie in diesen Moment. "Ach, was’n das für ne Puppe? Komm schon her!"
Genervt verdrehte Meldina die Augen, ihrer Meinung hatte sie genug Aufregung für einen Tag gehabt und ging einen Schritt zurück, als er nach ihr grabschte. Bei einer hoch gezogenen Augenbraue zog sie mit einer gekonnten Handbewegung ihren Fächer heraus und ließ die Klingen aufspringen. "Ich glaube kaum, dass du mich bezahlen kannst."
Er ließ lediglich ein Grunzen hören und trat mit gehobenen Händen zurück. Noch immer den Fächer in der Hand haltend, ging sie rückwärts zurück auf die Straße. Dort warf sie ihm einen letzten spöttischen Blick zu und ging durch die dunkle Einöde aus Ziegelsteinen und hämmernden Geräuschen die aus den Gebäuden erklangen. Ziellos schlenderte sie umher, sie hatte Lived und auch Hyde zurück gelassen, vorallem Hyde. Sie fragte sich ob sie die beiden wie versprochen am Mittwoch wieder sehen würde. Während wie einsam und nachdenklich durch die Straßen ging, ohne einen Plan was sie machen sollte bemerkte sie gar nicht, dass sie in die Fabriken weniger wurden und sie plötzlich wieder in einer schicken Wohnhausgegend angekommen war. Als sie den Geruch von Feuer vernahm blickte sie auf und sah sich um. Erstaunt stellte sie fest, dass sie wieder dort gelandet war, wo sie losgegangen war, und zwar vor dem Herrenhaus in das Norly sie gebracht hatte. Genau dieses Haus stand nun in Flammen. Melinda überlegte was sie tun wollte, sie entschloss sich lieber nicht in der Nähe eines brennden Hauses zu stehen und dieses zu begaffen, vorallem wenn es einem Polizisten gehörte. Im Schutze der Dunkelheit huschte sie weiter um einen unauffälligen Beobachtungsposten zu erhaschen. Gerade als sie einige Meter weitergegangen war und sich an einen Pfeiler der Mauer lehnte, ertönte plötzlich ein lauter Knall, es klang nach einem Schuss aus dem Haus unweit von ihr, in dem Lichterschein zu vernehmen war. Unwillkürlich duckte sie sich, als sie laute Stimmen und undefinierbare Geräusch, gefolgt von einem weiteren mutmaßlichen Schuss, aus dem Haus hörte.
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Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 15:51

Alan stürmte die breite Treppe hinunter. Obwohl ein dunkler Teppich sein Stampfen dämpfte, waren seine Schritte doch deutlich zu hören. Halb laufend, halb stolpernd erreichte er das Ende der Stufen. Alan schien in einer Art Zwischengeschoss gelandet sein. Die Decke war hier nicht so hoch, mehrere Türen säumten die Etagenwände. Aus einer war ein Rumpeln zu vernehmen. Licht flackerte auf und schien unter der Tür zu seiner linken hervor. Jemand schlurfte, Schritte näherten sich. Hektisch blickte sich Alan um. Der Raum verjüngte sich am gegenüberliegenden Ende zu einem Flur, der wiederrum in einer Treppe mündete, die ins untere Geschoss führen musste.
Die Tür zu seiner linken öffnete sich nach aussen.
"Wiliam, sind Sie das? Was geistern Sie hier im Haus herum?"
Ohne wirklich nachzudenken warf sich Alan mit der Schulter gegen die Tür, die nun halb offen stand.
Ein dumpfer Schlag, dann knallte die Tür in ihr Schloss zurück. Alan rannte los. Aus dem Zimmer drang ein geschrieener Schmerzenslaut und etwas ging polternd zu Boden.
Alan wetzte die Treppe hinab und gelang, um einige Ecken flitzend, in die Vorhalle des Gebäudes. Mit der breiten Haustür versuchte er es gar nicht. Drei kräftige Hiebe mit seinem Stock und das bunte Fensterglas, neben der Tür, zersprang klirrend.
Mit der Ruhe im Haus war es nun endgültig vorbei. Stimmen riefen aufgeregt durcheinander, weinten.
"Henri, oh Gott Henri, was ist geschehen? Henri, du blutest ja! Wiliam,Wiliam! Kommen Sie schnell! Einbrecher im Haus! Hilfe!"
"Halt die Schnauze! Hol mein Gewehr, wo ist mein Gewehr?"
"Aber Henri!"

Alan sprang durch das zerstörte Fenster.
"Die ruhigen Jahre sind vorbei!", schrie er ins Haus zurück. "Wir kriegen euch! Es ist Klassenkampf!"
Mit der brodelnden Lust im Bauch erneut etwas anzuzünden eilte Alan über das Grundstück und schwang sich über den verschnörkelten Zaun.
Sirenen hallten durch das Viertel, Rufe waren aus allen Richtungen zu hören, dicker Rauch quoll schwarz durch die Strassen. Hier müsste man alles in Schutt und Asche legen. Alles!
Alan floh in die Nacht, über Hinterhöfe, durch Gärten und kunstvoll geschnittene Hecken...
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Beitrag von Scáth am Di Sep 04 2012, 15:52

Johanna wagte es nicht auch nur einen Ton von sich zu geben. Vermutlich wäre ihr das auch nicht gelungen. Ihr Herz schlug so schnell und so laut, dass es womöglich das ganze Haus geweckt hätte, wenn dass nicht schon die vielen Schüsse erledigt hatten.
Die Schüsse! Bestimmt ist die halbe Nachbarschaft wach, und die Polizei schon auf dem Weg!, das war der einzige Gedanke, der Johanna so ruhig wie möglich bleiben ließ.
Mittlerweile hatten sie schon die Haustür erreicht. Sie traute sich nicht, sich loszureißen. Die Waffe die Charles bei sich trug, jagte ihr zu große Angst ein. Die einzige Hoffnung die sie noch hatte, war dass die Polizei bald auftauchte.
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Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 15:52

Theodore Lived rannte so schnell, wie er es selten tat. Die feuchten Pflastersteine unter seinen Schuhen glänzten im Licht von Mond und Laternen, während er sich seinen Weg durch die Gassen bahnte, und zu den nächtlichen Stadtgeräuschen gesellte sich in der Ferne Feueralarm.
Gleich nachdem er aus dem Fenster des Cafés in eine dunkle Seitengasse gesprungen war, hatte seine Flucht begonnen. Die drückenden Wände aus rotem Ziegelstein, die diese Gasse säumten, hatte er schnell hinter sich gelassen und befand sich nun auf dem gezielten Weg zurück zu seiner ärmlichen Wohnung im East End.
Ihm war es vollkommen egal, ob die Frau namens Melinda, die offensichtlich zu den vielen Prostituierten Londons zählte, oder der Wissenschaftler, der kurz nach ihr das Kaffeehaus verlassen hatte, durch die Schüsse und die Explosion verletzt oder sogar getötet worden waren.
Theodore war die Situation zu heiß. Nein, er würde nicht zu dem Treffen am Mittwoch in Whitechapel kommen, sollte die anderen doch der Teufel holen!
Er würde keinen Finger für Norly krumm machen und an dessen Revolutionsplänen teilhaben. Wenn die Belohnung dafür der Tod war, hielt Lived sich lieber bedeckt und ging weiter seiner Botentätigkeit nach.

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Charles lotste seine Geisel die breite, hölzerne Treppe hinab, die ins Erdgeschoss führte. Die junge Frau schien ziemlich verängstigt zu sein, schon fast teilnahmslos, und er erkannte im dämmrigen Licht des Flurs, dass sie kreidebleich war.
In Charles regte sich schon jetzt sein schlechtes Gewissen. Er wusste, dass sie fest damit rechnete, dass er sie erschoss, vielleicht sogar seinem Ruf als Scarface gerecht wurde und sie aufschlitzte. Es quälte ihn selbst, sie so zu verschrecken, aber er sah im Moment keine Alternative zu dieser Geiselnahme.
Noch schlimmer für ihn war jedoch, dass sie nicht als einzige darunter zu leiden hatte, dass er ungeschickterweise abgestürzt und auf dem Balkon dieses Hauses gelandet war. Der Mann, der eben noch mit dem Gewehr auf Charles geschossen hatte, stand nun mit leeren Händen oben am Treppenansatz und schob gerade einen Jungen, der sich verschlafen die Augen rieb, schützend hinter sich. Auch eine Frau war bei ihnen. Sie weinte.
Neben ihrem Schluchzen drangen von draußen Glockengeläut, das von Feuer kündete, Stimmen, die durcheinander riefen, und das Trillern von Pfeifen, die wohl Bobbys gehörten, auf Charles ein und er spürte einmal mehr seine fast schon unerträglichen Kopfschmerzen und seinem vom Sturz mitgenommenen Körper. Dennoch war sein Atem das lauteste Geräusch, was er wahrnahm.
Er versuchte, jetzt nicht die Nerven zu verlieren. Sein Blick, der kurz zurück auf die besorgte Familie gefallen war, wandte sich nun wieder der Haustür zu, vor der er – und seine Geisel mit ihm – nun standen.
„Ich würde es bedauern zu hören, dass Sie nach der Polizei rufen“, adressierte Charles halblaut die Beobachter auf der anderen Seite der Treppe.
Es war eine Drohung, in ihren Ohren zumindest. Nur Charles selbst wusste, dass es nicht zum Äußersten kommen würde, sollten sie dennoch um Hilfe schreien. Er würde fliehen, nichts weiter. Aber das Bild, das man von ihm hatte, reichte aus, um einzuschüchtern. Sein Ruf war auch der Grund, dass man sich nur zu schnell Vorurteilen ihm gegenüber hingab. Aus der Sicht anderer schien Mord aus geringem Beweggrund zu jemandem wie ihm zu passen. Das mochte in dieser Situation ein Vorteil sein, doch in der Regel war es eher zu seinem Nachteil.
Charles schob den Gedanken beiseite, weil er ihn ärgerte. Die Ereignisse und körperlichen Blessuren hatten ihn merkbar ermüdet, Blut klebte schon wieder in seinem Gesicht, und er wollte jetzt einfach nur noch fort von hier, die Beine hochlegen und versuchen, etwas Schlaf zu finden, der ihm schon seit Tagen kaum vergönnt gewesen war.

Behutsam ließ er die junge Frau los, öffnete langsam die Haustür und spähte die Straße hinauf und hinab. Dabei beließ er seinen Revolver beharrlich auf seine Geisel gerichtet. Da er niemanden in direkter Nähe ausmachen konnte, der sie womöglich bemerken könnte, griff er wieder nach dem Arm der verängstigen Dame und zog sie mit sich nach draußen. Die Tür ließ er einfach offen hinter sich und eilte raschen Ganges die Steintreppe hinunter, die auf den mit Granitplatten ausgelegten Bürgersteig führten. Dann wandte er sich nach links, in die entgegengesetzte Richtung zu Hills brennendem Haus, und setzte seinen zügigen Schritt fort, bis er die junge Frau nach einigen Yards in eine menschenleere Seitengasse bugsierte.
„Ich… es tut mir leid“, setzte Charles an, während er weiterging und die Frau mit sich schob, denn sein Gewissen zwang ihn nun geradezu dazu, etwas zu sagen.
„Sie müssen mich für ein Monstrum halten“, vermutete er und ein gequälter Unterton in seiner Stimme zeigte, dass er das nachvollziehen konnte, es ihm aber nicht recht war.
„Doch zwei Dinge können Sie mir glauben, Miss: Ich bin kein grausamer Mensch und erst recht nicht der Mörder, den alle in mir sehen. Man hat mich hereingelegt. Scarface, das ist ein grausames Spiel, das jemand mit mir spielt. Nein, ich bin keine Bestie, sondern einfach nur Charles Norly.“
Er blieb stehen.
„Ich weiß, das klingt mit dem Revolver in der Hand nicht besonders überzeugend, aber nichts liegt mir ferner als jemandem zu schaden. Auch die Situation, in der wir uns gerade befinden, war nicht geplant. Jedoch hat man mir wohl kaum eine Wahl gelassen, wie Sie miterlebt haben“, erklärte er sich.
„Im Angesicht des Todes wird man manchmal dazu gezwungen, pragmatisch zu handeln. Ich werde es nicht zulassen, dass man mich für Untaten hinrichtet, die ich nicht begangen habe. Zumindest nicht, bevor ich nicht noch einige Angelegenheiten geklärt habe. Ich hoffe, Sie verzeihen mir mein ungebührliches Verhalten, Miss, besonders diese Geiselnahme. Ich bitte Sie darum, nachsichtig mit mir zu sein. Die Gesamtbilanz sieht ziemlich ungünstig für mich aus. Man erwartet von mir, dass ich vor keinem Verbrechen zurückschrecke, so schändlich es auch sein mag, weil ich weiß, dass mein Leben sowieso verwirkt ist, sobald man mich fasst. Aber wissen Sie“, brachte er mit einem bitteren Lachen hervor, „ich habe nichts mehr außer meiner Selbstachtung. Es ist einfach nichts mehr übrig, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte, also halte ich allein an meinen Überzeugungen fest.“
Charles wusste nicht, warum er ihr das erzählte. Es war vielleicht ein Selbsteingeständnis, das er vorher nicht gewagt hatte in Erwägung zu ziehen.
„Noch vor wenigen Monaten dachte ich, ich hätte noch unendlich viel Zeit, um mein Leben zu genießen, doch bisher ist mir alles, was ich mir aufgebaut habe, wie Sand durch die Finger gelaufen. Ich habe stets nur das getan, was in meinem eigenen Interesse lag, und habe mich kaum um die Meinung anderer geschert. Dafür erhalte ich nun das, was ich verdiene“, urteilte er und es war ihm bewusst, dass er das vollkommen ernst meinte. Es war ihm klar, dass er viele schreckliche Dinge getan hatte, auch wenn es nicht die Morde waren, die man ihm im Zuge des Scarface-Falles vorwarf. Dennoch waren diese Dinge unverzeihlich. Er bereute sie zwar nicht, aber sie nagten an ihm. Teilweise sogar tief.
„Ich… Ich hatte nicht vor, Ihnen etwas anzutun“, sagte Charles schließlich, ließ seinen Revolver sinken und trat von seiner Geisel zurück.
„Ich werde Ihnen auch nichts antun. Es steht Ihnen frei, zu gehen. Sie… Sie sollten nun zu Ihrer Familie zurückkehren. Man macht sich bestimmt große Sorgen um Sie. Es tut mir wirklich leid, auch entschuldige ich für die Unannehmlichkeiten, die Sie wegen mir sicherlich noch mit der Polizei haben werden. Ich für meinen Teil werde Sie nie wieder belästigen.“

-----

Aufgewühlt und berauscht von Adrenalin und Alkohol ließ Alan das Viertel, in dem Chief Commissioner Hills Haus unter Zulauf einer stetig wachsenden Menschenmenge vor sich hin fackelte, rasch hinter sich. Die Geräusche des Chaos verflogen schon bald im leichten Wind, der behäbig durch die Gassen strich wie ein betagter Straßenköter, und Alans Füße traten nach einigen ziellosen Wahlen von Abbiegungen auf den hellen Granitstein, der sich an das Ufer der Themse schmiegte.
Das Wasser des breiten Flusses sah nun im Dunkeln beinahe schwarz aus, aber die Reflexionen von Mond- und Lampenlicht auf der langsam dahinziehenden Wasseroberfläche ließen ihn beinahe sogar hübsch erscheinen.
Tagsüber würde das wohl niemand behaupten. Aber wenigstens ging von der Themse nicht mehr dieser widerwärtige Geruch aus, der vor allem während des Großen Gestanks im Sommer vor zehn Jahren große Teile Londons verpestet hatte. Abwasserkanäle, die sich inzwischen an beiden Uferseiten an der gesamten Länge des Flusses entlang zogen, hatten das Problem zum Glück beseitigt.

Alans Schritte verlangsamten sich und er entschied sich spontan für eine Richtung, in der er der Themse folgte. Hier war keine Menschenseele, allein nächtliche Stadtgeräusche und das tröstliche Licht der Laternen, die den Weg erhellten, waren seine Begleiter.
Man erkannte leicht, dass er sich noch im West End befand. Anmutige, instand gehaltene Steinbalustraden säumten das Ufer, hier und dort standen Bänke, von denen aus man an einem schönen Tag bestimmt einen erholenden Ausblick auf das Wasser hatte, und rechteckige, große Aussparungen im Gehweg waren mit Bäumen und Büschen bepflanzt, die nun, im aufkommenden Frühling, frischgrüne Blätter trugen. Befände er sich im East End, würde er wahrscheinlich auf abgetretenen Holzplanken laufen und eine Abgrenzung, die einen Sturz ins kalte, verdreckte Wasser verhindern würde, oder sogar eine grüne Verzierung des Ufers wäre erst gar nicht vorhanden.

In Gedanken versunken, passierte Alan eine dunkle Gasse zwischen zwei Häuserzeilen, als aus ihr plötzlich eine Stimme erklang, die ihn aufschrecken ließ.
„Ich hatte gehofft, Sie allein anzutreffen, Mr. Stirling“, adressierte eine hübsche Frau, die in etwa in seinem Alter war, ihn ohne Scheu.
Langes blondes, welliges Haar umspielten ihre weichen Gesichtszüge, als sie auf ihn zu ins Licht trat. Doch nicht unbedingt weiblich an ihr, zumindest nicht komplett, war ihre Kleidung. Über lederne, hochhackige Schuhe zog sich der Saum einer Hose, die zwar ihre schlanke Figur betonte, aber bei einer Person ihres Geschlechtes dennoch fehl am Platze wirkte. Der ebenfalls eng anliegende Mantel, den sie trug, war aber offensichtlich auf die Maße eines Mannes zugeschnitten, denn besonders ihre Schultern sahen darin äußerst breit aus.
Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte ihre Lippen, jedoch musterte sie Alan aufmerksam und hielt ein gutes Stück Abstand zu ihm.
„Ich bin hier, um eine noch freundlich gemeinte Warnung auszusprechen. Die Gesellschaft eines wegen Serienmords, Einbruchs, Entführung, Körperverletzung, Betrugs und nicht zuletzt Verleumdung gesuchten Mannes mit äußerst fragwürdigen Zielen, wird Ihnen wohl kaum dienlich sein, mein Guter.“

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Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 15:53

Erschrocken fuhr Alan zusammen, als ihn die Stimme aus der Dunkelheit, aus seinen Gedanken riss. Wie gebannt folgten seine Augen jeder Bewegung der sonderbaren Fremden, die sich zu einer noch sonderbareren Uhrzeit alleine in der Gasse herumgetrieben hatte.
Alan konnte seinen Ohren kaum trauen, als sie von seinem unfreiwilligen Kontakt zu Norly sprach.
War das ein Scherz des Verrückten? Alan überlegte fieberhaft. Nein, Norly war zwar einiges zuzutrauen, aber ihn so überrumpelt zu sehen, hätte er keiner Handlangerin überlassen. Er traute dem Wahnsinnigen durchaus zu ihn überwachen zu lassen, aber eine so frühe Enthüllung seiner Spionin wäre selbst für Norly zu irrsinnig. Es musste entweder eine Verrückte sein, die ihm aus irgendeinem verdrehten Grund folgte, oder die Polizei war ihm bereits auf den Fersen. Doch wenn es die Polizei war, warum hatte sie nicht zugeschlagen, als er in Norlys Gesellschaft war?
Alan konnte sich keinen Reim auf diese befremdliche Situation machen und vermutlich wäre er zurückgewichen, oder hätte die Anschuldigungen geleugnet, aber die Warnung der Frau war ein Funke, der bei Alan auf fruchtbaren Boden fiel.
Er trat einen Schritt auf die Fremde zu. Von so einer Dahergelaufenen würde er sich nicht einschüchtern lassen.
"Wer sind Sie?"
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Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 15:54

Ihren Augen kaum trauend sah Melinda plötzlich Norly aus der Tür eines der Häuser treten sah, er sah sich kurz um, doch sie glaubte nicht das er sie erkannt hatte. Die Augen der meisten Londoner waren auf das brennende Haus gerichtet, so dass Norly mit einer Frau davon eilte. Melinda sah sich um, ob nicht vielleicht doch jemand die Situation bemerkt haben könnte, als sie sich vergewissert hatte, so gut es ging, dass es nicht so war, folgte sie ihm unauffällig. Gerade als Melinda den beiden in die Gasse gefolgt war, hörte sie Norly sprechen. Er hat eine Geisel genommen und jetzt will er sie gehen lassen? Der Tag wird ja immer besser!
Räuspernd trat sie an die beiden heran. Norly war wieder blutüberströmt.
"Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber, Norly, Sie sehen aus als seien Sie gerade geschlachtet worden. Das sollte sich dringend ein Arzt ansehen."
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Beitrag von Scáth am Di Sep 04 2012, 15:55

Johanna hatte die Hoffnung schon so gut wie verloren, als sie von dem Mann in eine leere Gasse gezogen wurde. Hier würde sie so schnell kein Polizist finden. Sie bemerkte wie sie begann zu zittern. Ob er wohl ihr Herz schlagen hören konnte?
Er begann zu reden. Erst das Wort Monstrum riss sie aus ihrer Schockstarre, und sie begann ihm zu zuhören.
Charles Norly. Der Name brannte sich wie Feuer in ihre Gedanken. Sie hörte auf zu zittern, ihr Körper entspannte sich plötzlich und sie starrte den Mann fassungslos an. Sie musste sich verhört haben. Sicher. Das konnte alles nicht Wahr sein. Vielleicht war es ein Traum, aus dem sie gleich erwachte, vielleicht eine unglaublich echt aussehende Halluzination. Oder es war alles ein wirklich gut geplanter Streich, der eigentlich überhaupt nicht lustig war. Doch wer würde so etwas tun?
Sie musterte den Mann genauer, fast verzweifelt. Sie wusste nicht was sie tun sollte, hin und her gerissen von so vielen Gedanken, die ihr durch den Kopf schossen. Ihr wurde schwindelig. Hatte sie vergessen zu Atmen? Eine gefühlte Ewigkeit verging, nachdem er zu ende gesprochen hatte. Es klang alles so echt, das konnte nicht ausgedacht sein. Doch trotz allem war sie sich nicht sicher ob er die Wahrheit sagte. Hatte er ihr gerade sein Herz ausgeschüttet? Seine Worte waren so mitleiderregend, dass sie fast vergessen hatte, wer da vermutlich gerade vor ihr stand.
Er wollte Johanna gehen lassen. Sie hätte jetzt einfach umdrehen können. Rennen. So schnell es ging, zurück zu den Menschen, die auf sie warteten, und vermutlich gerade hofften und flehten, dass sie nicht erschossen wurde. Doch sie blieb stehen. Noch immer ihr Gegenüber anstarrend, den Kopf leicht schief gelegt.
"Ich..", brachte sie nur leise und fast heiser hervor. Sie hatte wohl kurzzeitig ihre Stimme verloren. Etwas beschämt blickte sie zu Boden, räusperte sich kurz und wandte sich dann wieder Charles zu. "Ich würde gerne mehr über Sie wissen...wenn das denn recht ist.."
Johanna zuckte zusammen, als plötzlich eine Frau auftauchte, und begann mit Charles zu sprechen, blieb aber dennoch stehen, und wartete auf eine Antwort.
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Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 15:56

Charles war zutiefst verwirrt.
Er hatte der jungen Frau gesagt, dass sie gehen könne, aber dennoch war sie geblieben. Sie stand einfach nur da und starrte ihn an. Ihre hübschen, braunen Augen zuckten hin und her, während sie ihn musterte.
Vielleicht war sie gerade genauso verunsichert, wie er selbst es war. Lief sie nicht los, weil sie fürchtete, er würde ihr nachstellen, wenn sie ihm den Rücken zukehrte? Hatte sie Angst, er würde sie heimtückisch erschießen, wenn sie ihr Gesicht abwandte?
Charles wusste nicht, ob er noch etwas sagen sollte. Vielleicht war es besser, er selbst würde einfach gehen und seine ehemalige Geisel hier stehen lassen. Seinen Revolver hatte er zuvor schon sinken lassen. Nun senkte er auch seinen Blick.
Nein, er hatte sie nicht belogen. Er wollte ihr wirklich nichts tun.
Mit einer fast schon trägen Bewegung seines Daumens sicherte er den Hahn seiner Waffe, steckte diese zurück in seinen Hosenbund und rückte den Saum seines dunklen Wollmantels darüber wieder zurecht.
Jetzt, da er den Revolver nicht mehr in der Hand hatte, mit dem er sie gerade eben noch bedroht hatte, würde sie vielleicht verstehen, dass er seine Worte ernst gemeint hatte.
Doch als er wieder zu ihr aufsah, stand sie noch immer regungslos da und schaute ihn wie gebannt an. Nun musterte er sie ebenfalls und gerade, als er etwas in ihrem Blick zu erkennen glaubte, was nicht Unsicherheit und Angst, sondern Neugier sein mochte, fing sie an zu sprechen.
Ihre, vermutlich vom Schreck, den er ihr eingejagt hatte, belegte Stimme brachte den Satz zögerlich hervor, aber auch, wenn sie ihn ihm entgegengebrüllt hätte, hätte Charles ebenfalls einen Moment gebraucht, um dessen Bedeutung zu begreifen.
Sie interessierte sich für ihn!
Auf welche Art, das konnte er nicht sagen. Vielleicht wollte die junge Frau einfach nur mit dem Mann reden, dessen Name in den vergangenen zwei Monaten fast jede Schlagzeile geprägt hatte. Vielleicht wollte sie wirklich seine Version der Scarface-Geschichte hören. Oder vielleicht hatte sein nächtliches Eindringen in ihr Schlafzimmer, die ganze Aufregung, die körperliche Nähe zu ihm und seine allzu offenherzige Entschuldigung für diese Vorfälle ein ganz anderes… Interesse für ihn geweckt.
Es konnte möglich sein. Aber dennoch: Ihr Verhalten verwirrte ihn. Er war tatsächlich überrumpelt. Ihm fehlten einfach die Worte – was sicherlich selten vorkam.

In diesem Moment erklang dicht neben ihm und der jungen Frau ein Geräusch, ein Räuspern. Genauso wie sie zuckte er erschrocken zusammen und fuhr herum. Er hätte mit jedem und allem gerechnet, aber nicht mit Melinda. Plötzlich stand sie hier als wäre sie aus dem Nichts aufgetaucht, aber vermutlich hatte sie sich einfach genähert, ohne dass seine ehemalige Geisel oder er sie bemerkt hatten.
„Miss Bolt?“, fragte er verwundert nach, aber er wusste ja, dass es sich um sie handelte. „Was machen Sie noch hier?“
Charles hatte angenommen, dass sie zusammen mit Mr. Hyde und Mr. Lived gegangen war, und nicht, dass sie sich noch in der Nähe des Hauses aufhielt. Sie musste gesehen haben, wie er zusammen mit seiner Geisel in dieser Gasse verschwunden war.
Er war einfach noch etwas zerstreut, sodass das, was Melinda zu ihm gesagt hatte, erst wirklich bei ihm ankam, nachdem er ihr diese Fragen gestellt hatte.
„Oh, nein, wirklich nicht“, winkte er höflich lächelnd ab. Es war erwärmend, dass sie sich Sorgen um ihn machte, aber er konnte in dieser – in seiner – Situation nicht einfach zu einem Arzt gehen. „Das wird nicht nötig sein. Es ist vermutlich schlimmer…“
Nein, das hörte sich falsch an, also korrigierte er sich schnell.
„Es sieht vermutlich schlimmer aus als es ist. Ich hatte die Wunde bereits genäht, aber sie ist anscheinend gerade wieder aufgegangen, als ich vom Dach gefallen bin“, versuchte Charles, Melinda zu beruhigen, obwohl seine Wortwahl vielleicht nicht sonderlich dazu geeignet war. Währenddessen zog er ein Taschentuch aus einer seiner Manteltaschen und schüttelte dieses kurz auf, um es dann auf seine blutende Kopfverletzung zu drücken. Im Moment der ersten Berührung zuckte er zusammen, dieses Mal nicht vor Schreck, sondern vor Schmerz, und verzog kurz das Gesicht.
Dann blickte Charles zwischen den beiden Frauen vor sich hin und her, setzte mehrmals zu sprechen an, aber wusste nicht, wie er auf die Worte der Fremden reagieren sollte, die immer noch im Raum standen, und auch nicht wirklich, was er noch zu Melinda sagen könnte, um sie zu überzeugen, dass er schon ohne professionelle Versorgung zurechtkommen würde.
Sein Kopf war sonderbarerweise leer.
Dann, um nicht wie ein vollkommener Trottel dazustehen, gab er schließlich zu bedenken: „Sie sollten nicht alleine hier in den Gassen herumlaufen, Melinda. Keine Frau, betonte er, „sollte nachts ohne Begleitung durch die Stadt schlendern. Ich werde sie nach Hause bringen.“

-----

Die Frau ließ sich davon, dass Alan fast schon forsch nach ihrer Person fragte und sich ihr sogar einen Schritt näherte, nicht beunruhigen. Eher schien sie die Verunsicherung, die sich zuvor in seinem Gesichtsausdruck gezeigt hatte, sogar zu amüsieren.
„Sie können mich Angel nennen. Und das dort drüben…“, sagte sie und wies währenddessen zurück in die Gasse hinter sich. Beinahe zeitgleich, als wäre auf dieses Signal gewartet worden, zündete im Schatten zwischen den Häusern ein Platinfeuerzeug, dessen Flamme eine Zigarette ansteckte und für einen kurzen Moment einen flackernden Schein auf ein Gesicht warf. „… ist Mr. C.“
„Oder Jack, wenn Ihnen das lieber ist“, wandte eine tiefe Stimme ein und ihr Besitzer, der offensichtlich an einer solch dunklen Stelle an der Fassade gelehnt hatte, dass Alan noch nicht einmal seinen Umriss hatte ausmachen können, trat nun ein paar Schritte vor ins Licht.
Es war kein Wunder, dass Alan ihn nicht gesehen hatte, denn der Mann war vom Bowler auf seinem Kopf bis zu seinen Schuhsohlen so schwarz gekleidet wie der Schatten schwarz war, in dem er sich verborgen hatte. Der Fremde mochte in seinen Mittvierzigern sein, war nicht groß, aber auch nicht allzu klein. Auch seine Statur wirkte unter dem Ledermantel, den er trug, nicht sonderlich einschüchternd, war selbst sie von unauffälliger Durchschnittlichkeit.
Mit einem ernstem, wenn auch nicht grimmigem Ausdruck auf seinem glattrasierten, blassen Gesicht, blieb Mr. C. im Hintergrund stehen und rauchte seine Zigarette. Heller Qualm umspielte immer, wenn er ausatmete, seine Züge. Doch auch, wenn dieser seine Sicht teilweise etwas verschleierte, waren seine klaren, braunen Augen aufmerksam auf Alan gerichtet. Allein seine entspannte, aber nicht lässige Körperhaltung und sein Blick, mit dem er Alan bedachte, zeugten davon, dass er sich selbstbewusst Herr der Lage fühlte.
Aber es war die deutlich jüngere Frau, die weitersprach: „Wir beobachten Mr. Norlys Aktivitäten schon seit geraumer Zeit mit… regem Interesse und wissen noch nicht genau, ob uns die neuesten Entwicklungen gefallen sollen.“
„Die Entwicklungen, die Sie und Ihre neuen Freunde betreffen, um genau zu sein“, übernahm Mr. C. das Wort und gestikulierte dabei mit dem glühenden Stängel Tabak in seiner, natürlich mit Schwarz, behandschuhten Hand. „Er schleicht Ihnen schon seit Wochen hinterher, beobachtet Sie, wann er nur kann. Es ist fast pedantisch, wie viel Vorbereitung er in Ihre Entführung gesteckt hat, dabei erscheint uns der Preis dieser Mühen unverhältnismäßig gering. ‚Warum hat er gerade Sie vier gewählt?‘, fragten wir uns. Es gibt durchaus fähigere Leute als Sie.“
„Die Antwort darauf ist relativ einfach, Mr. Stirling“, erklärte Angel lächelnd. „Der allseits berüchtigte Charles Norly ist ein gewiefter Geschäftsmann. Sie könnten ihm nützlich genug sein, dass es sich lohnt, sich überhaupt den Aufwand zu machen, aber Sie sind auch gleichzeitig einfach zu übervorteilen. Und – falls Ihnen das nicht klar ist: Er hat Sie eindeutig übervorteilt.“

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Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 15:56

Alan hatte sich von dem Schreck über das plötzliche Auftauchen der Gestalten wieder erholt. Welches Spiel die Frau und der Mann, welcher sich nun ebenfalls zu erkennen gab, spielten, war ihm jedoch weiterhin schleierhaft.
Entweder gehörten sie zur Polizei, vielleicht einer spezielleren Einheit oder Abteilung. Oder sie operierten auf eigene Faust. Eine Art Geheimbund möglicherweise?
Doch keine dieser Möglichkeiten erklärte, warum sie Norly ungestört seinem Treiben nachgehen ließen und sich offenbar auf Beobachtungen beschränkten. Worin sich Alan aber sicher war, war, dass das Duo bluffte. Sie konnten keine Ahnung von seinem Gespräch mit Norly haben, sie wussten nicht, warum Norly ihn entführt hatte.
Und, was wesentlich entscheidender war - sie wollten etwas von ihm. Also würden sie ihm auch entgegenkommen müssen. Alan waren Begegnungen, auch mit unfreundlichen Gesellen, in nächtlichen Gassen nicht fremd. Der Alkohol in seinem Blut sorgte zudem dafür, dass seine Sorge, was diese Situation anging, sich zusehends in Luft auflöste.
Angel, so so.
"Ich werde Sie nicht Angel nennen.", erwiderte Alan knapp. "Ich habe sie gefragt wer Sie sind und nicht was Sie träumen zu sein, wenn sie sich zuhause in ihr Prinzessinenkleid schwingen und Ballettschritte vor dem Spiegel üben."
Alan zeigte ein schiefes, respektloses Lächeln.
Ihr seid doch aus so viel weicherem Holz geschnitzt als ich.
Eigentlich hatte er vorgehabt, jeglichen Kontakt zu Norly zu leugnen, das einzig Vernünftige, was man tun konnte, wenn man Kontakt zu diesem zwielichtigen Charakter hatte. Doch das geheimnisvolle Gassenduo wusste bereits mehr als gut war.
"Sagen Sie mir, was Ihre kleine Zirkusvorstellung hier soll. Für wen arbeiten Sie? Die Polizei? Warum liefern Sie Scarface nicht aus? Er ist der meistgesuchte Irre, den London derzeit zu bieten hat. Sie haben sogar meine Entführung zugelassen!", schnaubte Alan aufgebracht und mit einem echten Funken Wut im Bauch.
"Ich rate Ihnen, jetzt die Karten auf den Tisch zu legen, andernfalls sollte sich Ihr schmächtiger Wachhund beeilen, seine Zigarette aufzurauchen, bevor... wir auf eine andere Art der Gesprächsführung umsteigen."
Von diesen zwei Schnüfflern würde sich Alan ganz gewiss nicht einschüchtern lassen. Was hatte er mittlerweile auch zu verlieren? Er war mit Norly gesehen worden, hatte sich, zu seiner heimlichen Freude, der Brandstiftung schuldig gemacht und eine Familie in Angst und Schrecken versetzt.
Nach dieser Nacht würde er gründlich über sein Leben nachdenken müssen.
"Und Norly soll mich also übervorteilt haben? Aha. Er hat mich entführt, du Provinzblondchen! Wenn Sie jetzt nicht augenblicklich mit der Sprache rausrücken und erklären, was Sie von mir wollen, werde ich Ihnen und Ihrem albernen Freund mal zeigen wie es aussieht, wenn ich Sie übervorteile."
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Beitrag von Scáth am Di Sep 04 2012, 15:57

"Dann werde ich wohl mitkommen...", antwortete Johanna, allerdings verunsichert. Sie wusste nicht genau, was sie gerade tat, ihr war gar nicht wirklich bewusst, dass sie gerade vorhatte, einen angeblichen Mörder zu begleiten. Und das auch noch freiwillig. Die Worte, die er vorhin von sich gegeben hatte, hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Es war verwirrend, und Johanna war nicht in der Lage, Charles einzuschätzen. Es gab so viele Gerüchte, die gegen ihn sprachen. Vor ein paar Jahren, als sie noch in Manchester gelebt hatte, hatte man ihr gesagt, er habe seine eigenen Eltern umgebracht. Mal davon abgesehen, sollte er ein Alkoholiker sein. Der Geruch, den Johanna gerade in der Nase hatte, sprach eindeutig dafür, dass er getrunken hatte. Doch trotz Allem schien Charles bei Verstand zu sein. Und so unmenschlich wie er durch die vielen fürchterlichen Gerüchte dargestellt wurde, so krank und so schrecklich, so wirkte er in diesem Moment überhaupt nicht. Sein Aussehen jagte einem zwar gerade etwas Angst ein, doch, ohne das ganze Blut und den Dreck, würde er wie ein vollkommen normaler Mensch wirken. Johanna wusste nicht, was sie glauben sollte. Entweder die vielen Gerüchte, oder die Worte von Charles. Beides konnte erfunden sein, doch auch wenn sie wusste, dass dies ein Fehler sein könnte, schenkte sie Charles' Worten ihren Glauben und versuchte, die Gerüchte aus ihrem Kopf zu drängen, auch wenn das unglaublich schwer war. Das Feuer, das ein paar Meter weiter lichterloh brannte, konnte ein weiteres Werk von ihm sein. Vielleicht hatte er es gerade noch so über das Dach nach draußen geschafft, weil er sichergehen wollte, dass sein Opfer auch qualvoll verbrannte. Johanna schauderte, allein durch den Gedanken daran stieg Übelkeit in ihr auf. Oder jemand hatte sein Versteck entdeckt und es kurz darauf niederbrennen wollen. Das hieße allerdings, dass er sich die ganze Zeit nur einige Häuser weiter aufgehalten hatte. Vielleicht war diese Melinda Bolt seine Assistentin, vermutlich hatte sie geholfen, das Feuer zu legen. Das würde erklären, woher sie sich kannten.
Johanna betrachtete die Frau genauer, die vor ein paar Momenten gekommen war. Sie sah etwas mitgenommen aus. Die aufreizende Kleidung, die sie trug, machte ihren Beruf offensichtlich. Sie lächelte ihr zu. Langsam aber sicher hatte sie sich wieder beruhigt und ihr wurde klar, welches Risiko sie da gerade einging. Jetzt hätte sie noch die Chance gehabt, einfach umzudrehen, wegzurennen und ihr Leben wie gehabt fortzusetzen. Doch ihre Beine wollten sich nicht bewegen und Johanna war viel zu neugierig und zu gespannt, um wieder zurück in ihr altes, langweiliges Leben zu kehren.
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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 15:58

Ein wenig unpassend kam Melinda sich in der Geiselnahmesituation kurz vor, überdachte dann aber kurz, dass sie sich in schon wesentlich unangenehmeren Situationen befunden hatte, auch wenn sie diese hier nicht ganz verstand. Norly, der Schrecken der Stadt, das Gespenst, mit dem man seine Kinder ins Bett brachte, weil man ihnen sonst drohte, 'Norly wird dich holen, wenn du jetzt nicht ins Bett gehst', nahm eine Geisel und selbige wollte ihn begleiten? Hmm...ich bin ja nicht besser...ich laufe ihm ja auch hinterher wie ein Hündchen.
Gerade wollte Melinda eine Frage in die Richtung der jungen Frau stellen, als Norly sie nach Hause bringen wollte. “Danke Norly, aber wie sie sehen, habe ich es auch bis hierher alleine geschafft.“ Sie entschied sich, den kleinen Vorfall in der Seitengasse nicht zu erwähnen. "Nun...was Mr. Hyde betrifft. Es gab leider einen kleinen Zwischenfall, als wir uns gerade unterhalten haben. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob Mr. Hyde den Vorfall in einem Stück überstanden hat. Ich musste recht schnell...sagen wir verschwinden. Von Mr. Lived kann ich leider nichts berichten. Ich habe ihn nicht mehr gesehen."
Sie sah sich die junge Frau, die eben gesagt hatte, dass sie mitkommen wolle, unauffällig an. "Ich heiße Melinda Bolt. Nett, Sie kennen zu lernen. Nett, dads Sie nun offensichtlich zur Gruppe gehören, aber vielleicht sollten Sie etwas Passenderes anziehen?"
Hinter ihr erklang Fußgetrappel und beim Umsehen bemerkte Melinda Menschen, die an der Gasse vorbei liefen, ohne jedoch hinzuschauen. Ein Feuer war immer eine kleine Attraktion. "Ich schätze, wir sollten verschwinden..."
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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 15:59

„ Ich glaube, Sie missverstehen sowohl meine Rolle in diesem Gespräch als auch die Lage, in der Sie sich gerade befinden, Mr. Stirling“, sagte Mr. C. gelassen, als wären die Beleidigungen, mit denen Alan ihn bedacht hatte, unverrichteter Dinge an ihm abgeprallt. Unbeeindruckt – auch von dessen Drohungen – und keinesfalls mit Eile, nahm der schwarzgekleidete Fremde einen weiteren, genüsslichen Zug von seiner Zigarette.
„Dass Mr. Norly von der Polizei in Gewahrsam genommen oder in ein Sanatorium eingewiesen wird“, erklärte die fremde Frau, die nur wenig entfernt von Alan in entspannter, aber trotz Männerkleidung durchaus weiblicher Haltung Position bezogen hatte, „ liegt wenig in unserem Interesse. Auch wollen wir ihm nicht unbedingt von Angesicht zu Angesicht begegnen, sonst hätten wir ihn in der Tat schon ausgeliefert. Lange vor der heutigen Nacht und Ihrer Entführung – und auch lange vor diesem berühmt-berüchtigten Vorfall beim Scotland Yard vor zwei Monaten, mit dem die aktuellen Geschehnisse öffentlich wurden. Daher: Nein, wir arbeiten nicht für die Polizei – oder für sonst jemanden. Wir könnten es, selbstverständlich, aber wir sind… unabhängig, sozusagen.“
Mr. C. schien inzwischen wieder dazu bereit zu sein, erneut das Wort zu übernehmen – worin er sich kurioserweise, aber in voller Absicht, mit seiner Begleiterin abwechselte. „Angeline, so heißt die liebreizende Dame hier vor Ihnen“, wies er Alan darauf hin, dass „Angel“ als Kurzform für ihren Namen durchaus seine Berechtigung hatte, „braucht genauso wenig einen Beschützer wie es uns gefallen würde, wenn wir uns gezwungen sähen, uns von Ihnen zu entledigen – wenn Sie mich recht verstehen.“
Sie bedachte ihren Vorredner mit einem kurzen, wohlwollenden Blick. „Das könnten wir auf verschiedene Arten und Weisen angehen; nicht wahr, Darling? Aber die unterhaltsamste wäre in diesem Moment, einfach Sie der Polizei auszuliefern, Mr. Stirling.“
„Da Sie auf Prügel aus zu sein scheinen“, legte der Mr. C. dar, „sind Sie dort sicherlich am besten aufgehoben – auch wenn Sie wahrscheinlich kaum die Gelegenheit bekommen werden, zurückzuschlagen. Unser ehrenwerter Chief Commissioner wird Sie bestimmt mit Freuden zum Verhör an einen Stuhl ketten lassen und selbst Hand anlegen, wenn wir ihm den Brandstifter des Hauses bringen, in dem bereits sein seliger Vater aufgewachsen ist. Und“, fügte er hinzu und seine Zigarette glühte auf, als er in eisiger Seelenruhe an ihr sog, „man wird in Ihnen, wenn wir die Geschehnisse dieser Nacht berücksichtigen, nicht nur einen Umstürzler, sondern auch einen Mörder sehen.“
„Da Sie, Mr. Stirling, in bemerkenswert zufälliger Nähe des jüngsten Tatorts mindestens eine weitere Schandtat begangen haben und, im Gegensatz zu Mr. Norly, gerade greifbar sind…“, deutete Angel mit einem süffisanten Lächeln an und ließ ihren Gedanken unausgesprochen.
Ihr Begleiter war es, der einsprang: „ Scarface, schön und gut; aber Nachahmungstäter fürchtet die Polizei schon seit Beginn der Morde. Ein paar Wochen, möglicherweise sogar mehrere Monate Tower – natürlich angefüllt mit weiterer Gewalt – und dann auf jeden Fall der Strick… So dürfte ihre Zukunft aussehen, wenn wir dieses kleine Szenario ausspielen. Ich hege keinen Groll gegen Sie, Mr. Stirling, und würde es nur ungern soweit kommen lassen“, versicherte er, während er langsam auf Alan zu schlenderte und dann neben Angel stehen blieb. Nun, zum ersten Mal seit Beginn des Gesprächs, lag vielleicht etwas in Mr. C.s Gesicht, das einem Lächeln nahe sein mochte. „Nein, vielmehr möchte ich – möchten wir – Ihnen ein Geschäft vorschlagen, von dem auch Sie profitieren, denn der gute, alte Charlie hat Sie bei seinem Vorschlag wirklich nicht gut wegkommen lassen.“
Angel vergrub ihre schlanken Hände in den Taschen ihres Mantels. „Wollen Sie sich anhören, was wir zu sagen haben? Wir werden Ihnen alles erklären, Ihre Fragen beantworten und Sie können frei entscheiden, ob wir schließlich zu einer Übereinkunft gelangen oder ob sich unsere Wege trennen, ohne dass weitere Worte verschwendet werden.“
„Oder bevorzugen Sie vielleicht die andere Art der Gesprächsführung, die Sie erwähnten?“, warf Mr. C., noch immer voller gelassener Selbstsicherheit, ein. Aufmerksam und ohne Furcht in den Augen, obwohl er ein gutes Stück kleiner als Alan war und ihm auch muskulös offensichtlich nicht das Wasser reichen konnte, blickte der Mann sein Gegenüber an und ließ die noch nicht abgebrannte Zigarette vor dessen Füße fallen. „Ich habe mich beeilt aufzurauchen, wie Sie sicherlich bemerkt haben dürften.“

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„Dann werde ich wohl mitkommen.“
Die Worte der jungen Frau hallten immer noch in Charles‘ Ohren nach und riefen neben Verwirrung hauptsächlich Verwunderung hervor, da sie offenbar nicht zu ihrer sicherlich sehr besorgten Familie zurückwollte, während Melinda schon von einem Zwischenfall redete, der ihr, Mr. Hyde und Mr. Lived wohl widerfahren war. In seinem Kopf stauten sich Fragen an, die seinen Kopfschmerzen neue Kraft gaben, an die Innenseite seines Schädels zu hämmern. Er wollte, als Miss Bolt mit ihrem sehr ungenauen Bericht endete, zu Nachfragen ansetzen, doch Melinda hatte sich bereits von ihm abgewandt und stellte sich seiner, nun ehemaligen, Geisel vor.
„Es freut mich auch, Sie kennenzulernen“, antwortete diese lächelnd. „Ich bin Johanna Stead.“
Das Stichwort „passendere Kleidung“ ließ Charles jedoch reagieren. Ihm wurde erst jetzt bewusst, dass er selbst unter seinem Mantel geschützt vor der recht frischen Märznachtluft war, während die junge Frau namens Johanna nur im dünnen Nachthemd und mit Hausschuhen an den Füßen dastand. Auch Miss Bolt war in ihrem aufreizenden, figurbetonenden Kleid recht luftig angezogen, wenn sie auch nicht unbedingt so sehr dem kalten Wind ausgesetzt war wie Miss Stead.
„Vergeben Sie mir meine Unachtsamkeit!“, warf Charles schnell ein, nahm das Taschentuch von seiner Wunde und ließ dieses in seiner Hosentasche verschwinden, um dann erst sein Gewehr von seinem Rücken zu nehmen und es an die nächstgelegene Hauswand zu stellen, und danach auch seinen Seesack loszuschnallen und diesen ebenfalls abzulegen.
„Natürlich freue auch ich mich, dass Sie sich uns anschließen wollen, Miss Stead. Ich fürchte aber, dass es zurzeit etwas ungünstig ist, sich umzuziehen.“
Er knöpfte sich währenddessen, mit einigen, prothesenbedingten Schwierigkeiten, seinen Mantel auf.
„Bis dahin kann ich Ihnen nur hiermit dienlich sein“, sagte er zuvorkommend und duldete keine Widerrede, als er Johanna seinen Mantel und danach Melinda sein Jackett um die Schultern legte.
Charles selbst blieben ohne Mantel und Jackett nur Hemd, Krawatte und seine farblich zur (vom Sturz schmutzig gewordenen) Hose passende Weste – sein Lederhandschuh über der Prothese, den er unter seinem linken Ärmel verbarg, hatte sowieso keine wärmende Wirkung. Auch, wenn er so tatsächlich etwas fröstelte, war das immer noch besser als Melinda und Johanna frieren zu lassen.
„Sagen Sie mir, wenn Sie noch etwas brauchen, ich habe noch einige“, blut- und scotchdurchtränkte, fügte er lediglich in Gedanken hinzu, „Kleidungsstücke bei mir.“
Dann sprach er lächelnd zu Melinda. „Es macht mir wirklich keine Umstände, Sie zu Ihrer Tür zu geleiten, denn diese Richtung wollte ich sowieso einschlagen. Ich bestehe darauf. Es handelt sich nur um einen minimalen Umweg und, angesichts des… Zwischenfalls, den Sie erwähnten, würde ich mich erheblich wohler fühlen, wenn ich Sie in Sicherheit weiß.“

Die aufregten Stimmen der Leute, die sich das Spektakel um Hills brennendes Haus ansahen, aber auch das laute Rauschen der Flammen selbst drangen zu ihnen in die Seitengasse. Charles hatte bis jetzt nicht sonderlich auf diese Geräusche geachtet, denn sowohl keiner der Schaulustigen als auch keiner der Polizisten oder anderen Helfer, die vorbeigerannt waren, hatten auch nur ansatzweise in ihre Richtung gesehen. Doch ersteres änderte sich nun.
Eine Kutsche rollte die Straße entlang, die sie vorhin verlassen hatten, und die unverkennbare Tatsache, dass der lange, schwarze Wagen mit vergitterten Fenstern und der Aufschrift „London Police Service“ eben zu jener Organisation gehörte, weckte Charles‘ Neugier.
Er warf den Damen einen kurzen, nicht viel sagenden Blick zu und ging dann mit wenigen Schritten zur Abbiegung zurück, um vorsichtig zu spähen, was einige Häuser von ihm entfernt vor sich ging.

Die Kutsche hielt in einigem Abstand zum Feuer – offenbar, weil es die Pferde äußerst beunruhigte – und fast sofort schwärmten einige uniformierte Bobbys aus dem Wagen. Allen voran der Chief Commissioner höchstpersönlich.
Charles merkte, dass sich ein Grinsen auf sein Gesicht schlich, als er beobachten konnte, wie Hill seinen Hut zu Boden schmiss und sich, außer sich einen vor Wut, einen Weg durch die Menge drängelte.
Ob Alan das ebenfalls mit ansieht?, fragt er sich. Gefallen würde es ihm bestimmt...
Einen kurzen Moment verspürte Charles das Bedürfnis, einfach aus der Gasse hervorzutreten und sich zu zeigen – den Leuten eine Show zu bieten, ganz so wie Alan es wenige Minuten zuvor oben auf den Dächern, wenn auch drohend und nicht ernst gemeint, vorgeschlagen hatte. Die Vorstellung, einfach den Nervenkitzel und die Genugtuung zu spüren, wenn er Hill sein breitestes Grinsen schenken und der Polizist dieses wahrscheinlich erst mit Verdutztheit und dann mit einem weiteren Wutanfall krönen würde, reizte Charles einfach.
Wenn er allein gewesen wäre, hätte er sich das nicht entgehen lassen und es gewagt. Doch er war nicht allein. Charles würde durch so eine offensichtliche Dummheit nicht nur sich in Gefahr bringen, also wandte er sich unverrichteter Dinge wieder seinen beiden unverhofften Begleiterinnen zu und trat wieder in das Dunkel der Seitengasse.
„In der Tat, wir sollten nun wirklich das Weite suchen, solange wir es noch gemütlich und ohne Bobbys im Rücken tun können. Ich fürchte, ausführliche Gespräche müssen wir auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. Aber dann“, richtete er sich insbesondere an seine „Eroberung“, denn ihr Wunsch, mehr über ihn zu erfahren, stand noch immer im Raum, „werde ich Ihnen alles erzählen, was Sie wissen möchten. Und ich wäre Ihnen dankbar, Melinda, wenn Sie mir dann auch berichten könnten, was Ihnen, Mr. Hyde und Mr. Lived widerfahren ist.“
Leiser und ernsthaft bedauernd fügte er hinzu, während er sich mit den Fingern erschöpft in seine Nasenwurzel kniff: „Es tut mir leid, ich hätte mich niemals an Sie wenden sollen.“

Nun war er sich absolut sicher, dass es ein Fehler gewesen war, andere in seine Angelegenheiten hineinzuziehen. Vielleicht waren John Hyde und Theodore Lived tot, bei Melindas Wortwahl hatte es sich fast so angehört – oder, dass zumindest die Möglichkeit dazu bestand. Das hatte Charles nicht gewollt, unter keinen Umständen. Es mochte Zufall sein, dass die drei Opfer dieses „Vorfalls“ gewesen waren, aber einerseits glaubte Charles nicht an Zufälle und andererseits hatte er in jeden Fall daran schuld.
Ich bin es gewesen, der sie hierhergebracht hat. Nur wegen mir sind sie hier. Hätte ich sie in Ruhe gelassen, wäre das nicht passiert.
Im Moment hoffte er einfach nur, dass sich der „Vorfall“ nicht vorsätzlich wegen ihm ereignet hat. Eigentlich war er sich sicher gewesen, dass ihn bei der Entführung seiner vier Gäste niemand erkannt und erst recht nicht verfolgt hatte.
Charles hüllte sich in grübelndes Schweigen, schnallte sich seinen Seesack wieder um und schlüpfte mit seinem Kopf und einem Arm wieder in den Gurt seinen Gewehres, damit er auch dieses wieder auf dem Rücken trug und somit die Hände frei hatte. Dann ging er voran.

Sie verließen den Ort des Geschehens im Südwesten Mayfairs, dem edlen Stadtviertel, das im Westen vom riesigen Hyde Park und im Süden vom Green Park, nahe dem Buckingham Palace, gesäumt wurde. Hier schmiegten sich die Häuser und Villen reicher Londoner an quasi ebene und gut ausgebaute Straßen, aber Charles wählte eher schmale, schlecht beleuchtete Seitengassen und Lücken zwischen Häusern, die kreuz und quer und auch mal in die „falsche“ Richtung verliefen, als zwischen weitläufigen Häuserzeilen entlangzulaufen. Er nahm für seine Begleiterinnen gerne diesen Umweg in Kauf, um nicht unerwartet auf Polizisten oder andere Leute zu treffen. Deswegen hielt er auch an jeder Kreuzung an und spähte vorsichtig um die Ecken, um mögliche Beobachter zu umgehen.
Aber, wenn er ehrlich zu sich war, fühlte er sich selbst auch nicht wirklich in der körperlichen Verfassung dazu, nun übereilt fliehen zu können. Die Anstrengungen der letzten Tage und der Entführung saßen noch in seinen Knochen, seine noch immer blutende Kopfverletzung und der Sturz von Dach hatten ihn zusätzlich mitgenommen. Melinda hatte vermutlich recht damit gehabt, dass seine Wunde versorgt werden musste – wenn auch nicht von einem Arzt, denn Charles konnte es sich um seiner Freiheit willen eigentlich kaum leisten, jemanden aufzusuchen, der nur allzu schnell Schmerz- und Betäubungsmittel zur Hand hatte. Nicht, wenn es auch anders ging.
Soho, das Ziel ihres kleinen, nächtlichen Ausfluges, lag eigentlich nicht allzu weit von ihrem Ausgangspunkt entfernt, doch durch einige Ausweichmanöver und generell die Umwege, die Charles wählte, schien die Strecke beinahe doppelt so lang.

Sie erreichten schließlich die Regent Street, eine der wohl berühmtesten Verkehrsadern und Einkaufstraßen des West Ends sowie die förmliche Trennungslinie zwischen dem respektierlichen und ansehnlichen Mayfair und den Straßen des in Verrufs geratenen Soho.
„Es ist nicht mehr weit“, sagte Charles vor Anstrengung hörbar schwer atmend. „Wenn wir… die Regent überquert haben, sind wir bereits in Soho. Aber verzeihen Sie… ich muss erst kurz verschnaufen.“
Er lehnte sich an die vom Ruß ergraute Hauswand neben sich und zog das bereits blutverschmierte Taschentuch aus seiner Hosentasche hervor. Mit einer noch einigermaßen sauberen Ecke wischte er sich frisches Blut und Schweiß aus dem Gesicht.

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Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 16:00

Während Melinda schweigsam hinter Norly herging, darauf acht gebend, dass ihre Schuhe nicht zu laut auf dem Pflaster klackten, sah sie sich Johanna an. Das Mädchen schien etwa so alt wie sie selbst zu sein, auch wenn man Melinda nachsagte, sie sehe wesentlich älter aus. Was vermutlich nicht zuletzt daran lag, dass sie eben jene Kleidung trug die sie trug, abgesehen von der Vorliebe für Absinth und Laudanum.
Norly sprach mit ihr, aber sie sagte nichts dazu. Er hatte Recht, der Vorfall vor dem Cafè würde sie sicher besser besprechen können, wenn sie eine ruhige Minute hätten. Sie fragte sich wie sie es am besten erzählen sollte, sie war schließlich fortgelaufen wie ein aufgescheuchtes Huhn und hatte Hyde und Lived, wenn sie auch nicht befreundet waren, einfach im Stich gelassen. Aber wenn sie es sich recht überlegte, hatte sie ja schon immer nach der Devise 'Ich bin mir selbst die Nächste' gehandelt und mit alten Gewohnheiten sollte man ja nicht brechen. Sie bemerkte kaum, wo Norly sie hinführte, als die Gruppe plötzlich stoppte. Er lehnte schwer atmend an einer Wand und fuhr sich über die Wunde. Melinda warf einen Blick darauf und zog skeptisch die Augenbraue hoch. Die Wunde sah nicht gut aus und es sollte sie sich dringend jemand ansehen. Als Melinda bewusst wurde, wo sie sich befanden, huschte kaum merklich ein Lächeln über ihr Gesicht. Die Straße kannte sie nur zu gut. Soho war ihr in dieser Gegend durchaus ein bekanntes Pflaster. Sie trat ein wenig weiter auf die Straße und sah sich kurz um. Dann wandte sie sich wieder an Norly und Johanna. "Nun, Mr. Norly und Ms. Stead, wo wir gerade hier sind, weiß ich einen geeigneten Platz, wo wir uns in Ruhe unterhalten können. Meine Wohnung eignet sich nur bedingt dafür. Ein Bekannter von mir wohnt hier in der Gegend. Dort können wir uns auch etwas aufwärmen."
Schnell ging sie einige Schritte vorwärts, denn so wie es der Zufall wollte, war jener Bekannter ein Arzt, der sich bei der Gelegenheit des überraschenden Besuches die Wunde an Norlys Kopf ansehen konnte. Schließlich hatte er Melinda selbst schon einige Male zusammengeflickt. Sie hoffte, dass Norly keine Einwände erheben würde, und lief schon fast zu der Tür der Silver Street 8. Sie hob die Faust und ließ ein alt bekanntes Klopfen hören. Zweimal klopfen, eine Pause, zweimal klopfen. Sie fragte sich, ob er sich wohl erinnern würde, und vorallem - öffnen. Schon eine ganze Weile war sie nicht mehr hier gewesen und der letzte Besuch...nun. Sie winkte in die Richtung der anderen beiden und fragte sich, ob sie jene hätte "vorwarnen" sollen. Der Doctor war nicht unbedingt leicht zu händeln. Aber da Johanna sich mitten in der Nacht mit Charles auf den Weg machte und Charles sich aufopfernd um sie kümmerte, das galt sowohl für das Mädchen, als auch für sie selbst, ging sie davon aus, dass sie damit klar kommen würden.
"Komm schon. Öffne." murmelte sie eher als dass sie es laut sagte.
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Beitrag von Darnamur am Di Sep 04 2012, 18:42

Es war Nacht, doch Dr. Randolph Tremaine schlief nicht. Seine ausgezehrte, bleiche Gestalt hatte sich im Licht seiner Öllampe über ein Medizinbuch gebeugt. Seine übermüdeten, blutunterlaufenen hellgrauen Augen tasteten langsam über die Zeilen. Das Haar des Doktors war kurz und schwarz uns so spröde wie Stroh.
Er unterbrach seine Lektüre, als er aus dem Speisezimmer Geräusche hörte. Randolph erhob sich und seine rechte Hand umschloss die Öllampe. Er trug noch immer seinen weißen Kittel, an dem noch immer das Blut seiner vorherigen Patientin klebte. Es war eine sechzehnjährige Prostituierte gewesen, die erst zusammengeschlagen und danach vergewaltigt worden war. Randolph hatte nichts mehr für sie tun können. Sie war auf seinem Operationstisch ausgeblutet. Wie ein Schwein hat sie geblutet!
Randolph hatte sich bislang noch nicht die Mühe gemacht, sich umzuziehen. Er erwartete um diese Uhrzeit keine Klienten mehr, deren Leben noch gerettet werden konnte.
Er tappte leise zum Speisezimmer hinüber – durch den kalten, leeren Gang. Dann war er am Zielort angekommen, aus dem die Geräusche ertönt waren. Jetzt war es dort still. Vorsichtig durchquerte er die offene Tür und hielt die Öllampe vor sich. Eine Waffe trug Randolph nicht bei sich – doch er bezweifelte, dass er eine benötigen würde.
Als sich der Doktor dem Tisch aus massiven Eichenholz näherte – ein altes Familienerbstück, schlug ihm ein strenger Geruch entgegen. Der Schein seiner Öllampe fiel auf mehrere leere Flaschen, die den Fußboden zierten.
Schließlich sah er sie. Zusammengekauert in einer Eckbank und die Beine angezogen. Langes, pechschwarzes Haar fiel ihr ins Gesicht und verbarg es. Die Finger der Frau umklammerten zitternd den Hals einer halb ausgetrunkenen Schnapsflasche. Behutsam nahm Randolph sie ihr aus der Hand und stemmte ihren Körper hoch: "Komm, Mutter! Es ist an der Zeit ins Bett zu gehen!" Schluchzend ließ sie sich von ihrem Sohn mitschleifen. Randolph half ihr ins Bett und deckte sie zu. Dann verließ er das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
Früher hatte Randolph noch versucht, seine Mutter vom Alkohol abzuhalten, doch mittlerweile hatte er es aufgegeben. Sie hatte die Geschehnisse JENES Tages nie verkraftet. Randolph ging zurück in den Operationssaal, ließ sich auf einem der Schemel nieder und begann weiterzulesen. Er konnte kein Interesse für den Inhalt der Lektüre finden, doch es war besser als sich hinzulegen und sich dem friedenversprechenden Schlaf hinzugeben, denn dem war nicht so.
Plötzlich klopfte es an der Haustür. Zweimal. Randolph erstarrte. Und wartete. Dann klopfte es wieder. Zweimal!
Der Doktor fluchte und legte das Buch weg. Dann rappelte er sich auf und eilte zum Hauseingang, der nur zwei Räume weiter lag. Dann öffnete er die Tür. Draußen erkannte Randolph drei Gestalten. Zwei Frauen und ein Mann. Er ließ seinen Blick über die Gesichter schweifen. Die eine Frau starrte ihn entsetzt an, der Mann blutete aus einer Wunde am Kopf. Sein Blick blieb an der zweiten Frau hängen und für einen kurzen Augenblick leuchtete in seiner Erinnerung das Bild eines kleinen Mädchens mit blondem Haar auf und einer grauen Strähne darin.
"Einen wunderschönen, sonnigen Morgen, meine Damen und Herren!", zischte er müde. "Kommen Sie nur herein! Wie kann ich Ihnen behilflich sein?"
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Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 18:43

Während Melinda darauf wartete, dass sich die Tür öffnen möge, schossen ihr einige Fragen durch den Kopf, die sie Norly unbedingt stellen wollte. Beispielsweise, wie es zu dem Brand gekommen war. Unwillkürlich fiel ihr ein Lied ein, das sie selbst früher den jüngeren Kindern im Waisenhaus gesungen hatte, leise begann sie, es zu singen.

"Burn down London, London burn down.

Corpses at Smithfield, where martyrs burned,
Political deaths because you never learn,
Millions die to enrich the few.
You screwed the world,
Now the world screws you.

Burn down London, London burn down."


Dann endlich öffnete sich die Tür. Der Mann, der öffnete, war jener, den Melinda erwartet hatte. Auch wenn er noch müder aussah als bei ihrem letzten Besuch, der, wie sie sich selbst gestehen musste, schon länger zurücklag als es ihr lieb war, freute sie sich, sein Gesicht zu sehen, und lächelte ihn an, mit einer Erwiderung des Lächelns rechnete sie jedoch in keinster Weise. Sie hatte den Arzt immer gemocht, auch wenn er in den letzten Jahren gewissermaßen verschroben geworden war. Sie war gespannt, wie das junge Ding neben Norly reagieren würde, die gerade einen etwas entsetzten Gesichtsausdruck hatte. Sie wandte sich leicht zu den beiden um. "Ich möchte Ihnen meinen guten alten Freund Doctor Randolph Tremaine vorstellen."
Sie ließ sich nicht lange bitten und huschte an ihm vorbei ins Hausinnere. Auch wenn man sich in Soho kaum für sie interessieren würde, bestand immer noch die Möglichkeit, dass sie jemand verfolgt haben könnte. Für einen Augenblick hatte sie das Bedürfnis, den Arzt zu umarmen, schließlich kannte sie ihn schon eine lange Zeit, aber sie war sich nicht sicher, wie er reagieren würde. Zudem wusste man nie genau, ob er nicht ein Skalpell an sich versteckt hatte. Die letzten Jahre hatten ihn geradezu sonderlich werden lassen. Aber wer war das nicht in dem London, in dem sie lebten? Der Anblick, der sich ihr bot, hätte sie vielleicht bei einem anderen Menschen schockiert, schließlich klebte so viel Blut an seinen Klamotten, dass man denken könnte, er habe darin gebadet, andererseits hatte sie ihn in schon weitaus schlimmeren Verfassungen und besudelten Klamotten gesehen.
"Guten Tag Randolph. Wir könnten in der Tat etwas Hilfe gebrauchen. Ich darf gleichermaßen meine Begleitung vorstellen, Ms. Johanna Stead und Mr. Charles Norly. Ich bin sicher, du hast von Norly schon gehört."
Gespannt wartete sie auf die Reaktion der drei Personen. Um den Doktor machte sie sich wenig Sorgen, er war eher Analytiker als dass er ein emotionaler Mensch war, der sich angesichts der Tatsache, dass Melinda mit einem gesuchtem, wenn auch nur vermeintlichem, Massenmörder vor seiner Tür stand und um Einlass und Hilfe bat, schreiend ins Haus stürzen würde. Doch der Arzt war nicht unbedingt das, was man einen netten Zeitgenossen nennen mochte. Sie kam mit seiner momentanen Art recht gut klar, doch seine launische Art schreckte sicher die ein oder andere Person ab. Sie war jedoch immer noch gespannt, was Johanna machen würde. Sie kam ihr wie ein Mädchen aus guten Hause vor, deren größter Schrecken eine Spinne war, die über den Bett ein Netz sponn. Norly war auf eine seltsame Art und Weise ein netter Kerl, so machte es zumindest den vorläufigen Eindruck, Melinda war diesbezüglich noch recht unsicher, was sie von ihm halten sollte. Womöglich war seine freundliche Art lediglich eine Maske, obwohl er bei ihrer Andeutung bezüglich Hyde und Lived tatsächlich bestürzt gewirkt hatte.
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Beitrag von Darnamur am Di Sep 04 2012, 18:44

Bei Melindas Worten richtete sich Randolphs Aufmerksamkeit auf den Mann, den sie vorstellte. Doch weder bei dem Namen, noch anhand seines Aussehens rührte sich eine Erinnerung.
"Es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen, doch der Name sagt mir tatsächlich nichts. Wenn wir derart hohen Besuch in meiner Praxis haben, könnt ihr euch gerne nachher vorstellen."
Seine grauen Augen hefteten sich an der Gestalt von Ms. Stead fest: "Aber nun kommen Sie endlich herein, bevor ich es mir anders überlege. Wenn ich Sie fressen will, verspreche ich, es zumindest kurz und schmerzlos zu gestalten!"
Ohne eine Reaktion abzuwarten, drehte der Doktor sich um und verschwand im Flur, an den auch gleich der Operationsraum angrenzte. "In der Zwischenzeit wäre es hilfreich, wenn Sie mir erklären, wie die Verletzung zustande kam und wie lange dies her ist!"
Randolph kramte bereits einige Utensilien zusammen, die er für die bevorstehende Operation benötigen könnte.
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Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 18:44

Charles wollte schon widersprechen, als Melinda vorschlug, bei einem Bekannten von ihr unterzukommen, aber da war sie schon auf ihren hochhackigen Stiefeln losgeeilt und blieb nur wenige Schritte später von einer Haustür aus schwerem Eichenholz stehen.
„Wir hätten auch zu mir gehen können“, murmelte er im Selbstgespräch vor sich hin, während er sich Seite an Seite mit Miss Stead die Verfolgung aufnahm und dann hinter Melinda stehen blieb, während diese darauf wartete, dass ihr Bekannter auf ihr Klopfen reagierte.
Charles entging nicht, dass Miss Bolt leise vor sich hin sang. Und auch, wenn er ein Stück hinter ihr nicht jedes Wort verstand, das ihre Lippen verließ, erkannte er sehr wohl die Melodie.
Es scheint so, als wäre nicht nur Alan in Revolutionsstimmung, dachte Charles für sich – und im Moment war er sich gar nicht mehr so sicher, ob ihm das gefallen sollte. Er selbst hatte zu den Wenigen gehört, die Melinda in ihrem Lied erwähnte, obwohl ihm das noch nie gefallen hatte. Aber wahrscheinlich gehörte er auch noch jetzt, selbst nach all dem, was geschehen war, immer noch dazu. So einfach konnte man nicht hinter sich lassen, was man schon von Geburt an war.
Das Schicksal lässt einem kaum eine Wahl. Und wenn man sich dagegen wehrt…
Er vervollständigte den Gedanken nicht, doch er wusste, dass man in dem Fall dort endete, wo er jetzt befand.
Alles hat seinen Preis.
Manch einem wäre der Preis, den Charles für seine, aber nur kurz anhaltende, Freiheit gezahlt hatte, zu hoch gewesen. Er hatte nicht gezögert, denn mögliche, weitreichende Konsequenzen waren ihm vor Ausführung seines Plans nie in den Sinn gekommen – zumindest nicht in der Art wie sie nun tatsächlich aufgetreten waren.
Now the world screws you...

Die Tür öffnete sich und riss Charles aus düsteren Gedanken. Der – im Vergleich zu ihm selbst – noch junge Mann, der nun vor ihnen auf der Schwelle stand und die Leute musterte, die ihn zu dieser Stunde störten, war für Charles erst einmal eine Überraschung. Er erkannte sofort, dass es sich bei ihm um einen Arzt handeln musste – um einen Chirurgen wahrscheinlich, denn das viele Blut an ihm sprach Bände.
Aber das eigentliche, was ihn wirklich verwunderte, war nicht der ziemlich erschöpft aussehenden Arzt selbst, sondern, dass Melinda sie zu ihm geführt hatte. Wenn Miss Bolt ihn vorgewarnt hätte, hätte sich Charles vermutlich geweigert. Er fand nach wie vor, dass kein Arzt sich seine Wunde ansehen sollte, aber da sie nun schon einmal hier waren, würde er sich nicht wehren – solange der Doctor ihm nicht mit irgendwelchen Medikamenten zu nahe kam. Damit hatte er äußerst schlechte Erfahrungen gemacht.
Chirurgen sind Leute, die ich „Schlächter“ nenne, kam Charles unwillkürlich in den Sinn, als unliebsame Erinnerungen an seinen ersten (und letzten) längeren Aufenthalt in Frankreich in ihm hochkamen.
Auch dieser hier schien auf den ersten Blick nicht ein besonders freundlicher Geselle zu sein, zumindest meinte Charles im Tonfall in dessen Begrüßung neben Müdigkeit auch beißenden Sarkasmus erkennen zu können. Aber Charles schob es in diesem Moment erst einmal auf die Uhrzeit, um die sie ihn belästigten.

Melinda übernahm es freundlicherweise, Randolph Tremaine ihren Begleitern und diese dem Doctor vorzustellen, auch wenn Charles sich dabei etwas unbehaglich fühlte. Unauffällig sah er sich noch einmal um, um zu überprüfen, ob sie auch wirklich allein und ungehört von anderen waren, doch auch die Reaktion des Arztes selbst bereitete ihm für einen kurzen Moment Sorgen.
Unbegründet, wie es schien, denn dieser zeigte sich nicht die geringsten Sinn erschrocken, als er Charles' Namen hörte und dazu dessen Gesicht sah, das von der kaum übersehbaren, langen, blassen Narbe geziert wurde. Es wunderte Charles etwas – schließlich redete die ganze Stadt seit ungefähr zwei Monaten beinahe nur von ihm und den Schandtaten, die man ihm anrechnete –, doch es war gleichermaßen auch eine erfreuliche Erleichterung.
„Es freut mich sehr, Dr. Tremaine. Ich würde Ihnen ja die Hand reichen, aber ich will sie nicht noch mehr mit Blut besudeln“, lächelte Charles entschuldigend und versuchte so, etwas das Eis zu brechen. „Nun, es enttäuscht mich keinesfalls, dass Sie von mir noch nichts gehört haben. Wahrscheinlich ist es besser so, denn die Leute neigen dann dazu, etwas voreingenommen mir gegenüber zu sein.“
Charles warf Miss Stead einen ermutigenden Blick zu, als Dr. Tremaine ihr etwas harsch versicherte, er würde es kurz und schmerzlos gestalten, wenn er sie fressen wolle, und folgte dem etwas sonderlich wirkenden Arzt ins Haus.
Als er dabei an Melinda vorbeiging, flüsterte er ihr lächelnd zu: „Cleverer Zug, meine Liebe. Es rührt mich wirklich, dass Sie sich solche Sorgen um mich machen.“
Dann antwortete Charles dem Doctor, während er die Einrichtung des Operationsraumes und Randolph Tremaines vor Blut starrenden Kittel mit wachsendem Unwohlsein in Augenschein nahm.
„Es gab vorhin ein kleines Missverständnis zwischen mir und… einem Bekannten. Er hat dafür gesorgt, dass ich nun mehr Scotch intus habe als mir lieb ist, als er mir die Flasche auf dem Kopf zerschmetterte“, witzelte er mit müder Stimme.
Wie lange mochte das her sein? Charles hatte zwar während des Gespräches mit seinen Gästen auf die Uhr geschaut, er konnte sich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, welche Uhrzeit er auf dem Ziffernblatt abgelesen hatte. Auch konnte er gerade schlecht einschätzen wie lange Alans mehr oder minder panischer Angriff auf ihn her sein mochte.
Charles wurde nun richtig bewusst, dass er wirklich angeschlagen und nicht auf der Höhe war. Er hatte das Gefühl, dass seine Kopfschmerzen von Moment zu Moment schlimmer wurden. Ruhe war alles, wonach er sich gerade sehnte. Schlaf.
„Es… es müsste etwa vierzig Minuten her sein“, schätzte er und warf Melinda einen kurzen, von Unsicherheit geprägten Blick zu. „Vielleicht handelt es sich auch schon um eine Stunde. Ich hatte die Wunde schon gereinigt und mit einigen Stichen vernäht, aber offensichtlich ist sie wieder aufgegangen.“

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Beitrag von Darnamur am Di Sep 04 2012, 18:45

Randolph hörte dem Mann zu, während dieser auf ihn einredete und zog sich währenddessen seine Handschuhe über.
"Legen Sie sich hin, Mr. Norly", sagte er, nachdem dieser gerade auf seine medizinischen Fähigkeiten zu sprechen kam. Konnte der Mann nicht einfach auf die Fragen antworten und dann still sein? Randolph mochte keine Leute, die ununterbrochen redeten. Zumindest war es ein deutliches Zeichen dafür, dass er geistig bei bester Gesundheit war. Der Doktor kehrte mit einem feuchten Lappen zu dem Patienten zurück und wischte ihm das Blut aus dem Gesicht. Dabei fiel ihm die gewaltige Narbe auf, die das Antlitz des Mannes zerstörte. Randolph vermerkte diese Tatsache für später und machte sich daran, die Wunde zu reinigen. Wie es aussah, war die Naht wieder aufgerissen. Fremdkörper waren, wie erwartet, nicht zurückgeblieben.
"Ich werde die Wunde nochmals nähen müssen", erklärte er seinem Patienten. "Brauchen Sie ein Schmerzmittel?"
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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 18:46

"Mr. C., Sie segeln geradewegs auf Gewässer zu, in denen Sie nicht mehr in der Lage sein werden zu navigieren. Glauben Sie mir.", erwiderte Alan trocken und äußerlich unbeeindruckt von den Gebaren seines Gegenübers.
Er kannte diese Spielchen, das Aufplustern und die gespielte Gelassenheit. Mr. C. stand hierbei zusätzlich unter besonderem Zugzwang, war doch seine Angetraute bei ihm. Sie sollte wohl kaum erfahren, was für ein zitteriges Männchen sie an ihrer Seite hatte.
"Sie schlagen mir also ein Geschäft vor oder drohen, mich zu entledigen. Das finde ich so süß." grinste Alan. "Nehmen wir doch mal an, Sie würden die Polizei rufen, was mir ehrlich gesagt am Arsch vorbeigeht. Was wollen Sie denen denn sagen? Dieser Kerl da war eben bei dem brennenden Haus! Welches, Officer? Na, das da. Sehen Sie nicht die Flammen? Was? Woher wir das wissen? Ob wir uns auch dort herumgetrieben haben?", stellte Alan belustigt den Dialog zwischen Mr. C. und einem Polizisten nach.
"Ja, wenn Sie wollen, dass Ihre Namen in den Akten zu dem Brand auftauchen, mit dem Zusatz "Vor Ort gewesen", dann rufen Sie mal schön Mr. C. Ich wünsche schon mal viel Spaß beim Erklären Ihrer Anwesenheit. Denken Sie ernsthaft, ich könnte keine Gründe vorbringen, was ich dort getan habe? Denken Sie, ich kenne keine Leute? Denken Sie, ich kenne die Geheimnisse der Reichen und Schönen nicht, weiss nicht, in welchen Kellern sich Mädchen räkeln, die so jung sind, dass ihre Brüste nur zu erahnen sind?", fragte Alan und gab sich siegessicher.
"Man wird mir ein Alibi verschaffen. Aber Ihnen? Ob der gute Chief Commissioner wohl von Ihrer Angel auch so angetan sein wird wie Sie? Denken Sie doch mal drüber nach, bevor Sie das nächste mal mit patronenlosen Pistolen auf mich zielen."
Alan machte es sich etwas bequemer. Warum, zum Teufel, hatte er eigentlich nichts zu trinken dabei? Es war furchtbar, in solche Situationen mit trockener Kehle zu geraten.
Angel hatte er bislang ignoriert und so würde es auch bleiben. Dies war ein Gespräch unter Männern.
"Kommen wir also zu Ihrem Geschäft. Erstens, verhandel ich nur mit Personen, deren vollständigen Namen ich kenne. Sie kennen meinen, tischen mir aber diesen Schrott von Angel und Mr. C. auf. Zweitens, hören Sie mit diesem "Darling"-Scheiß auf. Bei so etwas kriege ich Brechreiz."
Alan war eingefleischter Junggselle. Dieses Pärchengetue ging ihm gehörig auf die Nerven.
"Sie arbeiten nicht alleine. Sie Zwei haben es nie im Leben geschafft, das zu erreichen, woran die Londoner Polizei seit Langem scheitert. Also, verraten Sie mir, wer Ihre Hintermänner sind und mit welchem Interesse Sie Norly beobachten. Wenn Sie diese Bedingungen erfüllt haben, können wir uns dieser Übereinkunft widmen. Diese beinhaltet folgendes Geschäft. Ein großzügiges Geschäft. Für 50 Pfund werde ich mir Ihren Vorschlag nicht nur anhören, wie es sonst der Fall wäre, ich werde auch darüber nachdenken und Ihnen obendrauf auch noch Antwort geben. Was sagen Sie?"
Alan lächelte und in ihm wuchs die Gewissheit, dass diese beiden etwas von ihm wollten. Es wurde Zeit, sie deutlicher in die Position des Bittstellers zu verweisen.
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Beitrag von Scáth am Di Sep 04 2012, 18:47

Für Johanna war der Weg, den sie gerade hinter sich gebracht hatte, wohl der schwerste ihres ganzen Lebens gewesen. Mehrmals hatte sie nach hinten geschaut und war kurz davor wieder fortzulaufen, doch sie war den beiden Fremden letzten Endes mit ein wenig Wehmut gefolgt.
Die Nacht war frisch und Johanna war sehr dankbar dafür, dass sie Charles Mantel tragen durfte, denn dieser machte die Kälte ein wenig erträglicher. Der Fußmarsch machte ihr schwer zu schaffen, sie war es zwar gewohnt, sich viel zu bewegen, doch die halbe Nacht durch unbekannte Gassen zu wandern, verlangte etwas mehr Ausdauer. Es war also kein Wunder, dass sie sichtlich erleichtert war, als sie ihr Ziel erreicht hatten. Doch Johanna wurde gleich wieder anders zumute, als sie sah, wer die Tür öffnete.
'So viel fremde Menschen an einem einzigen Tag kennen lernen...Ich schätze, das ist ein neuer Rekord'
Man bemerkte wohl ihren leicht entsetzten Blick. Johanna sah beschämt zu Boden, doch nach den aufmunternden Worten von Charles musste selbst sie kurz lächeln. Ms. Bolt schien den Arzt, Dr.Tremaine, offensichtlich relativ gut zu kennen. Johanna wusste nicht, ob es sie erleichtern oder verunsichern sollte. Es war etwas verwirrend, dass Charles ihn nicht kannte. Vermutlich war Johannas Vermutung falsch gewesen, und Charles und Ms. Bolt hatten doch nicht wirklich viel miteinander zu tun.
Durch das Licht im Haus hatte Johanna nun die Chance, ihre neuen Gefährten ein wenig besser zu betrachten.
Ms. Bolt war eine recht hübsche, junge Frau. Johanna schätzte, dass sie in etwa in ihrem Alter sein musste, eventuell etwas älter, so sah es nämlich aus. Das konnte aber auch nur Täuschung sein, durch die Kleidung, die sie trug. Sie schien nett zu sein, auch wenn sie einen recht mitgenommenen Gesichtsausdruck hatte. Wer weiß, was sie in ihrem Leben schon alles hatte mitmachen müssen. Vermutlich war das von Johanna ein Traum dagegen. Ihr Blick wanderte herüber zu Dr. Tremaine. Auch er schien noch recht jung zu sein. Johanna musste sich eingestehen, dass seine Augen ihr etwas Angst einjagten. Die schwarzen Klamotten, passend zu den schwarzen Haaren, trugen ein wenig dazu bei. Trotz allem schien er recht freundlich zu sein, denn er erklärte sich sofort dazu bereit, die Wunde von Charles zu behandeln. Erst jetzt fiel Johanna so richtig auf, wie blutbesudelt dieser eigentlich war, mal abgesehen von dem vielen Dreck. Ihr Blick blieb an seinen braunen Augen hängen. Ihr blieb kurz die Luft weg. Sie kannte diese Augen. Sie hatte sie schon so oft gesehen, und gerade jagten sie ihr einen unglaublichen Schreck ein. Johanna ließ sich auf einem Stuhl nieder, der sich im Raum befand. Ihre Beine wollten sie nicht mehr tragen, und sie war wie erstarrt. Sie wusste nicht was sie tun sollte. Etwas sagen? Schweigen? Und wenn ja, wie lange? Ihr Kopf war plötzlich leer. Sie dachte an nichts mehr und starrte nur noch in die so vertrauten braunen Augen von Charles.
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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Umbra am Di Sep 04 2012, 18:47

„Nein danke, Doctor“, lehnte Charles dessen Angebot höflich ab. „Ich bin froh, dass ich jetzt noch einigermaßen klar denken kann, da möchte ich nichts nehmen, was mich zusätzlich benebelt. Ich werde die Schmerzen schon aushalten.“
Wobei er jetzt schon wusste, dass er sich würde zusammenreißen müssen, um sich nicht zu bewegen. Als Dr. Tremaine die Wunde gereinigt hatte, wäre er schon am liebsten bis unter die Decke gesprungen. Charles‘ Hände hielten sich bereits angespannt an den Kanten des Operationstisches fest und zumindest die Knöchel seiner rechten waren bestimmt weiß, weil seine Finger sich regelrecht dort festkrallten. Aus seinem Gesicht war wahrscheinlich auch schon alle Farbe gewichen.
Sich selbst zu verarzten, damit hatte Charles nicht das geringste Problem, er konnte es nur nicht leiden, wenn jemand anderes an seinen Wunden herumfummelte. Allein bei der Vorstellung davon, dass der bleichgesichtige Chirurg über ihm jeden Moment mit einer Nadel auf in einstechen und die auseinandergedrifteten Fetzen Haut auf seiner Stirn zusammenzurren würde, stieg in ihm leichte Panik auf.
Während Dr. Tremaine den vom Blut leuchtend rot gefärbten Lappen, mit dem er Charles‘ Gesicht sauber gewischt hatte, und auch weitere Reinigungsutensilien beiseitelegte, um sich nun auf das Vernähen der Wunde vorzubereiten, hob Charles kurz den Kopf an. Als er an seinem liegenden Körper hinunterblickte und eigentlich nur flüchtig in Richtung seiner Schuhe spähte, fiel ihm auf, dass seine Weste etwas hochgerutscht war und ein Stück des Griffs seines Revolvers preisgab, der vorne in seinem Hosenbund steckte.
Er hoffte, dem Doctor würde das nicht auffallen oder, wenn doch, egal sein. Charles war sich nicht sicher, wie der Arzt reagieren würde. Hatte dieser überhaupt das Gewehr bemerkt, dass er ebenfalls bei sich hatte? Draußen war es ziemlich dunkel gewesen und als Charles seine Sachen abgelegt hatte, bevor er etwas schwerfällig auf den ungemütlich kalten Operationstisch gestiegen war, war Dr. Tremaine gerade mit seinen chirurgischen Utensilien beschäftigt gewesen und hatte augenscheinlich nicht auf ihn geachtet.
„Melinda, meinen Sie, dass es schon ein passender Zeitpunkt dafür wäre, mir zu erzählen, was Sie vorhin erlebt haben?“, fragte Charles nach. Er wusste nicht, ob sie dem Arzt genug traute, dass sie über so ein Thema offen sprechen würde, wenn dieser anwesend war. Aber schließlich hatte sie diesem ja auch Charles‘ Namen genannt, sodass Charles hoffte, Miss Bolt würde ihn selbst so etwas von der unliebsamen Prozedur ablenken, die Dr. Tremaine an ihm durchführen würde.

-----

Mr. C. hatte, während Alan geredet hatte, keine Miene verzogen und auch nun war keine Regung in seinem Gesicht erkennbar, die irgendetwas über seine Gedanken aussagen mochten.
„Ihre Bedingungen klingen akzeptabel“, antwortete er, nachdem er seinen Gesprächspartner einen kurzen Moment mit seinen dunklen, braunen Augen gemustert hatte, „jedoch ist diese Summe, die Sie von uns für einen so kleinen Akt der Höflichkeit verlangen, wirklich anmaßend. Aber das soll kein Hindernis sein.“
Der Mann ließ seine Hand in seinen schwarzen Ledermantel gleiten und zog aus einer Innentasche eine einzelne Banknote über fünfzig Pfund hervor, die er vor Alans Augen glatt strich und sie diesem dann mit folgenden Worten überreichte: „Glauben Sie nicht, Sie hätten mich in der Hand, nur weil ich darauf eingehe, denn ich bin sicherlich nicht von Ihnen abhängig und habe weder Angst vor Ihnen, noch brauche ich mich vor der Polizei selbst zu fürchten.“
Nun lag die Andeutung eines kühlen Lächelns auf seinen Lippen.
„Wenn mein Wort gegen das Ihre steht, werden Sie sehr schlechte Karten haben, egal, welche Lüstlinge Sie auch erpressen könnten. Belassen wir es dabei, es sei Ihnen nur versichert, dass ich durchaus mit geladener Waffe auf Sie ziele“, griff er Alans Bild auf, „und auch abdrücken werde, sollten Sie mich durch aggressive Handlungen verstimmen.“
Dann stellte er sich vor.
„Mein vollständiger Name lautet Jeremiah Aidan Crowne. Grauenhaft, nicht wahr? Da bekomme ich Brechreiz, also bleiben wir bei Jack C., wenn Sie erlauben. Aber viel wichtiger ist, dass ich tatsächlich selbst der Hintermann bin, der einzige neben meiner Frau Angeline.“
Angestellte haben wir, ja“, gab diese zu, da sie nun erwähnt wurde. „Insofern liegen Sie richtig: Wir arbeiten nicht alleine. Der Grund, warum gerade wir mit Ihnen reden und warum wir auch sonst eher selten auf andere zurückgreifen, ist, dass wir uns lieber persönlich um unsere Geschäfte kümmern, anstatt diese irgendwelchen Handlangern zu überlassen.“
Sie bedachte Alan mit einem, wenn auch von einer gewissen Überheblichkeit geprägtem Lächeln.
„Um Mr. Norly zu finden, brauchten wir keine Hilfe. Wir hatten ihn bereits im Visier, bevor er nach London kam, und da er sich auch hier erst einmal nicht die Mühe machen musste, sich bedeckt zu halten, war es eine Leichtigkeit, seine weiteren Schritte zu beobachten – wenn auch der Aufwand, an seinen Fersen zu bleiben, dann mit seinen Versteckspielchen etwas höher wurde.“
„Sie dürfen nicht denken, dass wir ihn rund um die Uhr überwachen“, stellte Mr. C. daraufhin eilig klar. „Das machen wir auch bei Weitem nicht jeden Tag, denn wir haben noch andere Pflichten, aber wir können trotzdem meist recht genau sagen, wo er sich aufhält, oder zumindest, wo er in nächster Zeit auf jeden Fall auftauchen dürfte. Mr. Norly ist ziemlich clever, keine Frage, eigentlich ist es eine große Verschwendung, dass er nichts Sinnvolles mit seinem Verstand anzufangen weiß, aber er ist bei Weitem nicht so gerissen wie er selbst von sich denkt“, sagte Mr. C. und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wir mussten die Polizei schon mehrmals von seiner Spur ablenken, denn Hills Schnüffler hätten ihn schon längst erwischt, wenn wir das zugelassen hätten. Aus direkten Konfrontationen vermag er sich geschickt herauszumanövrieren, doch seine Selbstsicherheit macht ihn leichtsinnig und er lässt sich einfach zu oft auf der Straße blicken, um unauffällig zu bleiben.
Mr. Norly, müssen Sie wissen, ist ein ausgesprochener Exzentriker; das ist er schon immer gewesen“
, erzählte er, „auch wenn die vergangenen Jahre ihn tatsächlich noch sonderbarer gemacht haben. Jemand mit seiner Persönlichkeit findet nur wenig Freunde, aber einen ‚Irren‘ würde ich ihn nicht unbedingt nennen – denn trotz seines schwierigen Charakters und seiner Macken weiß er, was er tut. Aber was noch nicht ist, kann sicher werden.“
Nun lächelte Mr. C. das erste Mal in diesem Gespräch deutlich erkennbar und zeigte Alan dabei gerade, gepflegte Zähne.
„Allein, dass er Sie nun für einen privaten Rachefeldzug gegen unseren ehrenwerten Chief Commissioner engagiert hat, dürfte wohl zeigen, dass er bereits rasant auf den Abgrund zusteuert. Er findet partout keinen Ausweg aus seiner jetzigen Situation, hat die Erkenntnis im Nacken, dass er sein Leben verpfuscht hat und es inzwischen zu spät und er selbst zu alt ist, um sein dieses noch in den Griff zu bekommen, und treibt sich zusätzlich mit dem Feindbild Hill selbst in den Wahnsinn.
Das mit anzusehen ist“
, gestand er mit einem leisen Lachen, „zugegebenermaßen ziemlich amüsant, vor allem, da Mr. Norly mir selbst ein Ärgernis ist. In den vergangenen Jahren hat er mir nicht nur einen bedeutenden Geschäftsabschluss versaut. Allein dadurch hat er unser Interesse geweckt; und nun fragen wir uns einfach, was er wohl noch vorhat und wie weit er gehen wird. Auch seine Frechheiten mir und Angeline gegenüber lassen sich jetzt, in dieser Situation, wieder gutmachen – mit Ihrer Hilfe, wenn Sie möchten.
Kommen wir also zu dem Vorschlag, den wir Ihnen unterbreiten wollen, denn Sie scheinen Mr. Norly im Gegensatz zu den anderen mit vernünftiger Skepsis entgegenzutreten.
Arbeiten Sie nebenbei für uns, das würde sich finanziell enorm für Sie lohnen. Außerdem könnten wir bei der Polizei ein gutes Wort für Sie einlegen, sollte man Sie zusammen mit ihm erwischen“
, bot Mr. C. an und begann dann, konkret zu erläutern, was er von Alan wollte.
„Wie erwähnt, ist Mr. Norly sehr exzentrisch. Er ist ein Ordnungsfanatiker und merkt sich einerseits schnell lauter Details und Kleinigkeiten, die für andere eher unnütz erscheinen, hat aber andererseits in Bezug auf wichtigere Dinge oft ein sehr schlechtes Gedächtnis. Deswegen führt er ein Notizbuch, in dem er Daten, Gedanken und Ereignisse festhält, aber auch private Erinnerungsstücke wie Fotographien und Briefe sammelt.
Er hängt sehr an diesem Ding, denn es gibt ihm Sicherheit, obwohl er dessen Inhalt garantiert sowieso auswendig aufsagen könnte. Mr. Norly lässt sein kleines Büchlein nie aus den Augen und trägt es meist sogar nahe am Körper bei sich, was es für uns etwas schwierig macht, ungesehen an es heranzukommen. Wir müssten auf eine Gelegenheit hoffen, in der er und auch alle anderen abgelenkt sind, um uns auch nur nähern zu können; Sie hingegen könnten sich offen in Mr. Norlys Gegenwart aufhalten, ohne dass er oder jemand ihrer neuen Freunde misstrauisch wird, und in Ruhe einen passenden Moment abwarten, um sein Notizbuch an sich zu nehmen.
Ich will dieses Buch haben – und zwar ohne dass er Verdacht schöpft“
, stellte er klar. „Sorgen Sie deswegen dafür, dass der gute, alte Charlie nicht merkt, dass Sie es an sich genommen haben, sondern dass er denkt, er hätte es verloren oder verlegt. Wenn Sie das schaffen und mir das Notizbuch bringen, zahlen wir Ihnen zweihundert Pfund und geben Ihnen einen neuen Auftrag, wenn Sie möchten. Sie haben dann die freie Wahl, ob Sie weiterhin für uns arbeiten möchten oder nicht. Uns ist auch vollkommen egal, ob Sie Mr. Norlys Vorhaben unterstützen oder sogar sabotieren wollen. Sie müssten nur bei ihm bleiben“, schloss er seine Ausführungen, wieder mit einem Lächeln auf den Lippen, und löste seine verschränkten Arme wieder voneinander.
„Das nenne ich ein großzügiges Geschäft! Wie Angeline schon sagte: Die Gesellschaft von Scarface allein wird Ihnen nicht dienlich sein. Aber wir können sie für Sie lohnenswert machen. Was sagen Sie dazu?“

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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Darnamur am Di Sep 04 2012, 18:48

Randolph nahm finster zur Kenntnis, dass Mr. Norly selbst während der Operation offenbar mit seinen Begleiterinnen sprechen musste. Auch kam er nicht umhin, den Griff eines Revolvers zu bemerken, der aus dem Hosenbund des Mannes hervorragte. Bereits die scheußliche Narbe hatte seine Aufmerksamkeit erregt gehabt und einen fürchterlichen Verdacht in ihm aufkeimen lassen und die Feuerwaffe war ein weiteres Indiz, das seine düstere Ahnung verstärkte. Doch Dr.Tremaine schob dieses Thema erst einmal beiseite. Er würde sich noch heute Nacht um dieses Thema kümmern. Zunächst hatte die Versorgung der Wunde höchste Priorität. Mr. Norly schien sich wacker zu schlagen und schrie nicht herum, was das Vernähen der Wunde enorm erleichterte.
Schließlich war es erledigt. Die Wunde war verschlossen und der Doktor machte sich daran, sie mit einem Verband abzudecken. "Sie sind geheilt, Mr. Norly", erklärte er währenddessen. "Kommen Sie in zwei Wochen nochmals zu mir, damit ich die Naht entfernen kann. In der Zwischenzeit schonen Sie sich bitte ein wenig!"
Dr. Tremaine zog sich seinen blutverschmierten Kittel aus. Dann richtete er seine grauen Augen auf alle seine Gäste, insbesondere Ms. Stead und Mr. Norly. In der Frau erkannte er ein einfaches Dienstmädchen. Welche Rolle sie in diesem Schauspiel innehatte, war ihm nicht ganz klar. Aber sie schien Gefühle für Mr. Norly zu hegen. Die Art, wie sie ihm Blicke zuwarf, war eindeutig. Ein junges, naives Ding, das wahrscheinlich erst wenig von der harten Realität in den Londoner Elendsvierteln gesehen hatte.
Ebenfalls unklar war ihm, wie Melinda zu Mr. Norly stand. Als Randolph Mr. Norly musterte, fiel ihm ein weiteres Detail auf. Wie hatte er nur so blöd sein können, es nicht zu bemerken? Er wusste noch nicht, was es bedeutete, aber wenn er Glück hatte, würde er auch darüber bald Bescheid wissen. Sein Hirn arbeitete bereits fieberhaft an einem Plan.
"Es wäre mir sehr angenehm, wenn ihr heute Nacht hier bleiben würdet. Ich habe noch ein Gästezimmer mit zwei Betten für die Damen und die Couch für Sie, Mr. Norly!", sagte er mit falscher Höflichkeit. "Es hat keinen Sinn mehr, wenn ihr um diese Uhrzeit noch in eure Wohnungen zurückkehrt. Ich werde noch meine Utensilien verstauen. Also macht euch nicht die Mühe zu warten. So wie ich es verstanden habe, wollen Sie ohnehin noch etwas besprechen."
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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Elli am Di Sep 04 2012, 18:49

Als Melinda das letzte Mal hier gewesen war, hatte sie selbst auf dem Behandlungstisch gesessen und sich eine Wunde nähen lassen. Mit Schaudern erinnerte sie sich an die Ereignisse zuvor und ihre erste Begegnung mit dem Gesetz. Eine unerfreuliche Erfahrung, die sich in ihr Hirn eingebrannt hatte, und sie war froh, dass sie diesmal nicht als Patient hier war.
Melinda betrachte die Hände des Arztes, die so gekonnt die Wunde von Norly behandelten. Ihr entging nicht, dass Norly sich nicht sehr wohl fühlte und sich offensichtlich nur unter äußerster Anstrengung dazu zwingen konnte, ruhig zu halten. Eine Ablenkung schien also ganz gut. Fragte sich nur, ob die Ablenkung, die sie zu bieten hatte, eine gute war. "Die Situation war etwas unübersichtlich. Hyde, Lived und ich gingen in ein Café und haben etwas getrunken. Wir haben uns ein wenig über die ungewöhnliche Situation, in der wir uns befanden beziehungsweise befinden, gesprochen. Als zwei Polizisten das Café betraten, wurde Hyde sehr unruhig und wollte, dass wir schnell gehen. Lived machte den Vorschlag, hintereinander zu gehen, sodass wir keine Aufmerksamkeit mit unserem Aufbruch erregten. Ich bin also hinausgegangen und habe dort in einer Seitenstraße gewartet. Hyde kam auch irgendwann aus dem Gebäude heraus und plötzlich... nun, es überschlug sich alles. Ein Schuss und Hyde ging zu Boden. Dann war dort ein Mann, der erneut auf ihn schoss. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, also bin ich geflohen, als die Polizisten vor den Hyde geflohen war aus dem Café kamen. Welch Ironie, dass er vor Ihnen weglief... in sein Verderben. Ich glaube, Hyde hat die Schüsse nicht überlebt. Leider kam ich nicht dazu, mich davon überzeugen zu können. Ich lief davon." Einen Augenblick überlegte sie, von den Bomben zu erzählen. Dann behielt sie es lieber für sich. Zum Einen wusste Melinda nicht, ob sie vielleicht noch einmal auf einen Überraschungsmoment angewiesen sein würde, noch ob es nicht vielleicht die Bomben gewesen waren, die Hyde in Stücke gerissen hatten. Vielleicht hatte er die Schüsse überlebt und sie hatte sein Leben beendet, weil sie panisch geworden war. Aber sie war sich nun mal selbst die Nächste. Daran würde sich so schnell auch nichts ändern. "Was mit Lived ist, kann ich nicht sagen. Er verließ das Café nicht, solange ich die Tür im Auge behielt."
Sie dachte einen kurzen Augenblick nach, bevor sie weitersprach.
"... und dann eilte ich davon, ohne wirklich zu sehen, wo ich hinging. So kam es auch, dass wir uns wieder begegnet sind. Allerdings muss ich sagen, es würde mich interessieren, wie Sie es geschafft haben, in der nicht allzu langen Abwesenheit ein Haus in Brand zu stecken und eine Geisel zu nehmen, die Ihnen breitwillig folgt. Sie scheinen ebenso ein Talent für unliebsame Momenten zu haben wie ich." Sie deutete auf das Johanna die still und in sich gekehrt war. "Ihre Sicht der Dinge würde mich auch interessieren, Ms. Stead. Wie kommt man dazu, in Nachthemd und Hausschuhen einem fremden Mann zu folgen?"

Als der Doktor ihnen einen Schlafplatz anbot, schenkte sie ihm ein warmes Lächeln, mit dessen Erwiderung sie nicht rechnete. Vor einiger Zeit hätte er sicher zurückgelächelt, doch diese Zeiten schienen vorbei.
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Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot - Seite 5 Empty Re: Götterblut - Kapitel 1: Ein (un)moralisches Angebot

Beitrag von Druzil am Di Sep 04 2012, 18:49

Überrascht ergriff Alan die Geldnote. So einfach hatte er sich das nicht vorgestellt.
"Ich sehe, Sie sind offenbar in der Lage, einem anständigen Mann auf angemessene Weise entgegen zu kommen. Hier in der Nähe wird sich doch sicherlich eine Spelunke finden lassen, die noch ein gutes Tröpfchen zu veräußern hat."
Alan sah sich um. Etwas zu lange als nötig gewesen, mit zu viel Desinteresse für seine Gesprächspartner. Dann wendete er sich aber wieder Mr. C. zu.
"Ich schenke Ihren Worten Glauben, Mr. C., dass Sie die Polizei aktuell noch nicht zu fürchten haben. Sollten Sie aber darauf aus sein, mich in eine Falle zu locken, versichere ich Ihnen, dass ich Sie nicht mit polizeilichen Samthandschuhen anfassen werde. Aber nun gut, lassen wir das."
Alan steckte das Geld in die Tasche seiner Jacke.
"Verstehe ich Sie richtig? Sie unterstützen Norly, verwischen gar seine Spuren vor der Polizei?"
Alan zeigte einen irritierten Gesichtsausdruck.
"Und gleichzeitig wähnen Sie ihn dem Abgrund nahe? Was soll das Ganze? Sind Sie Aufwiegler? Ist Ihr Ziel die Verbreitung von Chaos und Unfrieden in London?"
Alan wurde in diesem Moment bewusst, dass er gründlich über all das nachdenken musste, was ihm in den letzten Stunden, es kam ihm eher wie Tage vor, widerfahren war. Aber eines konnte er mit Gewissheit festhalten: Zweigleisig zu fahren war nicht die schlechteste Idee. Vielleicht konnte er gar von dieser unseligen und verräterischen Kooperation profitieren. Auf eine ganz spezielle Art und Weise, die ihm dienlich sein mochte.
Alan lehnte sich an die Wand der Gasse und setzte eine grüblerische Miene auf.
"Ich werde Ihnen dieses Notizbuch besorgen, so es denn in meiner Macht steht und sich die Möglichkeit bietet. Aber ich brauche eine Möglichkeit, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Und kommen Sie mir nicht mit "Wir werden Sie kontaktieren.". Wo kann ich Sie antreffen? Mein zweites Anliegen wäre von... privaterem Interesse. Sie scheinen sich in gewissen Kreisen zu bewegen und Möglichkeiten zu haben. Ich bestehe nicht auf eine Zahlung meiner Gefallen mit Geld. Ja, man kann mich auch einen Freund des guten, alten Tauschhandels nennen."
Alans Stimme wurde leiser, aber umso eindringlicher.
"Behalten Sie Ihre Pfundnoten und kaufen Sie Ihrem Engel etwas Hübsches. Was ich will, ist eine Bombe."
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