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Götterblut - Kapitel 3: Scarface

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Elli am Mo Aug 25 2014, 11:43

Die Situation verunsicherte Melinda etwas, sie wusste nicht so recht was sie davon halten sollte. Randy kam in die Küche gestürzt und begann sofort mit der Behandlung des Verletzten. Sie warf einen Blick auf den Topf und sah das sich bereits erste Bläschen bildeten. Das Wasser würde so heiß genug sein. Kochend konnte es wohl niemand gebrauchen. Mit einem Handtuch ergriff sie den schweren Topf und wuchtete ihn auf den Tisch. Sie trat ohne ein Wort zu sagen zurück. Sollte jemand ihre Hilfe benötigen, würde sie da sein. Doch nun erschien auch Gilbert und bot seine Hilfe an - doch Melinda hätte ihm nicht einmal gestattet einer Ratte einen Faden vom Fuß zu wickeln.
Stattdessen wand sie ihren Blick zu Charles herüber. Sie freute sich unheimlich ihn zu sehen, doch dies zum Ausdruck zu bringen, wäre nicht sehr klug gewesen ihn dieser Situation.
Immerhin wusste sie nicht wer die anderen waren, also tat sie das was sie am Besten konnte. Mit Männern in Kontakt treten.
"Herzlich Willkommen die Herren. Wie sie sehen wird ihrem Kompagnon die beste Hilfe zu Teil, die er sich wünschen kann. Möchten Sie vielleicht einen Whiskey trinken in der Zeit, in der er ärztlich versorgt wird? Vielleicht möchten Sie uns dann auch ihre Namen verraten?" sie setzte ein zuckersüßes Lächeln auf.

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Umbra am So Aug 31 2014, 18:53

Die Ankunft von Melinda in der Küche, brachte die ihr unbekannten Männer zum Teil dazu, ihr im ersten Moment recht verwunderte Aufmerksamkeit zu schenken. Das mochte vor Allem an ihrem sehr Reize betonendem Kleid und daran liegen, dass sie zudem barfuß war. Solch Freizügigkeit war in Kreisen der Frauen, die ihren Körper nicht verkauften, die nicht einmal ihre Knöchel – Geschweige denn nackte Füße, mehr von ihren Beinen oder einen tiefen Ausschnitt – in der Öffentlichkeit zeigen würden, ein Ding der Undenkbarkeit. Doch die anwesenden Herren hatten anderes zu tun, als die junge Frau ausgiebig anzustarren, sondern begrüßten diese, nachdem sie ihre Überraschung überwunden hatte, jeder auf seine Weise, mal stumm, mal nicht, aber meist begleitet von einem Nicken, bevor sie sich wieder konzentriert dem Geschehen zuwandten. Während zwei von ihnen (ein älterer, backenbärtiger Herr und ein hünenhafter Ire) den Verletzten (ein vollbärtiger, recht mitgenommen wirkender Mann mit fliehendem Haaransatz) stützten, hatte ein dritter (bis auf die Koteletten glattrasiert und um die fünfzig Jahre alt) daran gemacht, den Angeschossenen von der regendurchnässten Oberbekleidung zu befreien, um die Wunde für die Behandlung freizulegen.

Charles selbst erwiderte Melindas Blick in seine Richtung, ohne etwas gegen die Distanz, die in diesem Augenblick zwischen ihnen lag, zu tun. Es freute sich sehr, sie zu sehen – er war erleichtert, dass sie wohlauf war –, doch gefiel ihm nicht, wie sie, allein durch ihr Äußeres, die Blicke der Anwesenden auf sich zog. Er sagte nichts dazu. Es wäre unangebracht gewesen, in mehrfacher Hinsicht. Gerade vor diesen Leuten, gerade in dieser Situation. So murmelte er lieber weiterhin ungeduldige Flüche vor sich hin, unterdessen er eine Schranktür nach der anderen aufriss und überprüfte, was sich dahinter befand.

Zum Glück stürzte auch Dr. Tremaine kurz nach Melindas Ankunft in die Küche. Ohne Hemd, verschwitzt, humpelnd auf seinen Stock und allgemein sehr mitgenommen wirkend, aber ein Chirurg war ein Chirurg – und besser als alle anderen, die Charles sonst noch eingefallen wären. Zumindest schien der Doktor zu wissen, was er tat, und verlor keine Zeit, während Mr. O’Sullivan es übernahm, Tremaine in Kenntnis über Arthurs Zustand zu setzen. Der Angeschossene ließ das Geschehen schwer atmend über sich ergehen. Die Kraft, um etwas anderes zu tun, schien er im Augenblick ohnehin nicht aufbringen zu können. Doch als Randolph Arthur zwang, ihn anzusehen, und ihn fragte, ob er bei sich sei, reagierte der Verletzte zumindest mit einem zunächst etwas irritierten Blinzeln und der bestätigenden Antwort: „Ja, bin ich.“ Bei Bewusstsein war er zwar – was schon einmal gut war –, aber er schien nicht so, als wäre er auf der Höhe. Der Doktor hatte bereits mit genug Schwerverletzten zu tun gehabt, um diese Art Benommenheit zu kennen, in die sein jetziger Patient scheinbar verfallen war. Sie rührte von den Schmerzen her, unter die er ohne Zweifel litt, wie auch vom Blutverlust, wobei im Moment schwer zu sagen war, wie viel seines Lebenssaftes er bereits verloren hatte. Dass dies bereits die ersten Anzeichen eines Schocks waren, war nicht ausgeschlossen. Die Lage war ernst genug, dass nun Eile geboten war. Dennoch musste Randolph sich erst einmal ein genaues Bild über die Schussverletzung machen, die der Ire unter den Anwesenden bereits in lateinischer Sprache, beziehungsweise medizinischem Fachjargon, angekündigt hatte. Sogleich stellte der Mann, der den Verletzten bereits ausreichend entkleidet hatte, die geforderten Stühle bereit, sodass der Doktor sein eigenes, angeschossenes Bein entlasten konnte, während er sich die Wunde seines Patienten ansah, der nun ebenfalls auf einem der Stühle platziert wurde – verkehrt herum, sodass dieser selbst an der Lehne etwas Halt zu finden und Randolph sich seinen Rücken anzusehen vermochte.

Eine bekannte, aber doch unerwartete, Stimme erregte daraufhin Charles‘ Aufmerksamkeit. Mr. Wright – dieser Kerl war es tatsächlich! – bot seine Hilfe an. Charles runzelte missbilligend die Stirn, jedoch kommentierte er nicht explizit die Anwesenheit dieses Mannes. Um sich damit zu befassen, blieb im Moment keine Zeit. Mr. O’Sullivan hatte Recht: Arthur verlor Blut. Und mit dem Rest der geäußerten Worte lag der Ire auch nicht falsch. Charles bezweifelte, dass wirklich alle im Raum nachvollziehen konnten, was der offenbar medizinisch geschulte, rothaarige Hüne geäußert hatte (Charles selbst war des Lateinischen mächtig), aber er war der Überzeugung, dass es die Hauptsache war, dass Dr. Tremaine etwas damit anzufangen wusste.
„Sie können uns helfen, ihn gleich festzuhalten“, antwortete Charles Gilbert mit einer Geste, die andeutete, dass er vom Angeschossenen sprach, dessen Wunde Dr. Tremaine momentan begutachtete. Selbst wenn es Charles nicht zusagte, dass Mr. Wright sich überhaupt in diesem Haus aufhielt, verschmähte er Hilfe keineswegs, wenn es um das Überleben eines Freundes ging. Wählerisch zu sein, war ein Luxus, den man sich für weniger blutige Angelegenheiten aufsparte. Je mehr Hände Arthur festhielten, desto weniger wahrscheinlicher war es, dass er sich während der Operation selbst verletzen konnte, indem er sich bewegte. Ein Küchentisch war kein Behandlungstisch. Hier war es nicht möglich, Arthur festzuschnallen, sondern es musste Muskelkraft herhalten, um ihn zu fixieren.

Melindas (gewiss nicht uneigennützige) Einladung zu einem Whiskey stieß bei den anwesenden Männern, unterdessen, vermutlich nicht derart auf fruchtbaren Boden, wie sie sich das vorgestellt hatte. Der Älteste, der ihr Fremden – der bisher recht grimmig wirkende Backenbartträger –, schien durchaus geneigt zu sein, einen Whiskey anzunehmen und auch seinen Namen zu verraten, doch seine Antwort wurde im Ansatz erstickt, weil der Kotelettenmann ihm das Wort abschnitt.
„Keine Namen!“, forderte er kühl mit mahnendem Finger – eine Geste, die den Blick unweigerlich auf seine vom Faustkampf wunden Fingerknöchel lenkte –, was auch seine Wirkung nicht verfehlte, bevor er noch mit höflicheren Worten, aber angespannter Stimme ein „Und keinen Whiskey. Nein, danke, Miss“, hinzufügte und damit zeigte, dass er sich nicht zurücklehnen würde, während der Verwundete noch nicht versorgt war. Die Operation stand noch an und dieser offenbar recht pflichtbewusste, aber auch geheimnistuerische Engländer machte sich bereit, tatkräftig mit anzupacken. Er warf seinen Bowler in die Ecke, schälte sich aus seinem regennassen Mantel und krempelte die Hemdsärmel hoch. Aber nicht nur ein Hemd mitsamt Weste, die er darüber trug, hatte er durch das Ablegen seines Mantels frei, sondern auch ein Schulterholster, mit dem er einen Revolver bei sich trug.

„Später, meine Liebe“, mischte Charles sich mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen ein, um die Wogen etwas zu glätten. „Wir alle sind hier noch nicht fertig.“
Er selbst hatte inzwischen in einem der Küchenschränke eine Flasche Whiskey gefunden – endlich. Wo Alkohol im Keller oder in anderen Zimmern des Hauses zu finden war, wusste Charles ganz genau (schließlich hatte meist er ihn dort deponiert) und er war kurz davor gewesen, loszueilen, um ihn woanders her zu beschaffen.
Da dies aber nun nicht mehr Not tat, trat er mit der Flasche an seinen schwerverletzten Freund heran und legte diesem bekräftigend eine Hand auf die Schulter – es war Charles‘ metallische Linke, aber davon merkte momentan, dank seines ledernen Handschuhs, den er trug, nur er selbst etwas.
„Ich will dich nicht anlügen, Arthur:“, wandte er sich mit gesenkter Stimme speziell an seinen Freund. „Das“, er redete von der Operation, „wird höllisch wehtun. Doch du wirst es überleben, keine Sorge. Das wird schon wird schon wieder.“
Charles lächelte seinem Freund zu, auch wenn er in diesem Moment versucht war, sich die Whiskeyflasche an den eigenen Mund zu setzen, um ein, zwei tiefe Züge zu nehmen und die Situation besser ertragen zu können, denn sie weckte üble, sehr üble Erinnerungen, die ihn schon genug des Nachts immer einmal wieder plagten und nicht zur Ruhe kommen ließen. Schmerz in seinem eigenen Rücken, Phantomschmerz in seiner nicht mehr vorhandenen Hand… Klingen und Kugeln, Blut und Tod… Doch statt sich selbst zu betrinken, begann er damit, Arthur den Whiskey einzuflößen. Whiskey, das war allemal besser als jede Opiumtinktur, fand Charles, die zwar den Verstand benebelte und betäubte, aber dafür weniger verträglich war – gerade für Leute wie Arthur, die, wie Charles wusste, sich von lasterhaften Orten wie Opiumhöhlen mit Abstand fernhielten. Dass der schwerverletzte Mann sich nun oder später, zusätzlich zu seinem bestehenden Leid, übergeben musste, wäre für niemanden erfreulich, und die Gefahr einer Sucht als Spätfolge, wenn man erstmal damit anfangen würde, Arthur Opiate einzuflößen, war gegeben. Außerdem musste Arthur möglichst bei Bewusstsein bleiben, so viel Schmerz es für diesen auch bedeuten würde. Nur so war gewährleistet, dass er eigenständig weiteratmete. Charles merkte, dass er selbst zitterte – er versuchte es, auf seine durchnässte Kleidung und die Kälte, die daher rührte, zu schieben –, und so lief auch durch sein eigenes Verschulden Teile des Schnapses an Arthurs Kinn hinab. Diese teure Marke war dafür gedacht, genossen zu werden, aber dem Verletzten war die Prozedur dennoch sichtlich sehr unangenehm. Whiskey stürzte man nicht einfach in sich hinein wie Wasser, wenn man kein Trinker war. Arthur schloss zwischendurch einfach den Mund und wandte den Kopf ab, um den momentanen Schluck Alkohol auszuspucken und zu husten. Charles gönnte ihm eine Pause.

Dass sein Patient hustete und sich somit bewegte, störte Dr. Tremaine ein wenig bei der Begutachtung der Wunde, doch dies war schnell vorbei. Oxley war inzwischen mit dem gewünschten Arztkoffer wieder in der Küche eingetroffen und hatte sich mit einer brennenden Lampe zu Randolph bewegt, damit dieser auch genügend Licht hatte. Nachdem der Chirurg den blutgetränkten Verband, den Mr. O’Sullivan zuvor angelegt hatte, vorsichtig angehoben hatte, war ihm erst einmal ein Schwall frischen Blutes entgegengesickert. Die Kugel war rechter Hand direkt unterhalb des unteren Rippenbogens in den Rücken des Mannes eingedrungen und hatte den Knochen scheinbar gestreift. Das Geschoss war auf den ersten Blick nicht zu erkennen, doch seine Eintrittsbahn war zu erahnen. Es bestanden gute Chancen, dass die Kugel die Leber verfehlt und sich lediglich durch Fleisch gefressen hatte. Eine der Hauptschlagadern konnte nicht getroffen sein, denn sonst wäre der Mann längst verblutet. Jedoch musste die Blutung dennoch rasch gestillt werden, denn der Patient befand sich bereits in einem kritischen Zustand. Genaueres würde sich wohl zeigen, wenn Randolph mithilfe seines Operationsversteck versuchen würde, sie zu entfernen.

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Sensemann am So Aug 31 2014, 22:21

Keine Namen!

Diese Worte waren in Matthew's Ohren mehr als nur eine Bitte oder eine Ansage - sie sprachen Bände.
Denn scheinbar waren dies hier keine Ehrenmänner, auch wenn sie danach wirkten.
Doch Matthew war dies egal - Engländer waren am Ende doch eh alle gleich.
Zumal er versprochen hatte zu helfen und dies tat er, wo er kann.

Selbst wenn diese Fremden, selbst der gute alte Doktor, welcher sein Handwerk verstand, nicht gerade vertrauenserweckend waren und Matthew ihnen noch nicht mal so weit trauen würde, wie er spucken konnte.

Und auch das Frauenzimmer überhörte er gekonnt und blieb lieber schweigsam.

Obgleich ihm das eine Gesicht der Mannen mehr sagte, als man mit einem leichten Schrecken beschreiben konnte:
Charles' Gesicht kamm ihm auf den zweiten beziehungsweise dritten Blick mehr als nur bekannt vor - sehr bekannt um genau zu sein (trotz seiner stetigen Trunkenheit und seinem schlechten Gedächtnis, was Gesichter anging).
Bei diesem Mann musste es sich zweifelsfrei um den gesuchten Serienmörder handeln, welchm in den letzten zwei Monaten in London gut sechszehn Menschen zum Opfer gefallen sein mussten.
Ein Irrer, der den Scotland Yard bisher scheinbar an der Nase herumführte und eine Bestie seiner Meinung nach war.
Zu den Opfern gehörten dabei nicht nur Abschaum wie Polizisten, Geschäftsmänner und weiblicher Abschaum Prostituierte, sondern auch gewöhnliche Menschen aus der Arbeiter- und Mittelschicht (männlich und weiblich, sogar ein Ehepaar war dabei).
Seines Wissens ging man davon aus, dass alle Zufallsopfer waren.
Begonnen hatte alles vor zwei Monaten mit einem missglückten Mordversuch an Chief Commissioner Hill, dem Präsidenten der Londoner Polizei.
Seitdem war Scarface auf der Flucht sorgt alle paar Tage für Schlagzeiten - mal mit größeren, mal mit kleineren Abständen.

Die Opfer wurden aufgeschlitzt oder erschossen aufgefunden, eins auch zu Tode gefoltert.
Nicht wenige der Morde wurden sogar vor Zeugen begangen.
Die Vorgehensweise verbindete, dass der Mörder bei allein Leichen einen tiefen Schnitt im Gesicht hinterlassen hatte.
Deswegen, und weil der Täter selbst eine lange Narbe im Gesicht trägt, hat ihn die Presse Scarface getauft.

Matthew wusste, dass Scarface Charles Norly hieß und dass offiziell 500 Pfund für seine Ergreifung ausgesetzt waren (zusätzlich zu den hinzukommenden privaten Kopfgeldern von Angehörigen der Opfer und anderen Leuten hinzu).
Bei einem Durchschnittsgehalt von 40-60 Pfund pro Jahr für einen normalen Irren und Veteran wie ihn waren fünfhundert Pfund natürlich ein riesiges Vermögen.
Damit wäre er nicht nur ein gemachter, sondern ein wirklich reicher Mann.

Doch Matthew machte sich leider nicht aus Geld, Prestige und Wohlstand.
Allerdings war sein Rechtschaffenheit und Ehrsamkeit gepackt:

Zu viele unschuldige Seelen hatten dieser Wahnsinnige genommen.

Und da er ein Mann der klaren Worte und eine taktisch unkluge viel zu offene Art hatte, zog plötzlich und unerwartet Matthew seinen Revolver, nachdem der Schwerverletzte versorgt war.
In der selben Bewegung, in welcher er Charles gekonnt anvisierte, machte dabei der Hahn seiner Faustfeuerwaffe dank ihm eine metallische klickende Bewegung und war damit durchgeladen:
"Hände hoch und keine dumme Bewegung, Scarface!
Sonst blase ich gleich hier und jetzt Euer Hirn gegen die nächste Wand, Ihr dummes krankes Schwein!"
, wobei seine Stimme nicht nur voller Hass und Bneigung gegenüber dem Serienkiller klang, sondern auch voller Entschlossenheit und Kälte, welche nur jemand haben konnte, welcher bereits Leben ausgelöscht hatte.

Das der Rest dabei für ihn eine Gefahr darstellen konnte, war Matthew völlig egal.
Er würde diesen Killer ausradieren - und wenn es das Letzte wäre, was er auf dieser Welt machen würde.

Immerhin könnte er damit seinen gefallenen Kameraden mit einem Lächeln im Gesicht und mit Stolz im Jenseits gegenüber treten.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Elli am Mo Sep 01 2014, 15:28

Nachdem Melindas Angebot einen Whiskey zu trinken, harsch abgewiesen wurde, hatte sie sich an die Küchenanrichte gelehnt und beschlossen die OP zu beobachten. Früher hatte sie hin und wieder am Rande mitbekommen, was Randy tat wenn er in seinem OP-Raum war. Ob er jemals in sein Elternhaus zurückkehren würde? Sie seufzte innerlich resigniert auf. Ab und zu kam ihr der Gedanken, auf was sie sich bloß eingelassen hatte. Doch hier einen Ausweg zu finden, könnte sehr schwer werden. Sie wollte sich weder vom Doc trennen, noch weniger aber von Charles. Sie wusste, dass sie alleine dafür verantwortlich war, dass Termaine sich hier befand. Einfach zu verschwinden wäre also keinerlei Option. Vielleicht wenn sie ihren alten Freund in Sicherheit wüsste…aber selbst dann…gab es da noch Charles. Ihre innere Stimme bestätigte ihr natürlich immer wieder, dass es keine Zukunft geben würde, aber dennoch hatte sie nicht vor, Norly so einfach zu verlassen. Während sie so in Gedanken verloren in den Raum starrte, und das Geschehen nur durch eine Art Schleier wahrnahm, merkte sie plötzlich wie sich die Stimmung änderte.
Du sollst doch aufpassen! Herrgott!
Schon wieder einer. Schon wieder ein Irrer, der Charles eine Kugel durch den Kopf jagen wollte! Das war der wievielte? Der fünfte? Melinda beschloss nicht mehr zu zählen. Im ersten Moment hatte sie mit dem Gedanken gespielt zu Charles hinüber zu gehen und sich vor ihn zu stellen, versuchen die Situation durch Reden zu klären. Doch Reden war in solchen Fällen noch nie Melindas Stärke gewesen.
Mit einer kurzen Bewegung zog sie den Ärmel ihre Kleides nach oben. Der Angreifer war ein Ire. Daran bestand kein Zweifel. Er hatte die gleiche abscheuliche Art und Haarfarbe wie Ginger, die verdammte Schlampe, sie hatte. “Na, na, na Paddy. Hier gibt es auch noch andere Waffen im Raum.“
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Dieser elende Drecksack von Mick würde es noch bereuen, die Waffe erhoben zu haben. “Da Waffengewalt immer eine solche Schweinerei verursacht, schlage ich vor, die Waffen einfach wieder wegzupacken. Wie wäre das?“
Sie spürte eine altbekannte Freude in sich aufsteigen.Uh yeah, Baby! Schon lange nicht mehr für den letzten Atemzug verantwortlich gewesen…das müssen wir ändern! Ha!

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Thorgrimm am Di Sep 02 2014, 06:10

"Ich bin auch nicht froh, hier zu sein..." dachte sich Gilbert, als er den missbilligenden Blick Mr. Norlys sah. Hätte er in den vergangenen Stunden nicht jedes mal die falschen Entscheidungen getroffen, wäre er gar nicht mehr hier und hätte seine Ruhe. Dann könnte er sich die momentane Situation und den Anblick des schwer verletzten Mannes ersparen. Dann hätte er sich auch ersparen können, sich weitere Gedanken um diese ganze Sache und über Scarface bzw. Mr. Norly machen zu müssen und könnte sich voll und ganz auf die Erholung und seinen Urlaub konzentrieren, den er doch so dringend nötig hatte. Doch sich darüber Gedanken zu machen, was alles hätte sein können, half jetzt nicht weiter.
Mit einer unglaublichen Ruhe - die von dem Laudanum kommen musste - machte sich Gilbert daran, so gut es ging bei der Operation behilflich zu sein. Gilbert machte sich noch nicht einmal Gedanken darüber, wie Norly aus dem Gefängnis gekommen war und ihn störte es auch nicht, bei der Operation zusehen zu müssen. Eigentlich hätte es ihn angeekelt aber jetzt störte es ihn nicht weiter. Momentan konzentrierte er sich nur auf eine Sache und zwar, den Mann so gut es ging festzuhalten, ohne sich der blutenden Wunde zu nähern.
Doch diese Ruhe war wie weggeblasen, als der Ire plötzlich einen Revolver zog und Norly bedrohte. Das passierte zum schlechtesten Zeitpunkt, denn obwohl der Verletzte soweit versorgt war, könnte ein Kampf auch für ihn tödlich enden. Eine Schießerei musste also unbedingt verhindert werden, denn Gilbert hatte keine Lust, sich an so etwas zu beteiligen und für noch mehr Tode verantwortlich zu sein. Doch statt die Situation zu entschärfen und mit dem Mann zu reden, griff die Frau ebenfalls zu einer Waffe. Hätte Gilbert die Zeit gehabt, sich mit der Hand vors Gesicht zu schlagen, dann hätte er das jetzt getan. Doch Zeit war jetzt knapp - jede Sekunde zählte.
"Das ist eine ganz hervorragende Idee!" sagte Gilbert in einem ruhigen Tonfall, der sein heftig schlagendes Herz Lügen strafte. Er lächelte freundlich und versuchte die Situation zu entschärfen. "Mein Herr, meine Dame..." sagte er mit einem Blick auf die beiden. "Bitte legen sie die Waffen nieder. Wir können über dieses Thema reden, das mich übrigens auch brennend interessiert. Wenn sie jetzt eine Schießerei anfangen, war die Behandlung des Verletzten völlig umsonst. Ich mache ihnen einen Vorschlag: Wir setzen uns vor den Kamin, trinken einen ordentlichen Schluck von diesem hervorragendem Whiskey und unterhalten uns. Wenn es ihnen nicht passt, was wir besprechen, können sie immer noch mit dem Schießen anfangen." Er hob die Hände und zeigte damit, dass er unbewaffnet war.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Darnamur am Mi Sep 03 2014, 20:48

Der Doktor war jetzt wieder in seinem Element. Das war das Gebiet, indem er sich auskannte, indem er Erfahrungen gesammelt hatte. Keine Reden mehr, keine belanglosen Wortwechsel. Jetzt war es Zeit zu handeln. Er hatte sich auf dem Stuhl niedergelassen und befasste sich im Schein von Oxleys Lampe mit der Wunde.
Von seiner linken Seite spürte er den stechenden Blick des Iren. Dessen Beschreibung schien zutreffend zu sein. Alles andere als gut. Aber immerhin hatte es keine Schlagader erwischt, sonst würde hier alles vollgesaut werden. Er erinnerte sich an die Prostituierte mit der er vor ein paar Tagen zu tun gehabt hatte und die noch auf seinem Operationstisch verblutet war. Missmutig begann er in seinem Arztkoffer zu wühlen. Er zerrte einen Holzstock daraus hervor und drückte ihm diesem Arthur in die Hand.
„Hier, nehmen sie das. Sicher ist sicher. Ich will nicht, dass sie sich ihre Zunge abbeißen, falls es schmerzhaft wird.“ Dann besah er sich kurz die Männer, die um sie herumstanden. Gilbert war da, Melinda, Charles, die fremden Männer, darunter der Ire…
„Ihr könnt mir helfen, indem er ihn festhaltet“, meinte Randolph ernst. Dann holte er seine funkelnden, kleinen Werkzeuge aus dem Kasten hervor. Meine wunderschönen kleinen Lieblinge, da seid ihr wieder. Ich habe euch vermisst. Er fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen und berechnete in wenigen Sekunden sein Vorgehen. Dann legte er damit los, die Kugel aus dem Leib des Verletzten herauszuholen. Es dauerte gar nicht mal so lange. Randolph hatte schon wesentlich längere Operationen hinter sich gebracht. Dennoch waren diese wenigen Minuten und Sekunden vermutlich eines der schlimmsten Ereignisse in Arthurs Leben. Er schlug sich wohl ganz tapfer und schrie nicht herum. Naja, wegen dem Holz vermutlich. Habe ich dich!
Der Doctor legte die blutige Kugel beiseite und machte sich dann daran die Wunde mit Schnaps zu desinfizieren. Das brannte zwar höllisch und machte keine Freude, aber einen Sepsis war eine sehr ernst zu nehmende Sache. Nach dieser Behandlung sollte das Risiko geringer sein. „Sie müssen sich in den nächsten Tagen sehr ruhig verhalten, mein Herr. Die Gefahr ist noch lange nicht vorüber…“, redete er auf Arthur ein.
In diesem Moment zog der Ire die Waffe und richtete sie auf Charles, der bis dahin noch dabei mitgeholfen hatte, den Mann festzuhalten. Scheiße. Würde dieser Irrsinn denn niemals enden?
Der Doctor reagierte instinktiv. Charles stand direkt neben ihm und so schob er sich einfach vor dessen Körper. Er hob beschwichtigend die Hände und blickte dem Iren in seine graugrün funkelnden Augen. „Immer mit der Ruhe, Freundchen.“
Warum habe ich das gerade getan? , schoss es Randolph durch den Kopf, der nun selbst in die silbern glänzende Mündung des Revolvers blicken durfte. Nun, vielleicht war es das jetzt. Mein Leben findet endlich ein Ende…und ich bin dabei gestorben, jemand anderen zu schützen. Ein würdiger Tod…etwas Besseres kann ich wohl nicht erwarten. Sein Herz hämmerte. Der Alptraum, die Operation- all das, was gerade noch seine Gedanken gefesselt hatte, war jetzt verblasst zu Nebel. Unbedeutend, hinweggefegt aus seinen Kopf. Jetzt zählte nur noch der Revolver. Er hatte tatsächlich ein wenig Angst. Er war sich eigentlich immer sicher gewesen, dass er den Zeitpunkt seines Ablebens selbst bestimmen würde können. So viele Jahre, wie er mit den Suizidgedanken gelebt hatte…und jetzt: Alles kam ganz plötzlich und er war nicht vorbereitet. So schnell konnte es also gehen…interessant.
In diesem Moment schoss ihm ein Gedanke duch sein Hirn: Melinda! Scheiße, wer sollte sie beschützen? Randolph merkte, dass er ein bisschen panisch wurde. Beruhige dich, Doc. Beruhige dich. „Hier muss niemand zu Schaden kommen“, brachte er nochmal hervor mit tonloser Stimme und blickte den Iren mit den schlechten Zähnen kalt an. „Als Arzt kann ich das nicht zulassen!“ Leb wohl, Welt.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Sensemann am Do Sep 04 2014, 09:37

Matthew's britischer Navy Revolver Modell 1851 der Firma Colt zuckte keine Sekunde von seinem Ziel ab als Melinda ihn ebenfalls bedrohte und auch Gilbert's Worte ließen ihn eher noch verhärten statt einzulenken.
Für ihn war alle anderen Anwesenden bisher Zivilisten gewesen, aber nun stufte er sie als Mitwisser und Helfer des Psychopathen ein.

Dabei war sich Matthew sicher, dass er mit seiner Kampferfahrung zumindest das vorlaute Weib und Scarface zur Hölle schicken würde, bevor er selbst das Zeitliche segnet.
Doch das der um Jahre plötzlich gealtert aussehende Doktor sich todesmutig und tollkühn in den Weg stellte, verblüffte ihn nun doch:

"Sie wollen doch nicht allen Ernstes diesen Wahnsinnigen beschützen, Herr Doktor?
Zumal ich mit diesem Baby in der Hand ein Loch sowohl in Sie als auch in den Haufen Dreck hinter ihnen blase, bevor ich dem Weibstück eine zweite Kugel verpasse!"
, sprach er nüchtern, denn dies war keine Drohung,sondern eine Tatsache.
Zumal Matthew einen Schritt nach vorne auf den Doktor und Charles dahinter zu machte, als wäre es ihm völlig gleich, dass er selbst bedroht wurde.

Dennoch (trotz seiner Entschlossenheit und seinem Hass) wurde Matthew kurz unschlüssig:
"Wieso schützen alle diesen Wahnsinnigen?
Steckt Sie alle etwa unter einer Decke?"
, wobei die Antwort darauf darüber entscheiden würde, ob alles in einem riesigen Blutbad enden würde oder nicht.

Das hierbei Scarface selbst schwieg machte den trotzigen und angetrunkenen Iren nicht gerade friedvoller und einsichtiger.

Sechs Schuss hatte er im Revolver und diese würde er verfeuern, wenn ihn niemand zu Vernunft bringen würde (denn bisher war dies noch nicht der Fall).
Und Matthew wusste mit seiner Waffe umzugehen - seit Indien - denn wie wurde sein Colt damals in der Presse vorgestellt:
Ein neues Impfmittel gegen die wilden Stämme, die den Weg in die Wildnis behindern.

Und diese Engländer waren für ihn noch weniger als Wilde - es waren Bestien.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Umbra am So Sep 07 2014, 16:13

Es ging Charles nicht gut. Er spürte, wie ihm der Schweiß auf der Stirn stand und auch seine Kleidung war gewiss nicht mehr ausschließlich vom Regen durchweicht. Doch er hatte sich für Arthur gezwungen, im Raum zu bleiben und das blutige Treiben Dr. Tremaines aus nächster Nähe mitanzusehen, Arthurs Bewegungen entgegenzuwirken und die Schmerzenslaute, die er von sich gab, wenn es auch keine Schreie waren, zu ertragen. Dabei war ihm fast so, als würde der Chirurg in seinem eigenen Rücken herumbohren, statt in Arthurs. Bis der Arzt seine Arbeit beendet hatte, schien eine Ewigkeit zu vergehen.
Gerade als Charles glaubte, das Schlimmste sei nun vorbei und er könnte sich endlich ein wenig von den Strapazen dieses Tages, aber auch der der vergangenen, erholen, zog der Ire einen Revolver und befahl Charles, die Hände hochzuheben und  stillzuhalten.
Es war unvorsichtig gewesen, Mr. O’Sullivan mitzunehmen, das mochte stimmen, doch sie hatten aus Charles‘ Sicht keine andere Wahl gehabt. Sie hatten den Mann gebraucht, Arthur hatte ihn gebraucht, und das hatte Priorität gehabt – egal, was dies für die Gruppe oder auch O’Sullivan selbst bedeuten mochte, der mit seiner Hilfsbereitschaft nun vielleicht selbst ins Visier derjeniger geraten war, zu denen auch die beiden Attentäter gehörten.

Charles‘ Gesichtszüge verhärteten sich sofort. Nicht aus Furcht oder Wut, der Mündung einer Waffe entgegenzusehen – dies hatte er schon oft genug erlebt –, sondern, weil der Mann ihn mit „Scarface“ ansprach und auf herablassend-gestellt-überhöfliche Art mit ihm sprach und ihn beleidigte. Und das auch noch unter Charles‘ eigenem Dach! „Dumm“ – das war das Wort, das Charles am meisten aufstieß.
Und so war es Trotz, der ihn dazu brachte, nicht sofort zu reagieren, sodass ihm Melinda, Mr. Wright, aber auch Dr. Tremaine zuvorkamen, um auf verschiedene Art den aufkommenden Konflikt erst einmal beizulegen. Dass gerade der Arzt sich zwischen Charles und die Waffe schob, war unerwartet, wobei Charles aber sich fügte und einen behutsamen Schritt nach hinten wich, denn so enge körperliche Nähe war ihm unangenehm.
Mr. O’Sullivan ließ sich vom plötzlichen Heldenmut des Doktors wenig beeindrucken. Aber was der Ire dann äußerte, brachte Charles wirklich auf: Der Ire bedrohte Melinda, neben weiteren Beleidigungen auf Charles‘ Kosten (vor allem, dass er ihn zweimal einen Wahnsinnigen nannte, kam nicht besonders gut an). Die Gefahr, die in der Luft lag, war Charles zweifelsfrei bewusst, doch der Ire hatte, so sah er es, forderte ihn heraus und hatte angekündigt, auch Melinda und den Doktor zu erschießen – etwas, was Charles sich nicht gefallen lassen würde. Nein, Charles‘ Zorn war endgültig geweckt, und so konnte er gar nicht anders, als den Spieß umdrehen zu wollen, um wieder die Kontrolle zu erlangen.[1] O’Sullivan würde wohl kaum dazu kommen, Melinda zu erschießen, nachdem er das erste Mal abgedrückt hatte, denn zumindest Harry würde ihm wohl zuvor kommen… Aber auch der Doktor sollte möglichst überleben, zumal Charles sein eigenes Hirn gern dort belassen würde, wo es war. An der Wand, so wie angekündigt, würde es eine fürchterliche Sauerei abgeben.

Es war riskant, so vorzugehen, wie Charles es sich in den wenigen Sekunden, die er zum Überlegen Zeit gehabt hatte, zurechtgelegt hatte. Doch es war selten nicht riskant, was er tat. Außerdem könnte er sich nicht zurückhalten und einen versöhnlicheren Weg gehen. Ein wütendes Funkeln lag in seinen Augen.
„Genug jetzt damit!“, forderte er scharf und mit beinahe knurrendem Unterton. Er merkte selbst, dass er lauter gewesen war, als eigentlich beabsichtigt. Als er fortfuhr, tat er dies in normaler Gesprächslautstärke, wenn auch nicht weniger ernst.
„Genug“, wiederholte er, dies unterstreichend. Zunächst gab es eine, beziehungsweise zwei Sachen klarzustellen:
„Ich bin nicht verrückt! Im Moment sind Sie der einzige Wahnsinnige hier im Raum, Mr. O’Sullivan.“ Dabei hob er nun die leeren Hände, die rechte nackt, die linke in Leder gehüllt, auf Schulterhöhe an, sodass der Ire sie sehen konnte.
„Kommen Sie zur Vernunft, bevor es weitere Verletzte oder sogar Tote gibt. Wollen Sie das etwa?“
Dann richtete Charles sich aber kurz an Melinda und auch an Harry, der die Hand am Revolver hatte. „Bitte, lasst ihn gewähren. Nicht schießen.“
Doch er wandte sich sofort wieder Mr. O’Sullivan zu – selbst, wenn der Doktor den Blickkontakt versperrte.
„Sie strapazieren arg meine Gastfreundschaft, Sir“, wies Charles den Iren nun in überaus höflichem Tonfall hin, wobei er besonders die Anrede betonte. Inzwischen schien zumindest der Zorn in seiner Stimme verraucht zu sein. Er war etwas Aalglattem gewichen.
„Sie haben mein Gesicht erkannt“, sprach Charles das Offensichtliche aus, „das ist nicht schwer“, gestand er ein, „doch Tatsache ist, dass ich nicht Scarface heiße.“
Wie er es verabscheute, damit angesprochen zu werden! Das war… nicht nett.
„Charles Norly. Das ist mein Name. Das ist Ihnen sicher bekannt. Und geistig bin ich vollkommen auf der Höhe, das sei Ihnen versichert.“
Ihm war es egal, ob man ihm das glaubte oder nicht. Er wusste, dass es so war – und eigentlich hatte es sich durchaus schon als nützlich erwiesen, dass man ihn für einen… Exzentriker hielt. Nun, in diesem Moment, war er in seinem Element. Er wusste nicht, ob seine Vorgehensweise funktionieren würde, doch Versuch machte klug… Schlimmstenfalls könnte Charles sich ohnehin nicht mehr über einen Misserfolg ärgern. Mit Blei im Schädel funktionierte das schlecht.
„Sie sind einer Lüge aufgesessen, mein Freund, so wie fast alle Menschen in diesem schönen Land und in allen anderen Ländern der Krone.“
Fast war er in einen Plauderton verfallen.
„Ich bin kein Mörder“, befand er als nennenswert. „Ich habe diese abscheulichen Untaten, die mir vorgeworfen werden, nicht verhindern können – aber ich habe sie nicht begangen. Man hat mich in eine Falle gelockt, reingelegt, und nun erwartet mich eine Schlinge, die nicht für mich bestimmt sein sollte.“
Charles unterbrach diese Ansprache für eine kurze Zwischenbemerkung, denn noch sah er die Gelegenheit dazu: „Doktor, sorgen Sie dafür, dass Arthur sich wieder erholt, und richten Sie ihm, sobald er wieder etwas nüchterner ist, von mir aus, dass es mir leidtut. Ich hätte auf ihn hören sollen, als er mir davon abriet, unsere Verfolger heute Abend zu nahe kommen zu lassen.“

Bevor er allerdings fortfahren konnte, mischte Harry ein, dessen wunde Fingerknöchel nahezu rot leuchteten, während er angespannt mit den Fingerspitzen auf das Griffstück des umklammerten Revolvers trommelte, dazu bereit, ihn zu ziehen und abzufeuern: „Scheiße, Charles, er ist einer von denen“, glaubte Harry zu wissen, den Iren nicht aus den Augen lassend. „Mit dem kannst du nicht verhandeln!“
„Halt dich daraus!“, befahl Charles ernst und mahnend, ehe er seine Worte wieder an Matthew richtete: „Ich habe jedem der Anwesenden meinen Schutz zugesprochen, was ich auch einzuhalten gedenke. Ein Norly steht zu seinem Wort – und da ich der einzige bin, kann ich das mit absoluter Gewissheit äußern. Es sind schon genug durch meinen Fehler, die Situation zu unterschätzen, verletzt worden.“ Und auch getötet.

Charles straffte sich. „Tun Sie mit mir, was Sie für richtig halten, Soldat. Erschießen Sie mich, ich werde mich nicht wehren, doch lassen Sie diese Menschen aus dem Spiel. Sie haben noch weniger mit dieser Angelegenheit zu tun als ich selbst.“
Charles‘ Augen verengten sich leicht, herausfordernd. Nun würde es sich entscheiden. Zwei letzte, sehr überlegt formulierte Sätze:
„Treten Sie nun bitte zur Seite, Doktor. Ich will meinem Mörder ins Gesicht sehen, wenn er sein Vorhaben vollendet.“




[1] Ich nutze Charles' Aspekt "Ich bin nicht verrückt!" aus. Ich denke, dass der hier durchaus nachteiliger sein könnte als ein diplomatischerer Ansatz.

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Darnamur am So Sep 07 2014, 17:44

„Sie haben es richtig erfasst, Sir“, meinte Randolph, während er seine Augen nicht von dem Colt abwenden konnte. „Wenn der Mann hinter mir ein Wahnsinniger, ein kranker Psychopath, der Menschen ermordet wäre, dann würde ich ihn nicht beschützen.“ Ihm fiel auf, dass er kein Obergewand trug. Schade, eigentlich. In seinem schwarzen Zeug hätte sein zukünftiger Tod wohl stilvoller gewirkt. Aber nun gut, man konnte nicht alles haben im Leben. Er hätte sich nur schon früher umbringen müssen, dann gäbe es jetzt keinerlei Probleme.
Er machte sich daran seine Rede fortzuführen. Vielleicht gab es noch eine Chance. Vielleicht konnte er diesen Irrsinn noch verhindern, mit dem dieser irische Fremde sie alle und sich selbst dem Tod ausliefern würde. Sein eigenes Leben schien ihm wohl nicht allzu viel bedeuten. In gewisser Hinsicht ähneln wir uns also. Vielleicht sollte er einfach versuchen seinen Gegenüber so zu überzeugen versuchen, als wäre es er selbst. Aber würde er sich selbst trauen? Hmm…eine interessante Frage. Er konnte natürlich nicht wissen, dass er selbst ein Mörder war. Allerdings war dann die Person mit der er redete, also er, selbst zwangsläufig auch einer, was wiederum…
Er sollte wirklich damit aufhören. Wirklich.
Gerade wollte er fortfahren, als Charles zu sprechen begann. Das, was er hatte verhindern wollen. Er bezweifelte, dass dieser mit seiner aggressiven Weise etwas würde erreichen können. In den Augen des Iren war er nur ein Irrer. Nur „Scarface“, der verzweifelt nach einem Ausweg aus der Situation suchte.
Er dachte einen kurzen Moment über die Forderung von Norly nach. Sollte er beiseite treten? Die Chance, dass Charles sofort erschossen werden würde, wäre hoch. Zunächst vervollständigte er seine Antwort an den Mann mit dem Revolver.
„Ich hoffe, dass sie nachvollziehen, warum ich hier stehe. Denn da der Mann, der hinter mir steht kein Serienmörder ist, wie sie es vermuten, ist es auch meine Pflicht als Arzt für ihn sowohl als mein Patient, als auch als Mensch Sorge zu tragen und versuchen ihn zu schützen. Er hat eben gesagt, dass er kein Wahnsinniger ist und das kann ich bestätigen.“
Er warf kurz einen Blick zu Melinda hinüber. Vielleicht würde es das letzte Mal sein, dass er sie sah. Nach seinen Aplträumen hatte er geweint, doch jetzt tat er nichts dergleichen. Er musste jetzt stark sein. Er musste jetzt überzeugend sein. Warum immer ich? Und nein, er würde nicht beiseite treten. Er war sich ziemlich sicher, dass dies gerade das einzige war, was den Iren zurückhielt. Verhindere das Massaker, Doktor. Nicht noch mehr Blut. Nicht noch mehr Leichen. Tick. Tack. Die Maschine funktionierte noch. Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass ihm nichts zwischen die Zahnräder schoss und seinen ganzen Mechanismus zerlegte. Dann würde er zusammenbrechen und nie wieder ausstehen.
„Ich sehe, dass sie sich Sorgen um mich machen, Charles. Aber mein Leben ist mir nicht so wichtig. Es muss jemand da sein, der Melinda beschützt. Das ist ihre Aufgabe. Ich kann mit meinem Bein dabei nicht sonderlich helfen. Halten sie ein bisschen Abstand von mir, dann sollte die Chance, dass sie von einer Kugel getötet werden gering sein. Taktik statt Chaos, dass ist doch die richtige Strategie.“
Noch ein letztes Mal wandte er sich dem Iren zu: „Nehmen sie Vernunft an, Sir. Hier muss es kein Massaker geben in dem unschuldige Menschen sterben. Sie haben selbst ärztliche Kenntnisse. Sie sollten Verständnis dafür haben. Wir sind hier nicht im Krieg und nicht in einer blutigen Revolution. Wir haben die Chance unsere Konflikte auf friedliche Art und Weise auszutragen. Man muss sie nur nutzen. Wie auch immer sie sich entscheiden, Sir. Es liegt alles in ihren Händen…“ Und das nicht nur sprichwörtlich…
Nicht noch mehr Leichen. Nicht noch mehr Tote auf seiner Liste. Diejenigen, die auf seinem Operationstisch verbluteten gar nicht mitgerechnet. Edmure. Lynette. Die Haushälterin. Seine Mutter- krank vom Alkohol. Nicht noch mehr Personen auf seiner Liste....nicht noch mehr...nicht Charles und auch nicht Melinda. Es war an der Zeit einen Schlussstrich zu ziehen. Schweiß rann von seiner Stirn herab.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Thorgrimm am Mo Sep 08 2014, 05:32

Ungewöhnlich ruhig stand Gilbert neben dem Verletzten, den er vor wenigen Minuten noch festgehalten hatte. Doch die Ruhe war nur eine Fassade - innerlich drehte sich das Uhrwerk unaufhörlich. Er beobachtete die Situation, sah dabei zu, wie sich die verschiedenen Personen im Raum gegenseitig bedrohten und tat lange Zeit Nichts dagegen, bis auf den schwachen Versuch, den Iren zur Vernunft zu bringen. Gil erinnerte sich an die Situation am Bahnhof, in der er selbst den Revolver gezogen hatte - obwohl er sich hütete, Waffen zu nutzen und strikt gegen Gewalt war - und bereit gewesen war, Scarface zu töten, bevor der Irre jemanden verletzen konnte. Er konnte den Iren also teilweise verstehen. Was Gilbert allerdings nicht verstand war, dass der Mann von seinem Vorhaben nicht abließ. Sein eigenes Leben stand auf dem Spiel und trotzdem zielte er weiter auf den vermeintlichen Serienmörder, der von dem Doktor geschützt wurde. Waren denn alle verrückt geworden? War den Menschen in diesem Raum ihre Leben etwa nichts mehr Wert? Wieso Norly sich opfern wollte war ersichtlich - um ein weiteres Blutbad zu verhindern. Aber warum beschützte der Doktor ihn mit seinem Körper? Wieso waren dem Iren die Waffen im Raum egal? Sekundenlang dachte Gilbert über diese Fragen nach, bevor er seine Maske nicht mehr aufbehalten konnte.
"Verdammt nochmal, hier muss niemand sterben! Legen Sie endlich die Waffen weg! ALLE!" platze es regelrecht aus dem Maler heraus. Er wandte sich an den Iren, zeigte aber auf Norly. "Dieser Mann sieht vielleicht wie Scarface aus aber sie haben keinerlei Beweise, das er es auch wirklich ist. Vielleicht sieht er dem Serienmörder nur sehr ähnlich oder vielleicht trägt Scarface auch eine Maske. Wollen sie etwa einen Unschuldigen töten, nur weil er jemandem ähnlich sieht? Wenn jeder so vorgehen würde..." Gilbert ließ den Satz unvollendet und hoffte darauf, dass sich jeder die Folgen selbst ausmalen würde. Er drehte sich um und zeigte anklagend auf Doktor Benton. "Und Sie! Ich weiß nicht, wieso sie das Leben dieses Mannes als wichtiger oder wertvoller einstufen, als ihr eigenes aber ein Opfer ist vollkommen unnötig und dumm. Damit würden sie auch den Mann im Stich lassen, den sie gerade behandelt haben und der ihre Hilfe braucht. Sie würden andere Menschen im Stich lassen, die ihre Hilfe benötigen. Sie sind Arzt! Sie dürfen nicht nur an Norly denken, sondern an all die Menschen, die sie in Zukunft brauchen werden! Sie müssen leben!" Die Erkenntnis dieser Worte traf Gilbert selbst, nachdem er sie gesprochen hatte. Für einige Sekunden war er aus dem Konzept gebracht und starrte den Doktor einfach an, während er über seine eigenen Worte nachdachte. Ihn brauchte Niemand. Traf es also auch auf ihn zu, dass er leben musste? "Wer braucht schon einen Maler? Was tue ich schon für die Menschheit?" ging es ihm durch den Kopf. Einen kurzen Moment ließ er den Kopf hängen, fing sich aber fast augenblicklich wieder und fuhr viel ruhiger als vorher fort. "Entschuldigen Sie mich." sagte er kleinlaut. Von dem wütenden Ausbruch war jetzt nichts mehr zu hören. "Ich kann nur an ihren gesunden Menschenverstand appellieren. Bitte legen sie die Waffen weg. Alle." Damit zog sich Gilbert wieder zurück und lehnte sich erschöpft an die Wand. Die Anspannung des letzten Tages und die momentane, gefährliche Situation, forderten langsam ihren Tribut.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Elli am Mo Sep 08 2014, 13:24

Die Geschehnisse überschlugen sich geradezu. Gerade wollte sie etwas auf die Worte, des Iren erwidern, denn auch wenn sie vielleicht nicht die Beste mit der Waffe war, glaubte sie nicht, dass es dem Mick gelingen würde, alle zu erschießen. Würde dieser tatsächlich seine Drohung in die Tat umsetzen, würde sich nicht nur Charles‘ Gehirn an der Wand wiederfinden. Das war eine Tatsache, vielleicht nicht durch Melinda, aber einer der anderen Männern, würden sicher nicht ruhig bleiben.
Sie spürte, dass ihr Arm langsam aber sicher schwer wurde und sie fragte sich, wie lange sie noch in dieser Position bleiben könnte, als zuerst einmal Charles begann zu sprechen. Ihr widerstrebte es, die Waffe sinken zu lassen, aber überredete sich zumindest selbst dazu, den Arm ein wenig anzuwinkeln und etwas zu senken. Plötzlich jedoch hatte Randy die grandiose Idee ein Schutzschild zu spielen.
Na klasse. Warum muss der irre den sagen, dass du zu beschützen bist? Vermutlich biste gleich ‘ne Geisel. Da bekommt man ja Kopfschmerzen. Tz. Oh und natürlich direkt deinen Namen gesagt – jemand sollte ihm sagen, dass er dein Geburtsdatum vergessen hat zu erwähnen.
Am liebsten hätte Melinda die Hände vor das Gesicht geschlagen, laut gelacht und dem dämlichen einen Whiskeyfalsche, wie passend!, über den Kopf gezogen. Doch diesmal schaltete sich Gilbert ein. Was zur Hölle sollte das? Wollte dieser nun wirklich Norly den Rücken stärken oder war das alles nur eine Farce, vielleicht ein eingespieltes Team? Eine Intrige? Melinda seufzte nachdem einen Augenblick Ruhe war.
“Mick, es macht wirklich keinen Sinn. Man stelle sich das nur vor – von einer Engländerin erschossen. Wäre peinlich nicht wahr? Dann auch noch, weil man nicht richtig informiert war. Die Vorschläge klingen doch ganz solide. Alle Knarren werden weggesteckt, der Doc kümmert sich weiter um die arme sau mit der Kugel im Rücken und wir unterhalten uns ein bisschen.“

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Sensemann am Mi Sep 10 2014, 10:52

Matthew zörgerte und spielte gar wenigstens mit dem Gedanken, seine Waffe zu erheben und in die Nähe seine Gesichtes beziehungsweise in Richtung Decke ausgerichtet zurück zu ziehen, um dem Verdächtigen mit etwas weniger Drohgebarden (er könnte ihn immernoch mit Leichtigkeit aus dieser Haltung in Millisekunden erschießen) weiter zu befragen.
Denn es gab noch weitere Fragen, um jegliche Zweifel zu bannen und ein milderes Urteil eventuell zu fällen-
Doch die Dämonen, welche ihn stetig heimsuchten seit der Zeit seiner Gefangenschaft und Folter während des Indischen Aufstandes von 1857, auch Sepoyaufstand genannt, machte es ihm schwer sich dazu zu überwinden.
Obgleich es sein schwarzes Herz war, welches keine Liebe kannte (außer gegenüber Gott, der Jungfrau Maria und seiner Familie), das ihm eher noch wütender werden ließ, denn dieses Weib in seiner Nähe provozierte ihn maßlos und ließ auch ihn langsam wütend werden:
"Haltet die Schnauze, dummes Weib, wenn Ihr keine Ahnung habt, denn ich bin kein indischer Muslim, auf welchen kein Himmel wartet, nur weil er von einem elendigen Frauenzimmer getötet wurde!
Ich bin Christ und für mich gilt: Auge um Auge, Zahn um Zahn!
Wenn also ein Mörder vor mit steht, werde ich ihn töten - selbst wenn ich dafür in den Himmel fahre!"
, und wusste in seinem mehr als nur angetrunkenen Zustand nicht, ob seine Worte überhauüt, vorallem für eine Engländerin Sinn machten.
Zumindest was den Trotz anging, war der wütende Matthew nun Charles ebenwürdig, auch wenn er dennoch zwischen Unschuldigen und Bestien unterscheiden konnte:
"Herr Doktor, kümmern Sie sich bitte um den Patienten!", um machte dabei einen leichten Schritt zur Seite, um Charles wieder im Blickfeld gänzlich zu haben.
Doch zumindest als Geste, senkte er dabei seine Waffe leicht - eine Symbolik, welche selbst dieser Zivilisten und Wahnsinnige zu bewerten wissen müsste:

Matthew war zwar immernoch schussbereit, aber lange nicht mehr zu unmittelbar davor wie zuvor - selbst wenn Charles nicht gerade viel getan hatte, um dies bei einem trotzigen, stolzen und dickköpfigen Iren voller billigen Fusel (abgeleitet vom lateinischen Fusum) zu erreichen.
"Erklären Sie sich weiter!
Warum seid Ihr der Unschuldige: Ein Unschuldslamm, welches in die Falle gelockt worden ist?"
, wobei seine Stimme voller Abneigung, Sarkasmus und Abneigung war, zumal kein Wort wie Bitte darin vor kam.
"Ich erschieße Sie nicht, ohne mir ein ordentliches Urteil gemacht zu haben, denn sonst wären sie schon lange mit einem Kugel im Kopf am Boden...", setzte er erklärend hinterher und war zumindest in Sachen Beleidigungen nun eine Gangart sanfter unterwegs.
Obgleich er andere Drohungen kannte, um weiter Druck zu vermitteln und aufzubauen:
"Vielleicht sollten wir dieses Gespräch in Anwesenheit der Polizei fortführen.
Australien oder der Galgen sind mit Sicherheit keine bessere Option als der Ehrentod durch eine Kugel..."
, wobei seine Augen kritisch weiter Charles beäugten.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Umbra am Sa Sep 13 2014, 16:50

Dazu zu bewegen, die Waffe herunterzunehmen, ließ sich der Ire nicht so leicht, und auch, wenn Charles dies in seiner Situation sehr lästig war, konnte er das vollkommen verstehen. Er selbst war noch nicht tot, das war gerade das Erfreulichste, doch Charles ging es nicht nur um sein eigenes Überleben: Er wollte auch nicht, dass sonst jemand zu Schaden kam. Selbst Mr. O’Sullivan nicht, obwohl dieser grob mit Miss Bolt umsprang. Einen Schusswechsel zu beginnen, wäre nicht nur tödlich für die, die getroffen wurden, sondern auch gefährlich für den Rest. Schüsse würden Aufmerksamkeit erregen.
Wenigstens wollte der irischblütige Betrunkene (zwei Dinge, die die Verhandlung erschwerten) sich anhören, was Charles zu sagen hatte. Mit Drohungen sparte der Mann nicht, zumindest verzichtete er aber momentan auf Beleidigungen – in Charles‘ Richtung, zumindest. Doch solange Mr. O’Sullivan sich nicht dazu entschloss, war er für Charles keine sonderlich große Bedrohung. Die Polizei war momentan, hier in Manchester, keine Gefahr für ihn. In diesem Fall könnte Sie sogar die Lösung für den Umgang mit dem Iren sein. Es gab ein oder zwei Wege, Matthew auf unblutige Weise außer Gefecht zu setzen: Ihn dazu zu bringen, die Waffe wegzustecken, ihn dann zu überwältigen und ihn der Polizei zu überlassen, oder ihn dazu zu bringen, „Scarface“ persönlich bei der Polizei abzuliefern, damit sich diese direkt um den „Helden“ kümmern konnte. So oder so würde der Ire in einer Zelle landen.
Allerdings war das nicht das, was Charles wollte. Der Tag war bereits sehr auszehrend gewesen. Er hatte wenig Lust auf weiteren Ärger. Er wäre nun damit zufrieden, die Waffe nicht mehr auf sich gerichtet zu wissen und sich waschen und schlafen legen zu können. Charles hielt den Iren, im Gegensatz zu Harry, der dies angesprochen hatte, nicht für einen Unterstützer der Attentäter. Mr. O‘Sullivan war vermutlich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und hatte einfach nur seine Hilfe angeboten, damit Arthur überlebte.

Charles hatte es ernst gemeint, als er zu Matthew gesagt hatte, dass sie in dessen Schuld standen. Nichtdestotrotz war sein Selbsterhaltungswunsch stark genug, um den Versuch nicht zu unterlassen, das Urteil, das gefällt werden sollte, zu seinem Gunsten entscheiden zu wollen. Er musste nun bedacht vorgehen. Mr. O’Sullivan glaubte Charles nicht, dass er nicht der Mörder war. Aber die anderen hatten ihm dies auch nicht geglaubt und er hatte es geschafft, sie zu überzeugen. So setzte Charles auf seine altbewährte Freundin, die Rhetorik.
„Müsste ich wählen zwischen diesen drei Optionen“, antwortete Charles auf Mr. O’Sullivans Androhung der Polizei – und damit die Androhung zwei weiterer Urteilsvollstreckungen über die Kugel hinaus, „würde ich Australien nehmen, glauben Sie mir.“
Australien, gefürchtete Strafkolonie. Dorthin hatte man Missetäter aus allen Ländern der Krone gebracht. Verbannung und harte körperliche Arbeit in heiß-trockenem Klima. Nicht verlockend, die meisten würden lieber einen schnellen Tod wählen, als dort unten, am anderen Ende der Welt und fernab der Heimat zu verrecken. Charles sah dies jedoch anders.
„Gefangenschaft ist das letzte, was ich mir wünsche“, sagte er, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, „doch der Tod, so ehrenhaft er unter der ein oder anderen Betrachtungsweise auch erscheinen mag, ist so schrecklich endgültig, wohingegen das Leben jedoch voller Möglichkeiten liegt – meinen Sie nicht auch? Australien soll ein verdammtes Dreckloch sein, voller Spinnen, Schlangen und endlosem, heißen Niemandsland, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort schlimmer ist als in Afrika oder schlimmer als hier.“
Nirgends war es schlimmer als hier. Zumindest empfand Charles dies so – und das hatte nichts mit der aktuellen Situation zu tun, in der er sich befand.
„In Manchester fressen mich zwar keine Alligatoren und in Manchester verlangt auch niemand von mir, in Ketten Zwangsarbeit zu verrichten, aber wie ehrenvoll ist schon der Tod durch eine Kugel im Kopf, hier, in der Küche meines eigenen Hauses, wo ich mich doch bereits ergeben habe und selbst keine Waffe auf Sie richte?“
Matthews kritischen Blick konnte er nur erwidern.
„Wenn es schon sein muss und sie meinen, alttestamentarische Lehren seien im Sinne Christi“, wies er nebenbei auf einen unstimmigen Punkt in Matthews Argumentation hin, „obwohl er meines Wissens nach Abkehr vom Prinzip der Vergeltung gepredigt hat,[1] zeigen Sie, dass Sie ein Gentleman sind, und zielen auf mein Herz.“
Das war sauberer und würdevoller als spritzendes Hirn oder sogar ein auseinandersplitternder Schädel.
„Die Polizei, jedenfalls, wird Sie mich nicht erschießen lassen, also wäre hier und jetzt die beste Gelegenheit dazu. Bedenken Sie allerdings“, fügte Charles hinzu, seinerseits nun etwas stichelnd, um Matthews Drohung weiterhin an Wind zu nehmen, „dass Selbstjustiz in Ländern der Krone hart geahndet wird. Oh, ich nehme sogar an, man würde an Ihnen ein Exempel statuieren wollen. Auch Mord an einem gesuchten Mann ist Mord, egal, was er verbrochen haben mag, und gerade weil ich in aller Munde bin und es sehr viele Personen gibt, die nun gern an ihrer Stelle wären, nur, um abdrücken zu dürfen, würden Sie die ganze Härte der englischen Rechtsprechung zu spüren bekommen.“

Charles spürte immer mehr die Müdigkeit in seinen Knochen.
„Vermutlich werden Sie sich fragen, warum ich diese, meine Gedanken mit Ihnen teile“, setzte er zu einem neuen Teil seiner Ausführung an, die nun langsam auf die Beantwortung der eigentlichen Frage hinzielen sollte.
„Ich will ehrlich mit Ihnen sein, Mr. O’Sullivan. Für vorsichtige Diplomatie fehlt mir Geduld und Kraft. Ich will nicht behaupten, dass ich ein Unschuldslamm bin, denn ich habe wohl unbewusst und ungewollt einen Teil zur Entwicklung des Geschehens beigetragen, doch ermordet habe ich niemanden. Gedanken über die Polizei, die Gesetzeslage und die Rechtsprechung sind es unter anderem, die mich in diesen Tagen umtreiben, denn tatsächlich sind diese der Schlüssel zu der Falle, die ich erwähnte – und, nach dieser langen Vorrede, werde ich mich nun möglichst kurz fassen, um Ihre Geduld nicht überzustrapazieren. Ich möchte Ihnen erzählen, was geschehen ist.“
Charles lag eigentlich recht wenig daran, dass andere erfuhren, was genau vorgefallen war. Er konnte es schließlich nicht beweisen. Doch vielleicht erkannten Mr. O’Sullivan und auch der unverhofft anwesende Mr. Wright so, dass Charles kein Irrer war, sondern ein Mensch. Und das wäre viel wert.

„Bevor diese gesamte Farce ihren Anfang fand“, fuhr Charles fort, „haben Sie vermutlich noch nie etwas von meiner Person gehört, wenn Sie nicht gerade zufällig für mich gearbeitet haben sollten, aber ich kann Ihnen sagen, dass ich hier in Manchester einmal kein Niemand war“, (ein Punkt, den er beiläufig erwähnte, der aber für ihn selbst tiefgreifendere Bedeutung hatte), „– und im Laufe meines Lebens habe ich, neben dem ein oder anderen einflussreichen Freund, auch den ein oder anderen einflussreichen Rivalen gefunden. Mr. Hill, inzwischen Sir Hill, oder Ihnen bestimmt auch als Chief Commissioner der Londoner Polizei bekannt, gehört zu den Personen, denen ich auf die Füße trat und die mir das recht krumm genommen haben.“
Charles lächelte.
„Er hasst mich, um es unverblümt auszudrücken, und hat bisher kaum eine Gelegenheit ausgelassen, mir dies zu zeigen. Normalerweise kreuzen sich unsere Wege nicht häufig – Gott sei Dank, denn seine Machtspielchen, die er glaubt, treiben zu müssen, halte ich für lächerliche Posiererei –, doch vor zwei Monaten führten mich Geschäfte nach London und ich sah es nicht ein, mich Hills Willen zu fügen und der Stadt fernzubleiben.“
Dies brachte Charles dazu, eine etwas schmerzliche Miene zu zeigen. Über die Geschehnisse zu reden, war keine Freude für ihn. Es rief Groll und Ärger in ihm hervor. Allerdings versuchte er, sich dies nicht zu sehr anmerken zu lassen.
„Natürlich entging dem werten Chief Commissioner meine Anwesenheit nicht. Zwei seiner Männer, die ich auch noch dabei erwischte, verwüsteten mein Hotelzimmer und schlugen mich bei ihrer Flucht nieder. Der Bobby, den man dazurief, hielt mich offenkundig für paranoid, und am Ende stand ich wie ein Idiot dar, weil nichts gestohlen wurde. Wissen Sie“, rechtfertigte Charles sich:
„Ich war wütend. Seit elf Jahren geht das nun schon so, dass Hill mit Ärger macht, sobald ich mich London auch nur nähere. Elf!“
Das war nicht übertrieben, sondern ein Fakt.
„Ich wollte das beenden. Nicht mit Gewalt, mit Worten – notfalls auch mit Geld. Ich wollte einfach meine Ruhe haben, also habe ich ihn zur Rede gestellt. Natürlich stritt er alles ab, was ich ihm vorgeworfen habe, er machte sich lustig über mich. Er sagte mir, dass mir sowieso niemand Glauben schenken würde, wenn sein Wort gegen meins steht. Leider hatte er damit nicht Unrecht. Hören Sie, ich sah ein, dass es sinnlos war, ihn zur Vernunft bringen zu wollen. Ich wandte mich von ihm ab, um zu gehen, aber er war noch nicht fertig mit mir. Er wollte mich festnehmen und dafür sorgen, dass ich ein paar Monate im Gefängnis verbringe. Dass ich mich widersetzte, hat ihn nur noch mehr amüsiert. Genau das hat er provozieren wollen. Nun stand ich da, mit einer Waffe in der Hand, und er ließ mir die Wahl, ihn zu erschießen, um daraufhin selbst erschossen zu werden, schließlich befand ich mich im Hauptquartier des Scotland Yard, umgeben von einem Meer von Polizisten, oder mich zu ergeben – nun war er doch eher in der Stimmung, mich in ein Irrenhaus zu sperren als in ein Gefängnis, hat er mir überheblich verkündet. Ich war ehrlich geneigt, abzudrücken, gebe ich zu, doch ich entschied mich für eine dritte Option: die Flucht. Ich nutzte Hill als Geisel – dieser Teil der Zeitungsberichte entspricht der Wahrheit. Ich gebe zu, das war nicht meine beste Idee, es war kurzsichtig, aber da er mir Tod oder Gefangenschaft und Folter zur Wahl ließ, habe ich ihm gezeigt, dass nur ich allein Herr über mein Schicksal bin. Zumindest kam es mir in diesem einen Moment so vor. Mir gelang die Flucht. Durch meine Hand ist niemand zu Schaden gekommen. Als ich am nächsten Morgen hörte, zwei Polizisten, die mich angeblich gestellt hätten, seien tot, war es zu spät. Scarface war geboren.“
Bei den letzten Worten runzelte Charles mit offenkundigem Missfallen die Stirn. Allerdings war er auch auf insbesondere Matthews Reaktion gespannt.


[1] Charles spricht von der Bergpredigt, insbesondere Mt 5, 38/39.

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Sensemann am Di Sep 16 2014, 10:56

"Afrika und Australien sind nichts gegen Indien kann ich Ihnen sagen...", begann Matthew plötzlich mit ruhiger Stimme seufzend zu sagen und hing den ersten Worten von Charles nach, selbst wenn er zumindest von seinem aufmerksamen Blick dem Verdächtigen und dessen Worten gefolgt war.
Scheinbar hatte er mit Indien wahrlich seine Erfahrungen gemacht und hing diesen negativ und schmerzlich nach.
Matthew war dort gestorben, zumindest innerlich.
Der Mann, der er einst war, war dort zurück geblieben.
Sein Blick wanderte kurz sinnbildlich in die Ferne, wobei er für Charles offensichtlich auf den Boden starrte und seinen wütenden Blick von ihm nahm beziehungsweise entspannte.

Seine Waffe senkte sich nun noch mehr, bis sie am Ende zum Erstauen wahrscheinlich aller Anwesenden ihren Platz im Holster wieder fand.
Das Bibelzitat und die anderen ehrlichen Worte (zumindest glaubte er diesen) hatten den Iren besänftig - was einem Wunder gleich kam.
Zumindest für Kenner der irischen Seele.
Aber vielleicht hatte Charles diesbezüglich auch absichtlich so geantwortet - Matthew würde dies nicht bemerken, sondern wirkte eher besänftig und beeindruckt.

"Wollen wir vielleicht bei einem guten Schluck weiter reden - meine Kehle ist trocken und ein gutes ehrliches Gespräch zwischen Männern braucht ein gutes Getränk!", sprach Matthew plötzlich verlegen und schief lächelnd wie ein Knabe, der beim Spielen an seinem Gemächt von der DSienstmagd erwischt worden ist, weiter und kratzte sich am Kopf.
Immerhin war er nun bereit mit den potentiellen Serienmörder zu trinken.

"Aber vielleicht sollten wir warten bis es dem Verwundeten besser geht - es ist immer Zeit zum Trinken, wenn der Anlass stimmt..."

Matthew war sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob er die Gesamtsituation richtig eingeschätzt hatte.
Vielleicht hatte er zu vorschnell gehandelt.
Vielleicht aber auch nicht und würde nun in eine Falle gehen - und überwältigt das nächste Opfer dieser Verrückten werden.
Doch ein Bauchgefühl sprach dafür, dass er nicht angelogen worden war.

Es konnte jedoch dennoch sein, dass er nun vor die Tür gesetzt werden würde.
Die Drohung in Sachen Justiz ließ hierbei den stolzen Iren kalt-
Denn Matthew fürchtete Gott, aber keinen Engländer.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Elli am Di Sep 16 2014, 21:29

Auch wenn Melinda irgendwie doch schussbereit geblieben war, erfreute sie es das der dämliche Mick seine Waffe herunter nahm. Sie blickte ihn während Charles sprach von der Seite an. Die Beleidigung die er ihr gegenüber geäußert hatte, interessierte sie nicht weiter. Nichts Aufregendes – da hatte man sich schon besseres einfallen lassen. Sie ärgerte es, dass er Norly bedrohte und Randy noch gleich dazu – die beiden einzigen Menschen, die der Hure etwas bedeuteten.
Nananana…das ist gelogen. Am meisten liebst du dich selbst. Thihihihi.
Das Aussehen ließ sie erschaudern. Sie musste unwillkürlich an Ginger denken. Ob der Ire ihr Vater und gleichzeitig Bruder war? Zutrauen würde sie es ihm – Iren waren was sie an Männern hatte kennengelernt, die mit den absonderlichsten Wünschen. Sie zog es vor zu schweigen und still abzuwarten was als nächstes passieren würde, auch wenn sie dem Typen gerne eine Loch in Schädel geschossen hätte. Es wäre eine hervorragende Gelegenheit gewesen die Wirstgun auszuprobieren.
‘Nen Iren haste noch nicht um die Ecke gebracht – das wäre doch mal was. Meinst du Iren haben grünes Blut? Dämliche Kobolde.

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Thorgrimm am Sa Sep 20 2014, 01:38

Auch wenn Mr. Norly ihn mit keinem Wort ansprach - sondern sich vollkommen auf den verrückten Iren konzentrierte - hörte Gilbert dem Mann genau zu, als wäre er der eigentliche Gesprächspartner gewesen. Auf genau diese ehrlichen Worte hatte der Maler gewartet und endlich klärten sich einige Fragen fast automatisch. Natürlich wurden umso mehr aufgeworfen aber für den Moment war er sehr zufrieden mit der Situation, auch wenn Norly noch immer bedroht wurde. Hatten sich die anderen momentanen Bewohner des Hauses noch gesträubt, allzu viele Informationen an Gilbert weiterzugeben, so hatte er diese jetzt aus erster Hand bekommen. Er bezweifelte stark, dass der Mann lügte. Er war unter Druck und sein Leben stand auf dem Spiel. Wer in solch einer Situation die Wahrheit verdrehte, war entweder sehr mutig oder sehr dumm. Für beides hielt er Norly nicht.
So hatte dieses ganze Theater zumindest für Gilbert einen erheblichen Vorteil, der nur noch bedeutungsvoller wurde, als Mr. O'Sullivan seine Waffe senkte. "Hat sich also doch noch alles zum Guten gewendet." Und Alkohol gab es auch noch. Im Moment konnte er sich nicht viel mehr wünschen - außer vielleicht Ruhe. Nachdem die akute Gefahr vorbei war - auch wenn die Luft noch ziemlich dick und die Anwesenden angespannt waren - hatte Gilbert Zeit, sich Gedanken um das Gehörte zu machen.
Doch je mehr Gedanken er sich um die Geschichte mit dem Chief Commissioner machte, desto seltsamer wurde das Ganze. Bisher hatte er Norly für einen sehr berechnenden und intelligenten Menschen gehalten aber diese gesamte Geschichte ließ ihn wie einen Idioten dastehen. Schließlich hatte er Elf Jahre Zeit gehabt, um das Treffen mit seinem Feind genau zu planen. Das er so schnell die Kontrolle verlor, schien nicht ganz zu dem Mann zu passen. Außerdem hörte er mit seiner Geschichte an der entscheidenden Stelle auf. Er war so detailliert auf alles eingegangen aber das Thema Scarface und Leichen, hatte er innerhalb weniger Worte erklärt. Gilbert war sich sicher, dass der Mann mehr wusste und ihnen weitere Informationen enthielt. Vielleicht war ihm aufgegangen, dass es keine Notwendigkeit mehr gab, genauer zu sein, jetzt wo der Ire seine Waffe gesenkt hatte und keine richtige Gefahr mehr von ihm ausging.
Trotz allem war sich der Maler sicher, dass Norly nicht Scarface war. Wie viel Wahrheit in seiner Geschichte steckte, war fraglich aber zumindest war es ein Anfang. Gilbert atmete tief durch, lehnte sich an die Wand und wartete die weiteren Schritte ab. Jetzt wollte er sich nicht einbringen und Sullivan und Norly unterbrechen. Er hatte allerdings den Entschluss gefasst, morgen seiner ursprünglichen Planung wieder nachzugehen. Sollte er das Haus unbehelligt verlassen dürfen, würde er in ein Hotel ziehen und Urlaub machen. Hier hielt ihn nichts mehr und er sah auch keinen Grund, ein weiteres Mal zur Polizei zu gehen.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Umbra am So Sep 21 2014, 04:15

Charles ließ sich zu einem einigermaßen zufriedenen Lächeln hinreißen, als Mr. O’Sullivans Revolver wieder Platz zurück in dessen Holster gefunden hatte. Eine Kugel im Kopf wäre das unperfekte Ende eines sehr unperfekten Tages geworden. Eigentlich wäre es ihm nun recht lieb gewesen, wenn er sich von den Anwesenden hätte verabschieden und sie hätte vor die Tür setzen können, so wie man dies als Gastgeber nun einmal machte, wenn es spät geworden war und man sich in Ruhe und Frieden in seine Privatsphäre zurückziehen wollte. Ja, Charles hatte das Bedürfnis, allein zu sein. Er wollte sich entspannen. Nach der Anreise mit dem Zug, die grobe Behandlung durch die Polizei, der stundenlangen Warterei in der Zelle, dem restlichen Tag auf den Beinen… ganz zu schweigen von den Ereignissen, die zu Arthurs Verwundung und ihrer aller Anwesenheit hier geführt hatten. Leider war es Charles aber nicht vergönnt, seine Gäste – geladen und ungeladen – vor die Tür setzen zu können. Das wäre einerseits unhöflich und andererseits unverantwortlich gewesen. Melinda, Dr. Tremaine, Oxley, Arthur, Harry und Humphrey… Sie musste Charles beschützen. Mr. Wright sowie Mr. O’Sullivan waren nun Zeugen. Zeugen, denen Charles nicht traute. Sie waren eine Gefahr und zugleich waren sie ebenfalls in Gefahr.

Es war in den vergangenen Tagen schon zu viel schiefgelaufen. Wohl oder übel musste Charles sich mit den Anwesenden befassen, obwohl er keine Lust hatte, sich zu unterhalten. Oder etwas zu trinken. Nicht jetzt.
Dankbar, zumindest nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr zu schweben, denn das bedeutete nur unnötigen Stress, ließ Charles seine Hände wieder sinken und ging auf das ein, was Matthew gesagt hatte:
„Vermutlich haben wir uns nach diesem Erlebnis alle einen Drink verdient. Eine Gelegenheit, die Gemüter abzukühlen, kann nicht schaden. Verlegen wir das Gespräch doch ins Kaminzimmer, sobald Arthur versorgt ist“, nahm er Mr. Wrights Vorschlag wieder auf, auf den er vorhin gar nicht eingegangen war. Dabei warf Charles dem Mann kurz einen Blick zu. „Momentan können wir ohnehin nicht viel mehr tun, als ihm Ruhe zu gönnen.“

Dr. Tremaine konnte nun seine Arbeit ohne weitere Störung beenden, indem er die Wunde noch vernähte und verband, bevor Charles und seine beiden bisher verschlossenen Freunde es übernahmen, den Verletzten vorsichtig vom Tisch zu hieven und zu einem bequemeren Ort zu tragen. Oxley bot hierfür von sich aus sein Bett an, um allen unnötige Umstände zu ersparen, denn das Zimmer des Butlers befand sich, wie die Küche, im Erdgeschoss.
Charles dankte ihm diese zuvorkommende Geste mit einem anerkennenden Hand-auf-die-Schulter-Legen, nachdem die schweißtreibende Arbeit hinter sich gebracht worden war.
„Gehen Sie schon einmal vor“, wendete Charles sich allgemein an die Runde. „Entschuldigen Sie mich vorerst, ich möchte vorher in trockene Kleidung schlüpfen.“
Wenigstens das wollte er sich gönnen. Nun, da das Adrenalin abebbte, begann er, die nasse Kälte erst richtig wahrzunehmen, die seine regen- und schweißdurchweichte  Kleidung verströmte.
„Mr. Oxley kann für Sie ebenfalls etwas heraussuchen und Ihnen zeigen, wo Sie sich umziehen können, wenn Sie es wünschen“, bot er Matthew an, bevor er sich fragenden Blickes an seine Freunde Harry und Humphrey richtete.
„Wir verschwinden“, brummte der jüngere der beiden – Harry – unzufrieden und mit einer Miene, die deutlich wiederspiegelte, dass ihm alles hier, auch die vielen ihm Fremden, nicht gefiel. Seinen Revolver hatte er gegen den Iren zwar nicht gezogen, doch diesem warf er nun einen letzten, verächtlichen Blick zu, bevor er sich entschlossen auf den Weg machte.
„Komm, ich bringe dich heim“, forderte er Humphrey im Gehen auf, ihn zu begleiten.
„Ich melde mich wieder, wenn ich diese Bastarde aufgespürt habe!“, fügte er noch, vermutlich an Charles gerichtet, hinzu, bevor er das Haus (zusammen mit Humphrey) verließ.

In Gedanken versunken schleppte Charles sich im Anschluss darauf die Treppe in die erste Etage hinauf, um sich, wie angekündigt, umzuziehen. Es war nach wie vor seltsam für ihn, wieder hier zu sein, in diesem Haus, diese Erkenntnis brach nun, da er sich nicht mehr um Arthur oder sein Hirn sorgen musste, mit voller Härte auf ihn ein. Es war unbehaglich, sein Schlafzimmer (ehemals das seiner Eltern) zu betreten, sich schwerfällig aus den nassen Hüllen zu schälen und sich trockenen Ersatz zu suchen. Er nutzte die Gelegenheit, sich im Bad kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen und sich vom Schweiß und den letzten Kleberesten seines falschen Bartes zu befreien, auch wenn er allein für den Kleiderwechsel schon länger brauchte als jeder gesunde, zweihändige Mensch. Charles wählte ein schlichtes weißes Hemd, zusammen mit einer schlichten, schwarzen Anzugskombination, die im Vergleich zu dem, was er vorher getragen hatte – ein etwas dandyhafter Aufzug mit weinroter Weste, Halstuch und hellbraunem Jackett – wahrscheinlich eher geschäftsmäßig wirkte. Auch wenn seine Motivation gering war, ließ er sich nicht gehen, sondern achtete penibel darauf, dass alles ordentlich gerichtet war, bevor er sich auf den Weg ins Kaminzimmer machte.

Nachdem Charles persönlich Getränke verteilt hatte, denn Oxley trieb sich wohl irgendwo anders im Haus herum, wählte er für sich einen der Sessel aus, die zur gepolsterten Sitzgruppe vor dem Kamin gehörten, auf der sie alle Platz fanden. Wie Charles diesen Raum verabscheute! Vom Teppich bis hin zum Klavier seiner Mutter an einer der Wände: Er verband alles hier mit Erlebnissen, an die er sich nicht erinnern wollte. Es war schmerzlich, wieder hier zu sein. Aber irgendwie hatte er sein Heim vermisst, auch wenn er dies gern geleugnet hätte.
Charles prostete seinen Gästen zu, bevor er seinen Whiskey kurz schwenkte und am Glas nippte. Er musste eingestehen, dass das würzige Aroma und das wärmende Brennen des Alkohol wirklich eine Wohltat war, doch er mahnte sich innerlich, sich zurückzuhalten. Er hatte vom billigen Fusel im Pub schon einen leichten Schwips. Auch wenn das nicht wirklich zu bemerken war, konnte sich sein Alkoholpegel leicht aufsummieren. Charles lehnte sich im Sessel zurück, um die Entlastung, die das seinem geschundenen Körper bot, genießen zu können.
„So lässt es sich gleich viel angenehmer unterhalten“, ergriff Charles das Wort und lächelte.
„Willkommen in meinem Heim, meine Dame und meine Herren! Sie haben sich zum Teil gewiss in den letzten Stunden bereits etwas einleben können, und so gern ich den Gastgeber spiele und die Höflichkeit nicht vergessen will, ist es mir doch ein Bedürfnis, ehrlich mit Ihnen zu sein: Ich wünschte, Sie wären nicht hier.“
Hauptsächlich, weil er sich wünschte, er selbst wäre nicht hier. Und nicht in der Situation, in der er war. Aber er hatte bei seinen Worten, nach wie vor, im Hinterkopf, dass nun alle Anwesenden in Gefahr schwebten.
„Nicht sehr erfreuliche Ereignisse haben uns zusammengeführt“, fügte Charles hinzu, um die vorhergegangene Aussage dann doch nicht allein im Raum stehenzulassen, bevor er den irischen Trunkenbold, aber Heilkundigen, fixierte. Indien, also. Offenbar ein Veteran, der den Kampf gesehen hatte, wenn man den Revolver du die Aussage beachtete, dass Afrika und Australien nichts gegen Indien seien.
„Ihnen, Mr. O’Sullivan, möchte ich, trotz der soeben hoffentlich überwundenen Differenzen, meinen Dank aussprechen, wie auch Ihnen, Dr. Tremaine“, bezog Charles den Chirurgen in seine kleine Ansprache mit ein. „Ohne Sie hätte mein guter Freund Arthur vermutlich nicht überlebt. Möge er sich bald erholen“, wünschte er, bevor er einen etwas ernsteren Tonfall anschlug.
„Das macht meine Schuld an den Vorfällen natürlich nicht geringer – oder Geschehenes ungeschehen. Vielmehr zeigt mir, zeigt uns Arthurs Zustand, dass wir alle uns derzeit auf einem schmalen Grat zwischen Leben und Tod bewegen. Ja, auch Sie, Mr. O’Sullivan. Wie Sie an diesem Abend zweifelsohne bemerkt haben dürften, habe ich mit gewissen Verfolgern zu kämpfen, die vor nichts zurückschrecken würden, Menschen umzubringen, mit dem ich engeren Kontakt hege – einfach nur, um mich zu quälen. Unglücklicherweise“, fuhr er fort, „bedeutet dies für Sie nichts Gutes. Auch nicht für Sie, Mr. Wright. Hierherzukommen, mein Freund, war eine denkbar dämliche Entscheidung. Verwunderlich eigentlich, da Sie nach Ihren letzten Aussagen den Eindruck hatte, dass Sie genug von meiner Person haben. Wissen Sie: Sie hätten es dabei belassen sollen, als die Polizei mit Ihnen fertig war. Ich verstehe zwar, dass meine Gesellschaft einen gewissen Reiz auf Sie ausübt, und unser letztes Gespräch empfand ich durchaus als unterhaltsam… Aber was sie auch getrieben haben mag, sich hier einzuschleusen, sei es Gerechtigkeitssinn oder nun doch der Wunsch, mich zu portraitieren: Das war wirklich leichtsinnig von Ihnen.“

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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Sensemann am Mo Sep 22 2014, 11:22

"Mag es die Neugier am Perfiden oder an einer typischen Geschichte, welche nur das Leben schreiben...ich möchte sie mir erst zu Ende anhören, bevor ich mich auf dem Heimweg mache...", antwortete Matthew ausschweifend beginnend, nachdem er sich für das Getränk nicht nur bedankt, sondern nun nach seinen ersten Worten mit einem kurzen Blick auf den flüssigen Inhalt, welchen er sich kurz betrachtete während er das Glas erhob zum Prost, dieses auch schon mit einem Zug leerte wie es nur ein trinkfester Ire konnte.
Der Inhalt schmeckte ihm - wenn man dies bei ihm überhaupt noch sagen konnte - selbst wenn es nicht den Geschmack seiner Heimat hatte.
"...obgleich ich unser Gespräch lieber so enden lassen wollte, statt mich sofort zu verziehen!", und grinste spitzbübisch mit seinem breiten Gesicht und einem noch breiteren vielleicht entwaffneten Lächeln, welche nur von seinen Ohren begrenzt wurde, Charles an, während er sein leeres Glas ihm wortlos und nur gestenreich damit hinreichte, damit er er erneut füllen möge.
"Und wenn ich weiter so trinke wird das alles für mich mehr Illusion als Realität am morgen sein - das kann ich Ihnen versprechen!", und kicherte dabei kehlig, wobei ihm erst jetzt auffiel, dass der Faustkampf im Pub doch ein paar kleinere Plessuren hinterlassen hatte und sein einer Daumen etwas angeschwollen war.
Aber nichts, was ein Ire am nächsten Morgen beim Toilettengang "ausschwitzen" würde.
"Doch komme ich nicht umher, dass ich trotz des schlechten Anfangs meine Hilfe anbieten möchte!
Ich bin ein Ehrenmann und nicht nur ausgebildet im Verarzten von Verletzen, sondern vorallem auch im Kampf und im Schutz von Unschuldigen beziehungsweise Hilflosen.
Wenn es also etwas für mich in der Sache zu tun gibt, würde ich gerne helfen oder besser gesagt meine Unterstützung anbieten.
Denn ich fühle mich durch meine aggressive Reaktion etwas in der Schuld und würde gerne meine Ehre wieder herstellen, indem ich eine helfende Hand bin..."
, und blickte dabei nicht nur Charles - der wohl der Gastgeber war - sondern auch die restlichen Anwesenden an.
"Zumal ich die Hoffnung habe, dass ich helfen kann die Morde - welche ja vorgefallen sind meines Wissens - aufzuklären und den Täter seiner gerechten Strafe zu überführen...auch wenn nur Gott selbst das letzte Urteil sprechend wird!", und blickte nun wieder zu Charles und wirkte plötzlich betrunken, sondern eher nüchtern und verbissen entschlossen, selbst wenn er in der Zwischenzeit auch weitere Gläser geleert haben würde, sofern man ihm diese in seinem Glas nachreichen würde.
"Aber aufdrängen möhte ich mich nicht - ich kann auch gerne diese Runde verlassen, sofern dies erwünscht.
Ich möchte niemand zur Last fallen und fürchten vor irgendwelchen Attentätern tue ich mich aus Prinzip nicht!"

"Wie auch, denn ich bin schon lange innerlich gestorben..."
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Darnamur am Mi Sep 24 2014, 15:58

Hatte er es doch tatsächlich geschafft. Hatte er es doch tatsächlich wieder mal geschafft seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Randolph zog die dunklen Augenbrauen hoch und humpelte den anderen ins Kaminzimmer hinterher.
Hier gefiel es ihm. Hier war es warm und das munter prasselnde Feuer wirkte beruhigend. Fast so als würde hier tatsächlich Friede herrschen und die Situation nicht jeden Moment erneut eskalieren würde. Überall waren sie: Attentäter, Psychopathen, zwielichtige Kerle wie Mr. Jack Crowne, der ihm in seinem Alptraum erschienen war- über den er gar nicht erst nachdenken wollte.
Aber es war wirklich so: Charles Gefährte war einfach mitten auf der Straße angeschossen worden und der Ire hatte sich als unberechenbar erwiesen. Wo lauert die nächste Gefahr, Randolph? Erkennen wir sie diesesmal rechtzeitig, Doktor?
Er trommelte mit seinen dürren Fingern auf die Sessellehnen ein, auf dem er sich niedergelassen hatte. Das Geräusch war allerdings nicht so laut, der Stoff dämpfte es.
Er hatte seinen Platz neben Gilbert Wright gewählt, um den Fremden in seiner Nähe zu haben. Der Ire schien ja fürs Erste beruhigt zu sein. Nach dem was er gesagt hatte zu Urteilen, war er so eine Art Kriegsveteran. Indien. Das war schon ein ziemlich übles Loch…
Eine weitere kranke Seele in ihrer Runde. Sie alle hatten irgendwie ihre eigenen Alpträume mit denen sie zu kämpfen hatten. Sein Vatermord. Leeland Smithson. Die Scarface-Morde…bei O‘ Sullivan war es eben der Krieg. Damals als Johanna noch bei Ihnen war, hatte der Doktor das Gefühl gehabt, dass sie der notwendige „normale“ Part für die Gruppe gewesen war, der dafür sorgte, dass kein gewaltiges Chaos ausbrach. Jetzt hingegen könnte es bald ziemlich unübersichtlich werden. Wenn Charles den Iren rekrutieren wollte…
Und dann war da natürlich noch Gilbert: Auf den ersten Blick wirkte er vielleicht harmlos. Aber das täuschte. Randolph hatte ihn am Bahnhof beobachtet. Ein entschlossener Mann. Er hatte ohne Umschweife die Polizei ins Spiel gebracht. Und außerdem hatte der Doktor noch etwas gesehen gehabt: Wie der schlanke Mann mit dem Schnurbart dabei war, eine Waffe aus seinem Gepäck zu entnehmen…
Für einen kurzen Moment fixierte Randolph den Mann eisig. Was verbirgst du, mein Freund? Was verbirgst du hinter deinen dunklen, grünen Augen?
Doch er wandte schnell den Blick wieder ab, bevor sich Wright fragte, warum er so angestarrt wurde. Stattdessen fiel sein Blick auf Charles, der zu einer neuen Rede ansetzte. Fast hätte er gelächelt. Manches ändert sich wohl nie. Kaum aus dem Gefängnis und schon wieder der Alte. Hatte da Mr. C nachgeholfen? Oder hatte sich Charley selbst befreit? Nun, sie würden es schon noch irgendwann erfahren.
Momentan unterhielt er sich ja mit den beiden Fremden. Randolph lehnte sich zurück und lauschte den Worten. Er war eigentlich selbst kein großer Redner. Er hörte lieber zu. Er machte lieber seine Arbeit. Außerdem wollte er sich jetzt ohnehin nicht einmischen. Sein Blick fiel auf Gilbert zurück: Er war gespannt, was der Mann zu Norlys Worten zu sagen hatte.
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Thorgrimm am So Sep 28 2014, 05:51

Froh darüber, dass sich die Situation so schnell entspannt hatte und das dem Iren anscheinend doch noch ein Funke Vernunft innewohnte, folgte Gilbert den Männern und der einzigen Frau in dieser Runde, in das Kaminzimmer. Er ließ sich erschöpft auf die Couch fallen und starrte das gefüllte Glas, dass Norly ihm anbot, einen Moment an, bevor er danach griff, es durchaus genüsslich schwenkte und schließlich daran nippte. Der Alkohol half dabei, sich nach dieser Aufregung wieder etwas zu entspannen und die Gemüter zu beruhigen. Das war ein guter Grund zu trinken, auch wenn Gilbert diesen wohl nicht gebraucht und auch so zu dem edlen Tropfen gegriffen hätte. So entspannte der Maler sich langsam und beobachtete die Anwesenden verstohlen.
Alle hatten sie ihre Geheimnisse und ereignisreiche Vergangenheiten, da war er sich sicher. Der Ire - ein Kriegsveteran. Gilbert wollte sich gar nicht vorstellen, wie es war, wirklich in Indien gewesen zu sein. Die Berichte in den Zeitungen hatten dem Maler durchaus gereicht und er beneidete den Mann deshalb nicht um seine Vergangenheit. Vielleicht hatte seine Reaktion und Aggressivität mit dem Krieg zu tun. Niemand kehrte zurück, ohne irgendeinen Schaden oder eine Verletzung davon getragen zu haben - auch wenn diese nur geistig war. Auch wenn es in Gilberts Vergangenheit einige schlechte Ereignisse gegeben hatte - mit O'Sullivan hätte er nicht tauschen wollen. Krieg war grausam. Das er Norly plötzlich seine Hilfe anbot bewies nur, wie launisch und unberechenbar der Mann war.
Dann waren da noch Melinda - was ihr richtiger Name sein musste, wie ihre Reaktion bewies - und der Doktor. Obwohl Gilbert sie von allen in diesem Raum am längsten kannte, waren sie doch wie ein unbeschriebenes Blatt. Er konnte sie nicht einschätzen aber wusste, dass sie mindestens genauso viel Dreck am stecken haben mussten, wie er selbst. Durchaus interessante Persönlichkeiten, die er aber genau im Auge behalten musste. Ihre wahren Motivationen und Ziele lagen im dunkeln. Wollten sie wirklich nur Norly helfen oder ging es hier vielleicht um etwas ganz anderes? Für den Moment ignorierte er diese Frage und wandte sich Norly zu.
Gilbert musste lächeln, als der Mann ihn als leichtsinnig bezeichnete. Er war sich selbst nicht sicher, wieso er eigentlich hier war. Er war wohl einfach verrückt und zu nett, um eine Bitte auszuschlagen. Schließlich zuckte er mit den Schultern, nippte an dem Whiskey und stellte das Glas ab, bevor er antwortete. "Sie zu porträtieren hat wirklich Nichts mit meiner Anwesenheit hier zu tun. Es ist wohl eher Neugierde, die mich hertrieb und die Bitte einer flüchtigen Bekanntschaft." erklärte er geheimnisvoll. "Das Angebot steht aber noch Mr. Norly und wie ich bereits sagte, sollten Sie es sich nicht entgehen lassen. Außerdem..." sagte er und trank einen Schluck Whiskey. "... bin ich mir langsam sicher, dass es sich bei Ihnen nicht um Scarface handelt. Ihre Geschichte hat mein Interesse geweckt, dass muss ich zugeben. Wenn es stimmt was sie sagen, ist Ihnen ein großes Unrecht geschehen und ich wäre durchaus daran interessiert, herauszufinden, wer sich diese Mühe macht, Sie zu vernichten. Trotz dieser Tatsache, bin ich in dieser Stadt um mich zu erholen und nicht um Detektiv zu spielen. Mit diesen Personen hier im Raum, haben Sie motivierte und gute Unterstützung und Hilfe. Wenn Sie also nichts dagegen haben, würde ich Ihrer Bitte durchaus nachkommen und mich sobald wie möglich verabschieden. Sie haben Nichts mehr vor mir zu befürchten. Ich werde nicht noch einmal zur Polizei gehen."
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

Beitrag von Umbra am Do Okt 02 2014, 00:12

Charles hörte sich an, was die beiden ihm unbekannten Männer in der Runde zu sagen hatten. Er achtete darauf, wie sie auf seine Worte reagierten. Tatsächlich hielten sich Dr. Tremaine und Melinda in diesem Moment zurück, was Charles ermöglichte, sich voll und ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren, obwohl er innerlich noch andere Sorgen hatte, mit denen er sich auseinandersetzen musste. Er selbst stand nämlich erneut vor einer schwierigen Entscheidung. Eigentlich war es so, wie er es angesprochen, oder zumindest angedeutet hatte: Es war zu spät. Es gab nun kein zurück. Mr. Wright und Mr. O’Sullivan hatten bereits zu viel gesehen, als dass Charles sie ruhigen Gewissens hätte ziehen lassen, ohne Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Nein, wenn auch nur einer der beiden sie verlassen würde, könnte der Rest nicht hier bleiben. Selbst Oxley nicht, der sture Narr von Butler. Charles konnte zwar nachvollziehen, dass dieser hier in diesem Gebäude geblieben war, nachdem man die Fahndung nach Scarface aufgenommen hatte – immerhin war dies hier seit einer halben Ewigkeit sein Zuhause –, jedoch war der  alte Mann nun ebenfalls zwischen die Fronten geraten… Genauso wie Wright und O‘Sullivan. Selbst wenn die Waffen gerade schwiegen und sich Frieden eingestellt hatte, war dieser mehr als nur trügerisch. Möglicherweise waren sie hier für diese Nacht sicher, vielleicht auch für den kommenden Tag oder die nächsten Wochen, wenn sie sich entschlossen, sich Ruhe zu gönnen und die Wunden zu lecken. Möglicherweise auch nicht.
Allerdings rannte die Zeit ihnen mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit davon. Charles‘ Ansicht nach blieb keine Gelegenheit für Muße. Er sehnte sich danach, schon so lange, aber jede Minute, die ungenutzt verstrich, konnte wieder jemandem das Leben kosten.
Die schwierige Entscheidung bestand schlussendlich darin, ob er es wagen konnte, noch zwei Menschen wissentlich ins Unheil zu stürzen. Er könnte ihnen sagen, dass er ihre Hilfe nicht wollte, dass er sie nicht brauchte… Doch selbst, wenn sie ihn und seine Begleiter nicht verraten würden, waren da immer noch diejenigen, die Arthur niedergeschossen hatten – diejenigen, die auch schon Mr. Hyde angeschossen hatten, wie Charles vermutete; diejenigen, die seinen Freund, den Kutscher Ed Tilling in Scarfacemanier hingerichtet hatten; diejenigen, die es auf Charles abgesehen hatten und die ihm nach Manchester gefolgt waren, um ihm auch hier zu quälen. Ohne Unterlass. Nein, wenn Charles sich dazu entschloss, auch nur irgendwen gehen zu lassen, würde dies wahrscheinlich in einem erneuten Blutbad enden. Dagegen half auch keine irische Furchtlosigkeit. Charles war immer noch der Überzeugung, dass man seiner Seite vor Angriffen einigermaßen gefeit war. Arthur hatte weniger Glück gehabt, aber sie alle müssten in Zukunft einfach vorsichtiger sein und es nicht auf direkte Begegnungen mit dem Feind anlegen… Zumindest nicht derartig. Zugegeben: Charles hatte nicht damit gerechnet, dass die beiden Attentäter sich wirklich als Attentäter entpuppen würden. Er hatte sie fatalerweise für stümperhafte Kundschafter gehalten – gerade, weil sie sich genauso verhalten hatten!

Aber auch Anderes – Anderes, womit er sich in stillem Alleinsein noch gedanklich befasse müsste – spukte in seinen Gedanken herum und drängte sich immer wieder in den Vordergrund. Charles musste sich anstrengen, um Bilder, Sätze und andere Erinnerungsfetzen zu verscheuchen und sich mit dem Hier und Jetzt befassen zu können.
Gute Miene zum bösen Spiel… Diese Beschreibung passte vielleicht zu dem Äußeren, dass Charles den Anwesenden offenbarte. Er versuchte, sich seine Anspannung nicht anmerken lassen. Stattdessen schenkte er dem Iren bereitwillig Whiskey nach – jedoch nicht in dem Tempo, das Mr. O’Sullivan mit dem Trinken vorlegte. Für Charles war es immer anstrengend, mit Betrunkenen umzugehen. Alan war noch zu händeln gewesen, meist zumindest, aber man sollte das Schicksal nicht herausfordern. Gerade nun war Charles zudem wichtig, dass seine Gesprächspartner bewusst aufnahmen, was gesagt wurde – und nicht, dass es so endete, dass alles im Suff versank und morgen vergessen war, so wie Mr. O’Sullivan es schon erwähnt hatte.
Doch, Alles in Allem, waren Mr. Wrights und Mr. O’Sullivans Reaktionen positiver, als Charles es erwartet hätte. Denn Abneigung und Argwohn wären nachvollziehbarer gewesen als die Beteuerung, den Behauptungen Glauben zu schenken, und sogar ein offenes Hilfsangebot.

„Sie scheinen sehr schnell Vertrauen in meine Aufrichtigkeit zu setzen“, antwortete Charles, nachdem er die beiden Männer hatte ausreden lassen.
„Ich frage mich, ob das ein gutes Omen für mich ist. Aber mutmaßlich sollte ich mir diesbezüglich keine großen Hoffnungen machen. Für die Öffentlichkeit wird meine Sicht der Dinge kaum von Belang sein. Oder sollte ich lieber mit Misstrauen reagieren, weil Sie beide sich mit einem Mal recht gegenteilig zu ihrem vorherigen Auftreten mir gegenüber verhalten?“
Charles raffte sich selbst zu einem Lächeln auf. Er meinte seine Worte mitnichten böse. Er versuchte wirklich, aus dem Verhalten der beiden Männer schlau zu werden. Mit Mr. Wright hatte er schon mehr zu tun gehabt – allerdings musste er sich noch an beide herantasten und versuchen herauszufinden, ob er ihnen trauen konnte. Sicher sein konnte er sich nicht. Zwar traute Charles sich selbst eine überdurchschnittlich gute Menschenkenntnis zu, bei Trinkern oder Künstlern, die mit Waffen herumliefen, konnte man sich allerdings nicht unbedingt auf die eigene Einschätzung verlassen.
„Sie bieten mir Ihre Unterstützung an, nachdem Sie mich erschießen wollten, Mr. O’Sullivan, und Sie, Mr. Wright, wollen sich plötzlich nicht mehr einmischen, nachdem am überfüllten Bahnhof eine Waffe gezogen haben, um mich aufzuhalten, und, als Ihnen der Aufenthalt in einer Zelle danach noch nicht genug der Lehre war, auch noch hierhergekommen sind. “
Alan Stirling, zum Beispiel, war beides, Künstler und Trinker, und hatte vor ein paar Tagen eine unschuldige Frau erschossen, weil er die Nerven verloren hatte. Und dem Doktor hatte dieser Nichtsnutz danach ebenfalls eine Kugel ins Bein verpasst. Charles war nicht zugegen gewesen, aber er glaubte Dr. Tremaine Aussage dazu. Nun ja, Stirling war nicht mehr bei ihnen. Ein Ärgernis, eine Fehleinschätzung weniger, dafür saßen hier zwei andere Personen vor Charles. Personen, über die er nichts wusste, die er nicht kannte. Dies hatte ihm schon beim Doktor nicht gefallen, als Melinda diesen unbedingt mit ins Boot holen musste. Diese Ereignisse waren ein paar Tage alt, jedoch schienen seitdem Ewigkeiten vergangen zu sein. Es passierte einfach zu viel, zu schnell.
„Als Außenstehender, was Ihre Gedankenwelt betrifft, finde ich Ihre Entscheidungsfindung durchaus interessant zu beobachten“, gab Charles zu.
„Ich will nun nicht undankbar klingen, nein, wirklich nicht“, lenkte er dann ein. Nicht, dass man ihn missverstand.
„Ihrer beider Nachsicht würden bestimmt nur Wenige an den Tag legen. Sie haben keinen Grund, mir – uns zu vertrauen, daher ist Ihr Entgegenkommen eine angenehme Geste.“
Charles machte eine kurze, bedeutsame Sprechpause, bevor er nun zum wirklich Wesentlichen, das er vermitteln wollte, überging:
„Ich möchte, bevor ich Ihr Angebot annehme, Mr. O’Sullivan“, adressierte er zunächst den Iren, wobei sein Tonfall nun nicht mehr Plauderstimmung suggerierte, sondern etwas Ernsteres, aber zugleich Vorsichtigeres angenommen hatte, „denn Hilfe kann ich, weiß Gott, gut gebrauchen, und bevor ich Sie Ihrer Wege ziehen lasse, sofern Sie es dann noch wünschen, Mr. Wright“, bezog er auch diesen direkt ein, „deutlich machen, dass Sie beide den Ernst der Lage vielleicht nicht so recht einschätzen können.“
Die Geschehnisse auf die leichte Schulter zu nehmen, war gewiss nicht der richtige Ansatz, um damit umzugehen. Nun war Vorsicht und Obacht geboten, wenn man sich keine Kugel einfangen wollte wie der arme Arthur, der in diesem Moment hoffentlich bereits ein wenig Erholungsschlaf gefunden hatte. Charles beschloss, gleich einmal nach dem Rechten zu sehen, wenn er hier fertig war.
„Denn sei es keine Furcht aus einem Prinzip heraus oder der Wille, diese Sache einfach der Vergangenheit zu überlassen: Das wird Sie beide nicht schützen. Sie mögen gute Vorsätze haben“, meinte er mit einem nun schmerzlichen Lächeln, „doch gute Vorsätze haben auch mich vor zwei Monaten in Hills Büro geführt; sie haben mich dazu gebracht, meinen aktuellen Weg einzuschlagen, und auch dazu, einen Trip nach Manchester zu unternehmen… Gute Vorsätze haben Sie dazu gebracht“, Charles schaute den Iren an, „unserem Verletzten zu helfen und mir danach fast das Leben zu nehmen. Gute Vorsätze haben Sie heute dazu gebracht, lauter unvorsichtige Dinge zu tun und mitten in Etwas hineinzustolpern, dass Ihnen ihre ersehnte Erholung vermiesen wird“, erwähnte Charles, dabei Mr. Wright fixierend, bevor er sich wieder an beide wandte, zwischen denen sein Blick wechselte.
„Der Pfad in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, Gentlemen. Wenn Sie diese Erfahrung bisher noch nicht am eigenen Leib erfahren durften, wird dies bald der Fall sein.“

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Wenn 666 die Zahl des Antichristen ist,
dann muss circa 25,806 die Wurzel allen Übels sein. Denker
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Re: Götterblut - Kapitel 3: Scarface

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